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26.07.2012
Sonnenblume im Tank? Biokraftstoff bleibt umstritten. (Bild: picture alliance / dpa) Sonnenblume im Tank? Biokraftstoff bleibt umstritten. (Bild: picture alliance / dpa)

Die Kritik ist so alt, wie die Idee selbst

Deutsche Forscher fordern Verzicht auf Biokraftstoff

Von Andreas Baum, Hauptstadtstudio

Nun, da das Gutachten der Wissenschaftler auf dem Tisch liegt ist, wird klar: Die Bundesregierung steckt in einem Dilemma. Folgt sie den Empfehlungen der Forscher und nimmt Abstand von dem Plan, bis 2020 flächendeckend zehn Prozent der im Verkehr verbrauchten Energie mit Biokraftstoffen zu decken, wird sie die selbst gesteckten Klimaziele nicht erreichen.

Ignoriert sie die Forderungen, muss sie sich dem Vorwurf aussetzen, in mehrfacher Hinsicht fahrlässig zu handeln. Sie nimmt in Kauf, dass weltweit Flächen für die Erzeugung von Energiepflanzen genutzt werden, die dann für die Nahrungsmittelproduktion fehlt. Außerdem lügt sie sich in die Tasche - immer vorausgesetzt, die Annahmen der Wissenschaftler treffen zu: Das Kohlendioxid, das bei der Verbrennung der des Biosprits gespart wird, wird vorher, bei der Herstellung der Pflanzen, in die Atmosphäre gepustet, das ist der Vorwurf.
Fast scheint es, als seien die hehren Klimaziele, die vorbildliche Wende hin zu erneuerbaren Energien nicht mehr gewesen als der fromme Wunsch angepasster Politiker in ihren Sonntagsreden: Denn die Alternative zu Biosprit im Verkehr wäre schlicht und einfach Benzin und Diesel aus Erdöl.

Weder werden Elektroautos in acht Jahren so weit verbreitet sein, dass sie fossil betriebene Fahrzeuge ersetzen können. Noch wird es Wasserstoffautos geben, die sich nur annähernd rechnen. Die Entwicklung letzterer empfiehlt die Kommission aus Halle. Dass in weniger als einem Jahrzehnt auf Deutschlands Autobahnen und Landstraßen nur noch Wasserdampf ausgestoßen wird, klingt freilich noch utopischer, als die Vorstellung, die Beimischung von aus Mais und Weizen, Raps und Rindenresten hergestelltem Biodiesel so hinzubekommen, dass die negativen Folgen im Rahmen bleiben.

Die Studie der Leopoldina ist nur verdaulich, wenn man sie als Mängelbericht liest. Sie weist auf die Gefahren hin, die zweifellos mit der Einführung von Biokraftstoff verbunden sind, wenn die Mängel nicht behoben werden. Andererseits - die Einwände gegen Energie aus Biomasse sind so alt, wie die Idee selbst, aus Sägespänen Sprit zu machen.
So liegt auf der Hand, dass das Problem der Konkurrenz von Energiepflanzen und Nahrungsmitteln lösbar ist, wenn darauf geachtet wird, dass nur solche Öle eingeführt werden, die eben nicht in den Erzeugerländern Flächen für die Produktion von Essbarem verdrängt haben. Beim Kaffee gibt es auch Siegel für Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit - warum nicht auch beim Biosprit?

Dass die Förderung von Erdöl zu beträchtlichen sozialen, gesundheitlichen und ökologischen Schäden führt, muss hier nicht eigens betont werden, wer daran zweifelt, sollte sich nur einmal ansehen, wie etwa im westafrikanischen Niger-Delta ganze Landstriche verwüstet werden. Hinzu kommt, dass auch die ohnehin schlechte Treibhausgasbilanz von Erdöl künftig noch miserabler wird, dann nämlich, wenn immer mehr Energie aufgewendet werden muss, um die letzten Erdölreserven zu bergen, sei es in der Arktis oder in Urwäldern, in Teersanden, Ölschiefern, und Tiefseebohrungen. Die Bundesregierung ist daher gut beraten, die Kritik anzunehmen, Fehlentwicklungen zu korrigieren - und sich ansonsten nicht vom Kurs hin zu Biokraftstoffen abbringen zu lassen.


 
 

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