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10.10.2012
Der britische Rüstungskonzern BAE Systems wollte mit dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS fusionieren. (Bild: picture alliance / dpa / BAE Systems) Der britische Rüstungskonzern BAE Systems wollte mit dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS fusionieren. (Bild: picture alliance / dpa / BAE Systems)

Zu viel stand auf dem Spiel

Die Fusion von EADS und BAE Systems ist geplatzt

Von Christian Bremkamp, Deutschlandfunk

Manchmal hat die Börse doch recht. Als vor wenigen Wochen bekannt wurde, dass die beiden Konzerne fusionieren wollen, schmierte die EADS-Aktie förmlich ab, fiel auf ein Achtmonatstief. Die Rede war vom größten Tagesverlust seit den Turbulenzen rund um die Lehman-Pleite im Herbst 2008. Die Skepsis war einfach zu groß.

Dabei klangen die Versprechen von EADS-Chef Tom Enders und seinem britischen Kollegen Ian King verlockend. Wer nicht grundsätzlich etwas dagegen hat, dass mit Waffen Geld verdient wird, der hätte - oberflächlich betrachtet - jubeln müssen. In Aussicht gestellt wurde ja nicht weniger als das Entstehen des größten Rüstungskonzerns der Welt, der praktischerweise auch noch über eine äußerst erfolgreiche Zivilsparte namens Airbus verfügt hätte; ein richtiges Schwergewicht also.

Die Zweifler aber - sie wollten einfach nicht verstummen. Auch nicht, nachdem Tom Enders die Mitglieder des Bundestags-Wirtschaftsausschusses umworben hatte und auch nicht, als sich das Duo Enders/King an einer Charmeoffensive via Zeitungsbeitrag versuchte. Darin schwärmten sie von einem Ganzen, das größer wäre, als die Summe seiner Teile.

Spätestens hier hätte auch der letzte Fusionsbefürworter erkennen müssen, dass es die beiden Herren mit der Mathematik und damit mit Zahlen offenbar nicht allzu genau nehmen. Das tun Anleger aber umso mehr, vor allem, wenn es um Gewinnaussichten geht. Die seien super, wurden Enders und King nicht müde zu betonen.

Doch Fragezeichen waren hier von Anfang an angebracht: Es stimmt zwar, dass BAE-Systems auf dem US-Rüstungsmarkt gut aufgestellt ist, der aber dürfte auf absehbare Zeit schrumpfen - wie in vielen anderen Ländern übrigens auch. Hinzukommt, dass die britische Waffenschmiede allem Anschein nach deutlich weniger solvent ist, als öffentlich dargestellt. Wie hatte es der Chef einer Londoner Denkfabrik kürzlich unumwunden formuliert? BAE fehlt schlicht Cash in der Kasse! Bemerkenswert übrigens, dass vor diesem Hintergrund selbst der britische Großaktionär Invesco am Ende schwere Bedenken gegen die Rüstungsehe angemeldet hatte.

All das dürfte auch die Bundesregierung in ihre Überlegungen mit einbezogen haben, nebst der Sorge, in dem mit vielen Steuermilliarden gepäppelten EADS-Konzern an Einfluss zu verlieren.

Nichts anderes hatten Tom Enders und Ian King aber verlangt, als sie ebenfalls via Gastbeitrag vorschlugen, die Shareholder-Verträge aufzuheben, die derzeit Daimler, Lagardère und dem französischen Staat die gemeinsame Kontrolle über EADS ermöglichen.

Nein, es ist gut, dass die Megafusion trotz allem Werben und Drängen von Seiten der Konzerne letztendlich gescheitert ist: Es stand einfach zu viel auf dem Spiel. Tom Enders und Ian King mögen jetzt wie Verlierer dastehen. Zumindest EADS und seine vielen Tausend Mitarbeiter, die sich ab heute wieder auf ihre Arbeit konzentrieren können, tun das nicht!
















 
 

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