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07.06.2013
Xi Jinping und Barack Obama bei einem Treffen im Februar 2012. (Bild: dpa / picture alliance / Martin H. Simon) Xi Jinping und Barack Obama bei einem Treffen im Februar 2012. (Bild: dpa / picture alliance / Martin H. Simon)

Chinesisches Misstrauen abbauen

US-Präsident Obama empfängt Chinas Staatschef Xi Jinping

Von Marcus Pindur, Studio Washington

Die freizeitorientierte Umgebung, in der das amerikanisch-chinesische Gipfeltreffen stattfindet, kann nicht über den Ernst der Lage hinwegtäuschen. Das Verhältnis der USA und Chinas ist zwar nicht ausschließlich von Rivalität geprägt, aber die Elemente der Kooperation müssen deutlich gestärkt werden.

Barack Obama hat in seiner ersten Amtsperiode viel Energie darauf verbracht, den sogenannten "pivot to Asia", die Neigung der amerikanischen Diplomatie nach Asien anzustoßen. Als man merkte, dass dieser Begriff sowohl die Chinesen als auch die Europäer beunruhigte, sprach man von einer neuen Ausbalancierung amerikanischer Diplomatie.

Diese Ausbalancierung hat bei Weitem nicht soviel Effekt, wie die Beunruhigung der Europäer und der Chinesen suggeriert. Militärisch ist nicht viel passiert, außer der Stationierung von 2500 Marines in Australien. Das sorgt in China bestenfalls für eine hochgezogene Augenbraue.

Die auf Dauer wichtigere Entwicklung ist der Ausbau der handelspolitischen Beziehungen der USA mit den Ländern Asiens. Die USA haben in den vergangenen Jahren bilaterale Handels- und Investitionsabkommen mit einer ganzen Reihe von asiatischen Ländern geschlossen. Das wichtigste Abkommen ist noch im Verhandlungsstadium: die Transpazifische Partnerschaft. Die USA, Chile und sieben Länder des asiatisch-pazifischen Raumes von Australien bis Vietnam arbeiten an diesem ambitionierten Vorhaben. Japan erwägt, diesem Freihandelsabkommen ebenfalls beizutreten.

Dieses Vertragswerk wird von Peking mit dem größten Misstrauen betrachtet. Denn die anderen Länder Asiens betrachten die Anbindung an die USA als eine Rückversicherung gegen die sich immer imperialer gebärdende Großmacht China. Das Beispiel Vietnams ist frappierend: Das Land hat einen blutigen Krieg gegen die USA geführt - nun sucht es die Kooperation mit dem ehemaligen Kriegsgegner Amerika und liegt in einem Dauerdisput mit China über die Förderrechte von Rohstoffen im Südchinesischen Meer.

Obamas Aufgabe auf dem informellen Gipfel wird es sein, die chinesischen Bedenken gegen das amerikanische Engagement in der Region auf ein normales Maß zurückzuführen. Dazu gehört, dass er seinem Gast Xi weitere Kooperation auf der wirtschaftlichen und politischen Ebene anbietet.

Das setzt andererseits voraus, dass China seine selbstbezogene Politik zugunsten einer globalen Perspektive öffnet. China muss aufhören, internationale Politik als Nullsummenspiel mit dem Ziel der Gewinnmaximierung zu betreiben. Ein guter Anfang könnte sein, das aufgeklärte Eigeninteresse seiner Nachbarstaaten als legitim zu begreifen.

Nur wenn China sich wie eine Weltmacht benimmt, sollte es auch wie eine Weltmacht behandelt werden. Obama könnte wie kein anderer Politiker auf der Weltbühne dem neuen chinesischen Präsidenten die Vorteile einer kooperativeren internationalen Politik erklären.


 
 

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Kommentar USA und China - mehr Kooperation tut Not

Sendezeit: 07.06.2013 19:08

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