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| Lange Nacht | ||||||||||||||||||||||
| Manuskript vom: Sa. 16.12.2000 23:05 Eine Lange Nacht der Utopien Verdeckte Brüche |
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Es gibt kaum eine Chance für gesellschaftliche Utopien: Die parlamentarische Demokratie in Verbindung mit der kapitalistischen Marktwirtschaft etabliert sich global und wird als Modell wasserdicht und einwandsimmun. Die in vergangenen Zeiten beunruhigenden sozialen Utopien scheinen zusammen mit dem gescheiterten Staatssozialismus entsorgt. Pragmatismus, Kompromißfähigkeit, Einsicht in die Notwendigkeit des Marktes sind zu den zentralen Tugenden des Politikers geworden. Sonntagsreden über die Erweiterung der EU oder der NATO nach Osten werden als großartige Visionen und Zukunftsperspektiven gefeiert. Zusammen mit den anschließenden Börsennotierungen der Drei-Minuten-Nachrichten machen derlei "Visionen" bloch´sche Tagträume utopisch unschädlich. Als ewig-gestrig gilt seit langem ein Denken in Interessens- oder gar Klassengegensätzen. Wie also Armut, Vereinsamung, Rassismus, Sozialverfall, Umweltzerstörungen verstehen, wenn nicht - "marktgesellschaftlich" - als individuelles Problem.
Der Langen Nacht der Utopien geht es um die gesellschaftliche und soziale Perspektive. Eine relativ unbelastete Utopietradition gerät dabei in den Blick - die der Anarchisten und libertären Sozialisten.
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Der Begriff Utopie: http://www.phillex.de/utopie.htm Der Historiker Ernst Nolte: "... die Vertreter der Utopie sind zur Gewalt entschlossen und zwar zur Anwendung einer letzten und äußersten Gewalt ..." Der Publizist Joachim Fest: "... die Utopie verlangt ihrem Wesen nach stets eine totale Gesellschaft. Es gibt keine liberale Utopie ..." Der Philosoph Hans Jonas: "Es ist höchst notwendig, die Forderung der Gerechtigkeit, der Güte und der Vernunft vom Köder der Utopie freizumachen." Der Politikwissenschaftler Lothar Bossle: "... es ist die unausweichliche Tragödie jeder Utopie, daß sie im Zustand der Unschuld eines romantischen Denkens beginnt, um in einem Inferno totalitärer Exzesse zu enden ..."
Welt westlich von Spanien
Weit im Meer westlich von Spanien
In Cokaygne gibt's Speise und Trank
Dort sind auch Flüsse groß und fein
Ein schönes Kloster ist dort zu schauen
Alles gehört allen, ob jung und alt,
Ist dann ein Sommertag recht heiß
Wenn die jungen Mönche das sehn,
Auf daß ihr dieses Land beehrt
Der geregelte Zeitgenosse
Hei, wie er die Zukunft auswendig wußte!
Er war berühmt als Vater und Gatte,
Und wenn sich die Achse der Erde verböge:
Gewohnheit umgab ihn mit hohen Mauern.
Da half kein gesteigertes Innenleben.
Das Lieben und Atmen und Zeitunglesen,
Verschiedentlich faßte er Fluchtgedanken.
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Der Planet der Habenichtse
Utopie einer herrschaftsarmen ökologischen Gesellschaft
Eines der besten Werke der Science-Fiction des 20.Jahrhunderts ist zweifelsohne "Planet der Habenichtse" (Originaltitel:
"The Dispossessed" - die Besitzlosen) von Ursula K. Le Guin. In diesem Roman steht nicht die Beschreibung
futuristischer Technik im Vordergrund. Es ist vielmehr die Utopie einer Gesellschaftsordnung, die sich vom Kapitalismus
losgesagt hat und nach kommunistischen Grundlagen aufgebaut ist. In einem fernen Sonnensystem: Nach der
Niederschlagung der Revolution auf Urras, erlaubte man den Überlebenden, um sie loszuwerden, auf den
Nachbarplaneten Anarres auszuwandern, um dort eine Gesellschaft nach ihren Idealen aufzubauen.
