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 Lange Nacht
 Manuskript vom: Sa. 16.12.2000 • 23:05

Eine Lange Nacht der Utopien
Verdeckte Brüche

Moderation:  Peter Zudeick
Autor:  Rolf Cantzen
Studiogäste:  Prof. Dr. Birgit Rommelspacher
 Alice-Salomon-Fachhochschule für
 Sozialarbeit und Sozialpädagogik,
 Berlin
 Barbara Sichtermann
 Publizistin
 Ulrich Khuon
 Intendant Thalia Theater
 Horst Stowasser
 erklärter Anarchist und
 erfolgreicher Werbetexter

Es gibt kaum eine Chance für gesellschaftliche Utopien: Die parlamentarische Demokratie in Verbindung mit der kapitalistischen Marktwirtschaft etabliert sich global und wird als Modell wasserdicht und einwandsimmun. Die in vergangenen Zeiten beunruhigenden sozialen Utopien scheinen zusammen mit dem gescheiterten Staatssozialismus entsorgt. Pragmatismus, Kompromißfähigkeit, Einsicht in die Notwendigkeit des Marktes sind zu den zentralen Tugenden des Politikers geworden. Sonntagsreden über die Erweiterung der EU oder der NATO nach Osten werden als großartige Visionen und Zukunftsperspektiven gefeiert. Zusammen mit den anschließenden Börsennotierungen der Drei-Minuten-Nachrichten machen derlei "Visionen" bloch´sche Tagträume utopisch unschädlich. Als ewig-gestrig gilt seit langem ein Denken in Interessens- oder gar Klassengegensätzen. Wie also Armut, Vereinsamung, Rassismus, Sozialverfall, Umweltzerstörungen verstehen, wenn nicht - "marktgesellschaftlich" - als individuelles Problem.

Der Langen Nacht der Utopien geht es um die gesellschaftliche und soziale Perspektive. Eine relativ unbelastete Utopietradition gerät dabei in den Blick - die der Anarchisten und libertären Sozialisten.

 

Related Links:
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Der Begriff Utopie:
http://www.phillex.de/utopie.htm

Der Historiker Ernst Nolte: "... die Vertreter der Utopie sind zur Gewalt entschlossen und zwar zur Anwendung einer letzten und äußersten Gewalt ..."

Der Publizist Joachim Fest: "... die Utopie verlangt ihrem Wesen nach stets eine totale Gesellschaft. Es gibt keine liberale Utopie ..."

Der Philosoph Hans Jonas: "Es ist höchst notwendig, die Forderung der Gerechtigkeit, der Güte und der Vernunft vom Köder der Utopie freizumachen."

Der Politikwissenschaftler Lothar Bossle: "... es ist die unausweichliche Tragödie jeder Utopie, daß sie im Zustand der Unschuld eines romantischen Denkens beginnt, um in einem Inferno totalitärer Exzesse zu enden ..."

 

Welt westlich von Spanien
Eine frühe Schlaraffenlandutopie
(Information: Irland 14. Jahrhundert - eine volkstümliche Schlaraffenlandutopie, bei der es nicht nur um freies Essen und Trinken, sondern auch um soziale Gleichheit und freie Sexualität geht. Die späteren Schlaraffenlandgeschichten - etwa die der Gebrüder Grimm sind deutlich entschärft.)

Weit im Meer westlich von Spanien
Liegt ein Land genannt Cokanien.
Es ist kein Land unterm Himmelreich
An Güte und Reichtum Cokaygne gleich.
Das Paradies ist fröhlich und hell -
Doch Cokaygne ist eine schönere Stell.

In Cokaygne gibt's Speise und Trank
Ohne Sorge, Mühe und Zank.
Die Speisen sind trefflich, die Getränke klar,
zum Mittag, zur Vesper, zum Abend fürwahr!
Und ohne Zweifel, ich sags ganz ehrlich,
kein Land auf Erden ist so begehrlich.

