Neben den neuen Mitarbeitern von Lufthansa profitiert vor allem die Konzernführung vom Ergebnis der Schlichtung. Die ist nun in der Lage, ihren Umbau der Kranich-Airline störungsfrei voranzutreiben.
In einem Punkt hatte der Chef der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies, heute Recht: In Zeiten, in denen Mitarbeiter aus anderen Konzernbereichen um ihren Arbeitsplatz bangen müssen, ist ein Kündigungsschutz - wenn auch befristet - ein Erfolg für das Kabinenpersonal. Auch die Gehaltserhöhung, die vor allem jüngeren Mitarbeitern zugute kommen wird, und die Einmalzahlung von 320 Euro klingen erst einmal positiv. Doch warum bitte schön hieß es dann vor wenigen Tagen noch, die Schlichtung stehe vor dem Aus, der Vorschlag Rürups sei für die Flugbegleiter nicht annehmbar?
Wie fast immer steckt der Teufel im Detail oder in diesem Fall: Zwischen den Zeilen der Lufthansa-Pressemitteilung. Dort heißt es ziemlich verklausuliert: "Im Gegenzug wurden eine zwölfmonatige Aussetzung der Stufensteigerung für alle Mitarbeiter sowie Produktivitätsverbesserungen vereinbart." Und weiter erklärt das Unternehmen mit Blick auf den Kündigungsschutz: "Diese Zusage wird durch die Einführung eines solidarischen Arbeitszeitkorridors von fünf Prozent bei den Mitarbeitern der Kabine unterstützt." Übersetzt heißt das soviel wie: Der Schritt in die nächste Gehaltsstufe wird hinausgezögert und die Arbeitszeit kann ohne Lohnausgleich gekürzt werden. Das klingt nach Gegenfinanzierung, auch, weil das künftige Maximalgehalt eines erfahrenen Kabinenchefs bei 3.700 Euro gedeckelt wird.
Wer also profitiert von dem neuen Tarifvertrag, der noch die Nagelprobe Urabstimmung bestehen muss? Neben Lufthansa-Neulingen ist es vor allem die Konzernführung. Die ist nun in der Lage, ihren großangelegten Umbau der Kranich-Airline störungsfrei voranzutreiben: Die neue Germanwings, die ab dem kommenden Jahr einen Großteil der innerdeutschen und innereuropäischen Verbindungen übernehmen soll, kann wie geplant abheben. Zwar sollen Flugbegleiter, die von der Mutter zur Günstig-Tochter wechseln, Gehalt und Altersversorgung zu den bisherigen Konditionen behalten - weil aber mit nur wenig Wechselwilligen gerechnet wird, dürfte dieses Zugeständnis kaum ins Gewicht fallen.
Fazit: Auch wenn die Lufthansa am Anfang vielleicht draufzahlen muss, längerfristig kann der neue Kabinen-Tarifvertrag dem Unternehmen durchaus Kostenvorteile bringen und damit mehr Luft zum Atmen im heiß umkämpften Luftfahrt-Markt. Und davon profitieren am Ende auch die Flugbegleiter, die - Gehaltserhöhung hin oder her - zum Schluss die dickere Kröte schlucken mussten.
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Kommentar: Tarifeinigung bei der Lufthansa
Sendezeit: 13.11.2012 19:08
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