Sarrazin schafft sich ab. Als SPD-Mitglied, als Bundesbank-Vorstand. Der Mann hat Mut! Er ist angezählt. Er muss ahnen, dass er dieses Buch politisch und beruflich kaum überleben kann. Aber seine Eitelkeit siegt: Gnadenlos provoziert und polemisiert Sarrazin.
Gnadenlos legt er die Finger in die Wunden deutscher Ausländerpolitik. "Endlich sagt mal einer, was er denkt!" Das sagen jetzt viele. Dass er soviel Zuspruch erhält, ist zunächst einmal ein Armutszeugnis für die deutsche Politik. Denn tatsächlich werden allzu oft Probleme schöngeredet. Sarrazin aber redet Tacheles: Deutschland wird immer dümmer, beklagt er. Die Unterschicht vermehrt sich überproportional, schreibt er. Die Mehrheit der Zuwanderer zählt er zu den weniger Intelligenten, insbesondere Muslime, insbesondere Türken. So etwas aus dem Mund eines Deutschen! - PC - political correctness - geht anders!
Manches, was er beim Namen nennt ist richtig: Dass Mädchen zum Kopftuchtragen gezwungen werden, dass ihre Familien bestimmen, wen sie zu heiraten haben, dass Eltern nicht bereit sind, ihre Kinder zum Deutschlernen anzutreiben, darf nicht hingenommen werden. Mangelnde Integrationsbereitschaft kann gar nicht oft genug angeprangert werden. Sonst wird sich niemals etwas verändern. Sarrazin aber will gar nichts verändern. Er will allein die Zuwanderung stoppen. Er glaubt nicht daran, dass bessere Bildungschancen der Eingliederung dienen können. Jedenfalls nicht bei Muslimen. Im islamisch-kulturellen Hintergrund sieht er die Ursache für deren Integrationsprobleme. An diesem Punkt wird er zum Rassisten, auch, weil er mit fragwürdigen angeblich wissenschaftlich belegten Thesen argumentiert: Intelligenz ist zu 50 bis 80 Prozent erblich, behauptet Sarrazin. Seine Logik: Wer dumm geboren wird, bleibt dumm, egal wie sehr Eltern, Staat oder Schule fördern und fordern. Wer aber verdient dann überhaupt noch Bildungsangebote? Will Sarrazin selektieren?
Nein, er macht sich mit seiner menschenverachtenden Sprache zum Brandstifter. Er diffamiert türkische Kinder als Kopftuchmädchen, er verletzt Jugendliche, die er als Loser abtut. Er behauptet einfach, muslimische Gastarbeiter hätten Deutschland mehr gekostet als gebracht, ohne auch nur mit einem Wort zu erwähnen, wer denn bis heute oftmals die Drecksarbeit für uns Deutsche macht. Wer so brachial argumentiert, ist ein Brunnenvergifter, der dafür sorgt, dass immer mehr türkische Jugendliche von "Scheiß Deutschen" reden werden und dass gemäßigte Muslime zu Islamisten werden.
Zudem offenbart Sarrazin, dass er selbst als Politiker versagt hat: "Der tägliche Terror, der in vielen Schulen mit muslimischer Schülerschaft gegen die wenigen verbliebenen deutschen Schüler ausgeübt wird, zeigt was hier im Argen liegt", beklagt Berlins ehemaliger Finanzsenator. Statt etwas zu ändern, hat er das Geld gestrichen - für intelligente Integrationsangebote. "Deutschland schafft sich ab" überschreibt er sein Buch - und man fragt sich: wovor hat dieser Mann eigentlich Angst? Mit diesem Werk demontiert er sich endgültig selbst: Sarrazin schafft sich ab!
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