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Lange Nacht
Manuskript vom: Sa. 25.1.2003 • 23:05

Eine Lange Nacht über Leopold Kohr und seine Erben
Die Lehre vom rechten Maß

Leopold Kohr
Leopold Kohr
Autorin:  Dolores Bauer

Es ist einige Jahrzehnte her, als Ernst Friedrich Schumacher mit dem Buch "Small is beautiful" einen Weltbestseller landete. Schumacher wandte sich damals gegen die Gefahren des von Gigantismus und Gewalttätigkeit geprägten Industriesystems. Hinter diesem Erfolg stand ein kleiner Mann aus der "Stille-Nacht-Gemeinde" im salzburgischen Oberndorf, Prof. Leopold Kohr, in dessen Haus in Puertorico die letzten Kapitel des Buches entstanden waren. Der Deutsch-Engländer Schumacher hatte seinem Lehrer und Freund, dem österreichischen Weltbürger Kohr während seiner Vorlesungen und während langer nächtlicher Gespräche genau zugehört und verstanden, dass es diesem immer um das rechte Maß, um den von Pythagoras geprägten Satz gegangen war, dass der Mensch das Maß aller Dinge sei und nicht der Staat, nicht die Partei, nicht die Gesellschaft oder eine sonstige Größe. Und er hatte auch verstanden, dass es eine kritische Größe gäbe, von der ab Wachstum der Lebensqualität des Menschen und seiner Mitwelt abträglich wird.

Wenn wir uns heute umschauen und umhören, gewinnen solche Ideen neue Bedeutung, brisante Aktualität. Zu groß dimensionierte Tanker brechen auseinander, ganze Küstenstriche verseuchen. Durch begradigte, denaturierte Flussläufe kann das Regen- oder Schmelzwasser nicht mehr aufgenommen werden und verheerende Hochwässer überfluten die viel zu nahen Siedlungsgebiete. Wir hören immer häufiger von Elefanten-, ja Mammut- hochzeiten riesigerr multinationaler Konzerne - Bündnisse, die dann scheitern mit verheerenden wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Wir hören aber auch von der durch Umweltgifte und andere schädigende Einflüsse ausgedünnten Vielfalt des Lebens, von zunehmendem Aussterben immer mehr Tier- und Pflanzenarten, einer biologischen Verarmung der Mutter Erde.

All das hat der Nationalökonom, gelernte Jurist, Staatswissenschaftler und praktizierende Philosoph Leopold Kohr bereits vor Jahrzehnten vorausgesagt. Eine seiner Begründungen holte er aus den Lebensgesetzen der Natur: "Die große Zehe, der Daumen eines Menschen weiß. wann sie zu wachsen aufhören müssen. Der Mensch wächst, entwickelt sich nicht, weil die Körperzellen wachsen, sondern weil sie sich teilen und immer wieder teilen bis zum Tode. Wächst eine Zelle umgebremst, dann bekommen wir Krebs und sterben vor der Zeit." Und so, meint Kohr verhält es sich auch in der Wirtschaft, in der Wissenschaft, in der Politik, im Staat, in den Staatengemeinschaften. Es ist also angesichts der inzwischen eklatanten Fehlentwicklungen hoch an der Zeit, mit dem Umdenken zu beginnen, mit der Besinnung auf das rechte, auf das menschen- und naturgerechte auf das gottgewollte Maß statt uns auf die Wachstumsfetischisten zu verlassen.

In dieser LANGEN NACHT ÜBER LEOPOLD Kohr UND SEINE ERBEN, wird Leopold Kohr zu Wort kommen, Menschen, die sich in einigen österreichischen Regionen seine Ideen zu eigen gemacht haben und sie umzusetzen versuchen, aber auch Menschen, die in aller Welt in Projekten gegen den heutigen Megatrend arbeiten und in einer Diskussion werden Experten zu hören sein wie die Biologin Christine v. Weizsäcker, der Stifter des Right Livelihood Award (Alternativer Nobelpreis) Jakob v. Uexküll, der Theologe und Biologe Günther Altner und der Verkehrsexperte Herbert Knoflacher.

 

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Leopold Kohr: Das Ende der Großen Das Ende der Großen
 
Leopold Kohr
Das Ende der Großen - Zurück zum menschlichen Maß.
Hrsg. v. Ewald Hiebl u. Günther Witzany.
2002. -MÜLLER (OTTO), SALZBURG-

Lehner, Gerald:
Die Biographie des Philosophen und Ökonomen Leopold Kohr
Wien 1994.

Small is Beautiful:
Ausgewählte Schriften aus dem Gesamtwerk
Wien 1995.

