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Lange Nacht
Manuskript vom: Sa. 29.9.2001 • 23:05

Die Lange Nacht der Bohème
Das Logierhaus zur schwankenden Weltkugel


Autor:  Kurt Kreiler

Die Bohème ist eine Form der schöpferischen Gegen-Kultur, ein Akt der Rebellion - die Daseinsform der ewig Jungen, der kultiviert Leichtsinnigen, der Spötter und der Liebenden. Café und Atelier bilden ihre Spielwiese.

Der Bohemien, verliebt ins Leben und in den Eros, opponiert gegen das Korsett der bürgerlichen Normen. Das Leben soll ihm zum Kunstwerk werden, die Arbeit zum kunstvollen Spiel.

Poesie und Revolution - Vatermord und Brüderhorde - der Geldkomplex - freie Liebe - Mutter, Muse, Vamp: das sind Kapitel in der Langen Nacht der Bohème, die Sie teilnehmen läßt an der Klutur des lustvollen Widerstands. Zu ihrem Protagonisten zählen Peter Hille, Else Lasker-Schüler, Paul Scheerbart, Erich Mühsam, Peter Altenberg, Franziska zu Reventlow, Walter Serner, Klabund und viele andere.

Paris - Berlin (1850 - 1900), Schwabing - Ascona (1900 - 1914) und Wien - Berlin - Zürich (1900 - 1916) markieren die Stationen dieser literarischen Reise mit Spielernaturen und Natur-Spielern.

 

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Die provisorische Existenz des Bohemiens, des kunstsinnigen Lebenskünstlers, hat als erster der französische Schriftsteller Henry Murger ins Bild gesetzt. Seinen eigenen Erfahrungen als hungernder Literat gewann er die witzigen Seiten ab in dem pittoresk-realistisch-sentimentalen Roman "Scènes de la vie de bohème", der 1851 erschien und sein einziger Erfolg blieb. Dem Publikum, das sich an der rührseligen Bühnenfassung und an Puccinis Oper erfreute, kam nicht in den Sinn, daß der Autor Murger, Hedonist und Künstler der Mansarde, an den Folgen seiner jugendlichen Entbehrungen mit 38 Jahren gestorben ist. In der Vorrede zum Roman äußert er sich zum Wesen der "echten Bohème".

Henry Murger:
Künstlerkneipe Simplicissimus aus: Wo die Geister wandern (s.u.) Die Bohemiens wissen selbst aus unglücklichen Zufällen Nutzen zu ziehen. Regen oder Staub, Schatten oder Sonne, nichts hält diese kühnen Abenteurer auf, deren Laster sämtlich mit einer Tugend gepaart sind. Ihr Geist wird stets wach gehalten vom Ehrgeiz, der ihnen zum Angriff bläst und sie zum Sturm auf die Zukunft treibt: ohne Unterlaß liegen sie im Kampf mit der Notwendigkeit, und ihre Erfindungsgabe, die stets mit brennender Lunte einhergeht, sprengt auf diese Weise das Hindernis, ehe es sie überhaupt zu hemmen vermochte. Jeder Tag ihrer Existenz ist ein geniales Kunststück, ist ein tagtäglich von neuem auftauchendes Problem, das zu lösen ihnen mit Hilfe verwegener Rechenkünste stets gelingt. Diese Leute zwängen selbst Harpagon, ihnen Geld zu leihen, und sie fänden Trüffeln auf dem Floß der "Medusa". Wenn nötig, wissen sie mit der ganzen Tugend eines Anachoreten Enthaltsamkeit zu üben; aber fällt ihnen ein wenig Geld in die Hände, so sieht man sie alsbald die kostspieligsten Launen reiten; sie lieben dann die Schönsten und Jüngsten, trinken vom Besten und Ältesten und finden nie genug Fenster, um ihr Geld hinauszuwerfen. Wenn dann ihr letzter Heller tot und begraben ist, beginnen sie wiederum am Mittagstisch des Zufalls zu speisen, wo immer er für sie gedeckt ist, und mit einer Meute von Listen wildern sie in allen Gewerben, die irgendwie mit der Kunst verwandt sind, und jagen vom Morgen bis zum Abend das wilde Tier, genannt Fünffrancsstück.

