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  6.11./7.11.98

  • Serenata a Lisboa - Eine Lange Nacht über Deutsche am Westrand Europas

     

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    Lissabon
    Lissabon gilt als eine der schönsten Städte Europas, aber deswegen leben sie nicht dort: Drei deutsche Frauen und ein Mann kamen vor gut zwanzig Jahren aus politischem Idealismus in das Land am Westrand Europas. Damals, 1974, fand hier die Nelkenrevolution statt, mit der Portugal auf einen Schlag von einer feudalistischen Gesellschaft zu einer sozialistisch geprägten Demokratie wurde. Aus Liebe ließen sie sich nieder. Aber warum blieben sie, als die Liebe vorbei war? Saudade, sagt Karin Ferreiras-Sousa, diese undefinierbare portugiesische Sehnsucht, diese Schwermut, ist dem deutschen Hang zu Nachdenklichkeit und Grübelei nicht ganz unähnlich. Nur läßt sich die Saudade, weil gepaart mit dem Mut zur Unvollkommenheit, besser ertragen. Überhaupt, sagt Reiner Dänhardt, Sproß einer seit 200 Jahren in Lissabon ansässigen Familie österreichisch-deutscher Konsuln, überhaupt gibt es kein Volk in Europa, das den Deutschen mehr verbunden wäre als die Portugiesen...

    Eine Lange Nacht mit Geschichten über fünf Deutsche in Lissabon, mit Musik und Beiträgen über die Stadt und das Leben dort.

    Moderation:
    Ulrike Bajohr
     
     
    Gäste:
    Jochen Faget, Reiner Dänhardt, Karin Feirreiras-Sousa
    Tips und Links

    Lisabon und Portugal

    • Yahoo Protugal:
      über 700 Links zu Portugal im Yahoo-Verzeichnis
    • Yahoo Lissabon:
      über 50 Links zu Lissabon im Yahoo-Verzeichnis
    • Lissabon Links
      ausführliche Linkliste zu Lissabon, Sehenswürdigkeiten, Museen,
    • Lisbon Pages:
      gelungene Infos und viele Tips (sorry, english only) finden Sie hier auf den Lisbon Pages
    • Reisetips (deutsch) aus dem Müller-Verlag:
      Johannes Becks Reiseführer durch Lissabon, mit vielen aktuellen Tips und Tourenvorschlägen, aber auch den wichtigsten Informationen über Verkehrsverbindungen in Lissabon oder Insider-Tips.
    • Expo '98:
      alles was Hannover noch erwartet hat Lissabon schon erlebt
    Literarisches

    Lesetips

    Ausschnitt aus der Langen Nacht:

    Die Casa wurde mir von der Buchhändlerin de Sousa Ferreira empfohlen, die Kulturwissenschaftlerin Rosenthal hält es eher mit dem Untypischen. Auch sei, höre ich, die portugiesische Küche nicht eben berühmt - außer für frischen Fisch -, und so bestellt mich Frau Rosenthal in ein Thai-Restaurant. Während ich die eine Frau unangemeldet eine Stunde von der Arbeit abhalte, lasse ich die andere eine Stunde warten und traue meinen Augen nicht, daß sie immer noch dasitzt, und zwar ganz gelassen....
    Zweifelnd, ob diese in Portugal angeratene Geduld nun gut oder schlecht ist, entscheide ich mich für: gut. Eine schöne Stadt und günstige Restaurantpreise dürften nicht der Grund sein, sich für immer tausend Kilometer westlich der Heimat niederzulassen. Hier gibt es jedenfalls keinen deutschen Stammtisch zur Pflege des Heimwehs, offenbar tut er auch nicht not: Immer wieder höre und lese ich - und sehe auf der Strasse - die Selbstverständlichkeit, mit der man Fremden begegnet. Nicht nur den geldbringenden Japanern, die im Cafe da Brasileira die im Reiseführer abgebildeten Kuchen verlangen. Ich meine die "eigenen Fremden", die Schwarzen aus den einstigen Kolonien Angola, Mocambique, die nach der Revolution ins "Mutterland" strömten, das sie doch gar nicht mehr haben wollten - und sie wurden dort mit einer Ergebenheit aufgenommen, die uns fremd ist. Nun gut, ich treffe auch im Falle der beiden Frauen, Karin des Sousa Ferreira und Gisela Rosenthal auf das bekannte Phänomen: es gibt eben keine schlüssige Antwort auf die Frage, warum sie nun eigentlich hier leben und nicht in Berlin, im Rheinland oder sonstwo, wo einiges, da schon, entschieden besser klappt. Zumindest wissen beide Frauen, wie sie hier gelandet sind: Sie waren Ende 20, frisch studiert, und verliebt - jeweils in einen Portugiesen und in die Aprilrevolution 1974, die viele Revolutionsromantiker der 68er Garde an den Westrand Europas treib.
    Die meisten gingen wieder, als der normale bürgerlich-kapitalistische Alltag einzog. Karin de Sousa Ferreira und Gisela Rosenthal blieb, als die Liebe vorbei war und die Illusion, die Liebe zum Land und .... zum Meer. (Ulrike Bajohr)

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