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Lange Nacht
Manuskript vom: Samstag 19.5.2001   • 23:05

Eine Lange Nacht zum Sechzigsten von Bob Dylan
Back to the sixties
Bob Dylan
Bob Dylan
Autor:  Günter Amendt

Für die Medien weltweit ist Dylans 60. Geburtstag Anlass, ihn als einen der bedeutendsten Künstler unserer Zeit zu würdigen. Für Dylan sicher kein Grund, seine "never ending Tour" zu unterbrechen. Er wird den Tag mit seiner Band irgendwo auf einer Bühne dieser Welt verbringen.

In Dylans Laufbahn als songwriter und performing artist gab es immer wieder Brüche, die sein Publikum irritierten und bis zur Randale provozierten. Die Lange Nacht kommt noch einmal zurück auf Dylans Deutschlandpremiere 1978 und den Zwischenfall in der Berliner Deutschlandhalle, als aus dem Publikum Wasserbeutel und Mehltüten auf die Bühne geworfen wurden. Auch das Konzert in Nürnberg, wo Dylan und seine Band sich plötzlich inmitten der Nazikulisse des Reichsparteitagsgeländes wiederfanden, ist Thema der Sendung.

In der deutschsprachigen Uraufführung eines Hörspiels von Sam Shepard "True Dylan" gibt "Bob" Auskunft über die Idole seiner eigenen Jugend und über die Jahre, die er nach dem Motorradunfall in Woodstock als Familienmann mit Sara und den Kindern verbrachte. Das Thema "Dylan und die Frauen" wird (in einem Kongressbericht) angemessen erörtert werden mit Texten und Musik von Dylan und über Dylan.

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"Bob Dylan" (1962)


"Highway 61 Revisited" (1965)

Dylans Bedeutung in den 60er Jahren als Musiker und "spokesman for a generation", wie ihn sein Manager Albert Grosman zu nennen pflegte, ist heute unumstritten. Damals allerdings warfen ihm Folk-Puristen Verrat an der politischen Sache vor, als er beim Folkfestival in Newport die Wandlung vom singenden, klampfenden und Mundharmonika spielenden Straßensängers zum elektrifizierten Song- Poeten vollzog. Mehr als jeder andere hat Dylan mit seinen Liedern den Soundtrack zur Jugendrebellion der 60er Jahre geliefert. Bringing it all back home - Dylan war da, wo er schon immer hinwollte - beim Rock'n'roll.

Mit seinen Songs, die verlockende Bilder von Freiheit und Glück transportierten, traf Dylan die Sehnsüchte und Visionen einer zur Rebellion entschlossenen Generation. Davon ist auch sein Biograph Anthony Scaduto überzeugt: "Als er den Protestsong aufgab und sich einer neuen literarischen Form zuwandte, wurde Dylan noch viel politischer als zuvor; jedenfalls in der Stimmung, die er ansprach".

 



"Time Out Of Mind" (1997)

Dylans Abkehr von der Folk-Szene steht auch für die Radikalisierung der Protestbewegung. Die Protestkultur zerfiel in einen traditionalistischen an der Kultur der Arbeiterbewegung und deren Aktionsformen orientierten Flügel und einen antiautoritär hedonistischen, der nicht nur die politischen sondern auch die privaten Verhältnisse zur Sprache brachte und dabei das Sexuelle ebenso wenig ausklammerte wie die Erfahrungen im Umgang mit Drogen: Everybody must get stoned. Dylans Art, Geschichten zu erzählen, seine Art, die Wirklichkeit zu brechen und zu verfremden, um sie dann wieder in surrealen Traumsequenzen und visionären Bildern zusammenzusetzen löste einen Schock aus. Wer jung war in den 60er Jahren und wach, der lebte nicht einfach mit Musik. Er lebte in der Musik. Da geschahen plötzlich Dinge, die niemand für möglich gehalten hätte. Dylans Texte führten weg von den Trivialitäten gängiger Rocksongs hin zur Alltagserfahrung von Jugendlichen. Musik wurde zu einer Erlebniswelt, in der Liebe, Sehnsucht, Hass, Trennungsschmerz, Angst, Wut, Verzweiflung, Trauer, Paranoia und Einsamkeit - alle Stimmungslagen und alle Gefühlszustände ihren Platz hatten. Durch ihn fand die Rockmusik zur Selbständigkeit und bekam den Mut, Intelligenz zu beweisen..

