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10.06.2013
Holpriger Wahlkampf: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (Bild: picture alliance / dpa / Stephanie Pilick) Holpriger Wahlkampf: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (Bild: picture alliance / dpa / Stephanie Pilick)

Peer Steinbrücks katastrophales Timing

Der SPD-Kanzlerkandidat macht mit falschen Personalentscheidungen von sich reden

Von Frank Capellan, Hauptstadtstudio

Stell dir vor ein, Kanzlerkandidat versammelt jede Menge Kompetenz um sich und keinen interessiert's! Sechs Frauen und sechs Männer hat Peer Steinbrück für das gewonnen, was sich früher einmal Schattenkabinett nannte. Heute schimpft sich das Kompetenzteam, und von der scheibchenweisen Vorstellung hatte sich der angeschlagene Merkel-Herausforderer versprochen, immer wieder mal für positive Schlagzeilen sorgen zu können.

Diesen Plan hat er sich heute fahrlässig zerschossen. Ausgerechnet an dem Tag, an dem er sein Team komplett macht, feuert Steinbrück seinen Sprecher und Wahlkampfmanager Michael Donnermeyer. Katastrophaler könnte das Timing nicht sein! Mit dieser Personalie gesteht er ein Scheitern seiner bisherigen Kampagne gegen die Kanzlerin ein, darf es ihn da ernsthaft wundern, wenn sich kein Mensch mehr für sein Kompetenzteam interessiert?

Steinbrück hat eindrucksvoll und glaubhaft versichert, wie schwer es ihm gefallen ist, Donnermeyer zu entlassen. Aus freien Stücken allein dürfte er das nicht getan haben - in der Parteizentrale ist die Unzufriedenheit mit dem Sprecher stetig gewachsen, seit er die Brisanz eines Interviews zur Höhe des Kanzlergehaltes nicht erkannte. Ihm ist es nicht gelungen, die richtigen Themen zu setzen. Solche auch, die dem Kandidaten doch liegen sollten. Dass er Interviewanfragen zu Steueroasen ablehnte, verstehe, wer will.

Dennoch wäre es ungerecht, alle Schuld auf den Steinbrück-Mann zu schieben. Tatsache ist, dass die Kooperation zwischen dem Team des Kanzlerkandidaten und der Parteiführung nach wie vor nicht so funktioniert, wie es ein gelungener Wahlkampf erfordert. Eine Koordination von Themen und Terminen findet offensichtlich allzu häufig nicht statt. Dass sich SPD-Chef und Kanzlerkandidat zum Beispiel mit Blick auf die straffreie Selbstanzeige von Steuersündern in Widersprüche verwickeln und dann auch noch zu getrennten Pressegesprächen laden, das spricht Bände. Mit seiner Forderung nach einem Tempolimit hat der Parteichef dem Kanzlerkandidaten sehenden Auges Knüppel zwischen die Beine geworfen. Zu bedauern sind da die Leute im Wahlkampfteam, die solche Kommunikationsdesaster wieder einfangen müssen.

Ob Steinbrücks neuer Mann für Medienfragen der SPD-Kampagne nun tatsächlich Wind unter die Flügel bringen kann, darf bezweifelt werden. Mit Rolf Kleine folgt zwar ein gut vernetzter ehemaliger BILD-Journalist, dass der aber zuletzt als Lobbyist eines Immobilienunternehmens tätig war, sorgt schon wieder für Stirnrunzeln. Will Steinbrück nicht gerade eine Mietpreisbremse durchsetzen? Noch kann man sich jedenfalls nicht so recht vorstellen, wie und wann sich die Wähler mal wieder über Steinbrücks Kompetenz auf allen Feldern interessieren sollen.