Buchtipp:

Dirk Heißerer
Wo die Geister wandern
Eine Topographie der Schwanbinger Bohème um 1900
Diederichs Verlag, München 1993

Buchtitel 'Wo die Geister wandern' Die "Kunststadt" München fand im alten Dorf Schwabing den Ort für ihre Bohème: "Er war lange die ästhetische Experimentierstation der Kulturstadt München", schreibt 1946 der Schriftsteller René Prévot in seinem Buch "Seliger Zweiklang. Schwabing/Montmartre". Das Bayerische Montmartre, von ähnlichen Begriffen wie Wahnmoching (Gräfin Reventlow), Wett-Vorort (Ludwig Klages), Schwabylon (Roda Roda) und Traumsstadt (Peter Paul Althaus) stilisiert und unter einer dicken Anekdotenkruste der Jahrzehnte fast verschwunden, hat allgemeine und ganz konkrete Bedingungen für seine Anfänge um 1900. Ex oriente lux:Der Begriff Bohémien steht im Französischen für den Böhmen und den Zigeuner; die Bohéme meint allgemeiner die ungebunden und freizügige Künstlerwelt. In Entsprechung dazu gibt um 1900 in Österreich und Bayern den umgangssprachlichen Ausdruck Schlawiner; abgeleitet ist er vom Slowenen bzw. Slowaken, besonders von den slowenischen Hausierern, die im Handel mit Mausefallen als besonders geschäftstüchtig galten. In München fiel unter den Begriff Schlawiner - so Victor Mann in seinen Erinnerungen "Wir waren fünf (1949) - alles, was hinter den tausend Schwabinger Atleierfenstern malte und Ton knetet, in den Mansarden dichtete, sang oder Noten schrieb, in kleinen Gasthäusern Schulden machte und in Cafés Nihilismus oder Ästhetentum verkündete. Vorausetzung war nur, daß sich der Künstler in Kleidung und Gehaben unbürgerlich gab. Tat er dies, so war er eben auch als geborener Mecklenburger, Franzose, Rheinländer, Norweger oder Thüringer ein Schwabinger Schlawiner."

Hörbeispiel
Hörbeispiel - bitte anklickenDie Lange Nacht der Bohème (Ausschnitt)

Die Lange Nacht der Bohème: das gesamte Manuskript
Das gesamte ManuskriptTeil 1
Das gesamte ManuskriptTeil 2
Das gesamte ManuskriptTeil 3

Franziska (Fanny Sophie Liane Auguste Adrienne) Gräfin zu Reventlow
(auch: Franziska von Revent)
Geb. 18.5.1871 Husum; gest. 25.7.1918 Muralto/ Kt. Tessin.
Reventlow war das vierte Kind einer geborenen Reichsgräfin zu Rantzau und Ludwigs Graf zu Reventlow, Landrat von Husum. Schon früh leistete sie Widerstand gegen die Erziehung zur "höheren Tochter" und die gängige Sexualmoral. Nach der Pensionierung des Vaters zog die Familie nach Lübeck; hier besuchte R. das Lehrerinnenseminar. Mit Erreichen der Volljährigkeit trennte sie sich endgültig von der Familie. In Hamburg lernte sie einen Gerichtsassessor kennen; er finanzierte ihr ab 1893 das Malstudium in München und heiratete sie 1894, 1895 trennten sie sich wieder, 1897 erfolgte die Scheidung. Das freie Leben in der Schwabinger Boheme finanzierte sie durch Übersetzungen, betrieb zeitweise ein Milchgeschäft und arbeitete als Glasmalerin; in dieser Zeit war sie mit Rilke befreundet. Seit 1909 lebte sie vor allem in der Schweiz, heiratete 1911 einen baltischen Baron, verlor aber das dadurch erworbene Vermögen wieder durch einen Bankbankrott.
http://gutenberg.aol.de//autoren/reventlo.htm