Dort sind auch Flüsse groß und fein
Mit Öl und Milch, mit Honig und Wein.
Wasser dient hier, im Vertrauen,
Zum Waschen nur und anzuschauen.
Früchte gibt es ohne Maß
Und alles hier ist Freude und Spaß.

Ein schönes Kloster ist dort zu schauen
Mit weißen Mönchen und mit grauen.
Die Zellen und Säle von Wand zu Wand
Sind aus Pasteten bis zum Rand,
mit Fleisch und Fisch und reicher Speis,
das Herrlichste, das ein Mensch wohl weiß.

Alles gehört allen, ob jung und alt,
ob schwach oder stark oder welchen Gestalt.

Ist dann ein Sommertag recht heiß
Nehmen die jungen Monnen mit Fleiß
Ein Boot mit Ruder und Steuer daran
Und fahren den süßen Milchfluß entlang.
Sind sie weit genug vom Kloster fort,
ziehen sie sich aus und vergnügen sich dort.

Wenn die jungen Mönche das sehn,
machen sie sich auf und fliegen hin,
und sind sie an der Nonnen Ort,
nimmt jeder Mönch sich eine mit fort.

Auf daß ihr dieses Land beehrt
Und niemals hierher wieder kehrt,
bitten wir Gott um sein Geleit
im Namen der heiligen Barmherzigkeit.

 

Der geregelte Zeitgenosse
Von Erich Kästner

Hei, wie er die Zukunft auswendig wußte!
Er kannte die Höhe der Summe genau,
die man den Kindern und seiner Frau
nach seinem Tode auszahlen mußte.

Er war berühmt als Vater und Gatte,
der Leben und Sterben und Diebstahl und Brand
versicherungsrechtlich geregelt hatte.
Er hatte das Schicksal glatt in der Hand.

Und wenn sich die Achse der Erde verböge:
Er wußte, wieviel er am 1. Mai
(vorausgesetzt, daß er am Leben sei)
in zwanzig Jahren Gehalt bezöge.

Gewohnheit umgab ihn mit hohen Mauern.
Sie rückten immer näher heran.
Und er begann, sich zu bedauern.
Nicht immer, aber dann und wann.

Da half kein gesteigertes Innenleben.
Er wußte, was sie morgen besprächen
Und was sie einander zur Antwort gäben
und wann und wie sie sich unterbrächen.

Das Lieben und Atmen und Zeitunglesen,
das wurde alles zu seinem Amt.
Er war doch einmal ein Mensch gewesen!
Das war vorbei, und er dachte: Verdammt!

Verschiedentlich faßte er Fluchtgedanken.
(Er dachte speziell an Amerika.)
Aber aus Angst, seine Frau könnte zanken,
blieb er dann doch immer wieder da.

 

Planet der Habenichtse Der Planet der Habenichtse

Utopie einer herrschaftsarmen ökologischen Gesellschaft
Ursula Le Guin
Anarres ist nicht wunderbar. Es ist eine häßliche Welt. Alles öde, alles trocken. Die Städte sind sehr klein und langweilig, richtig trostlos. Keine Paläste. Das Leben ist langweilig und besteht aus harter Arbeit. Man kann nicht immer bekommen, was man möchte, nicht einmal das, was man braucht, denn es ist einfach nicht genug da. Ihr habt von allem genug. Genug Luft, genug Regen, Gras, Meere, Nahrung, Häuser, Fabriken, Maschinen. Ihr seid reich, ihr besitzt. Wir sind arm, wir leiden Mangel. Ihr habt, wir haben nicht. Hier ist alles schön. Nur die Gesichter nicht. Auf Anarres ist gar nichts schön, nichts außer den Gesichtern. Die anderen Gesichter, die Männer und Frauen. Etwas anderes haben wir nicht, wir haben nur uns. Weil unsere Männer und Frauen frei sind; da sie nichts besitzen, sind sie frei.

