Gut war es, dass Angela Merkel heute nach Selsingen kam - dass sie den gefallenen Soldaten die letzte Ehre erwies. Sie sendete ein Signal. Eine Botschaft an die Soldaten und deren Familien, aber auch an alle Anderen in unserer Gemeinschaft.
Die Trauerfeier war schlicht und doch bewegend, erschien geschlossen und zugleich über das Fernsehen öffentlich. Kein lauter Heldenkult der Bundeswehr, sondern stille Andacht.
Andere Demokratien inszenieren regelrecht das Gedenken an ihre gefallenen Soldaten. Es ist geprägt von Stolz auf die Leistung und die Opferbereitschaft der jungen Männer und Frauen. Das ist hierzulande fast undenkbar. Die meisten Bundeswehr-Soldaten verlangen keine martialischen Bilder oder Pathos, auch keine Ruhmeshalle mit überkommener Heldenverehrung. Viel wichtiger ist ihnen der aufrichtige Rückhalt in der Gesellschaft. Und den vermissen sie.
Einige Mitbürger verstecken sich hinter der Begründung, den Einsatz am Hindukusch generell abzulehnen. Doch selbst wenn wir diesen persönlich nicht beschlossen haben - so wählten wir doch diejenigen mehrheitlich, die im Parlament der Bundeswehr dafür den Auftrag erteilten. Daran sollten wir uns erinnern, denn das ist Demokratie!
Unsere Soldaten sterben "für die Sicherheit in Deutschland". Mit diesen Worten überbringen Offiziere den Angehörigen die Todesnachricht. Sie sind Staatsbürger in Uniform. Man mag über Sinn und Unsinn ihres Mandats in Afghanistan und anderswo diskutieren. Das tun die Soldaten schließlich untereinander auch, sie haben aber ohne Zweifel unsere Anerkennung für ihre Opferbereitschaft verdient. Denn diese war und ist kein bloßes Berufsrisiko.
Dazu bedarf es freilich der Aufklärung: Wir brauchen Klarheit über ihren Einsatz. Was leisten die Soldaten? Unter welchen Bedingungen? Bauen sie bloß Brunnen oder schicken wir sie in den Krieg? Was Verteidigungsminister zu Guttenberg heute ohne Einschränkung als Krieg bezeichnet hat, fühlt sich für die Soldaten bereits seit Jahren so an.
Die Gefallenen haben seit einem halben Jahr ein zentrales Ehrenmal - für Frieden, Recht und Freiheit lautet dessen Inschrift. Gut versteckt, am Rande des Verteidigungsministeriums. Auch ein Tapferkeitskreuz wird seit vergangenem Jahr wieder verliehen. Langsam tasten wir uns also heran an eine neue Symbolik und Anerkennung der Opferbereitschaft. Heute hat zu Guttenberg die Offenheit der Trauer eines ganzen Landes betont.
Niemand darf stolz sein auf Tod und Krieg, das will nicht missverstanden werden. Wir selbst sollten aber unseren eigenen Stolz überwinden und den Soldaten den verdienten Respekt zollen - in Worten und Taten, im Stillen wie in der Öffentlichkeit. Deshalb war es gut, dass Angela Merkel heute nach Selsingen kam und sprach; selbst wenn oder gerade weil ihre Teilnahme vielleicht ein Stück weit unter öffentlichem Druck zustande kam. Drei deutsche Soldaten sind gefallen: "Deutschland verneigt sich vor ihnen", die Worte der Kanzlerin.
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