Zum Auftakt der Buchmesse in Leipzig wurde am vergangenen Mittwoch im Gewandhaus in feierlichem Rahmen der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung verliehen. In diesem Jahr gab es zwei Preisträger, deren Werke sich gegenseitig ergänzen und spiegeln: Der Autor und Essayist Gerd Koenen wurde für sein Buch "Der Russland-Komplex" ausgezeichnet, in dem er ein monumentales Panorama jener Faszination und Emphase, aber auch der Abwehr zeichnet, die das Verhältnis der Deutschen zu Russland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kennzeichnete.
Der russische Philosoph Michail Ryklin schrieb sein Buch "Mit dem Recht des Stärkeren" als Dokument. Es verhandelt einen schweren Fall von Einschüchterung und Einschränkung von Demokratie und Kunstfreiheit "von oben", durch die russische Justiz. Anlass dafür war die Zerstörung einer Kunst-Ausstellung in der russischen Hauptstadt durch Vandalen, deren Freispruch auch internationalen Protest hervorrief.
Michail Ryklin hat die Geschichte in Leipzig noch einmal nachgezeichnet. Für den Philosophen ist der Tschetschenienkonflikt mit ein Auslöser der heute zu beobachtenden antizivilisatorischen Prozesse in Russland. Von einem "neuen Untertanenstaat" und von "Sklavengeist" sprach auch die Laudatorin Kerstin Holm. Aber was folgt daraus für das Verhältnis des Westens zu Russland? Gerd Koenen fand auch dafür in Leipzig deutliche Worte.
Die Dankes-Reden zur Verleihung des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung an Gerd Koenen und Michail Ryklin können Sie für begrenzte Zeit nach der Sendung in unserem Audio-On-Demand-Player hören.
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