Ein bislang wenig beleuchtetes, tabuisiertes Thema der Geschichtsaufarbeitung ist der Karneval im Dritten Reich. Dabei boten Singen und Schunkeln, Narrensitzung und Festumzug, Straßenkarneval und gemeinsame Ausgelassenheit, Humor und Heimatverbundenheit den Nationalsozialisten eine gute Grundlage für die Verbreitung ihrer völkischen Ideologie. Sie suchten sich das Brauchtum zunutze zu machen.
In den Karnevalshochburgen wollte die "Deutsche Arbeitsfront" mit der Bewegung "Kraft durch Freude" aus dem ideologiefreien Vergnügen eine nationalsozialistische Volkserhebung machen. Dabei hatten Antisemitimsus, Ausgrenzung und eine Art Gleichschaltung durchaus zentrale Funktionen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Rolle des Nationalsozialismus im Karneval entweder verschwiegen oder heruntergespielt. Auch an Archive war nicht heranzukommen. Meist trugen einschlägige Akten einen Sperrvermerk. Vor einigen Jahren hat sich die kollektive Verdrängung auch in diesem gesellschaftlichen Bereich zu verändern begonnen. Ein Generationenwechsel vor allen in den Präsidien der betroffenen Karnevalsvereine hat vielerorts dazu beigetragen, endlich auch dieses Kapitel der deutschen Geschichte aufzuklären.
Der Kölner Historiker, Buch- und Filmautor Carl Dietmar befasst sich seit Jahren intensiv mit dem Thema. Über Formen der Anpassung wie auch der Unangepasstheit der Karnevalisten im Nationalsozialismus hat Michael Köhler mit Carl Dietmar gesprochen.
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