"Still on the road/ hiding for another joint", Dylan ist noch immer unterwegs. Er hat noch immer ein Publikum. Mit TIME OUT OF MIND legte er Ende der 90er Jahre eine CD vor, die weltweit als grandioses Comebackalbum gefeiert wurde. Seinen Geburtstag wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit auf irgendeiner Bühne an irgendeinem Ort dieses Planeten verbringen. Eigentlich wollte Dylan immer nur eines: Musik machen. Wer ihn heute auf der Bühne erlebt, sieht einen Mann, der sich von allen ihn umrankenden Mythen befreit hat, und damit von allem, was ihn daran hindern könnte eben das zu tun: Auf eine Bühne zu gehen und gemeinsam mit anderen, Musik zu machen: La musica Rock'n'roll.


Günter Amendt

 



"Newmorning" (1970)
True Dylan
Hörspiel in einem Akt, wie es sich an einem Nachmittag in Kalifornien wirklich ereignete
Von Sam Shepard
Übersetzung und Regie Günter Amendt

Zwei Männer, Bob und Sam, der eine als Musiker, der andere als Dramatiker lebende Legenden, treffen sich in einem Haus an der kalifornischen Küste und sprechen über die Idole ihrer Kindheit und Jugend. Wie sie sich mit dem Radio in den Schlaf geträumt haben, welche Musik sie dabei hörten und welcher Film in ihrem Kopf ablief. Sie versuchen das "Geheimnis" von James Dean zu ergründen und das der Frauen und Kellnerinnen. Was als Interview beginnt, entwickelt sich zu einem intensiven Zwiegespräch. Ob die Begegnung tatsächlich stattgefunden hat, wie der Untertitel von Shepards Einakter suggeriert, ist unerheblich. Wer Dylan begegnet ist, wird im Dialog von Sam und Bob den "wahren Dylan" wieder erkennen.

Audio "True Dylan" hören

 




Günter Amendt
Back to the Sixties.
Bob Dylan zum Sechzigsten.
2001. konkret Literatur Verlag

 



"Infidels" 1983

Offizielle Diskographie, alle offiziellen Songtexte (durchsuchbar) und Liner-Notes, Hörbeispiele zu allen Songs, aktuelle Live-Aufnahmen und jeden Tag ein neues Dylan-Zitat. Gute Seite für Einsteiger mit vielen Bildern und Alben.
http://www.bobdylan.com

Außerdem:
http://www.savoy-truffle.de/dylan/links.html

 



Dr. phil. Günter Amendt
Geboren 1939 in Frankfurt/Main, lebt als Sozialwissenschaftler und Publizist in Hamburg.

http://www.mu-luebeck.de/studium/sg00amen.htm
http://www.hanfnet.org/archiv/guenter-amendt.html

 




Buchtipps:

Bob Dylan
Bob Dylan, In eigenen Worten.
Hrsg. v. Christian Williams.
2001. Palmyra-Verlag

Paul Williams
Forever Young.
Die Musik von Bob Dylan, 1974-1986.
Vorw. v. Günter Amendt.
1995, Palmyra-Verlag

Willi Winkler
Bob Dylan. Ein Leben.
2001, Fest-Verlag

Early Dylan:
Mit einem Vorwort von Arlo Guthrie.
Aufnahmen von Barry Feinstein,
Daniel Kramer u. Jim Marshall.
1999. Schirmer/Mosel-Verlag

 

 

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