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12.10.2008
Eine Notrufsäule steht vor dem Panorama der Bankentürmen von Frankfurt am Main. (Bild: AP) Eine Notrufsäule steht vor dem Panorama der Bankentürmen von Frankfurt am Main. (Bild: AP)

Marx oder Markt

Oskar Negt im Gespräch mit Karin Fischer

Die Börsen der Welt spielen verrückt. Innerhalb der vergangenen Woche wurden durch die Kursstürze unvorstellbare Summen Geldes einfach "verbrannt". Die Krise soll sogar schlimmer sein als die Weltwirtschaftskrise 1929. Jetzt fühlen sich jene bestätigt, die die Hybris der Geldmacherei an den Finanzmärkten und deren trickreiche Modelle zur Renditesteigerung immer skeptisch beurteilt haben. Dazu gehört auch der Sozialphilosoph Oskar Negt.

Die Börsen der Welt spielen verrückt. Innerhalb der vergangenen Woche wurden durch die Kursstürze unvorstellbare Summen Geldes einfach "verbrannt", am Freitag stürzte der DAX um zwischenzeitlich 12 Prozent. Bis zum Wochenende konnten die Milliardenhilfen der Regierungen für ihre absturzgefährdeten großen Banken die gewünschte Stabilität nicht herstellen. Das Vertrauen in die Finanzmärkte ist dahin; die angestrebte Beruhigung blieb trotz massiver Unterstützungspakete aus. Die Krise soll sogar schlimmer sein als die Weltwirtschaftskrise 1929. Aus Sicht der Börsianer war der vergangene Freitag kein "schwarzer", sondern ein "rabenschwarzer" Freitag.

Verstaatlichungen und Teilverstaatlichungen von Banken scheinen das einzig wirksame Mittel, um ein zuerst lange überhitztes und jetzt grausam kollabierendes Finanzsystem zu stützen.

Jetzt fühlen sich jene bestätigt, die die Hybris der Geldmacherei an den Finanzmärkten und deren trickreiche Modelle zur Renditesteigerung immer skeptisch beurteilt haben. Der Sozialphilosoph Oskar Negt, der bis zu seiner Emeritierung an der Universität Hannover lehrte, hat sich viel mit der Arbeitswelt und ihren Krisen befasst und in der totalen Abkoppelung der Geldströme von der wirtschaftlichen Produktion eine Ursache auch für die gesellschaftlichen Krisen dieser Zeit gesehen.

Karin Fischer hat Oskar Negt zu den beiden neuen "V-Wörtern", Vertrauen und Verstaatlichung, und zu den gesellschaftlichen und historischen Dimensionen der Bankenkrise befragt:


 
 

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