Franziska Gräfin zu Reventlow
Das Logierhaus "Zur schwankenden Weltkugel"
(Auszug) "So kam es, daß der Ankommende ohne Ausnahme im ersten Moment etwas stutzig wurde und ratlos dastand. Hieronymus aber wußte sofort Rat, blickte ihn siegreich durch sein Monokel an und brachte die Bekanntschaft durch einige aufklärende Worte weiter ins Rollen. Er bemerkte, daß er schon lange hier lebe und mit besonderem Vergnügen allen neuen Gästen behilflich sei, sich zu orientieren. - Ob man schon ein Hotel gewählt habe? Nein? Nun, dann könne er das Logierhaus "Zur schwankenden Weltkugel" unbedingt empfehlen, wo er selbst wohne und man gut untergebracht sei. Das Resultat war fast immer das gleiche - noch halb betäubt von der Seefahrt, überwältigt von der außerordentlichen Erscheinung und Handlungsweise dieses Herrn, büßte man jede weitere Selbstbestimmung ein und endete im Logierhaus "Zur schwankenden Weltkugel". Dort angelangt, fuhr Hieronymus Edelmann in der gleichen überzeugenden Weise fort, sich zu betätigen, stellte neuangekommene und schon vorhandene Gäste einander vor, und zwar geschah das so, daß jeder den anderen für einen alten Bekannten des gemeinsamen Schutzpatrons hielt und der Verkehr von vornherein unter falschen Voraussetzungen begann. Überhaupt entwickelte sich hier alles unter mehr oder minder falschen Voraussetzungen. Das Logierhaus selbst war ein ziemlich fragwürdiger Aufenthalt - eine zweistöckige alte Baracke mit giebelartigem Aufbau, stand es am Abhang unweit des Meerufers und hatte infolge irgendwelcher Terraineigentümlichkeiten die Gewohnheit, von Jahr zu Jahr tiefer einzusinken, so daß die Fenster des Erdgeschosses sich immer mehr dem Boden näherten. Uns konnte das ja gleichgültig sein, denn wir gedachten nicht, ewig hierzubleiben, aber der Besitzer, ein vierschrötiger Holländer mit schiefen blauen Augen, umkreiste das Gebäude des öfteren mit sorgenvoller Miene und konstatierte dann, seit letztem Frühjahr sei es wieder um einige Zoll gesunken."
Weiterlesen:
http://gutenberg.aol.de//reventlo/
weltkugl/weltkugl.htm

Franziska von Reventlow
Es hat ein Gott mich ausgekotzt - von Arpe Caspary.
Ein frecher Ironiker, ein haltloser Schwärmer: Zwei neue Gesamtausgaben feiern Klabund Wenn es je eine Mesalliance gab, dann diese: 1924 erobert der 33jährige, seit seinem sechzehnten Lebensjahr an einer geschlossenen, nicht ansteckenden Tuberkulose leidende Dichter Klabund eine der schönsten Frauen seiner Zeit - Carola Neher. Ihre Schauspielkunst und mondäne Lebensführung bezauberte Kaisersöhne, Dichterfürsten, klandestine Kommunisten und Kritikerpäpste gleichermaßen. Er - nach Aussage vieler Zeitgenossen kaum ein schöner Mann - muß fast Jahr für Jahr Monate in Bad Reichenhall, Locarno oder Davos zubringen; sie - nach der repräsentativen Beschreibung des Journalisten Fred Hildenbrandt eine "schwarze hübsche Menschenfresserin" - führte ein aufreibendes Nachtleben zwischen Premieren, Beziehungspflege und Speisung der sensationsgierigen Öffentlichkeit. Vier Jahre später, nach einer ebenso innigen wie strapaziösen Ehe, stirbt Klabund.
weiterlesen:
http://www.berlinonline.de/kultur/lesen/
belle/.html/belle.199852.02.html


