Deutschlandfunk DeutschlandRadio Berlin Suchen
programmvorschau sendungen frequenzen
Kontakt
 

  8./9.1.99

  • Von Stiefkindern und "richtigen" Kindern - Die Lange Nacht der Familienbande

  • Aktuell

    Vorschau

    Archiv

    Moderation: Judith Grümmer
    Studiogäste: Renate Welsh Bert Hellinger Hark Bohm

    Aschenputtel gilt bis heute als Sinnbild für das Leid, das Kinder durch ihre Stiefmutter oder ihren Stiefvater erfahren. Was Stiefeltern sich in Wirklichkeit abverlangen, nämlich besonders gute, engagierte Eltern zu sein - steht im krassen Widerspruch zum gesellschaftlichen Vorurteil. Doch dieses Überengagement führt fatalerweise oft zu Abwehrreaktionen bei den Kindern, die aus Loyalität gegenüber dem "weggeschiedenen" Elternteil den neuen Partner erstmal ablehnen. Jede fünfte Familie ist eine sogenannte "Stieffamilie", in der die Kinder mit einem "neuen" Elternteil zusammenleben. Leider entpuppt sich dieses neue Familienleben für Kinder und Eltern oft als sehr spannungsgeladen - insbesondere wenn mehrere Kinder aus neuen, alten und gemeinsamen Partnerschaften zusammenleben. Ist Mutterliebe etwas Instinktives, an das eigene "Fleisch und Blut" gebunden? Sind Stiefväter tatsächlich eher potentielle Täter bei sexuellem Mißbrauch als leibliche Väter? Eine Lange Nacht über die Vielschichtigkeit von Familienbeziehungen und die Frage, ob Blut wirklich dicker als Wasser ist.

    "Wir haben alle denselben Papa. Sein Name ist Peter. Zuerst war er mit Sabine verheiratet, und sie bekamen Leon, und dann wurden sie geschieden. Dann hat Papa Michaela geheiratet, das ist die Mutter von Paul und mir, und dann wurden sie geschieden. Dann hat Papa Anne geheiratet und sie haben DICH gekriegt, und jetzt werden sie ganz, ganz lange zusammensein und immer glücklich miteinander leben, bis an ihr Lebensende." Ganz geduldig und selbstverständlich erklärt der 10jährige Anton seinem kleinen Stiefbruer David ihren gemeinsamen Familienstammbaum.

    Etwa die Hälfte der Ehen werden innerhalb der ersten sieben Jahre geschieden und über 60% der Geschiedenen heiraten innerhalb von fünf Jahren ein zweites Mal. So kommt es, daß heute jedes zweite Kind damit rechnen kann, in einer Zweitfamilie aufzuwachsen und von einem leiblichen Elternteil getrennt zu leben. Doch auch viele dieser Ehen und Partnerschaften werden wiederum getrennt. Zweit-Ehen sind oft noch größeren Belastungen ausgesetzt als die Erst-Ehe - insbesondere, wenn aus den verschiedenen bisher gelebten Partnerschaften Kinder in dieser Familie "mitmischen". Da kommen dann "deine und meine Kinder" zusammen und die neue partnerschaftliche Liebesbeziehung wird zur "Patchworkfamilie".

    Das gemeinsame Kind, "das Kind unserer Liebe", soll nun zusätzlich die Fragmente der neu zusammengestellten Familie miteinander verbinden und sie zu einer Einheit werden lassen. "Seine bloße Existenz allein symbolisiert schon ihre Hoffnung auf Vereinigung und Erneuerung. Ein Teil seiner Arbeitsplatzbeschreibung besteht also von Geburt an darin, sie zu einer 'großen, glücklichen Familie' zu machen, und wie die meisten Beschäftigungen färbt auch diese darauf ab, was für ein Mensch dieses Kind einmal wird", schreibt die Psychologin Anne C. Bernstein. "Statt lernen zu müssen, die elterliche Aufmerksamkeit mit anderen zu teilen, an beide Fixsterne der Familiengalaxie die gleichen Ansprüche stellen zu können, teilt das gemeinsame Kind sein Zuhause oder einen Elternteil mit Kindern, die enger um eins der beiden Eltern kreisen und vom anderen weiter entfernt sind als es selbst und die mit ihren Planetenbahnen sein eigenes Gravitationsfeld, seine eigene Bahn verändern."

