Türkische Medien werden beim NSU-Prozess nun vertreten sein. (Bild: picture alliance / dpa / Andreas Gebert)
Wer zu heftig um sich selbst kreist, dem wird schwindlig. Wenn Journalisten zu heftig um sich selbst kreisen, wird nicht nur ihnen, sondern irgendwann auch der Öffentlichkeit schwindlig.
Vielleicht sollte man das noch mal besonders betonen als Angehöriger einer Berufsgruppe, in der Eitelkeit und Empörungswille zur Grundausstattung gehören. Wir Journalisten müssen uns fragen: Um was geht es im NSU-Prozess in München? Es geht um zehn Mordopfer und fünf Angeklagte.
Und worum geht es nicht? Um uns. Die Journalisten.
Es gab nur einen triftigen Grund dafür, dass sich das ganze Land drei Wochen lang mit der Besetzung einer Pressetribüne auseinandersetzen musste: nämlich die Tatsache, dass neun von zehn Opfern des NSU ausländische Wurzeln hatten. Und dass die Gefahr bestand, dass kein einziger türkischer oder griechischer Journalist einen festen Platz in einem zu klein bemessenen Gerichtssaal bekommen würde.
Dieses Problem ist nun behoben. In einem aufwendigen Verfahren, das sicherlich kein salomonisches Urteil darstellt. Das Oberlandesgericht München musste eine Jacke, die es falsch zugeknöpft hatte, wieder auftrennen und richtig zuknöpfen. Das ist ihm nun gelungen - auch wenn die Jacke eng ist und ein paar Falten werfen mag. Natürlich kann man sich leicht lustig machen über die Tatsache, dass die Zeitschrift Brigitte, Radio Lotte Weimar und "Hallo München.de" einen Platz im Gerichtssaal gewonnen haben, während auflagenstarke und renommierte Medien wie die FAZ und die "Zeit" leer ausgingen. Natürlich ist das bitter für die nicht berücksichtigten Journalisten und Medien.
Aber in einem Gerichtsverfahren kommt es nicht darauf an, jeden einzelnen Medienwunsch zu berücksichtigen. Es kommt darauf an, eine breite Öffentlichkeit herzustellen. Das ist geschehen.
Jetzt soll und muss sich das Gericht seiner wesentlichen Aufgabe widmen: den mutmaßlichen Tätern und ihren möglichen Taten. Es muss jetzt nach Recht suchen, nicht nach Presseplätzen.
Wenn wir Journalisten weiter spötteln, nachkarten und klagen, wenn wir weiter öffentlich um uns, unsere Akkreditierungen und unsere Arbeitsbedingungen kreisen, dann lenken wir die Aufmerksamkeit weg von den Opfern und den Tätern auf uns, die Beobachter. Es geht in diesem Prozess aber nicht um uns. Wir sind Berichterstatter. Fünfzig von uns im Gerichtssaal sollten reichen, um der Öffentlichkeit Bericht zu erstatten. Das ist unsere Aufgabe.
Für alles andere ist das Gericht zuständig. Und auch wenn es sich im Vorfeld ungeschickt verhalten haben mag - es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, dass es Recht sprechen wird.