Die Malerfamilie Francken bestimmte über lange Zeit die Kunstproduktion Antwerpens. Mit "Die Anbetung der Könige" widmet das Kunstmuseum Basel dem bedeutendsten Vertreter der Familie, Frans II. Francken, nun eine Ausstellung.
Es weihnachtet schon ein bisschen in Basel. Demnächst wird offenbar die halbe Stadt zu Frans Franckens "Anbetung der Könige" aus dem Jahr 1632 pilgern, einer Version der Anbetung des Christuskinds durch die drei Weisen aus dem Morgenland, die allerdings sehr zeitgenössisch zu Werke ging: sogar der Mohrenkönig steht mit höfischer Geste da und hält einen muschelartigen Pokal, der auch als Reklame für die Antwerpener Goldschmiedekunst durchgehen würde. Es gibt weder Ochs noch Esel, dafür aber massenhaft Gefolge der Könige, Pagen, die eine Schleppe halten und exotische Tiere wie Papageien und Äffchen zum Geschenk anbieten, also das, was das 17.Jahrhundert als besonderen Luxus ansah.
Das Ganze findet auch nicht im Stall statt, sondern vor einer voluminösen Architekturkulisse, den Ruinen des Davidspalasts, an die lediglich ein Strohdach angehängt ist.
Franckens Arbeit steht in der Tradition der Manieristen und ist typisch für das Antwerpener Kabinettbild, das Antike, Bibel und Mythologie zeitgenössisch aufpeppte. Gesammelt wurden diese Werke von reichen, gebildeten Privatleuten, die Sinn fürs Detail hatten. Das hat sich bis heute durchgehalten: Franckens "Anbetung" kam 2004 als Schenkung einer Gönnerin ins Basler Kunstmuseum, allerdings in einem Zustand, der eine langjährige Restaurierung notwendig machte: die bemalte Holztafel war mit fetten Nägeln auf Stützbrettern befestigt worden - die Ausstellung feiert nun das Wiedererstehen dieses Bilds und will gleich die Geschichte der Künstlerdynastie Francken miterzählen.
Die Franckens bestimmten nämlich über mehrere Generationen die Malerei des katholischen Antwerpen im Frühbarock. Rund 500 Werke sind allein von jenem Frans aus der zweiten Generation signiert, der offenbar der Chef des Unternehmens war. Von seinen Brüdern ist in der Ausstellung eher wenig zu sehen: von Hieronymus Francken gibt es ein sehr schönes, dunkles Stillleben mit Münzhaufen und Pokalen und einem im Hintergrund sterbenden Reichen; und Bruder Ambrosius hat in eine Flusslandschaft von Alexander Keirinckx eine Figurengruppe gemalt, rastende Wanderer, und das Bild dann auch gleich signiert. Das ist nicht viel; auch Frans Franckens Arbeiten reichen gerade mal für zwei Räume, aber die meisten Francken-Bilder sind eben in Privatbesitz und kaum zu bekommen.
Der Kurator Bodo Brinkmann macht aus der Not eine Tugend und zeigt in einem eigenen Kabinett die Bild-Typen, an denen Francken sich orientierte. Denn sowohl die "Hexenküche" als auch die "Sieben Tugenden" gehen auf Stiche zurück, meist nach Pieter Brueghel dem Älteren, die seit dem 16. Jahrhundert in Umlauf waren. Sowohl in den profanen wie auch in den sakralen Themen erweist sich Frans Francken als süffiger, detailverliebter, aber vor allem auch ironischer Erzähler: der trunkene Bacchus ist umgeben von einem lärmenden Haufen Gleichgesinnter, und man kann das Bild sowohl als Lob des Rausches als auch als Warnung vor der Trunksucht verstehen.
Neben einer jungen Frau, die in der Hexenküche das Bein entblößt und offenbar in die Kunst des Besenreitens eingeführt werden soll, liegt eine Eule, die mit Leuchtstoff vollgepumpt scheint und deren Gefieder sich sträubt. Der verschmähte Liebhaber Vergil, der bei Francken nicht nur Dichter, sondern auch Zauberer ist, lässt alle Feuer Roms ausgehen - und die Bürger müssen ihre Fackeln am Hinterteil einer Frau entzünden.
Solch derb sexualisierte, sarkastische Bilder wechseln sich mit prunkvollen Gelagen ab, die Reportagen aus der Antwerpener Gegenwart des 17.Jahrhunderts sind - das meisterliche Nachtstück etwa, in dem der Tempelschänder Belsazar das Menetekel an der Wand sieht, zeigt eine notdürftig orientalisierte Antwerpener Völler-Gesellschaft. Dazu kommen diverse Memento Moris und eine barmherzige Brotverteilung an die Armen - wobei der edle adlige Spender aber gleich einer jungen Mutter wollüstig in die Augen schaut.
So ist Frans Francken - immer ein bisschen ambivalent und sarkastisch. Und dass ausgerechnet das eher prüde Basel sich nun an diesen katholischen Schwelgereien erfreut, ist eine schöne Pointe der Museumsgeschichte.
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