    Stieffamilien sind besonderen Belastungen ausgesetzt, aber auch besonderem gesellschaftlichem und wissenschaftlichem Interesse. Gerade weil den alten traditionellen Familienstrukturen heute neue Lebensformen entgegengesetzt werden, ist es wichtig, die Chancen dieser neuen - aus vielen Wurzeln zusammengebauten und vielleicht auch zusammengewachsenen Familien zu untersuchen. Wie können Stiefeltern und Stiefkinder miteinander in guten, vertrauenswürdigen Kontakt kommen? Welche Rollen spielen die Familien der früheren Partnerschaften oder die Kinder, die nur zeitweise in der Familie mit leben? Welche Stellung müssen leibliche Elternteile gegenüber den neu hinzugekommenen Familienmitgliedern einnehmen, wenn es um die "eigenen" Kinder und die "dazubekommenen" Kinder geht?

    Spätestens beim ersten "Laß du mein Kind in Ruhe!" heizt sich auch in jenen Familien das Klima über "deine, meine, unsere" Kinder auf, in denen über die Bedeutung der Blutsverwandtschaft nie gestritten werden sollte. "Hast du das Kind, das in deinem Bauch gestrampelt hat, lieber als mich?" - mit dieser Frage sehen sich viele Mütter in sogenannten Stieffamilien eines Tages konfrontiert. Und: "Du hast mir nichts zu sagen, denn du bist nicht mein richiger Vater!" gehört vor allem bei den vielen pubertierenden Streithähnen zum Standardrepertoire. Da wird der Zweit-Vater dann zum "nicht richtigen " Vater und die neue Partnerin zur stiefmütterlichen Hexe.

    Dabei versuchen beispielsweise die nicht-leiblichen Mütter ihre Kinder oftmals mit besonders viel Liebe, Freundschaft und Sorgfaltspflicht zu überschütten. Aus Konkurrenz zur "richtigen" Mutter, weil sie versuchen die "richtigere" Mutter zu werden? Oder wollen sie wettmachen, was die Kinder durch der Verlust der Mutter an Zuneigung, Erziehung und Aufmerksamkeit vermißt haben? Dieses Überengagement der Stief- oder auch der Adoptionseltern führt dann - so glauben Wissenschaftler festgestellt zu haben - fatalerweise oft zu heftigen Abwehrreaktionen. Es entsteht ein Teufelskreis aus Überengagement - Ablehnung - Bedrängung - Zurückweisung - Enttäuschung - Aggression.

    Stieffamilien - ebenso wie Adoptionsfamilien - möchten sich nicht von einer sogenannten normalen Familie unterscheiden. Doch dies, so die Familienforscher, ist ein entscheidender Fehler: Die Überforderung wird hier schon vorprogrammiert. Patchworkfamilien, Zweitfamilien, Adoptionsfamilien haben andere Wurzeln, andere Geschichten, andere "Erbschaften". Die gilt es zu stärken. Aber entspricht es wirklich noch heutiger gesellschaftlicher Realität, die traditionelle Familie als die unkompliziertere und damit ideale Familienform zu betrachten? Muß Scheidung, Trennung, Verlust eines leiblichen Elternteils Kinder psychisch in ihren Grundfesten erschüttern?

    Bieten neue Lebensformen nicht auch neue Chancen? Diese neuen Familienformen - die aus Krisen entwachsen sind, in denen zumindest die Erwachsenen gearbeitet und um die sie gekämpft haben - bieten tatsächlich auch die Möglichkeit, offener zu sein, behutsamer und partnerschaftlicher gelebt zu werden als die traditionelle Familie. Sie können bunter und lebendiger sein, vor allem, wenn die Partnerschaftskrisen intensiver und Konflikte ernsthafter bearbeitet werden.

    In der Langen Nacht der Familienbande werden die Kinder- und Jugendbuchautorin Renate Welsh, der Familientherapeut Bert Hellinger und der Filmautor Hark Bohm über die Bedeutung der Familienbande und die Chancen neuer Familienformen diskutieren.

    Judith Grümmer

     

    Welsh, Renate: Das Gesicht im Spiegel
    Obelisk 1997. 120 S.

