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16.02.2013
Pferd in der Lasagne: löst größere Empörung aus als schädliche Medikamentenrückstände im Fleisch (Bild: picture alliance / dpa / Friso Gentsch) Pferd in der Lasagne: löst größere Empörung aus als schädliche Medikamentenrückstände im Fleisch (Bild: picture alliance / dpa / Friso Gentsch)

Zweifelhafte Herkunft

Der Skandal um Fertiggerichte mit Pferdefleisch

Von Stephan Richter "Flensburger Tageblatt"

Unser täglich Brot, Obst, Gemüse oder Fleisch sind in den Wohlstandsgesellschaften kein Gut mehr, für das Menschen beten oder betteln, um satt zu werden. Nahrungsmittel sind immer häufiger ein gefundenes Fressen für Geschäftemacher, kommentiert Stephan Richter.

Tagelang gab es unter den Verbrauchern nur noch ein Thema: der Pferdefleisch-Skandal. Die Empörung ist groß. Pferdefleisch in der Lasagne - wie gruselig. Wäre in den Schlagzeilen mal wieder von Antibiotika-verseuchtem Putenfleisch die Rede - die Aufregung wäre nicht halb so groß. Antibiotika im Fleisch - das kennt der Verbraucher schon. Aber Pferdefleisch, das als Rindfleisch deklariert ist? Das ist schlicht eine Schweinerei. Der Fleischskandal hält ganz Europa in Atem. Was wundert, wenn Schlachttiere und Fleischprodukte kreuz und quer über den Kontinent verfrachtet werden. Von Rumänien nach Zypern, von Zypern nach England, von dort nach Frankreich - und dann ab in die Supermarktregale. Zwischendurch wird fleißig umetikettiert.

Unser täglich Brot, Obst, Gemüse oder Fleisch sind in den Wohlstandsgesellschaften kein Gut mehr, für das Menschen beten oder betteln, um satt zu werden. Nahrungsmittel sind immer häufiger ein gefundenes Fressen für Geschäftemacher. Wo Banken mit Nahrungsmitteln Spekulationsgeschäfte betreiben, ist die kriminelle Energie von Betrügern nicht weit. So ein bisschen Pferdefleisch unter das Rinderhack gemischt: Wem fällt das schon auf? Zumal Pferdefleisch laut Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel geschmacklich kaum von Rindfleisch zu unterscheiden ist - jedenfalls, wenn es gewürzt ist.

Doch wollen Verbraucher, die sich jetzt empören, weil Pferde im Gegensatz zu armen Schweinen nicht geschlachtet gehörten, wirklich immer wissen, woher Produkte kommen, die sie kaufen? Man nehme das günstige T-Shirt, das in Kinderarbeit in Bangladesh gefertigt wurde. Oder die Jeans, die giftige Chemikalien ausdünstet. Von den schlimmen Zuständen in manchen Massentierfarmen ganz zu schweigen. Die Wahrheit ist: Viele wollen es gar nicht so genau wissen. Zumal die Verbraucher längst ahnen, dass alles seinen Preis hat. Wer glaubt denn noch, dass es beim billigen Stück Fleisch vom Discounter mit rechten Dingen zugeht? Wenn die Gräueltaten nicht beim Tier beginnen, das statt einer artgerechten Haltung gequält wird, bist es zur Schlachtbank geführt wird, dann findet der Betrug an anderer Stelle statt. Es werden Dumpinglöhne bezahlt, es wird mit EU-Subventionen gemogelt. Oder die Ware wird nicht richtig deklariert. Doch darauf schaut kaum ein Verbraucher. Hauptsache billig.

Die Gier skrupelloser Geschäftemacher und der Geiz vieler Verbraucher sind zwei Seiten derselben Medaille. Stünde auf dem Etikett, dass sich in dem Nahrungsmittel Medikamentenrückstände befinden oder dass es Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker oder künstliches Aroma enthält - viele Verbraucher würde es nicht stören. Pferdefleisch dagegen - das geht zu weit. Die EU-Agrarminister haben erkannt, dass dieser Fall von Verbrauchertäuschung auf keine Kuhhaut geht. Mit DNA-Tests in allen EU-Staaten soll der Skandal aufgeklärt und dem kriminellen Treiben der schwarzen Schafe in der Branche ein Riegel vorgeschoben werden. Bleibt zu hoffen, dass dann kein Pferdefleisch mehr - deklariert als Rindfleisch - in Tiefkühl-Lasagne auftaucht. Ob damit allerdings auch weniger chemische Wirkstoffe aus Tierarzneien in die Nahrungskette des Menschen gelangen, ist zu bezweifeln.

Wem sagt schon der Namen Phenylbutazon etwas? Das für Menschen gefährliche Medikament könnte in die Lasagne gelangt sein. Pferdefleisch klingt aufregender. So dürfte der Pferdefleisch-Skandal wie frühere Lebensmittel-Skandale schnell in Vergessenheit geraten. Zumal der Skandal Konkurrenz in den Schlagzeilen bekommen hat. Am Ural ist ein Meteorit eingeschlagen. Und der Asteroid "2012 DA14" ist knapp an der Erde vorbeigesaust. Das reicht für neue Aufregung. Da ist die Lasagne mit Pferdefleisch schnell verdrängt.


 
 

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Ungeklärter Herkunft: Der Skandal um falsch etikettiertes Pferdefleisch

Sendezeit: 16.02.2013 06:05

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