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02.05.2008
Neuer Bürgermeister Roms: Gianni Alemanno. (Bild: AP) Neuer Bürgermeister Roms: Gianni Alemanno. (Bild: AP)

Weg mit Beuys und Schnabel

Der frisch gewählte Bürgermeister Roms will die Kulturpolitik umkrempeln

Von Thomas Migge

Klassische Oper statt Experimentalmusik: Gianni Alemanno, der frisch gewählte Bürgermeister Roms, spricht sich für eine konservative Kulturpolitik aus. Mussolinis Prachtbauten sollen saniert und experimentelle Musik- und Tanzveranstaltungen reduziert werden. Auch die wichtigsten Posten in der Kulturszene werden neu besetzt.

Wer Alemanno als Neofaschisten abtue, erklärte Massimo Cacciari, Venedigs linker Bürgermeister und einer der bekanntesten Philosophen Italiens, "habe nichts von der Partei Alleanza Nazionale und von Gianni verstanden". Gianni Alemanno will Rom kulturell umkrempeln, klagt der prominente Kunsthistoriker Maurizio Calvesi:

"Die Kulturpolitik soll sich, so Alemanno, zukünftig mehr an der Tradition ausrichten. Das wundert nicht bei dem Exponenten einer Partei, die rechts ist. Der will zum Beispiel alle von Mussolini errichteten Gebäude von Grund auf restaurieren lassen. Für Alemanno ist dieser Baustil der Archetyp der Klassizität."

Für Alemanno, und damit liegt er gar nicht mal so falsch, unterschied sich die faschistische Architektur in ihrer am Bauhaus orientierten Modernität wesentlich vom nazionalsozialisten Bauen, weshalb für ihn Mussolinis Prachtbauten wichtige Zeugnisse italienischer Architekturgeschichte sind und als solche gepflegt werden sollten.

Roms neuer Bürgermeister will auch die wichtigsten Kulturinstitutionen mit neuem Personal besetzen, um der, wie er sie nicht zu Unrecht nennt, "kulturellen Hegemonie der Linken" ein Ende zu machen. Mit Alemannos Amtsbeginn am 1. Mai wurden die meisten der wichtigsten Posten in der römischen Kulturszene frei; besetzt mit Kulturpolitikern, die in den letzten 15 Jahren von den beiden linken Bürgermeistern Francesco Rutelli und Walter Veltroni ernannt worden sind.

Auf dem Kieker hat Alemanno das Auditorium Parco della Musica, erbaut von dem Architekten Renzo Piano: das größte italienische Kulturzentrum für Musik aller Art, für Film und Ballett. Hier sollen experimentelle Veranstaltungen für zeitgenössischen Tanz und Musik drastisch reduziert werden. Der Palazzo delle Esposizioni, die große städtische Kunsthalle, soll zukünftig von einem Mann geführt werden, Name noch unbekannt, der vor allem Kunstschauen organisiert, die Roms Kultur und Geschichte behandeln. Alemannos kulturpolitische Vorstellungen bezeichnet die linksliberale Tageszeitung "La Repubblica" als "nationalkonservativ". Weg mit Beuys und Schnabel und viva de Chirico, spottet der römische Architekt Massimiliano Fuksas:

"Diese Neubesetzungen der Kulturposten werden eine der blühendsten Kulturlandschaften Italiens zerstören. Welche Leute haben denn die Rechten? Ihr großes Manko ist doch, dass sie nie bedeutende Kulturpersönlichkeiten vorweisen konnten. Zukünftig wird es in Rom schwierig werden, experimentelle Kulturpolitik zu machen."

Auch das von dem linken Bürgermeister Walter Veltroni organisierte Filmfestival soll ganz anders werden, weiß Goffredo Bettini, der die erste Ausgabe vor zwei Jahren organisierte:

"Dieses Festival war bisher wie ein Volksfest des Kinos organisiert und unterscheidet sich damit von allen anderen Festivals. Alemanno will als neuen Direktor den bekanntermaßen rechten Regisseur Pasquale Squitieri, den Ehemann von Claudia Cardinale, an seine Spitze setzen. Squitiere will ein elitäres Festival, bei dem das Publikum nur die zweite Geige spielt."

Squitieri erklärte hingegen, dass er vor allem anspruchsvolle Filme zeigen wolle und nicht mehr, wie bisher, vor allem Kassenschlager, sondern internationale Autorenfilme.

Ein Dorn im Auge Alemannos ist auch die neue Hülle für den riesigen Friedensaltar von Kaiser Augustus; vor wenigen Jahren im Auftrag der linken Bürgermeister von dem amerikanischen Architekten Richard Meier mitten im historischen Zentrum als weißer Stein- und Glaskasten errichtet. Der Bürgermeister plant noch für diesen Herbst eine römische Volksbefragung.

Spricht sich eine Mehrheit gegen Meiers Museum aus, wird es, so Alemanno, kurzerhand abgerissen. Ein heftig umstrittenes Bauwerk - das aber durch seine direkte Nähe zu einer barocken Kirche, einem antiken Grabmal und zu aschistischen Bauten an einem großen Platz durchaus anregend und auflockernd wirkt.

Ankündigungen dieser Art und die geplanten Neubesetzungen wichtiger Kulturposten sorgen für scharfe Kritik, vor allem bei den politisch geschlagenen Linken. Sie sprechen bereits, so die linke Tageszeitung "l'Unita", "vom Untergang Roms angesichts der rechten Barbaren". Doch es gibt auch vorsichtigere Stimmen: der linke Intellektuelle Umberto Eco beispielsweise. Er mahnt zur Vorsicht bei der vorschnellen Aburteilung Alemannos. Man solle, meint der Schriftsteller und Semiologe, Roms neuem Bürgermeister Zeit geben, um seine Ideen zu verwirklichen. Vielleicht, so Eco, führen die geplanten Veränderungen ja zu einem frischen Wind, der fruchtbare Diskussionen auslöst.


 
 

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