Die Wirtschaftsweisen bei der Übergabe ihres Gutachtens an die Bundesregierung. (Bild: dpa / Michael Kappeler)
Die einen mahnen, die anderen handeln. Problematisch ist allerdings schon, wenn die Handelnden die Mahnungen immer wieder in den Wind schlagen. Irgendwie muss das auch Angela Merkel heute Vormittag gespürt haben.
Gerade hatte ihr Kabinett die Beschlüsse des Koalitionsausschusses von Montag früh umgesetzt, also das Betreuungsgeld und die Abschaffung der Praxisgebühr auf den Weg gebracht, damit der Bundestag diese für die Koalition so lästigen Dinge am Freitag endlich beschließt. Und wenige Minuten später schreiben diesmal die fünf Wirtschaftsweisen der Kanzlerin zum x-ten Mal ins Stammbuch, dass das, was sie und ihr Kabinett gerade gemacht haben, ökonomisch gesehen purer Unsinn ist. Nur, sagen darf der Vorsitzende der fünf Weisen das im Beisein der Kanzlerin nicht, sonder erst später.
Die Szene zeigt nicht nur, wie tief die Kluft zwischen ökonomischem Sachverstand auf der einen und diesem Kabinett auf der anderen Seite inzwischen ist. Sie zeigt zudem, wie groß auch die Ohnmacht des versammelten ökonomischen Sachverstands in diesem Land inzwischen ist - nicht nur an Tagen wie heute. Die Szene zeigt drittens, wie diese Regierung vor unbequemen Wahrheiten die Augen einfach verschließt. Wie ein Autofahrer, der sich in Zeiten steigender Spritpreise dennoch einen Neuwagen mit hohem Spritverbrauch kauft, weil ihm PS, Prestige oder Breitreifen einfach wichtiger sind als die eigene Brieftasche.
Offenkundig sind auch dieser Koalition Image und Stimmen bei den nächsten Wahlen wichtiger als das ökonomisch Gebotene. Mit dieser Politik des Augen zu und durch, bei der jede Partei nur ihre mutmaßliche Wählerklientel bedient, ist auf Dauer aber kein Staat zu machen. Das ist mit Blick auf das, was etwa in punkto Haushaltspolitik und Schuldenabbau langfristig nötig wäre, durchaus wörtlich gemeint. So zeigen die Sachverständigen wieder mal in die richtige Richtung, doch Regierung läuft weiter in die falsche.
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