Ich nahm ein Mädchen zu mir über Nacht.
Das macht nichts.
Bevor sie einschlief, sagte sie: "Sind Sie ein Dichter ?!?"
"Weshalb? Vielleicht. Das macht nichts."
"Ich habe nämlich auch einmal gedichtet -."
"?!?"
"Ich hab dich so gern.
Nun bist du fern ---.
Das macht nichts.
Auf meinem Grab wird stehn:
'Ich liebe dich!'
Niemand wird wissen, wer und wen---.
Das macht nichts."
Ich gab dem Mädchen 10 Gulden statt 5 --.
"Oh," sagte sie lächelnd, "5 waren nur ausbedungen!?!"
"Das macht nichts. Die Rechnung stimmt. Sieh', Mädchen, wie genau ich zähle ---
5 für deinen süßen Leib und fünf für deine süße Seele!"

Peter Altenberg, der Verfasser schwebend präziser Miniaturen in Prosa, war neben Arthur Schnitzler die stärkste dichterische Begabung im Wien der Jahrhundertwende. Ein Bohemien durch und durch, ein Pumpgenie, der gerne am bürgerlich reichen Leben partizipierte - immer ohne eigene geldliche Mittel.

So sollte es immer sein.
Ein Herr trat auf mich zu im Café und sagte: "Ich bin ein fanatischer Verehrer von Ihnen."
"Bitte sehr," sagte ich. "Da werden Sie vielleicht gern einen edlen Champagner zahlen?!?"
"Mit allergrößter Freude."
Wir tranken drei Flaschen G. und H. Mumm, extra dry; süß. Es wurde sieben Uhr morgens. Ich ging ins Zentralbad, 27 Grad, Porzellanwanne. In der Kassa saß eine junge Dame mit edelzarten Händen. Ich sagte ihr mit meinen Augen: "Süßeste Kassierin -" Und: "Man sollte dich miterstehen dürfen - - ."
Dann frühstückte ich in einer Charcüterie: kalten geräucher-ten Stör aus der Wolga, das Deka 12 Heller. Crevettes aus Ostende. Grüne große Oliven aus Spanien, zehn Stück 60 Hel-ler. Prager Schinken, das Deka 6 Heller, 90 Heller. Zwei Bana-nen, gold-gelb-schwarz gefleckt, aus Afrika, das Stück 30 Hel-ler, 60 Heller.
Dann kaufte ich mir eine blaue phototypierte Ansichtskarte: "Weg, am See entlang." In einer Winterlandschaft.
Ich dachte sie mir eingerahmt in einem fünf Zentimeter brei-ten Eschenholzrahmen.
Ich kam infolge dieser Träumereien um halb zehn Uhr mor-gens nach Hause. Da sagte das junge Hausmeistermädchen, die mich zum Aufzuge führte, zu mir: "Herr Altenberg haben gewiß wieder heute nacht umgeschmissen - - ."
"Jawohl", sagte ich, "die Weltordnung der Philister!"
Sie dachte: "Nun, er hat 40 Heller bezahlt für den Aufzug, obzwar es im Zins bereits schon miteingerechnet ist - "

Tabackhaus Zum Hausdichter aus: Wo die Geister wandern, s.o.)

