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 Lange Nacht
 Sendung vom: Samstag 24.8.2002   • 23:05

Die Lange Nacht der Fälscher und Fälschungen
... die Fuge hast du ganz gestohlen
Konrad Kujau mit seinem berühmtesten Werk Konrad Kujau mit seinem berühmtesten Werk: Hitlers Tagebücher
 
Autor:  Rainer-Kurt Langner

Als Louis Aragon Pablo Picasso besuchte, zeigte dieser seinem Gast einen Goya. Auf Aragons Frage, ob das Bild echt sei, antwortete Picasso im Brustton der Überzeugung: "Selbstverständlich ist es echt, ich habe es ja selbst gemalt."

Diese Anekdote ist eine Fälschung und doch eine geistreiche Paradoxie.

Goethe und seine Zeitgenossen haben den berühmten "Ossian" als gälischen Dichter gefeiert; der "Stern" hat die Tagebücher Hitlers veröffentlicht; in die Kornfelder bei Cornwall sind Spuren außerirdischer Flugapparate kreisrund eingebrannt; Fotos zeigen UFOs. Nichts gibt es, was nicht zu fälschen wäre. Bilder, Plastiken, Möbel, Bauwerke, literarische Werke, Musik, Briefe, Tagebücher, Autographen, Urkunden, Verträge, Geldscheine, Münzen, Lebensmittel, Fotografien, Medikamente, Spiel- und Dokumentarfilme - nichts ist vor dem Eifer geschickter Fälscher sicher, selbst die moderne Zeitrechnung ist eine Fälschung. Es heißt, daß es vermutlich mehr Fälschungen als Originale gibt.

Diese Lange Nacht erzählt von den spektakulärsten Fälschungen der Neuzeit, von einer Welt, die betrogen werden will.

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Uwe Topper: Fälschungen der Geschichte

Uwe Topper
Fälschungen der Geschichte.
Von Persephone bis Newtons Zeitrechnung.
2001. -HERBIG-

Horst Czichos
Was ist falsch am falschen Rembrandt?
und Wie hart ist Damaszener Stahl?
Wie man mit Technik Kunst erforscht, prüft und erhält.
2002. -NICOLAI'SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG-
Kunst hat nicht nur ihre ideelle, sondern auch ihre materielle Grundlage. Und die Untersuchung der Materialien kann überraschende und höchst aufschlussreiche Erkenntnisse zutage fördern. Warum sind bestimmte Kunstwerke außergewöhnlich haltbar? Was ist das Besondere an chinesischem Seidengewebe? Woran erkennt man einen falschen Rembrandt oder eine falsche Schubert-Symphonie? Vom Neandertaler-Schädel von Le Moustier bis zu den angeblichen Tagebüchern Hitlers reicht die Spannweite der Objekte,die hier einmal der Ingenieur und nicht der Kunsthistoriker unter die Lupe nimmt oder auch in den Kernspintomographen schiebt. Horst Czichos ist Präsident der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin. In diesem Buch hat er einige der spektakulärsten Fälle aus seiner langjährigen Amtszeit zusammengestellt.

Stefan Römer
Künstlerische Strategien des Fake.
Kritik von Original und Fälschung.
2001. -DUMONT LITERATUR UND KUNST VERLAG
Unter dem Titel "Fake" konstatiert Stefan Römer in der Kunst eine fundamentale Umstrukturierung des Originalbegriffs seit den siebziger Jahren. Sein Buch zeigt auf, dass für zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler die Fälschung nicht mehr dasObskure als Gegenbild zum Echten und Wahren bezeichnet, sondern als Strategie durchaus positiv besetzt sein kann. Augenzwinkernd präsentieren sie Originale, die deutlich erkennbar ein Vorbild reproduzieren. Diese fundamentalen Veränderungen in der künstlerischen Strategie provozieren zugleich einen Paradigmenwechsel in der Kunsttheorie. Stefan Römer analysiert diesen Wandel im Kunstverständnis und legt die mit dem Fake verbundene Kritik an der traditionellen Ideologie von Original und Fälschungoffen. In der Insider-Szene der Kunst gilt Stefan Römers Untersuchung des "Fake"als derzeit wichtigste Publikation zu Strategien der zeitgenössischen Kunst.
Die Beispiele, an denen der Autor seine aktuelle Theorie des Fake demonstriert, reichen von Sigmar Polke und Orson Welles über die Appropriation art von Sherrie Levine, Louise Lawler und Richard Prince, Guillaume Bijl, Peter Weibel bis zu Ingold Airlines sowie dem kalifornischen Museum of Jurassic Technology.