Um das 40-jährige Bestehen ihrer
Sciencefiction-Reihe zu begehen, hat der
Heyne-Verlag im März eine zwölfbändige
Jubiläumsreihe mit ausgesuchter SF
herausgebracht, u.a. auch Die linke Hand der
Dunkelheit von Ursula K. Le Guin mit einem
Vorwort von John Clute. Dieses Buch, das bisher
auf Deutsch unter dem Titel Winterplanet
erschien, hat in mehrerlei Hinsicht SF-Geschichte
geschrieben. Der 1969 erschienene Roman wurde
mit dem Hugo und mit dem Nebula Award
ausgezeichnet. Ursula Le Guin war damit jeweils
die erste Autorin die in der Kategorie Roman
diese Preise erhielt (Anne McCaffrey hatte den
1968 Nebula für den Kurzroman 'Dragonrider'
und den 1969 Hugo für den Kurzroman 'Weyr
Search' erhalten). Le Guin war aber auch die
erste AutorIn überhaupt, die für einen Roman
beide Preise erhielt. "Ich hatte einen Traum..." Unzählige Frauen haben die magischen Worte Martin Luther Kings, Sesam für eine bessere Welt, ausgesprochen. Ihre niedergeschriebenen Reden und Werke von gestern und heute schlagen eine Zukunft vor, in der Recht und Frieden herrschen sowie die Gleicheit der Geschlechter. Die Welt ändern, das heißt, die Fundamente des sozialen Systems ändern und dazu gehört die Dominierung der Frau durch den Mann, das ursprünglichste Dominierungsmodell. Wie kann man sich eine völlig geschmischte Demokratie vorstellen, wenn Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert sind, weniger verdienen und nach wie vor die Hausarbeit verrichten? Unter den Männern, die von der Zukunft träumten, von den Utopisten der Renaissance (XV.-XVI. Jahrhundert) bis zu den zeitgenössischen Autoren der Sciencefiction, haben nur wenige darin eine Herausforderung für den Fortschritt der Menschheit gesehen.
Ganz im Gegenteil dazu die Frauen. Die Veränderung, die sich
Frauen vorstellen - militante wie Flora Tristan (19. Jahrhundert,
Louise Michel (19. Jahrhundert), die Amerikanerin Emma Goldman
(19. - 20. Jahrhundert) oder die Deutsche Rosa Luxemburg (Anfang
des 20. Jahrhunderts) - aber auch vielen Frauengruppen, wie die
spanischen Anarchistinnen der 30er Jahre, die die sexuelle
Erziehung priesen, setzt eine Veränderung der Beziehung der
Geschlechter voraus.
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"... eine Utopie über die bestehende Funktionsweise der kapitalistischen Wirtschaft hinaus ..." Elmar Altvater zu Utopie und Reform der Finanzmärkte: " Das System ist der Fehler - das ist sicher nicht ganz falsch, aber das System kann man nicht einfach abschaffen. Man kann nicht, wenn man selber in diesem System lebt, arbeitet, mit ihm umgeht und umzugehen gezwungen ist, aussteigen und sagen, ich gehe jetzt in ein anderes System über, denn das existiert nicht. Man kann nur dieses System reformieren und eine Veränderung im linken Denken der vergangenen Jahrzehnte sehe ich vor allen Dingen darin, daß der Reformwille größer geworden ist und die Utopie, die davon ausging, daß man einfach ein anderes System schaffen könnte, zurückgedrängt worden ist. Man kann natürlich eines machen, und das haben ja viele gemacht, nämlich aussteigen. Das System zeichnet sich ja auch dadurch aus, daß zumindest in den reichen Ländern, daß es sehr viele Spielräume ermöglicht und Nischen produziert, in denen man sich ansiedeln kann in der Illusion, man wäre aus dem System ausgestiegen. Aber letztendlich ist das natürlich nicht mehr als eine falsche Annahme, die sich auch immer wieder rächt, weil man von dem System ja doch dann immer wieder eingeholt wird. Die kapitalistische Gesellschaft, nennen wir sie einmal so, überlebt nur deshalb, weil sie reformfähig ist. Andererseits sehen wir aber, daß die Marktwirtschaft und die liberale Demokratie ungeheuere Probleme erzeugt. Das Problem der Armut - um nur einige zu nennen - ist überhaupt nicht gelöst, im Gegenteil, die Armut in der Welt wird größer, die Ungleichheit wird größer, man kann auch sagen, die Ungerechtigkeit in der Welt ist größer geworden, wenn man das quantifizieren kann. Die Finanzkrisen haben gezeigt, daß es keine Stabilität der Lebensentwürfe der Menschen gibt. Die ökologische Krise ist enorm und wir haben gerade gesehen, wie unfähig dann doch wiederum Regierungen sind, hier Reformen wirklich durchzuführen. Auf dem Haager Klimagipfel etwa. Also: Da sind noch viele Aufgaben zu reformieren und zur Veränderung dieses Systems - zur Veränderung aber in einem schrittweisen Sinne. Anders ist mir das nicht vorstellbar.