    Seit sie denken kann, weiß Laura, daß sie adoptiert ist. Und dennoch beginnt
    plötzlich alles schwierig zu werden: Wenn die 13jährige an sich selbst denkt, fühlt
    sie Leere und Fremdheit, obwohl sie sich in ihrer Familie wohlfühlt und
    angenommen weiß. Immer häufiger denkt sie über ihre "richtige" Mutter nach, will
    sie schließlich kennenlernen... In differenzierter Sprache spürt Welsh die
    seelischen Querelen ihrer Protagonistin auf und öffnet über die Besonderheit ihrer
    Figuren den Blick für die typischen, jeden einzelnen betreffenden Grundfragen
    bezüglich Herkunft und Geschichte und dem Wissenwollen um sich selbst. (ab 11
    Jahren)

    "L wie Lesen, A wie adoptiert, U wie unsicher, R wie Reisen, A wie anderswo, schrieb
    Laura. Buchstabiert eure Namen mit Wörtern, die zu euch passen, hatte die Lehrerin
    gesagt, und Laura hatte die Wörter aufgeschrieben, ohne nachzudenken."

    Natürlich wird Laura das Geschriebene nicht vorlesen. Aber die Wörter passen zu ihr:
    Laura ist wirklich adoptiert. Das war jahrelang kein Problem: Ihre Eltern
    sind so, wie man sich Eltern nur wünschen kann: meistens wenigstens, und
    Laura mag auch Boris sehr, den älteren Bruder. Doch in letzter Zeit muss sie immer
    häufiger an ihre wirkliche Mutter denken.

    Mama scheint zu ahnen, was in Laura vorgeht. "Wir haben immer gewusst, dass der
    Augenblick kommen wird, an dem du Ursula kennen lernen möchtest", sagt sie, "aber
    so bald? Du bist erst dreizehn." Laura spürt ihre Trauer, trotzdem kann sie nicht
    anders: Sie schreibt Ursula Riedmüller einen Brief. Nach langem Warten kommt
    endlich eine Antwort. Sie ist behutsam und verständnisvoll, aber Ursula möchte Laura
    nicht sehen &emdash; noch nicht jedenfalls. Und dafür gibt es viele Gründe. Später
    einmal, wenn Laura erwachsen ist, möchte sie ihr gerne eine Freundin sein.




    Links:


    über Renate Welsh:
    http://www.klik.ch/firmen/naki/AutorenWerke/Autoren/Welsh.html


    Über Hark Bohm können Sie mehr erfahren:
    http://us.imdb.com/Name?Bohm,+Hark
    Hark Bohm - Vita und Verzeichnis seiner Filme

    Aufbaustudium Hamburger Filmwerkstatt e.V. - Hark Bohm
    http://www.rrz.uni-hamburg.de/as-film/edit-hb.html

    http://www.eltern.de/news/adoption.html
    Diskussionsforum zum Thema Adoption



    weitere Links zum Thema:

    http://www.pappa.com/emma/cosm1098.htm
    Mann, du fehlst uns gar nicht - ein Chat-Forum zum Thema Patchworkfamilie


    http://www.vev.ch/lit/fthenaki.htm
    Wassilios E. Fthenakis
    Kindliche Reaktionen auf Trennung und Scheidung


    http://www.paritaet.org/vamv/info3_98.html
    Verband alleinerziehender Mütter und Väter - mit vielen Informationen

    http://pappa.com/ja/wemgek.htm
    Berliner Morgenpost mit einem Bericht zum Stichwort Herkunftseltern

    http://www.zitty.de/98/mix/mix2305.htm
    Informationen zu Deutschlands erster Beratungsstelle für Herkunftseltern
    "Es gibt Entscheidungen, die kann man rückgängig machen. Und es gibt die, die, einmal
    getroffen, das ganze Leben verändern. Als Mutter das eigene Kind unwiderruflich und
    rechtsverbindlich einer anderen Familie zu überlassen, ist so eine." (Herkunftsmutter)


    http://pappa.com/index.htm
    Eltern im Internet

    http://www.pflegeeltern.com/litera.htm
    ausführliche Bücherliste zu den Stichworten: Pflegeeltern, Herkunftseltern





    Material zur Sendung:

    Jedes 5. Kind lebt in einer sogenannten "Stieffamilie". Und es werden - so die Familienforscher - immer mehr. Dennoch werden diese Stieffamilien öffentlich kaum wahrgenommen. Vielleicht, weil die Vorstellung weitverbreitet ist, daß mit der Gründung einer Stieffamilie, also einer "Zweit-Ehe mit "Stief- Kindern", wieder eine "normale Familie" entstanden ist. Dennoch: ob die Familienmitglieder es wollen oder nicht - Die vergangene Familie wirkt in die neue hinein.


