Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse sieht in der Berliner Ausstellung über Flucht und Vertreibung keinen Schritt zu einem dauerhaften Zentrum gegen Vertreibungen. Damit widersprach er der Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, deren Organisation Veranstalterin der Schau ist.
Wörtlich sagte der SPD-Politiker: "Wir können die Geschichte der Vertreibungen nur mit unseren europäischen Nachbarn zusammen angemessen aufarbeiten."
Nach Ansicht des Bundestagsvizepräsidenten ist die Schau vielmehr ein "vernünftiger, notwendiger, richtiger Diskussionsbeitrag zur Frage, wie an das Unrecht und die Schicksale der Vertreibungen erinnert werden soll. Das ist keine Ausstellung, die den Versuch unternimmt, die Deutschen in ein Opfervolk zu verwandeln."
Dennoch gebe es vor allem in Polen erhebliche Vorbehalte gegen das Projekt, so Thierse weiter: "Das zeigt, dass der Bund der Vertriebenen und Frau Steinbach offenbar nicht die Richtigen sind, dieses Andenken voranzutreiben. Man muss das mit Polen, mit Tschechen, mit Ungarn, mit Russen zusammen tun wollen und nicht gegen sie. (…) Ich denke, es ist wichtig, dass wir unseren polnischen Nachbarn sagen, dass wir diese Aufgabe nicht dem Bund der Vertriebenen überlassen." Vielmehr handele es sich um eine Aufgabe von Staat und Politik, an der viele mitwirken sollen, darunter auch die Vertriebenen, so der Bundestagsvizepräsident. Es gehe aber "um ein europäisches Projekt und nicht um ein Projekt des Bundes der Vertriebenen."
Mehr zur Sendung:
Links bei dradio.de:
Beiträge zum Nachhören
Kultur heute
Direktor der tschechischen Nationalgalerie, Milan Knizak, muß Posten räumen
Sendezeit: 09.02.2010, 17:50
Peter Eötvöss Tschechow-Oper "Drei Schwestern" am Münchner Prinzregententheater
Sendezeit: 09.02.2010, 17:45
Ausstellung über den Architekten Joseph Maria Olbrich in Darmstadt
Sendezeit: 09.02.2010, 17:41
dradio-Recorder
im Beta-Test: