Der Bürgerkrieg in Syrien ist zu einem Strudel geworden, der die gesamte Region immer tiefer in sich hineinzieht - vor allem den Libanon und den Irak, aber zunehmend auch Israel.
Was den Libanon und den Irak besonders anfällig macht: Wie Syrien haben beide Länder Bevölkerungen, die unterschiedlichen Konfessionsrichtungen angehören. Die Folge: Der sunnitisch geprägte Aufstand in Syrien gegen ein alewitisch-schiitisches Regime mobilisiert mehr und mehr auch Sunniten und Schiiten in den Nachbarländern und polarisiert sie.
Beispiel Nummer eins: der Libanon: Seit Monaten kämpfen Milizionäre der libanesischen Hisbollah in Syrien für Baschar al-Assad - in der Schlacht um die Stadt Al-Qusair, die seit Sonntag wütet, dürften gar einige Hundert ihrer Kämpfer im Einsatz sein. Zuhause, im Libanon, wächst deshalb die Kluft zwischen Sunniten und Schiiten. Dieser Konflikt wird im Norden des Landes längst mit Gewalt ausgetragen, fast jeden Tag gibt es Schusswechsel und Tote. Libanesische Sunniten sind da übrigens keinen Deut besser als die schiitische Hisbollah: Sie liefern Waffen und Munition über die Grenze an die Rebellen und bedienten sich dabei teilweise sogar staatlicher Einrichtungen.
Beispiel Nummer zwei: der Irak: Seit Jahren beschweren sich sunnitische Araber zu Recht, die schiitisch dominierte Regierung in Bagdad drücke sie mehr und mehr an den Rand. Dieser hausgemachte Konflikt wird nun verstärkt. Durch den Aufstand in Syrien fühlen sich die Sunniten im Irak ermuntert. Umgekehrt fürchtet Ministerpräsident Nuri al-Maliki, dass nach einem Sturz Assads sunnitische Fundamentalisten in Damaskus das Sagen bekommen. Seine Schlussfolgerung: Die Sunniten zuhause abwehren und die Macht der Schiiten schützen.
Und Israel? Die Golanhöhen, die das Land seit 1967 besetzt hält, werden zum großen Sicherheitsrisiko. Sie bieten Assad die einzige Gelegenheit, sich für die israelischen Luftangriffe zu rächen. Da, wo Assad in dieser Gegend noch die Kontrolle hat, kann er begrenzte Angriffe starten. Und dort, wo er keine Kontrolle mehr hat, können nun Rebellen tun und lassen, was sie wollen. Die Folge in beiden Fällen: immer mehr Attacken, die immer größere Gefahr für israelische Bürger bedeuten.
Was die Situation bei den arabischen Nachbarn Syriens so gefährlich macht, ist die religiöse Dimension, die diesen Konflikt immer mehr bestimmt. Damit wurde eine Dynamik in Gang gesetzt, die kaum mehr zu beherrschen oder zu stoppen ist. Mag sein, dass niemand einen großen Nahostkrieg aller gegen alle wirklich will. Doch in solch einer Situation braucht es wenig, um ihn zu entfachen - und sei es nur eine Fehlkalkulation.
Der syrische Strudel - er dreht sich schneller und schneller.
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Kommentar: Der syrische Strudel dreht sich schneller und schneller
Sendezeit: 21.05.2013 19:05
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