Eines der besten Werke der Science-Fiction des 20.Jahrhunderts ist zweifelsohne "Planet der Habenichtse" (Originaltitel: "The Dispossessed" - die Besitzlosen) von Ursula K. Le Guin. In diesem Roman steht nicht die Beschreibung futuristischer Technik im Vordergrund. Es ist vielmehr die Utopie einer Gesellschaftsordnung, die sich vom Kapitalismus losgesagt hat und nach kommunistischen Grundlagen aufgebaut ist. In einem fernen Sonnensystem: Nach der Niederschlagung der Revolution auf Urras, erlaubte man den Überlebenden, um sie loszuwerden, auf den Nachbarplaneten Anarres auszuwandern, um dort eine Gesellschaft nach ihren Idealen aufzubauen.
Weiterlesen:
http://www.ilaros.de/kultur/articles/habnich.htm

Um das 40-jährige Bestehen ihrer Sciencefiction-Reihe zu begehen, hat der Heyne-Verlag im März eine zwölfbändige Jubiläumsreihe mit ausgesuchter SF herausgebracht, u.a. auch Die linke Hand der Dunkelheit von Ursula K. Le Guin mit einem Vorwort von John Clute. Dieses Buch, das bisher auf Deutsch unter dem Titel Winterplanet erschien, hat in mehrerlei Hinsicht SF-Geschichte geschrieben. Der 1969 erschienene Roman wurde mit dem Hugo und mit dem Nebula Award ausgezeichnet. Ursula Le Guin war damit jeweils die erste Autorin die in der Kategorie Roman diese Preise erhielt (Anne McCaffrey hatte den 1968 Nebula für den Kurzroman 'Dragonrider' und den 1969 Hugo für den Kurzroman 'Weyr Search' erhalten). Le Guin war aber auch die erste AutorIn überhaupt, die für einen Roman beide Preise erhielt.
Weiterlesen:
http://www.fortunecity.de/tatooine/metropolis/100/
verschiedenes/fsf_buch-des-monats-2.html

"Ich hatte einen Traum..." Unzählige Frauen haben die magischen Worte Martin Luther Kings, Sesam für eine bessere Welt, ausgesprochen. Ihre niedergeschriebenen Reden und Werke von gestern und heute schlagen eine Zukunft vor, in der Recht und Frieden herrschen sowie die Gleicheit der Geschlechter.

Die Welt ändern, das heißt, die Fundamente des sozialen Systems ändern und dazu gehört die Dominierung der Frau durch den Mann, das ursprünglichste Dominierungsmodell. Wie kann man sich eine völlig geschmischte Demokratie vorstellen, wenn Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert sind, weniger verdienen und nach wie vor die Hausarbeit verrichten? Unter den Männern, die von der Zukunft träumten, von den Utopisten der Renaissance (XV.-XVI. Jahrhundert) bis zu den zeitgenössischen Autoren der Sciencefiction, haben nur wenige darin eine Herausforderung für den Fortschritt der Menschheit gesehen.

Ganz im Gegenteil dazu die Frauen. Die Veränderung, die sich Frauen vorstellen - militante wie Flora Tristan (19. Jahrhundert, Louise Michel (19. Jahrhundert), die Amerikanerin Emma Goldman (19. - 20. Jahrhundert) oder die Deutsche Rosa Luxemburg (Anfang des 20. Jahrhunderts) - aber auch vielen Frauengruppen, wie die spanischen Anarchistinnen der 30er Jahre, die die sexuelle Erziehung priesen, setzt eine Veränderung der Beziehung der Geschlechter voraus.
Weiterlesen:
http://www.france.diplomatie.fr/label_france/
DEUTSCH/DOSSIER/2000bis/09utopie.html

 

"... eine Utopie über die bestehende Funktionsweise der kapitalistischen Wirtschaft hinaus ..."

Elmar Altvater zu Utopie und Reform der Finanzmärkte: " Das System ist der Fehler - das ist sicher nicht ganz falsch, aber das System kann man nicht einfach abschaffen. Man kann nicht, wenn man selber in diesem System lebt, arbeitet, mit ihm umgeht und umzugehen gezwungen ist, aussteigen und sagen, ich gehe jetzt in ein anderes System über, denn das existiert nicht. Man kann nur dieses System reformieren und eine Veränderung im linken Denken der vergangenen Jahrzehnte sehe ich vor allen Dingen darin, daß der Reformwille größer geworden ist und die Utopie, die davon ausging, daß man einfach ein anderes System schaffen könnte, zurückgedrängt worden ist.