    Historisches:

    Der österreichische Familienforscher Michael Mitterauer betont: die Stabilität der heutigen Familien ist der bedeutendste Unterschied zu den Familien früherer Zeiten; den in den vergangenen Jahrhunderten gab es kaum eine Familie, in der nicht mindestens eine Person pro Jahr hinzukam oder ausschied.

    Um 1900 lag das Alter der Mütter bei der Geburt ihres letzten Kindes bei 40 Jahren - und weil nur 18% der Mütter älter als 50 wurden, konnten die wenigsten Mütter (18%) die Pubertät ihrer jüngsten Kinder erleben.

    In bäuerlichen und handwerklichen Familien ermöglichte nur die Wiederheirat das Überleben des Betriebs und damit die materielle Absicherung des Betriebes.

    "Nach dem 2. Weltkrieg: andere Gründe, warum viele Kinder "Stief"eltern bekamen - Ihre Väter waren im Krieg umgekommen oder die Ehe durch den Krieg zerrüttet, etc., Viele "Zweitehen" wurden damals allerdings nicht durch Heirat legalisiert. Man nannte sie Onkelehen und drückte damit das mehrdeutige Verhältnis die "Stiefväter" aus:"

    Erste heute kommen Stieffamilien überwiegend durch den Wunsch der Erwachsenen nach einem neuen Liebesglück und befriedigender Partnerschaft zustande.


    Gemeinsamkeiten aller Stiefkinder:
    · Sie haben Trennung erlebt.
    Auch wenn heute so viel von Scheidungskindern gesprochen wird: noch immer haben mehr Stiefkinder den Tod eines Elternteils erlebt als die Scheidung ihrer Eltern.

    Sind diese Stieffamilien anderen - oder weniger - Belastungen ausgesetzt?
    (weil weniger Einfluß von außen?)

    n Welchen Platz erhält der verstorbene Elternteil in der Stieffamilie?


    · Sie haben in einer Ein-Eltern-Kind-Familie gelebt
    besonders enge Bindung zu einem Elternteil/ besonders große Selbständigkeit/Mitverantwortung
    n muß Platz u.U. wieder räumen für den neu hinzugekommenen Stiefelternteil

    · Sie haben erlebt, wie die "Alltags-Eltern" sich kennen und lieben gelernt haben.
    n wie sich die Familien erweitert hat
    n wie sich der Alltag neu strukturiert
    n sie haben kein Mitspracherecht bei der Trennung gehabt und haben nun auch bei der neuen "Familiengründung" kein Mitspracherecht

    Das Resultat:

    • · Hilflosigkeit, Angst, Schuldgefühle, Verweigerung, Loyalitätskonflikte und Identitätsschwierigkeiten.
    • Werden Stiefkinder nach ihren Eltern gefragt, nennt ein Großteil von ihnen die beiden leiblichen geschiedenen Eltern, nicht aber den Stiefvater oder die Stiefmutter.
    • In Stieffamilien ist tendenziell ein "reiferer" Umgang mit Konflikten zu beobachten. Obwohl Konflikte in Zweitehen häufiger zu beobachten sind, werden sie jetzt als normal betrachtet.
    • Wichtig: man muß Streiten lernen?
    • Dennoch werden sehr viele Zweitehen in den ersten Jahren wieder getrennt.
    • Stiefkinder sind deutlich überrepräsentiert bei Unterbringungen in Pflegefamilien oder Heimen (in finanziell besser gestellten Familien auch Internatsunterbringungen) und sie brauchen auch häufiger therapeutische Hilfe.
    • · Stiefkinder müssen die Gewißheit haben, daß ihre aufkeimende Zuneigung zum neuen Elternteil kein Verrat am weggezogenen oder verstorbenen Elternteil ist, und daß ihre Trauer um den Verlust des Stiefvater oder die Stiefmutter nicht verletzt.
    • · Stiefeltern brauchen Stiefkinder nicht so zu lieben "wie ihre eigenen Kinder", sie können eine andersartige, distanziertere und doch für beide sehr zufriedenstellende Beziehung finden. Und sie dürfen, ja sollten sich und den Kindern dafür Zeit lassen.
    • · Wieviel Autorität hat ein Vater, der nicht der leibliche ist?
    • · Sich Zeit zu lassen, ist für Stiefmütter, die Nachfolgerinnen von Müttern sind und auch die Hausfrauenrolle übernehmen, noch sehr viel schwieriger.
    • · Elterliche Rechte der Stiefeltern?
    • Wie entsteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl in dieser "neuen" Familie
    • Welche Chancen haben Stief-Familien



      aus: Schumann-Gliewitzki, siehe Literaturliste:

    "Die Partnerschaftliche Beziehung steht oft in engem Zusammenhang mit der Eltern/Stiefelterrolle, da die Paar keine Zeit und keinen Raum für den unbeschwerten Partnerschaftsauffbaz hatten. Sie betonen oft entweder ihre Paarbeziehung und vernachlässigen die Beziehung zu den Kindern - oder sie betonen ihre Eltern/Stiefelternrolle, um eine Familiengemeinschaft zu bilden und vernachlässigten ihre Paarbeziehung."



    Elternbesuche
    "Waren die Kinder bei ihrer Heimkehr traurig, reagierte der leibliche Elternteil schockiert und kritiesierte den außerhalb lebenden Elternteil stark. Kamen die Kinder glücklich und eventuell prahlerisch zurück, reagierten die Eltern/Stiefeltern mit Eifersucht und kritisierten daher den außerhalb lebenden Elternteil oder bemühten sich, besser zu sein als dieser."

    "Je weniger die Kinder ihre Beziehung zum leiblichen Vater bedroht fühlten, das heißt je neutraler sich die Stiefeltern verhielten, um so mehr fühlten sich die Kinder von beiden Eltern und vom Stiefelternteil geliebt oder akzeptiert."

    Wichtig: den außerhalb der Stieffamilie lebenden Elternteil weiterhin lieben zu dürfen

    "Je souveräner Stiefvater/mutter reagierte, umso selbstverständlicher nahmen die Kinder ihre eigene Doppelrolle als Kind/Stiefkind wahr und konnten ohne Loyalitätskonflikt d.h. ohne Treuekonflikt beide Eltern weiterhin lieben und den Stiefelternteil zuzüglich lieben bzw. akzeptieren.
    Wir definieren daher die Rolle des Stiefelternteils nicht als Funktion als Ersatz für einen leiblichen Elternteil, sondern als eine weitere Beziehung, die den Kindern Wahlmöglichkeiten unterscheidlicher Lebensstile ermöglicht. Je weniger Liebe die Stiefeltern von ihren Stiefkindern erwarteten, umso mehr wurden sie von diesen als Bereicherung empfunden und als Gegengewicht zu den eigenen Eltern akzeptiert."


    Chancen:
    "Die Bewältigung dieser spezifischen Probleme der Stieffamilie führt zur persönlichen Entwicklung des einzelnen innerhalb dieser Familienform ... Unsere Ergebnisse zeigten sehr deutlich, daß die Stieffamilienmitglieder Zeit brauchen, um sich aneinander zu gewöhnen und sich mit den spezifischen Schwierigen auseinandersetzen. Gleichzeitig haben sie die Aufgabe, die Individualisierungstendenzen der einzelnen Mitglieder so zu koordinieren, daß die persönliche Entwicklung des einzelnen nicht beschnitten wird. Es zeigte sich, daß sie hierfür viel Kreativität und Koordinationsfähigkeit aufbrachten. Es scheint uns daher, daß das Zusammenleben in der Stieffamilie Koordinationsfähigkeit nicht nur fordert, sondern auch fördert.




    in der Sendung werden Auszüge gelesen aus:

    Renate Welsh Einfach dazugehören - oder Du bist angenommen Geschichten
    Rowohlt rotfuchs