 

Das Lexikon der Fälschungen Werner Fuld.
Das Lexikon der Fälschungen.
Frankfurt a.M., Eichborn Verlag 1999
In diesem Kompendium der Fälschungen - von der Kunst der Aborigines über angeblich von Ken Follet verfaßte Romane bis hin zu Fotomontagen mit landenden Ufos - präsentiert Werner Fuld unterhaltsam und kenntnisreich den gesamten Kosmos der falschen und gefälschten Dinge. Wie nebenbei stellt er dabei unsere Gier nach dem Original in Frage

Manfred Reitz.
Große Kunstfälschungen.
Frankfurt a.M., Leipzig 1993

Josef Riederer.
Echt und falsch.
Berlin, Heidelberg 1994

Klaus Ahrens, Günter Handlögten.
Echtes Geld für falsche Kunst,
Remchingen 1992

Thomas Almeroth.
Kunst- und Antiquitäten- Fälschungen.
München 1987

Fälschung und Forschung.
Ausstellungskatalog,
Museum Folkwang Essen 1976

Edgar Mrugalla.
König der Kunstfälscher.
Berlin, Frankfurt a.M. 1993

Gefälscht! Betrug in Literatur, Kunst, Musik, Wissenschaft und Politik.
Hrg.: Karl Corino.
Frankfurt a.M. 1990

 

Das Manuskript zur Langen Nacht der Fälscher und Fälschungen

 

Der Kunstfälscher Eric Herbborn.
Der Kunstfälscher. Dumont Verlag, Köln 1999
Original - Kopie
Parnass Sonderhefte 7.
Wien o. J.

Adressen:

Galerie Nierendorf.
Hardenbergstraße 19, 10623 Berlin.
Die bis Fr. 11.00 bis 18.00 Uhr
Tel. 030 / 8324013, Fax 030/3129327

Das Fälschermuseum in Binz in der Galerie Jahreszeiten
Margaretenstrasse 20
18609 Binz
Tel.: 038393/13112
Oeffnungszeiten: taeglich 10-18 Uhr (in den Sommermonaten bis 20 Uhr)
Eintritt: 4,-- DM, ermaessigt 2,-- DM, Kinder frei

Fälscher bevorzugen Computerprodukte
Zoll beschlagnahmte nachgeahmte Artikel für 28 Millionen Mark Bonn/München - Computer-Soft- und Hardware macht wertmäßig rund 57 Prozent der gefälschten Markenprodukte aus, die der Zoll im vergangenen Jahr beschlagnahmt hat. Wie die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, Barbara Hendricks, am Mittwoch in München berichtete, stellten die deutschen Zollämter im Jahr 1998 über 2.000 Warensendungen mit gefälschten Produkten im Wert von 28 Millionen Mark sicher.
Die Schäden, die der deutschen Wirtschaft durch Marken- und Produktpiraterie entstünden, nähmen seit Jahren zu, sagte Hendricks nach Angaben ihres Ministeriums. Sie seien inzwischen zu einem ernsthaften Problem geworden. Für die Bekämpfung der Produktpiraterie ist seit 1995 in München die Zentralstelle Gewerblicher Rechtsschutz eingerichtet, die bundesweit zuständig ist für die Bearbeitung aller Anträge auf "Grenzbeschlagnahme" derartiger Produkte.
Weiterlesen: http://rhein-zeitung.de/on/99/04/07/
topnews/pcfalsch.html

Jerusalem (SZ) - Israel hat die seit fast 40 Jahren unter Verschluss gehaltenen Tagebücher des hingerichteten NS-Verbrechers Adolf Eichmann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die 1300 Seiten umfassenden Memoiren wurden vor einigen Tage im israelischen Staatsarchiv ausgelegt. Ein Exemplar sei bereits an eine amerikanische Wissenschaftlerin Deborah Lipstadt gesandt worden, die sich gegen die Klage des Holocaust-Revisionisten David Irving verteidigen müsse, erklärte das Justizministerium.
Weiterlesen: http://www.shoahproject.org/

Die Lüge als Geschäftsgrundlage

von Christian Bommarius
Allein die Obszönität seiner Klage sichert dem britischen Geschichtsfälscher David Irving einen festen Platz in der Rechtsgeschichte. Der Verleumder hat vor dem Obersten Gericht in London auf seinen guten Ruf geklagt, der notorische Lügner für seine Seriosität gestritten und der Rassist im Namen der Gerechtigkeit seinen Leumund verteidigt. Erwartungsgemäß ist Irving gestern mit seiner Klage gegen die amerikanische Wissenschaftlerin Deborah Lipstadt gescheitert. Das Gericht fand für ihn die gleichen Worte, derentwegen er gegen die Historikerin den Prozess begonnen hatte: Irving sei ein "Holocaust-Leugner, Antisemit und Rassist", der mit rechtsgerichteten Extremisten zusammenarbeite. Angeblich ist nach Irvings Ruf nun Irving selbst ruiniert.
Im Übrigen hat das Urteil keine Bedeutung. Denn nach Irving werden andere tatsächliche oder - wie der Brite - selbst ernannte Historiker kommen und den ermordeten Juden beweisen, dass sie nicht gestorben sind, Adolf Hitler bescheinigen, dass er nur Autobahnen bauen wollte, und ihren Rassismus als historisch-kritische Methode verteidigen. Dummheit ist nicht justiziabel, und selbst dem blutigsten Zynismus ist mit Paragrafen nicht recht beizukommen. Menschenfeinde vom Schlage Irvings sorgen sich nicht um ihren bürgerlichen Ruf, und die Wahrheit macht ihnen nicht Bange. Denn die Lüge ist ihre Geschäftsgrundlage.