Man kann natürlich eines machen, und das haben ja viele gemacht, nämlich aussteigen. Das System zeichnet sich ja auch dadurch aus, daß zumindest in den reichen Ländern, daß es sehr viele Spielräume ermöglicht und Nischen produziert, in denen man sich ansiedeln kann in der Illusion, man wäre aus dem System ausgestiegen. Aber letztendlich ist das natürlich nicht mehr als eine falsche Annahme, die sich auch immer wieder rächt, weil man von dem System ja doch dann immer wieder eingeholt wird.

Die kapitalistische Gesellschaft, nennen wir sie einmal so, überlebt nur deshalb, weil sie reformfähig ist. Andererseits sehen wir aber, daß die Marktwirtschaft und die liberale Demokratie ungeheuere Probleme erzeugt. Das Problem der Armut - um nur einige zu nennen - ist überhaupt nicht gelöst, im Gegenteil, die Armut in der Welt wird größer, die Ungleichheit wird größer, man kann auch sagen, die Ungerechtigkeit in der Welt ist größer geworden, wenn man das quantifizieren kann. Die Finanzkrisen haben gezeigt, daß es keine Stabilität der Lebensentwürfe der Menschen gibt. Die ökologische Krise ist enorm und wir haben gerade gesehen, wie unfähig dann doch wiederum Regierungen sind, hier Reformen wirklich durchzuführen. Auf dem Haager Klimagipfel etwa. Also: Da sind noch viele Aufgaben zu reformieren und zur Veränderung dieses Systems - zur Veränderung aber in einem schrittweisen Sinne. Anders ist mir das nicht vorstellbar.

Utopien sind notwendig,.um die Menschen zum Handeln zu bringen. Kein Mensch handelt nur deshalb, um irgendetwas technisch zu verbessern. Nehmen Sie ein Beispiel: Die Attack-Bewegung zur Kontrolle der Finanzmärkte, scheinbar sind die Finanzmärkte etwas völlig Fremdes und von den Normalbürgern in ihrer Funktionsweise also auch nicht zu verstehendes. Eine Steuer auf Kapitalumsätze beispielsweise, das hätte vor 20 oder 30 Jahren niemanden bewegt, heute ist eine soziale Bewegung daraus entstanden, die die Kontrolle der Finanzmärkte auf ihr Programm gesetzt hat. Und diese Bewegung wächst, wächst auch weltweit. Sie ist also nicht nur national oder lokal beschränkt. Mit anderen Worten: Hier sind Reformen angedacht, nämlich Kontrolle, Regulation der Finanzmärkte, die nicht den Kapitalismus abschaffen, die aber versuchen, wieder so etwas wie Sicherheit der menschlichen Planung, der Perspektive, der Horizonte einzubringen, nachdem dies durch die Finanzkrisen in diesem Fall zerstört wurde. Wenn man von heute auf morgen verarmen kann, weil eine Währungskrise wie in Asien oder in Rußland oder Brasilien einfach eine Verarmung hervorruft von einem Tag auf den anderen, dann ist die Stabilisierung der Finanzmärkte auf einmal das Ziel einer sozialen Bewegung - gewissermaßen eine Utopie über die bestehende Funktionsweise der kapitalistischen Weltwirtschaft hinaus.
Elmar Altvater ist Professor am Fachbereich Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin, einer der Forschungsschwerpunkte: Internationale Wirtschafts- und Finanzpolitik

Menschenrechte und Bomben
Nach dem Balkan-Krieg: Eine neue Weltordnung, so anders als 1989 erdacht und so weit weg vom Weltbürgertum / Von Elmar Altvater - lesen:
http://www.soz.uni-hannover.de/isoz/kosovo/altvat2.htm

Professor Elmar Altvater, seit zwanzig Jahren Mitglied der grünen Partei, rechnet mit der Kriegspolitik ab:
http://www.jungewelt.de/1999/05-19/004.shtml