    Das Gesicht im Spiegel
    Nagel & Kimche

    ein Hörbeispiel zur Arbeit von Bert Hellinger aus:
    Bert Hellinger Haltet mich, daß ich am Leben bleibe, 7 Stunden Video Edition
    (2 Bänder)
    Carl Auer Verlag


    Hark Bohm Für immer und immer (Spielfilm)



    weitere Literaturhinweise:

    Renate Welsh hat zahlreiche Bücher geschrieben, darunter Kinder- und Jugendbücher wie beispielsweise

    Drachenflügel, Nagel & Kimche (auch als HörCassette erschienen bei Patmos)
    Diesteltage, s.o.
    Melanie Miraculi, s.o.
    Das Haus in den Bäumen, s.o.
    Eine Krone aus Papier, s.o.
    Mäusespuk


    Bert Hellinger zahlreiche VideoCassetten, bei Carl Auer erschienen
    z.B.

    Familienstellen mit Kranken. Ein Kurs für Kranke, begleitende Psychotherapeuten und Ärzte
    (3 Kassetten und Buch)

    Bert Hellinger arbeitet mit Krebskranken. Ein Kurs für Betroffene, ihre Angehrigen und Therapeuten
    (2 Kassetten)

    als Bücher, u.a.
    Anerkennen, was ist. Gespräche über Verstrickung und Lösung
    Kösel Verlag

    Finden, was wirkt. Therapeutische Briefe
    Kösel Verlag

    Die Mitte fühlt sich leicht an
    Kösel Verlag

    Ordnungen der Liebe. Ein Kurs-Buch
    Carl Auer Verlag


    weitere empfehlenswerte Kinder- und Jugendbücher zum Thema

    Kirsten Boie Man darf mit dem Glück nicht drängelig sein
    Oetinger Verlag

    Paule ist ein Glücksgriff
    Oetinger Verlag

    Gun Bohmann, So ist das, wenn man sich liebhat
    Oetinger Verlag (Thema Pflegekind)

    Martina Steinkühler, Vorsicht, Glas!
    dtv junior

    Anne Fine Der Neue
    Diogenes Verlag

    David Cook Der Zweitbeste
    Diogenes Verlag

    zur Vorbereitung der Sendung verwendete
    Ratgeber- und Fachliteratur:

    Handbuch der Kindheitsforschung, 1993 S.601-615, Hrsg. von Manfred Markefka und
    Bernhard Nauck, Luchterhand Verlag


    Nave-Herz, Markefka, Handbuch der Familien und Jugendforschung (2 Bände)
    Luchterhand Verlag

    Deutsches Jugendinstitut (hrsg), Was für Kinder. Aufwachsen in Deutschland. Ein Handbuch
    Kösel Verlag

    Deutsches Jugendinstitut (hrsg.), Beratung von Stieffamilien. Von der Selbsthilfe bis
    zur sozialen Arbeit

    Gerrit van Delden. Elterliche Sorge, Adoption und Betreuung,
    Beck-Rechtsberater im dtv

    S. Goldstein, A. Solnit, Wenn Eltern sich trennen. Was wird aus den Kindern?
    Dtv Ratgeber

    B. Schumann-Gliwitzki, S. Meier, Schwierigkeiten und Chancen von Stieffamilien.
    Eine qualitive Erforschung der spezifischen Familienrealitäten
    Edition Marhold

    I. Friedl, R. Maier-Aichingen, Leben in Stieffamilien.
    Familiendynamik und Alltagsbewältigung in neuen Familienkonstellationen
    Edition Soziale Arbeit, Juventa

    Birgitt von Maltzahn, Die Chancen der offenen Familie, Stiefeltern und Stiefkinder
    Piper Verlag

    Anne C. Bernstein, Die Patchworkfamilie. Wenn Väter oder Mütter in neuen Ehen
    weitere Kinder bekommen
    Kreuz Verlag

    E. Benedeck, C. Brown, Scheidung, wie helfe ich unserem Kind?
    Trias Verlag

    C. Ahrons, Die gute Scheidung. Die Familie erhalten, wenn die Ehe zerbricht
    Droemer Knauer Verlag

    LBS-Initiative Junge Familie (Hrsg), Trennung, Scheidung und Wiederheirat.
    Wer hilft dem Kind?
    Beltz Verlag

    <-
    Seitenfuss