Links:

  • http://www.gutenberg.aol.de/autoren/altenbrg.htm
    Peter Altenberg
    http://gutenberg.aol.de/altenbrg/prosaskz/0htmldir.htm
    Prosaskizzen von Peter Altenberg
  • http://members.aol.com/woheisch/index.htm
    mit vielen Links und aktuellen Informationsveranstaltungen
  • Wuppertal war 1990 Gründungsort der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft. Ihr Ziel ist es, das literarische und künstlerische Werk der 1869 in (Wuppertal)-Elberfeld geborenen, während der Nazizeit verfolgten und 1945 in Jerusalem gestorbenen Schriftstellerin zu pflegen und als wichtigen Beitrag zur deutsch-jüdischen Kultur lebendig zu erhalten. Ihr Schicksal steht als Metapher dafür, wie in Nazi-Deutschland mit Intellektuellen umgegangen wurde:Else Lasker-Schüler floh 1933 aus Deutschland in die Schweiz, wo sie von der Fremdenpolizei bespitzelt wurde und Schreibverbot hatte. Später wurde ihr die Einreise verweigert. In Jerusalem, wo sie 1945 starb, hat sie die Sprache dieses Landes nie gelernt - auch dabei erging es ihr wie vielen anderen geflohenen Dichtern außerhalb des eigenen Sprachraumes. Die Bilder von Else Lasker-Schüler, die auch eine Poetin der Zeichenfeder war, wurden 1937 als "entartet" aus den Museen entfernt. Paul Hindemith, der als erster renommierter Komponist ihre Gedichte vertont hatte, galt den Nationalsozialisten als "undeutscher Tonsetzer".

    http://www.els.gesellschaft.wtal.de/
    pages/wiruns.html

    "GESCHICHTE SOLL NICHT DAS GEWISSEN BELASTEN,
    SONDERN DEN VERSTAND ERHELLEN."
    LESSING.
    Hier stellt sich die erste politische Literaturgesellschaft in Deutschland vor Mit Links u.a. zu:
    Der Weg zum Exil-Archiv
    Zentrum für verbrannte Literatur und verfemte Kunst

    Internetangebot des Else-Lasker-Schüler Haus e.V.
    http://www.else-lasker-schueler.de

  • http://www.erich-muehsam.de/leben.html
    Erich Kurt Mühsam
    Schriftsteller, geboren am 6. 4. 1878 in Berlin, ermordet am 10. 7. 1934 im Konzentrationslager Oranienburg.
    Konfession: jüdisch, 1926 aus dem Judentum ausgetreten.
    http://www.muehsam.org/Publikationen.html
    Die EMG gibt zwei Publikationsreihen heraus: das "Mühsam-Magazin" und die "Schriften der Erich-Mühsam-Gesellschaft". In der Schriftenreihe werden Texte von Erich Mühsam (zum Teil Erstveröffentlichungen aus dem Nachlaß und seltene Publikationen) gedruckt, vor allem aber Aufsätze und Vorträge der Erich-Mühsam Tagungen. Das Magazin enthält unbekannte und bekannte Texte von Erich Mühsam, Nachrichten und Literatur zu Erich Mühsam, Informationen der Gesellschaft und andere Beiträge
  • Futuristischer Schleifenschüttelreim:
    Der Nitter splackt.
    Das Splatter nickt,
    wenn splitternackt
    die Natter splickt.
    (Postkarte an Erich Ebstein, 19. Mai 1913)
    Marginalien (1991/92), S. 19
    Auch in: Posaune, Band 2 (1984), S. 717
    Mehr Schüttelreime und Schüttelgedichte von Erich Mühsam unter:
    http://www.brix.de/bibliothek/literatur/
    schuettelreime/muehsams_geschuetteltes/

    Zusammengestellt und mit einem Reimregister versehen von Reiner Scholz
  • http://www.geocities.com/Athens/Forum/
    7501/ph/cs/e6o.html