Mehr zu Elmar Altvater:
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/eco/6201/s1.html

 

Forum gegen Rassismus und rechte Gewalt Oranienburg

Pfarrer Bernhard Fricke: "Ziel unserer Arbeit ist es zur Zeit, diejenigen zu stärken und diejenigen miteinander zusammenzubringen, die etwas tun wollen für eine menschenfreundliche Gesellschaft, für Menschenrechte auf lokaler Basis sag ich mal, auch im Alltag, in der Schule, in den Verwaltungen sich für das Zusammenleben der Menschen einzusetzen."

Der Begriff Rassismus ist uns schon deshalb wichtig, weil es nicht nur darum geht, Ausländerfeindlichkeit anzusprechen, sondern es geht auch darum, was passiert eigentlich bei uns allen in den Köpfen. Welche Vorurteile oder welche tiefen Vorurteile haben wir eigentlich und grenzen aus, auch wenn wir es manchmal nicht wollen. Welche Ideologien spielen dabei eigentlich eine Rolle und letztendlich ist es mir auch wichtig, was hat das mit unserer deutschen Geschichte zu tun.

Wir müssen unsere Ideen in die Öffentlichkeit hineintragen. Diese Gesellschaft ist eine Gesellschaft von Ungleichen, von Menschen, die Macht haben über andere. Es gibt ein Oben und ein Unten. Es gibt ein Fragen nach der Nützlichkeit von Menschen in unserer Gesellschaft, eine schreckliche Geschichte, daß Menschen danach beurteilt werden, was sie leisten können und was sie beitragen können, aber nicht nach ihrer eigenen Würde und nach ihrem eigenen Wert gefragt werden.
Wir tragen diese Gedanken in die Öffentlichkeit in Form von Leserbriefen und in Form von Demonstrationen. Es hat in den letzten Jahren in jedem Jahr eine Demonstration zum Antirassismustag gegeben. Wir versuchen zunehmend hier auch eine kulturelle Auseinandersetzung zu fördern, über Musik, über die Ansprache von Schulen, über Theaterspielen Auch sehr viel Bildungsarbeit, Ausstellungen und so weiter. Es sind alles Versuche, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Um Rassismus abzubauen und zu diskutieren und das praktisch zu tun, müssen Jugendliche vor allen Dingen auch mit bestimmten Erfahrungen aufwachsen können. Diese Erfahrungen betreffen einmal ein solidarisches Miteinander. Und dieses solidarische Miteinander betrifft natürlich die ganze Gesellschaft. Wenn in der Gesellschaft vorgelebt wird, daß Ausgrenzung ein Mittel der Politik sein kann, dann können Jugendliche nicht solidarisches Verhalten lernen.

Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit
Geschäftsstelle im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport
Steinstr. 104 - 106, Haus 9a
14480 Potsdam
Tel. 0331 / 866 - 3970/71/72
http://www.brandenburg.de/aktionsbuendnis/
mit Linkliste:
http://www.brandenburg.de/aktionsbuendnis/info/link.htm

"... das Utopische in den Alltag hineinbringen ..."

