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10.10.2007
Der frischgekürte Chemie-Nobelpeisträger 2007, Gerhard Ertl,  im Fritz-Haber-Institut in Berlin (Bild: AP) Der frischgekürte Chemie-Nobelpeisträger 2007, Gerhard Ertl, im Fritz-Haber-Institut in Berlin (Bild: AP)

Deutscher Nobelpreisregen 2007

Von Ralf Krauter

Spiel, Satz und Sieg würde man im Sport wohl sagen. Zwei Nobelpreise in zwei Tagen: Das ist eine Bilanz, die schwer zu toppen ist. Der Wissenschaftsstandort Deutschland sonnt sich im Glanz zweier heimischer Spitzenforscher.

Ein sensationelles Doppel, mit dem so keiner gerechnet hatte. Ein Hauch von Fußball- Weltmeisterschafts-Euphorie ist deshalb keineswegs vermessen. Warum auch? Freuen wir uns für und über die beiden Helden der Forschung, deren Expertise in ihren jeweiligen Fachgebieten bis heute weltweit Maßstäbe setzt.

Gestern der Physiker Peter Grünberg vom Forschungszentrum Jülich, heute der Berliner Max-Planck-Forscher Gerhard Ertl. Der eine verhalf Computerfestplatten zu ungeahnten Speicherkapazitäten. Der andere legte den Grundstein für die Optimierung chemischer Synthese-Reaktionen. In beiden Fällen war es bahnbrechende Grundlagenforschung, die ihren Weg in die Anwendung fand. Wie sagte Peter Grünbergs französischer Mit-Nobelpreisgewinner Albert Fert gestern so schön: Wissenschaft sei etwas wundervolles, weil dort Ideen zu handfesten Produkten werden, die unser aller Leben verändern.

Recht hat der Mann. Und weil das so ist, wirft vor allem der gestrige Preis ein paar unangenehme Fragen auf. Denn auch wenn das Forschungszentrum Jülich erfreulicherweise zweistellige Millionenbeträge für Lizenzen aus Peter Grünbergs Magnetwiderstand-Patent kassiert hat: Das große Geld haben andere verdient. Der US-Konzern IBM fackelte nicht lange, investierte entschlossen und stahl der europäischen Industrie quasi die Butter vom Brot. Schade eigentlich, dass die das zugelassen hat. Und bedenklich, denn beim Faxgerät und dem Musikformat mp3 war es genauso. Spitzenforschung made in Germany bildet die Basis für technische Innovationen, die den Weltmarkt erobern. Aber die Kasse, die klingelt in den USA, Japan oder Südkorea. Und allen wissenschaftspolitischen Bemühungen der vergangenen Jahre zum Trotz: Der Transfer vom Labor in die Praxis läuft hierzulande immer noch schleppender als anderswo - das sollten die Merkels, Schavans und Rüttgers dieser Welt in ihrem kollektiven Freudentaumel nicht vergessen. Wenn euphorisierte Politiker jetzt meinen, sich auf Früchten ausruhen zu können, die bereits vor zwanzig Jahren geerntet wurden, wäre das ein fataler Fehler.

Wesentlich ratsamer scheint eine nüchterne Analyse der Geburtshelfer wissenschaftlicher Exzellenz. Für bahnbrechende Entdeckungen brauchen Forscher Zeit, Geld und Freiheit. Sowohl Peter Grünberg als auch Gerhard Ertl arbeiteten mit fairen Verträgen in bestens ausgestatteten Labors. Unter Bedingungen also, von denen viele junge Forscher in Deutschland heute leider nur träumen können. Wer die Weichen für künftige Nobellaureaten stellen will, sollte deshalb alles daran setzen, Nachwuchstalenten das Leben zu erleichtern. So schön der tolle Doppelsieg in Stockholm auch sein mag, er ist vor allem auch eine Mahnung. Denn wie heißt es beim Fußball so schön: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.


 
 

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