Das Metropolitan Museum in New York wurde 30 Jahre lang von Philipp de Montebello geführt. Zum Abschied wird er mit einer Ausstellung gewürdigt. "The Montebello Years" zeigt von der römischen Badewanne über eine Medici-Büste bis hin zu einem Werk von Lucien Freud, wie der Direktor das noch immer größte und reichhaltigste Museum der Welt geprägt hat.
Was haben das üppig verzierte Fragment einer römischen Badewanne, ein flämischer Wandteppich aus dem fünfzehnten, eine Büste von Cosimo de Medici aus dem siebzehnten Jahrhundert und ein Bild von Lucian Freud aus den Neunzigerjahren miteinander gemein? Sie alle kamen in den vergangenen drei Jahrzehnten in den Besitz des Metropolitan Museum. Und sie bilden nun den Auftakt einer Ausstellung zu Ehren Philippe de Montebellos, jenes Mannes, der diese drei Jahrzehnte als Direktor des noch immer größten und reichhaltigsten Museums der Welt geprägt hat.
Als Philippe de Montebello Anfang dieses Jahres seinen Rücktritt bekannt gab, war klar, dass damit eine Ära zu Ende ging. Trotzdem ist es in der heutigen Museumslandschaft nicht gerade üblich, dass scheidende Direktoren mit Ausstellungen verabschiedet werden, die explizit als Hommage zu verstehen und von sämtlichen Kuratoren, Konservatoren und Wissenschaftlern des Hauses gemeinsam organisiert worden sind.
Es sei die Tatsache, dass die gesamte Belegschaft Philippe de Montebello bewundere und einen Weg finden wollte, um ihm zu danken, erklärt Helen Evans, die "The Philippe de Montebello Years - Curators Celebrate Three Decades of Acquisitions" koordiniert hat. Sie fährt fort:
Eines der größten Verdienste Philippes besteht in der enormen Vielfalt von Werken, deren Erwerb er unterstützt hat. Deshalb schien es uns angebracht, ihn mit einer Ausstellung zu würdigen, die sich auf seine Hinzukäufe konzentriert. ... that focussed on his acquisitions. -
Die Mitglieder aller Abteilungen schlugen aus den 84.000 Objekten, die unter de Montebellos Leitung der Sammlung des Metropolitan Museum hinzugefügt wurden, die ihrer Ansicht nach wichtigsten vor. Darauf reduzierten die Chefkuratoren die Auswahl auf die dreihundert, die nun in der Ausstellung zu sehen sind.
Das Ergebnis ist eindrücklich. Da findet sich eine Schriftrolle aus der Tang-Dynastie neben einer Viola da Gamba aus dem England des siebzehnten Jahrhunderts, ein burgundisches Kartenspiel aus dem Mittelalter neben einem Picasso, ein fein ziselierter Schreibtisch des französischen Barock neben einem stehenden Buddha. Und das Wort "neben" ist durchaus wörtlich zu verstehen. Die Schau ist nämlich nicht thematisch arrangiert, sondern folgt der Erwerbschronolgie. Man erhoffe sich von dieser ungewöhnlichen Installation Überraschungseffekte, meint Helen Evans:
Weil die Werke sich nicht in ihrem normalen Zusammenhang befinden, sieht man sie plötzlich frisch - nicht einfach ein weiters Beispiel für ein großartiges europäischen Bild neben einem weiteren Beispiel für ein modernes Bild.
Angesichts der Bandbreite der versammelten Werke, drängt sich die Frage auf: Wie gelang es den Kuratoren ihren Direktor an einem Tag zum Kauf einer Rubens-Zeichnung zu bewegen und am nächsten zu dem eines Damenmantels von Paul Poiret? Helen Evans, die Philippe de Montebello als Chefkuratorin für Byzanthinische Kunst unter anderem für eine prächtige Illuminate aus dem elften Jahrhundert begeistern konnte, beschreibt eine der mithin entscheidendsten direktorialen Eigenschaften de Montebellos:
Philippe hat die Expertise seiner Mitarbeiter immer respektiert und sich nie erlaubt, nur Werke zu kaufen, die er selber mochte. Er ist sogar stolz darauf, dass diese Ausstellung einige Objekte enthält, die zu mögen er erst lernen musste. Zum Beispiel einen Quilt. Der Kurator meinte, er hätte Philippe dazu gebracht, Quilts zu mögen. Doch der sagte: Nein, ich mag Quilts noch immer nicht, aber ich mag Dein Interesse an Quilts. ...
"The Philippe de Montebello Years" ist ein kleines Metropolitan Museum im Großen. Gefeiert wird Philippe de Montebello zu Recht als Direktor, der die enzyklopädische Vielfalt dieses Museums verkörpert hat wie vor ihm kein anderer und dessen universales Erbe seinem designierten Nachfolger Thomas Campbell vermutlich ebenso viel Freud wie Leid bereiten wird.
Die Ausstellung "The Philippe de Montebello Years: Curators Celebrate Thirty Years of Acquisitions" ist bis am 1. Februar 2009 in Metropolitan Museum in New York zu sehen.
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