Utopien sind notwendig,.um die Menschen zum Handeln zu bringen. Kein Mensch handelt nur deshalb, um irgendetwas technisch zu verbessern. Nehmen Sie ein Beispiel: Die Attack-Bewegung zur Kontrolle der Finanzmärkte, scheinbar sind die Finanzmärkte etwas völlig Fremdes und von den Normalbürgern in ihrer Funktionsweise also auch nicht zu verstehendes. Eine Steuer auf Kapitalumsätze beispielsweise, das hätte vor 20 oder 30 Jahren niemanden bewegt, heute ist eine soziale Bewegung daraus entstanden, die die Kontrolle der Finanzmärkte auf ihr Programm gesetzt hat. Und diese Bewegung wächst, wächst auch weltweit. Sie ist also nicht nur national oder lokal beschränkt. Mit anderen Worten: Hier sind Reformen angedacht, nämlich Kontrolle, Regulation der Finanzmärkte, die nicht den Kapitalismus abschaffen, die aber versuchen, wieder so etwas wie Sicherheit der menschlichen Planung, der Perspektive, der Horizonte einzubringen, nachdem dies durch die Finanzkrisen in diesem Fall zerstört wurde. Wenn man von heute auf morgen verarmen kann, weil eine Währungskrise wie in Asien oder in Rußland oder Brasilien einfach eine Verarmung hervorruft von einem Tag auf den anderen, dann ist die Stabilisierung der Finanzmärkte auf einmal das Ziel einer sozialen Bewegung - gewissermaßen eine Utopie über die bestehende Funktionsweise der kapitalistischen Weltwirtschaft hinaus.
Menschenrechte und Bomben
Professor Elmar Altvater, seit zwanzig Jahren Mitglied der grünen Partei, rechnet mit der Kriegspolitik ab:
Mehr zu Elmar Altvater:
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Forum gegen Rassismus und rechte Gewalt Oranienburg Pfarrer Bernhard Fricke: "Ziel unserer Arbeit ist es zur Zeit, diejenigen zu stärken und diejenigen miteinander zusammenzubringen, die etwas tun wollen für eine menschenfreundliche Gesellschaft, für Menschenrechte auf lokaler Basis sag ich mal, auch im Alltag, in der Schule, in den Verwaltungen sich für das Zusammenleben der Menschen einzusetzen." Der Begriff Rassismus ist uns schon deshalb wichtig, weil es nicht nur darum geht, Ausländerfeindlichkeit anzusprechen, sondern es geht auch darum, was passiert eigentlich bei uns allen in den Köpfen. Welche Vorurteile oder welche tiefen Vorurteile haben wir eigentlich und grenzen aus, auch wenn wir es manchmal nicht wollen. Welche Ideologien spielen dabei eigentlich eine Rolle und letztendlich ist es mir auch wichtig, was hat das mit unserer deutschen Geschichte zu tun.
Wir müssen unsere Ideen in die Öffentlichkeit hineintragen. Diese Gesellschaft ist eine Gesellschaft von Ungleichen, von Menschen, die Macht haben über andere. Es gibt ein Oben und ein Unten. Es gibt ein Fragen nach der Nützlichkeit von Menschen in unserer Gesellschaft, eine schreckliche Geschichte, daß Menschen danach beurteilt werden, was sie leisten können und was sie beitragen können, aber nicht nach ihrer eigenen Würde und nach ihrem eigenen Wert gefragt werden.
Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und
Fremdenfeindlichkeit "... das Utopische in den Alltag hineinbringen ..."
Oskar Voigt und Andrea Merrath von der "Freien Schule in Berlin e.V."
Universelle leidenschaftliche Anziehung
Der französische Philosoph Charles Fourier ist von Beruf Kaufmann.
1947 erschien Andre Bretons "Ode an Charles Fourier" Breton wollte diesen bedeutenden bedeutenden Sozialutopisten dadurch "dem Strom desVergessens entreissen".
Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft
Fragebogen: »Utopien«
In der Datenbank konkreter Utopien findet man Verknüpfungen mit utopischen Seiten im World Wide Web.
Utopien - was kann uns die Zukunft an technischen Errungenschaften bringen? Literaturhinweise zur "Langen Nacht der Utopie"
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