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04.06.2013
Angela Merkel sprach mit Helfern in der Altstadt von Passau (Bild: dpa / Andreas Gebert) Angela Merkel sprach mit Helfern in der Altstadt von Passau (Bild: dpa / Andreas Gebert)

Merkel auch ohne Gummistiefel instinktsicher

Das Hochwasser und die Politik

Von Theo Geers, Deutschlandradio

Nirgends lässt sich ein 100-Millionen-Soforthilfeprogramm der Kanzlerin besser ankündigen als am Ufer der rauschenden Donau. So was nennt man Kanzlerbonus, da hat ein Kanzlerkandidat Peer Seinbrück einfach keine wirkliche Chance, meint Theo Geers.

Mögen weite Teile des Landes in den Fluten versinken - im Regen stehen gelassen wird niemand. Das war bei der letzten Jahrhundertflut vor zehn Jahren die Botschaft des wahlkämpfenden Gerhard Schröder, das war heute auch die die Botschaft der eiligst anberaumten Reise von Angela Merkel nach Passau, Pirna und Greiz. Da mochte auch die FDP nicht im Abseits stehen. 2002 hatte sie noch überheblich auf Wahlkampf in Gummistiefeln verzichtet und dies angesichts des Wahlergebnisses dann bereut. Die FDP forderte flugs einen Fluthilfefonds für Hochwasseropfer, von dem wiederum der Koalitionspartner noch nichts wusste. So gesehen darf man gespannt abwarten, ob auch der Kanzlerkandidat der SPD diesmal noch Tritt fasst für seinen Hochwasserauftritt.

Heute jedenfalls spulte er sein geplantes Programm ab, hielt lieber eine Grundsatzrede zur Außenpolitik, erklärte darin, dass dieses Land auf Drohnen verzichten könne. So eine Klarstellung macht angesichts des Drohnendebakels des Verteidigungsministers durchaus Sinn, aber vor dem Hintergrund der Jahrhundertflut geht so was im wahrsten Sinne des Wortes einfach unter. Peer Steinbrück verpasst auch in der Flut den richtigen Einsatz, während die Kanzlerin instinktsicher den richtigen Ton findet: wenn für so viele Dinge Geld da sei, so Merkel, dann wohl auch für die Flutopfer. So was lässt Wahlkampfmanager der Union jubilieren und treibt die der Opposition zur Verzweiflung.

Denn auch wenn Merkels Getreue den Gedanken, die Reise sei dem Wahlkampf geschuldet, mit Abscheu und Empörung zurück weisen: Natürlich ist das Wahlkampf. Natürlich setzen sich Angela Merkel oder in ihrem Schlepptau auch Horst Seehofer knapp vier Monate vor den Wahlen in Bayern und im Bund als Macher, als Mutter der Nation oder als Landesvater in Szene. Sie stehlen einen ganzen Tag lang als Kümmerer ausgerechnet der SPD die Show. Dabei ist Merkels Anteilnahme - übrigens ebenso wie die von Schröder vor zehn Jahren - durchaus echt und nicht gespielt. Den medialen Werbeeffekt solcher Auftritte in den Katastrophengebieten nimmt aber auch die Kanzlerin gerne mit - so wie Gerhard Schröder damals auch. In Berlin hieß es noch gestern, für die Ankündigung von Hilfsprogrammen sei es noch zu früh, in Passau wurde heute klar warum:

Nirgends lässt sich ein 100-Millionen-Soforthilfeprogramm besser ankündigen als am Ufer der rauschenden Donau. So was nennt man Kanzlerbonus, da hat ein Kanzlerkandidat einfach keine wirkliche Chance. Und wieder wirkt es so, als stecke in Peer Steinbrücks Wahlkampf einfach der Wurm drin und er - Steinbrück - kriegt ihn einfach nicht raus. Dabei war bislang von nachhaltigem Hochwasserschutz noch gar nicht die Rede. Dafür mehr Geld bereit zustellen, anstatt wie diese Regierung die Mittel zu kürzen - das mahnte heute der Grüne Jürgen Trittin an. Doch er tat es in Berlin - und nicht in Passau, Pirna oder Greiz. Auch das eine verschenkte Gelegenheit, denn in der Sache hat Trittin mal wieder recht.


 
 

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Kommentar: Merkel instinktsicher auch ohne Gummistiefel

Sendezeit: 04.06.2013 19:05

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