Zum Inhalt
Zur Deutschlandfunk-Startseite
 
nach oben
06.03.2009
Jörg Tauss, bildungs-, forschungs- und medienpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion (Bild: tauss.de) Jörg Tauss, bildungs-, forschungs- und medienpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion (Bild: tauss.de)

Kinderpornografie-Vorwürfe gegen den SPD-Abgeordneten Jörg Tauss

Frank Capellan, Hauptstadtstudio Berlin

Dumm und naiv war er - dieses Urteil darf schon heute gefällt werden. Ein Bundestagsabgeordneter, der die Verbreitung von Kinderpornographie recherchiert, Kontakt zu einem Anbieter schmutzigen Materials aufnimmt und niemandem davon berichtet, der darf sich nicht wundern, ins Visier der Polizei zu geraten.

Als Großmaul ist Jörg Tauss bei vielen Bundestagskollegen verschrien, heute muss er auf Druck seiner Parteifreunde kleinlaut seine Arbeit als medienpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion und SPD-Generalsekretär in Baden-Württemberg einstellen - das ist kein Eingeständnis irgendeiner Schuld und doch spricht es Bände. Natürlich, bewiesen ist gar nichts. Groß ist die Gefahr, einen Menschen vorzuverurteilen.

Dass seine Immunität, der Schutz eines Parlamentariers vor politisch begründeten Ermittlungen, schnell und klar aufgehoben wurde, deutet allerdings darauf hin, dass die Karlsruher Staatsanwaltschaft Handfestes auf den Tisch legen konnte. Immerhin waren seine Handynummer und E-Mail Adresse im Besitz eines Mannes, der Ende letzten Jahres wegen des Handels mit Kinderpornos festgenommen worden war. Mehr als 20 Mal soll Tauss mit diesem Anbieter Kontakt aufgenommen haben, SMS und Bilder wurden ausgetauscht, sogar eine DVD wechselte in den Besitz des Bundestagsabgeordneten. Keine Frage: Auch das lässt sich damit erklären, dass Jörg Tauss recherchiert hat, dass er bewusst den Kontakt zu Anbietern von Kinderpornographie gesucht hat. Ein Teil seiner Arbeit war es schließlich, herauszufinden, was im Netz kursiert und inwieweit der Gesetzgeber die Verbreitung dieses Materials verhindern kann.

Jetzt wird er vieles zu erklären haben. Er wird auch darauf antworten müssen, warum er vor drei Wochen gegen den Vorstoß von Familienministerin von der Leyen wetterte, mit Internetsperren gegen die Szene vorzugehen. Damals sprach Tauss von populistischem Aktionismus, versierte Nutzer des Netzes könnten technische Hürden schnell überwinden. Tauss plädierte stattdessen für eine bessere Strafverfolgung. Mit ähnlichen Alleingängen hatte er sich in der Fraktion immer wieder mal unbeliebt gemacht, dass er nun so schnell von der SPD fallen gelassen wird, kann aber auch mit erheblichen Zweifeln an seiner Unschuld erklärt werden.

Dass ausgerechnet ein Profi wie Jörg Tauss, eben kein unbedarfter Hinterbänkler, sondern ein Mann, der selbst mit Urteilen über andere schnell bei der Hand ist, dass sich ausgerechnet ein solcher Politiker leichtfertig im Milieu bewegt haben soll, nährt viele Spekulationen. Einen monatelang währenden Prozess wegen Kinderpornographie mitten im Superwahljahr - das wollten sich die Genossen nicht antun. Egal, was dran ist an den Vorwürfen: Es dürfte für Jörg Tauss schwer werden, diese Affäre politisch zu überleben. Vieles hat sich der Sozialdemokrat selbst zuzuschreiben. Was er da wie getan hat, war eben dumm und naiv - hoffentlich nur das!


 
 

Mehr zur Sendung:

JETZT IM RADIO

Deutschlandfunk

Seit 18:40 Uhr
Hintergrund
Nächste Sendung: 19:00 Uhr
Nachrichten

mehr

LIVE-STREAM

Deutschlandfunk

Dokumente und Debatten mehr

AUDIO ON DEMAND

Beiträge zum Nachhören

Kommentar

Aufdecken und Aufarbeiten - Die Vatikankonferenz zu sexueller Missbrauch

Sendezeit: 12.02.2012, 06:05

Kommentar: Mubarak ist Geschichte - Das System funktioniert weiter

Sendezeit: 11.02.2012, 19:05

Aus dem Netz auf die Straße - Protest gegen das Urheberrechtsabkommen ACTA

Sendezeit: 11.02.2012, 06:05

PODCAST

Radio zum Mitnehmen

Podcast: Sendungen

Podcast: Themen

PLAYER / RECORDER

dradio-Recorder
im Beta-Test:

 

KOOPERATIONSPARTNER

ARD-Logo und Link  ZDF-Logo und Link  Phoenix-Logo und Link