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08.11.2005
Studiomikrofon (Bild: Deutschlandradio) Studiomikrofon (Bild: Deutschlandradio)

Radio Hamburg im Abseits

Von Bettina Schmieding

Es hätte alles so schön sein können: Wenn nämlich der Bundesgerichtshof für Radio Hamburg entschieden und die Deutsche Fußball Liga klein beigegeben hätte. Dann wären die Radiosender landauf landab aus dem Schneider gewesen. Aber so ist sie nicht, die schöne neue Medienwelt und schon gar nicht von Rechts wegen. Fußball ist ein Wirtschaftsgut. Punkt. Und Hörfunk, so nostalgisch der eine oder andere Fan ihn gerne sehen möchte, muss und möchte Geld verdienen - privater Hörfunk allemal. Auch mit Fußball. Warum sollten die Vereine etwas kostenlos zur Verfügung stellen, womit die Sender den einen oder anderen nicht unbedeutenden Euro machen?

Natürlich erinnern wir uns an die Zeiten, in denen sich die Clubs über jeden Reporter freuten, der sich herabließ, von den Ereignissen auf dem grünen Rasen zu berichten. Das ist lange her. Und jetzt? Jetzt bläst eine steife Brise durchs Volksparkstadion oder wie muss man das nun nennen? Sei's drum. Auf einmal wollen die Clubs die Sender nicht mehr für lau ins Stadion lassen.

Der Begriff "Hörfunkrechte" war geboren und die Deutsche Fußball Liga, nahm Witterung auf. Und dass die wissen, wie man Geld verdient, ist spätestens seit Beginn des TV-Lizenzverfahrens in der letzten Woche klar. Aber auch beim Kläger Radio Hamburg muss man das Geldzählen nicht erst lernen und im Fußballbusiness sollte man tunlichst nichts persönlich nehmen: Der HSV und der Sender sind seit langem Werbepartner juristische Krise hin oder her. In der Hansestadt ist der Stadionsprecher auch morgens im Sender als Moderator zu hören. Ein Schelm, wer da an Voreingenommenheit denkt.

Nur, müssen wir uns ausgerechnet von Radio Hamburg daran erinnern lassen, dass es die Pressefreiheit gibt? Natürlich ist eine Fußballreportage eine eigene kreative Leistung, wie der Sender nicht müde wird zu betonen, aber kann es die zum Nulltarif geben?

Der Bundesgerichtshof meint: Nein. Wobei er weder ein Wort zum Thema "kreative Leistung" verliert, noch etwas darüber sagt, ob es "Hörfunkrechte" beim Fußball überhaupt gibt. Die Richter sind lediglich der Meinung, dass der Club Gebrauch von seinem Hausrecht machen kann und für die Anwesenheit des Reporters entschädigt werden sollte. Und seien wir mal ehrlich, viele Sender - übrigens auch Radio Hamburg - haben längst Fakten geschaffen und zahlen für die Infrastruktur.

Wer jetzt befürchtet, die Hörfunkreportage müsse verletzungsbedingt eine lange Pause einlegen, der kann sich entspannen. Auch in Karlsruhe sitzt man offensichtlich am Wochenende vor den Empfangsgeräten und lauscht der Schaltkonferenz. Alle Verträge, die jetzt mit den Vereinen entstehen, dürfen die Sender nicht in der freien Gestaltung ihres Programms behindern. Ergo: Die DFL wird auch in Zukunft nicht bestimmen können, wann, wie lange und von welcher Spielphase Manni Breuckmann am Samstagnachmittag aus einem beliebigen Stadion, das jetzt den Namen eines großen Versicherungskonzerns trägt, berichtet. Damit werden weiterhin nur die Fernsehzuschauer leben müssen.


 
 

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