Nun ist er futsch, der schöne Titel und der Katzenjammer groß. Nach drei langen, nervenaufreibenden Tagen des Wartens auf die Abstimmung, deren Ausgang für viele schon vor Sevilla klar war, herrscht nun Gewissheit.
Das romantische und bildschöne Elbtal bei Dresden wird sich ab sofort nicht mehr schmücken können mit dem begehrten Welterbe-Titel der UNESCO. Das ist bedauerlich und zugleich von der UNESCO konsequent. Für Dresden bringt diese klare Entscheidung mit 14 zu 5 Stimmen auch eine gewisse Erleichterung. Ein jahrelang erbittert geführter Streit ist entschieden worden, mit einer demokratischen Abstimmung. Doch was kommt jetzt? Zunächst eine gewisse Schockstarre. Viele in und fern von Dresden hatten doch noch gehofft, dass es einen Sinneswandel im UNESCO-Welterbe-Komitee geben könnte. Doch andererseits hatte sich das internationale Gremium, in dem Deutschland weder über Sitz noch über Stimme verfügt, bereits zweimal eindeutig festgelegt. Wird die umstrittene Brücke am Waldschlösschen gebaut, fällt der UNESCO-Titel weg. Das galt seit dem Sommer 2006, seit das Dresdner Elbtal wegen des Baus der Elbquerung an einer besonders sensiblen Stelle in der Elb-Auenlandschaft auf der Roten Liste landete. Die Signale aus dem Welterbe-Zentrum in Paris ließen seitdem nichts an Deutlichkeit vermissen, auch wenn es im Sommer 2008 eine weitere Gnadenfrist von 12 Monaten erteilte. Dies allerdings unter der Auflage, den entstandenen Schaden zu beseitigen. Doch die Stadt fing an zu bauen, die Brückengegner und Naturschützer unterlagen vor Gericht. Der laute Ruf nach einem Kompromiss klang gut und war doch gleichfalls unerfüllbar, denn die Alternative hieß "Titel oder Brücke". Da gab es kaum Raum für Verhandlungen. Nicht vergessen werden darf, dass dem Bau des "Corpus Delicti" ein gültiger Bürgerentscheid zugrunde lag, der im Februar 2005 mit fast zwei Dritteln der Stimme für die Brücke ausging. In den Auseinandersetzungen der vergangenen Monate ging es somit um weit mehr, als nur um eine Brücke. Gerade vor dem Hintergrund des in Ostdeutschland ohnehin schwach ausgeprägten Vertrauens in die Demokratie hätte eine Nichtigkeitserklärung dieses Bürgervotums mit hoher Sicherheit folgenschwere Enttäuschungen bei den Bürgern hervorgerufen. Dies galt es abzuwägen, noch dazu, weil der UNESCO die Brückenplanungen von Anfang an bekannt waren, trotz eines folgenreichen Übersetzungsfehlers. Was bleibt? Die Brücke wird gebaut. Welche Konsequenzen die Titel-Aberkennung nach sich zieht, wird sich erweisen. Schade ist es, aber sicher nicht der Untergang des Abendlandes.
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