Oskar Voigt und Andrea Merrath von der "Freien Schule in Berlin e.V."
Die Freie Schule im Berliner Bezirk Tempelhof gehört zu den ältesten freien Schulen in Deutschland. Gegründet wurde sie 1979 - deutlich beeinflußt von der antiautoritären Erziehung A.S. Neill und seiner Summerhill-Schule. Mehrfach wurde die Schule verboten. Seit 1990 ist sie endgültig genehmigt und wird vom Land Berlin finanziert.
Oskar Voigt war von Anfang an dabei: "Meine Tochter gehörte auch zu den ersten Kindern dieser Schule, also zu den Kindern, für die diese Schule in die Welt gesetzt wurde, vorrangig allerdings von den Müttern dieser Kinder. Und die Absicht dieser Eltern war - nach gründlicher Beobachtung der ersten 4 Jahre der Kinder - davon auszugehen, daß das, was Kinder, wenn man nur ihnen ihren Raum läßt, selber auf die Beine stellen können, was sie an Fragen haben, teilweise erste Schritte, diese Fragen zu bewältigen, mit Hilfe der Erwachsenen allemal. Was sie da also sozusagen als Prozeß, der von ihrem Interesse ausging und in Richtung Aneignung der Welt ging, was sie davon aus eigenen Stücken hinkriegen, war so beeindruckend, daß sie dann gesagt haben, was soll es, wenn mein Kind ab dem sechstem Lebensjahr in einen Lernprozeß eingegliedert wird, der letztlich von vorne bis hinten von außen definiert und bestimmt wird.
.....Also: es gibt keine Versetzung, es gibt keine Zeugnisse, es gibt keine Klassenarbeiten, es gibt auch nicht sonst irgendwelche Benotungen. Der Hintergrund ist natürlich der, daß wenn Kinder entlang ihrer Dinge arbeiten, dann wissen sie genau, wo sie ihre Stärken haben, wo sie noch etwas zu machen haben und und und. Und das muß ihnen nicht von außen gespiegelt werden. Der Lehrer oder der Erwachsene redet dann mit den Kindern darüber, wo da Probleme sind. Dazu brauchen wir die Noten nicht. Wir brauchen auch keine Noten oder kein Zeugnis abzugeben, wenn wir die Kinder entlassen. Dann schreiben wir einen Entwicklungsbericht, wo wir uns jede Mühe geben, daß es genau diesem Namen entspricht, einen Bericht über die Entwicklung, die genau dieses Kind mit seinen Anfangsvoraussetzungen hier an dieser Schule genommen hat.
Ich würde sagen, wenn man etwas macht, dann ist das Utopische in den Alltag, und zwar in einen sehr kleinen, in überschaubaren Schritten, nicht in diesen gewaltigen Entwürfen, hereinzuholen. Und ich denke in dieser Arbeit sind wir begriffen.
Mehr dazu:
http://www.hypies.de/fs/fsabsicht.html
http://www.hypies.de/fs/fserfolg.html

Universelle leidenschaftliche Anziehung
Die Utopie Charles Fourier
"Zur Regel meiner Untersuchungen machte ich: den absoluten Zweifel und die absolute Vermeidung bisher beschrittener Wege." Charles Fourier - er starb 1837 - gilt nicht umsonst als Exzentriker der Utopie. Er schien sich bei der Konstruktion einer idealen Gesellschaft zu langweilen und komplettierte sie durch eine Neuschöpfung der Natur. Wie Newton die Gesetze der Schwerkraft entdeckte und damit die mechanische Anziehung der Gestirne aufeinander berechnen konnte, so war Fourier davon überzeugt, die Gesetze der leidenschaftlichen Anziehung entdeckt zu haben, die, analog zur Anziehung der Massen, die Anziehung der Menschen bestimmen und die Gesellschaft organisieren sollen. "12 primäre Leidenschaften, die unterteilt sind in fünf sensitive: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen - vier affektive: Freundschaft, Liebe, Ehrgeiz, Familiensinn - und drei distributive: Intrigentrieb, Abwechslungstrieb und Einungstrieb. Ferner existieren sekundäre Leidenschaften, tertiäre und quartiäre - insgesamt 810."
Vielleicht übertreibt Fourier hier ein wenig. Gutwillige Interpreten räumen deshalb ein, Fourier wolle damit den Anspruch der Exaktheit der Naturwissenschaften karikieren, und ernsthafte Bewunderer begegnen etwaigen Zweifeln mit dem Hinweis, daß Fourier die Entdeckung des Unbewußten durch Freud vorweg nehme.
"Die Harmonie entsteht nicht, wenn wir die Dummheit begehen, die Frauen auf Küche und Kochtopf zu beschränken. Die Natur hat beide Geschlechter gleichermaßen mit der Fähigkeit zu Wissenschaft und Kunst ausgestattet."