    Gegen Ende des 1. Weltkriegs kommunizierten Carl Schmitt und Theodor Däubler in dem geistigen Element Münchens, das als Schwabinger Bohème zu bezeichnen, zu kurz gegriffen wäre, so lesen wir bei Paul Noack "Unser Lokal war die Akropolis (ein griechisches Weinlokal), nicht das Café Stefanie", erinnert sich Schmitt noch als alter Mann. Ein junger Mann war Schmitt, nämlich 24 als er und Däubler sich in Düsseldorf kennenlernten. Sie wanderten im Sommer 1912 wochenlang durch Elsaß und Rheinland. Däubler war zwölf Jahre älter, ein dichtender Seher und ein Vagabund. Die wichtigste Reise war die, die er 1909 in der Toskana mit dem sechs Jahre älteren Ernst Barlach machte.
  • "Er hat Bühnen- und Bildwerke geschaffen, alle ausgezeichnet durch eine höhere Schlichtheit; nur der geprüfte, umgetriebene Geist erlangt sie zuletzt. Erdgebunden war niemand weniger als dieser Künstler, der dennoch gelernt hatte, die stummen Wesen um ihn her redend zu machen und den Unbewußten ihre innigste Gestalt zu geben."
    Heinrich Mann, Die größte Macht, 1938

    http://www.barlach-stiftung.de/
    Die Ernst Barlach Stiftung Güstrow führt zur Zeit ein Forschungsprojekt durch zum Thema: "Die Holzskulpturen Ernst Barlachs unter Berücksichtigung der mittelalterlichen Holzfiguren Norddeutschlands", mit Mitteln des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Dafür ist es notwendig, einen Überblick über Barlachs gesamtes Schaffen als Bildhauer zu erhalten und Friedrich Schults Verzeichnis des plastischen Werkes von 1960 neu zu bearbeiten. Die Ernst Barlach Stiftung bittet um Hinweise auf plastische Arbeiten, sowohl Holzskulpturen als auch Werkmodelle, Bronzegüsse, Porzellanfiguren und Keramiken. Diskretion ist selbstverständlich.

  • Peter Hille
    Geb. 11.9.1854 Erwitzen/Kreis Höxter; gest. 7.5.1904 Berlin-Großlichterfelde. Der Sohn eines Lehrers und späteren Rentmeisters besuchte die Gymnasien in Wartburg und Münster. Nach schulischem Mißerfolg und kurzem Aufenthalt in Höxter war er in Leipzig Gasthörer an der Universität und Mitarbeiter in einer Verlagsredaktion. Im Winter 1878/79 ging er nach Bremen zum "Bremer Tageblatt"; nach dem Scheitern dieses Blattes lebte er ab 1880 in London, 1882-84 in Holland. Die Gründung einer Theatergruppe mißlang, Hille kehrte völlig verarmt nach Deutschland zurück. In Berlin versuchte er sich 1885 als Herausgeber und einziger Mitarbeiter der Zeitschrift "Völkermuse - Ein kritisches Schneidemühle". Das Projekt scheiterte nach zwei Nummern, aber er gewann in Liliencron (einem der beiden namentlich bekannten Abonnenten) einen Freund, der den Roman Die Sozialisten zum Druck vermittelte. Als keine nennenswerte Resonanz erfolgte, begab sich Hille, der sich selbst ein "Meerwunder an Erfolglosigkeit" nannte, auf Wanderschaft durch die Schweiz und Italien. 1891 kehrte er zu seinem Bruder nach Hamm zurück. Ab 1895 lebte er wieder in Berlin, wechselte häufig die Wohnung, schlief nicht selten im Freien; seinen Freunden galt er bisweilen als verschollen. Schließlich fand er im Haus der "Neuen Gemeinschaft" der Brüder Hart eine Bleibe. Im Winter 1902/03 gründete Hille, der bald eine Kultfigur der Berliner Boheme wurde, mit Hilfe seiner Freunde (u.a. Else Lasker-Schüler, Erich Mühsam, Richard Dehmel, Otto Julius Bierbaum) das "Cabaret zum Peter Hille", in dem er literarisch-musikalische Abende von hohem Anspruch hielt.
    http://gutenberg.aol.de/autoren/hille.htm
 

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