"Viele NS-Quellen sind schlecht ediert"
Historiker Bernd Sösemann: Die Forschung braucht die Eichmann-Papiere Israel hat sich im Grundsatz bereit erklärt, die noch in Jerusalem gesperrten Eichmann-Erinnerungen für eine wissenschaftliche Edition freizugeben. Doch wie soll das geschehen? Der Historiker Bernd Sösemann, Professor für Neuere und Kommunikationsgeschichte an der Freien Universität Berlin, hat sich mit zeithistorischen Editionen einen Namen gemacht. Er publizierte die Tagebücher Theodor Wolffs, fand Verfälschungen in den Aufzeichnungen Kurt Riezlers, eines Vertrauten von Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg während der Juli-Krise 1914, und deutete die lange verschollenen Goebbels-Aufzeichnungen als vielschichtige Propagandazeugnisse. Mit ihm sprach Berthold Seewald. DIE WELT: In der Debatte um die Eichmann-Aufzeichnungen hat Ihr Kollege Julius Schoeps gesagt, wir bräuchten diese Quellen nicht. Eichmann lüge sowieso.
Bernd Sösemann: Diese Auffassung teile ich nicht. Der Historiker muss quellenkritisch mit jedem Dokument umgehen, ob es nun subjektiv ist oder nicht. Man kann sogar sagen: Je persönlicher ein Zeugnis ist, umso leichter ist das Arbeiten mit ihm, weil an jeder Ecke die Absicht durchscheint und man sich auf die Aussagen konzentrieren kann, die jenseits der individuellen Intentionen zu entdecken sind, mit denen der Autor den Leser zu beeinflussen sucht. Außerdem ist die Person Eichmanns eine Figur des öffentlichen Interesses - wegen seiner scheußlichen Taten, den Umständen seiner Verhaftung und des sich daran anschließenden Prozesses. Die Medien haben daher eine ausführliche Berichterstattungspflicht - vorausgesetzt, sie stellen klar, in welchem Kontext Eichmann welche Äußerungen machte. Der Eichmann im Exil ist klar zu unterscheiden von dem Eichmann, der im Gefängnis um sein Leben kämpfte. Die Motive sind es, die deutlich gemacht werden müssen.
DIE WELT: Daran hapert es doch bei einer ganzen Reihe von wissenschaftlichen Editionen. Sösemann: Lassen wir die "Hitler-Tagebücher" des "Sterns" einmal außen vor. Die große Edition der frühen Hitler-Texte bis 1925 wurde vom Verlag zurückgezogen, weil der Herausgeber Eberhard Jäckel eine Grundregel nicht beachtet hat, nämlich die Überlieferungsgeschichte der Quellen lückenlos zu rekonstruieren. Nur so kann man die Authentizität sichern. So fiel man auf den Fälscher Konrad Kujau herein, weil dieser als Informant ungenannt bleiben wollte, ein wissenschaftlich nicht nachzuvollziehender Vorgang. Auch bei der Edition der Aufzeichnungen Kurt Riezlers aus der Juli-Krise 1914 durch Karl-Dietrich Erdmann blieb ungeprüft, weshalb diese durchaus zweideutigen Texte in einen Archivbestand gelangten, der über Jahrzehnte hinweg gesperrt, also dem kontrollierenden Zugriff entzogen war. Und das Münchener Institut für Zeitgeschichte publiziert seit Jahren die sogenannten Tagebücher von Joseph Goebbels, ohne klarzustellen, dass es sich um eine Sammlung von Texten handelt, die ein ganzes Büro für eine NS-Propagandageschichte nach dem "Endsieg" zusammenstellte. Solche Arbeitsweisen genügen nicht den elementaren editionswissenschaftlichen Ansprüchen.
Weiterlesen: http://www.diewelt.de/daten/
1999/08/18/0818de125860.htx

Edgar Mrugalla, der König der Kunstfälscher
"Ick habe vieles falsch jemacht in meinem Leben", berlinert Edgar Mrugalla in seiner Büsumer Kunsthalle, "vor allem Bilder." Mehr als 3000 meisterliche Fälschungen von den Großen in der Malerei haben Mrugalla den Ruf "König der Kunstfälscher" eingebracht. Verurteilt wurde das Fälscher-Genie zu drei Jahren auf Bewährung. "Mein Vorstrafenregister ist so kurz, daß ich immer noch Polizeidirektor in Schleswig-Holstein werden könnte", kommentiert der 61-Jährige seinen Wandel zum ehrenwerten Bürger. Denn Fälschungen gibt es von ihm nicht mehr, nur noch Reproduktionen, die er mit eigenem Namen oder "Cartouche" signiert.
weiterlesen: http://www.diewelt.de/daten/1999/
08/05/0805hh124384.htx

http://www.kueste.de/cgi-local/test.pl?
http://www.kueste.de/buesum/mrugalla/

 

 

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