Der französische Philosoph Charles Fourier ist von Beruf Kaufmann.
Der utopische Sozialist Fourier übt massive Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft, die mit dem Überfluß auch die Armut schafft. Die Einrichtungen dieser Gesellschaft verhindern, daß der Mensch seine natürlichen positiven Möglichkeiten zu entfalten vermag. Als Gegenbild entwickelt Fourier die Utopie einer harmonischen Gesellschaft. Sie besteht aus Großkollektiven, in denen der einzelne seine Möglichkeiten und Leidenschaften voll und ganz zur Geltung bringen kann.
Aus: http://www.philosophenlexikon.de/fourier.htm

1947 erschien Andre Bretons "Ode an Charles Fourier" Breton wollte diesen bedeutenden bedeutenden Sozialutopisten dadurch "dem Strom desVergessens entreissen".
Weiter: http://userpage.fu-berlin.de/~twokmi/texte/fourier.htm

Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft
Friedrich Engels (Geschrieben bis März 1880, 1882 erstmalig veröffentlicht in deutscher Sprache)
Dazu: http://gutenberg.aol.de/engels/utopie/me19_189.htm

Fragebogen: »Utopien«
Aristoteles schrieb in seiner Einleitung zum siebten Buch der Politea: "Wer über die beste Verfassung urteilen will, der muss notwendig zuerst bestimmen, welches das wünschenswerteste Leben ist." Was gehört für Sie zu einem wünschenswerten Leben unbedingt dazu?
Fragebogen aus: Die Zeit
http://www.evote.de/cgi-bin/evote/stest.cgi

In der Datenbank konkreter Utopien findet man Verknüpfungen mit utopischen Seiten im World Wide Web.
Das Thema "Zukunft" hat kurz vor der Jahrtausendwende Konjunktur (zum "Inhalt"). Auf diesen Seiten werden nicht nur interessante Köpfe, Künstler und Initiativen vorgestellt, die an und in utopischen Projekten leben und arbeiten, sondern auch Initiativen, die sich in den unterschiedlichsten Bereichen mit Zukunftsfragen beschäftigen. Obwohl nur wenige Projekte sich ausdrücklich auf Bloch beziehen, tragen doch alle "die Hoffnung auf ein besseres Leben" als einen wesentlichen Kern in sich. Bloch beschäftigte sich in seiner philosophischen Forschung mit eben dieser Hoffnung, die Menschen bewegt, die Welt zu verändern. Bloch wurde damit zu einem Philosophen des "Noch Nicht".
Weiter: http://www.bloch.de/utopie.htm

Utopien - was kann uns die Zukunft an technischen Errungenschaften bringen?
http://www.ka-news.de/thema/0800seite4.shtml

Literaturhinweise zur "Langen Nacht der Utopie"

  • Borchert, Manfred / Maas, Michael (Hg): Freie Alternativschulen. Die Zukunft hat schon begonnen, Bad Heilbronn 1998 (Klinkhardt)
  • Buber, Martin: Pfade in Utopia, Darmstadt 1986 (Wissenschaftliche Buchgesellschaft)
  • Cantzen, Rolf: Weniger Staat - mehr Gesellschaft. Freiheit, Ökologie, Anarchismus, Frankfurt 1987 (Fischer Taschenbuch); Grafenau 1997 (Trotzdem)
  • Le Guin, Ursula, K.: Planet der Habenichtse, München 1992 (Heyne)
  • Rommelspacher, Birgit: Dominanzkultur. Texte zur Fremdheit und Macht, Berlin 1995 (Orlanda)
  • Saage, Richard (Hg.): Hat die politische Utopie eine Zukunft, Darmstadt 1992 (Wissenschaftliche Buchgesellschaft)
  • Ders.: Utopieforschung. Eine Bilanz, Darmstadt 1997 (Primus)
  • Stowasser, Horst: Freiheit pur. Die Idee der Anarchie, Geschichte und Zukunft, Frankfurt/M 1995 (Eichborn)
  • Stowasser, Horst: Leben ohne Chef und Staat, Träume und Wirklichkeit der Anarchisten, Kramer-Verlag, Berlin 1997
 

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