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 Lange Nacht
 Manuskript vom: Sa. 11.11.2000 • 23:05

Eine Lange Nacht von Verantwortung und Verführung
Wie die Macht schmeckt

Moderation:  Dietrich Möller
Studiogäste:  Prof. Dr. Horst Ehmke
 Prof. Dr. Antonia Grunenberg
 Prof. Dr. Richard Schröder
 Dr. Rudi Strauch

Macht sei das bestimmende Element der Politik, schrieb Niccolo Machiavelli vor über einem halben Jahrtausend in seinem Traktat "Il Principe"; und mit dieser apodiktischen Feststellung wurde er zu einem Wegbereiter künftiger Auffassungen. Tatsächlich ist Macht für die moderne Staats- und Soziallehre die Voraussetzung für jedes gesellschaftliche Zusammenleben. Aber Macht sei ihrem Wesen nach böse, wandte Jakob Burckhardt ein. Und sie "schmeckt", ergänzte der slowakische Schriftsteller Ladiv Mnacko mit seinem Roman über den Aufstieg eines Revolutionärs zum Staatsmann. Von der Arroganz der Macht war schließlich mit Blick auf die Präsidentschaft Richard Nixons in den USA die Rede. Die Lange Nacht handelt von der Notwendigkeit der Macht ebenso wie von den Mitteln zur Machtausübung, von den Grenzen der Macht wie von ihrem Wesen, von den ihr innewohnenden Verführungen wie von der sinnlichen Lust, Mächtigen nahe zu sein.

 

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"Und nun ist die Macht an sich böse, gleichviel, wer sie ausübe. Sie ist kein beharren, sondern Gier und eo ipso unerfüllbar, daher in sich unglücklich und muß also Andere unglücklich machen. Unfehlbar gerät man dabei in die Hände sowohl ehrgeiziger und erhaltungsbedürftiger Dynastien als einzelner `großer Männer´ usw., das heißt solcher Kräfte, welchen gerade an dem Weiterblühen der Kultur am wenigsten gelegen ist."
aus: Jakob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen

 

Mit Gewalt verbindet man die Vorstellung von etwas, das nah und gegenwärtig ist. Sie ist zwingender und unmittelbarer als die Macht. ... Wenn die Gewalt sich mehr Zeit läßt, wird sie zur Macht. ... Macht ist allgemeiner und geräumiger als Gewalt, sie enthält viel mehr, und sie ist nicht mehr ganz so dynamisch. Sie ist umständlicher und hat sogar ein gewisses Maß von Geduld.

Der Unterschied zwischen Gewalt und Macht läßt sich auf sehr einfache Weise darstellen, nämlich im Verhältnis zwischen Katze und Maus.

Die Maus, einmal gefangen, ist in der Gewalt der Katze. Sie hat sie ergriffen, sie hält sie gepackt, sie wird sie töten. Aber sobald sie mit ihr zu spielen beginnt, kommt etwas Neues dazu. Sie läßt sie los und erlaubt ihr, ein Stück weiterzulaufen. Kaum hat die Maus ihr den Rücken gekehrt und läuft, ist sie nicht mehr in ihrer Gewalt. Wohl aber steht es in der Macht der Katze, sie sich zurückzuholen. Läßt sie sie ganz laufen, so hat sie sie auch aus ihrem Machtbereich entlassen. Bis zum Punkte aber, wo sie ihr sicher erreichbar ist, bleibt sie in ihrer Macht. Der Raum, den die Katze überschattet, die Augenblick der Hoffnung, die sie der Maus läßt, aber unter genauester Bewachung, ohne daß sie ihr Interesse an ihr und ihrer Zerstörung verliert, das alles zusammen, Raum, Hoffnung, Bewachung und Zerstörungsinteresse, könnte man als den eigentlichen Leib der Macht oder einfach als die Macht selbst bezeichnen.

Aus: Elias Canetti: Masse und Macht

Buchtipp:

 

Die Macht und der Schein Dirk Hoeges
Niccolò Machiavelli
Die Macht und der Schein
C.H. Beck Verlag, 2000
 

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