Der berühmte Philosoph und Nationalökonom Leopold Kohr erblickte vor 90 Jahren, am 5. Oktober 1909, in Oberndorf bei Salzburg das Licht der Welt. Er gilt als der Begründer des Mottos "Small is beautiful", das Friedrich Schumacher 1973 ausformuliert hat. Bereits vorherrschte, ständiges Wirtschaftswachstum könne alle Probleme lösen, trat Kohr dem entgegen. Er forderte die Rückkehr zum "menschlichen Maß". Kohr lieferte mit seinen Ideen viele Anregungen für die später entstehende Grün- und Ökologiebewegung. Seine wichtigsten Werke erschienen u.a. in Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Japanisch und Walisisch. Weiterlesen:
http://www.dorfzeitung.com/dz/1999/10/Kohr.htm

Im Stille-Nacht- und Heimatmuseum Oberndorf (Homepage http://www.oberndorf.co.at/museum) ist Leopold Kohrs Andenken ein Ausstellungsbereich gewidmet, der die wichtigsten Fakten zu seinem Leben und seine Schriften präsentiert.
http://www.oberndorf.co.at/museum/kohr.htm

Die Bildungsakademie des Vereins TAURISKA im Kammerlanderstall in Neukrichen am Großvenediger ist nach dem Philosophen Professor Dr. Leopold Kohr (1909 - 1994) benannt. Sie befindet sich damit an einem Ort, wo er sich besonders wohl fühlte und enge Freunde hatte:
http://www.tauriska.at/kohr/kohr_fr.htm

Kooperation: Tauriska/Leopold Kohr-Akademie
Mehr Informationen bei:
http://www.mitdenker.at/denkbar/projekte05.htm

 

Günter Altner: Charles Darwin - und die Dynamik der Schöpfung Charles Darwin - und die Dynamik der Schöpfung
 
Günter Altner
Charles Darwin - und die Dynamik der Schöpfung
Gütersloher Taschenbücher (GTB)
2002. -GÜTERSLOHER VERLAGSHAUS-
Die großen Fragen nach dem Woher und Wohin, nach dem Warum und nach einem tragenden Grund des Lebens bewegen heute viele nachdenkliche Menschen. Religionen versuchten über Jahrtausende Antworten zu geben; seit 500 Jahren hat das wissenschaftliche Forschen und Denken jedoch immer neue kritische Fragen an das bewährte religiöse Menschheitswissen gestellt.

Ein Grenzgänger der Wissenschaften:
Aktiv für Natur und Mensch.
Festschrift für Günter Altner zum 65. Geburtstag.
Hrsg. v. Gerd Michelsen, Udo E. Simonis u. Siegfried de Witt.
2001. -EDITION SIGMA-

Jahrbuch Ökologie 2003
Hrsg. v. Günter Altner, Heike Leitschuh-Fecht, Gerd Michelsen u. a..
Beck'sche Reihe Bd.1484.
2002 -BECK-

Das Jakob-von-Uexküll-Zentrum wurde am 16. November 1993 in Tartu als eine Zweigorganisation der Estnischen Naturforscher-Gesellschaft gegründet. Die Gründer sind Lehrkäfte sowie gegenwärtige und ehemahlige Studenten der Universität Tartu. Das Zentrum trägt den Namen Jakob von Uexküll (1864 - 1944), des aus Estland, Läänemaa, stammenden deutschbaltischen Biologen, der in der erster Linie als der Begründer der Biosemiotik bekannt ist. Ein Hauptziel des Zentrums besteht darin, sein wissenschaftliches Erbe zusammenzutragen, zu erhalten, zugänglich zu machen und auch weiterzuentwickeln. Unter anderen plant man zu diesem Zweck in Tartu ein Jakob von Uexküll Archiv zu gründen.
http://www.zbi.ee/~uexkull/german/zentrum.htm
http://www.rightlivelihood.se/

Prof. Dr. Hans-Peter Dürr: Wir brauchen ganz dringend Entwürfe für positive, in vollem Sinne lebenswerte, ökologisch nachhaltige Lebensstile. Es gibt solche Entwürfe, und deshalb wird auch ein Wandel nicht ausgeschlossen sein. Wir müssen den Wandel nur wirklich wollen. Alle sind dazu aufgefordert, dabei mitzudenken, diesen Wandel mitzugestalten und vor allem ihn "katalytisch" richtig auf den Weg zu bringen.
Der alternative Nobelpreis 1980 wurde er zum ersten Mal vergeben - der "Alternative Nobelpreis". Weiterlesen:
http://www.gcn.de/hpd.html

 

 

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