Vor anderthalb Jahren haben britische Forscher Portraits des Dichters Shakespeare unter die Lupe genommen und fanden heraus, dass nur eines davon zu seinen Lebzeiten entstanden sei. Das sogenannte "Flower Portrait", ein Ölgemälde, erklärten sie sogar zu einer Fälschung aus dem 19. Jahrhundert. Die Shakespeare-Expertin Hildegard Hammerschmidt-Hummel hatte vor über zehn Jahren die Authentizität dieses Bildes nachgewiesen. Nun stellte sie fest, das "Flower Portrait" sei ausgetauscht worden.
Doris Schäfer-Noske: Frage an sie: Wie haben Sie das denn festgestellt?
Hildegard Hammerschmidt-Hummel: Das alte Bild hat Ränder, die abgebröckelt sind, oder im oberen Bereich der Verleimung ist ein starker Riss. Die Ecken und Kanten sind zerbrechlich, brüchig, und vor allen Dingen die alte Tafel ist wurmstichig. Und alles das habe ich nicht entdecken können bei dem Bild im Januar diesen Jahres, als ich den Dingen auf den Grund gehen wollte. Ich habe das Bild, was man dort im Depot aufbewahrt jetzt, als "Flower Portrait" gründlich untersucht, und es hat alle diese Merkmale nicht. Und Fakt ist auch, dass die Röntgenaufnahme, die gemacht wurde von diesem Bild, sich von der Röntgenaufnahme des alten Bildes aus dem Jahre 1966 ganz gravierend unterscheidet. Man erkennt praktisch bei der alten Aufnahme alles, Shakespeare, die Madonna, die unter dem Shakespeare-Bildnis sich befindet aus dem frühen 16. Jahrhundert, das Christuskind, Johannis. Alles ist deutlich erkennbar, und die neue, die Röntgenaufnahme, die 2005 gemacht wurde in der National Portrait Gallery, zeigt diese Details nicht. Das Bild ist sehr verschwommen. Also fest steht, dass die Madonna unter diesem Bildnis eine schlechte Imitation der Original-Madonna ist, und damit stand natürlich noch einmal fest, dass auch das Bild eine Kopie sein muss.
Schäfer-Noske: Die neue Shakespeare-Company ist Stratford und die Royal Portrait Gallery, die die andere Untersuchung gemacht hat, weisen Ihre These aber nun zurück und sagen, die unterschiedlichen Ergebnisse könnten auch durch die Untersuchungsmethoden oder auch durch die Lichtverhältnisse verursacht worden sein.
Hammerschmidt-Hummel: Ja, ich kenne diese Kommentare. Aber ich bin der Meinung, dass diese Kommentare von der Kuratorin der National Portrait Gallery und von Professor Stanley Wells abgegeben wurden, bevor ihnen die Details meiner jetzigen Entdeckungen bekannt waren. Und im Übrigen habe ich meine Ergebnisse, die ich in monatelanger Arbeit erarbeitet habe, dem ehemaligen BKA-Sachverständigen, der die Untersuchungen bereits vor zehn Jahren, die Echtheitsuntersuchungen, gemacht hat, vorgelegt und einem Experten für Alte Meister. Und beide sagen unabhängig, aber übereinstimmend, dass sie voll und ganz mit meiner Aussage übereinstimmen.
Schäfer-Noske: Wann könnte denn der Tausch des Bildes überhaupt erfolgt sein?
Hammerschmidt-Hummel: Ich kann nur feststellen, dass ein Wechsel stattgefunden hat, dass der alte Direktor der Galerie, mit dem ich in den 90er Jahren sehr viel Kontakt hatte, dass der in Pension gegangen ist, und dass es dann doch eine Weile gedauert hat, ein bis zwei Jahre, bis ein neuer Kurator, also kein neuer Direktor, sondern es wurde dann ein Kurator angestellt. Es war also eine Übergangszeit. Wenn der neue Kurator seine neue Stelle angetreten hat, und er ein Bild vorfand, konnte er das wahrscheinlich für das echte halten.
Schäfer-Noske: Kann es denn sein, dass das alte Bild restauriert worden ist? Sie hatten ja gerade gesprochen, dass es da auch einen Wechsel in dem Museum gab.
Hammerschmidt-Hummel: Diese Möglichkeit habe ich natürlich sofort in Betracht gezogen und habe den Kurator ganz gezielt danach gefragt, und er hat alle Unterlagen durchgesehen. Und er hat dann ausgesagt, dass nach der grundlegenden Restaurierung des Bildes im Jahre 1979, wo alle Krankheitsmerkmale auch freigelegt wurden, dass seit dieser Zeit keine Restaurierung des Bildes stattgefunden hat. Nur 1994 soll an dem alten Bild eine gewisse stabilisierende Maßnahme vorgenommen worden sein, weil es oben zu zerbrechen drohte. Es hat einen Riss, und da hat man wohl ein bisschen stabilisiert. Aber auf dem Bild selbst ist nichts verändert worden.
Schäfer-Noske: Letzte Frage: Wo ist das alte Bild, was meinen Sie?
Hammerschmidt-Hummel: Diese Frage, wo sich das alte Bild befindet, kann ich natürlich nicht beantworten, und ich kann auch keine Spekulationen darüber anstellen. Ich wünsche mir, dass eben vor Ort da die entsprechenden Nachforschungen angestellt werden.
Schäfer-Noske: Das war die Shakespeare-Forscherin Hildegard Hammerschmidt-Hummel mit ihren neuesten Erkenntnissen über das sogenannte "Flower Portrait".
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