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19.10.2007

"Die ganze Geschichte noch einmal neu aufrollen"

Simon-Wiesenthal-Zentrum Jerusalem: Judenmassaker in Rechnitz war doch ein Partyvergnügen

Der Historiker Stefan Klemp hat die Erkenntnisse des Autors David Litchfield über das Judenmassaker im österreichischen Rechnitz gegen die Kritik des Antisemitismusforschers Wolfgang Benz verteidigt.

Die österreichische Historikerin Eva Holpfer sei zu dem gleichen Ergebnis wie Litchfield gekommen, sagte Klemp, Mitarbeiter am Simon-Wiesenthal-Zentrum Jerusalem im Deutschlandfunk.

Sie habe herausgearbeitet, dass in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 tatsächlich etwa 200 Juden erschossen worden seien "und zwar von Teilnehmern eines Kameradschaftsfestes der Nationalsozialisten". Besonders wichtig sei Holpfers Erkenntnis, dass dabei auch die Thyssen-Tochter Gräfin Batthyány mit ihrem Ehemann anwesend gewesen sei.

In der Untergangsstimmung vor Kriegsende habe es durchaus Fälle gegeben, wo "diese Leute, die nun das Ende vor Augen hatten noch ausgiebig gefeiert haben", sagte Klemp mit Blick auf die Anmerkung von Wolfgang Benz, wonach es selbst fanatischen Nationalsozialisten im März 1945 mehr um die eigene Rettung als ums Feiern gegangen sei.

In Berlin etwa habe es unmittelbar vor dem Einmarsch der Roten Armee noch ausgiebige Feierlichkeiten gegeben. Gleichzeitig existiere eine große Anzahl von Beispielen dafür, "dass Trinkgelage - auch in der Zeit vor Kriegsende - durchaus in Verbindung gestanden haben mit Massenerschießungen".

Die Angaben des Briten Litchfield über eine Behinderung seiner Recherchen stufte Klemp - anders als Benz - ebenfalls als glaubwürdig ein: "Das hört sich angesichts der Realität, die es in Österreich gegeben hat und ja immer noch gibt, durchaus sehr realistisch an."

Klemp sprach sich dafür aus, " die ganze Geschichte noch einmal neu aufzurollen". Zum einen müsse festgestellt werden, wie es zu diesem "eigenartigen Ergebnis" bei den Ermittlungsverfahren gekommen sei. Zum anderen müsse man die Rolle der Gräfin aufklären. Dass man in Rechnitz nie ein Massengrab gefunden habe, ließe sich insofern wohl dadurch erklären, "dass man nie versucht hat es zu finden."


 
 

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