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| Lange Nacht | ||||||||||||||||
| Sendung vom: Samstag 19.02.2000 23:05 Eine Lange Nacht über die jüdische Kulturmetropole Czernowitz Eislaken auf Feldern |
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Czernowitz - einst fast vergessen. Inzwischen weckt
der Name dieser Stadt in der Bukowina wieder viele Assoziationen.
Czernowitz, in der heutigen Ukraine gelegen, war
bis in die zwanziger Jahre eine jüdische Kulturmetropole.
Ein buntes Völkergemisch lebte in der Stadt: Deutsche und
Österreicher, Rumänen, Polen, Ungarn, Russen - und Juden.
Sie stellten bis zu 50 Prozent der Bevölkerung und haben
die Kultur in Czernowitz besonders nachhaltig geprägt. Unter
Schriftstellern, Malern, Bildhauern, Musikern und Komponisten,
Schauspielern und Intellektuellen, Wissenschaftlern oder Unternehmern
waren Menschen jüdischen Glaubens besonders stark vertreten:
die Lyriker Rose Ausländer und Paul Celan, der Maler Oskar
Lasker, der Opernsänger Joseph Schmidt.
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Czernowitz - die Stadt erreichte als Kulturmetropole
eine Ausstrahlung weit über ihre Grenzen hinaus. Der Erste
Weltkrieg beendete die Blüte der Stadt. Materielle Not zwang
vor allem die jüdische Bevölkerung zur Emigration, ein
Exodus der Künstler und Intellektuellen begann. Diejenigen,
die nicht gingen, wurden im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen
ermordet.
In der Langen Nacht soll an das Werden, Blühen
und den Untergang von Czernowitz als jüdische Kulturmetropole
erinnert werden.
Die jüdische Kulturmetropole Czernowitz
Seit einiger Zeit machen sich jedes Jahr mehrere
tausend Menschen auf eine beschwerliche Reise in die ukrainische
Stadt Tschernivzy. Die Reisenden kommen aus Deutschland, Österreich,
den USA und aus Israel. Sie reisen mit dem Flugzeug, per PKW,
in Bussen und nächtelang mit der Bahn, verzichten auf Komfort,
nehmen den rüden Ton an der Grenze, unangenehme hygienische
Verhältnisse, bescheidenes Essen und karge Hotelzimmer in
Kauf. Wenn sie nach dem Reiseziel gefragt werden, wird keiner
von ihnen sagen :"Ich fahre nach Tschernivzy". Alle
werden antworten :"Mein Ziel ist Czernowitz".
Sie reisen nicht in die Gegenwart, sie reisen in
die Zeit, als das heutige Tschernivzy noch das österreichische
Czernowitz war. Sie suchen die kuk - Stadt, das literarische Czernowitz
und die jüdische Stadt. Für manche von ihnen ist es
eine Reise in die Heimat, oder doch zumindest in die Heimat der
Eltern und Großeltern. Die anderen kommen weil dieser Ort
die Geburtsstadt und Heimat von Rose Ausländer, Paul Celan
und Selma Meerbaum-Eisinger ist; weil dort die jiddische Dichter
Itzik Manger und Elieser Steinbarg lebten; weil in jener Stadt
der Tenor Joseph Schmidt aufwuchs und im "Großen Tempel"
als Kantor erste Triumphe feierte. Sie wissen, daß dort
"Menschen und Bücher lebten". Sie wollen erkunden,
ob Geist und Kultur, die hier atmeten, noch zu finden sind. Sie
hörten im Rundfunk, sahen im Fernsehen, lasen in Büchern,
das alte Czernowitz sei eine ganz besondere Stadt gewesen, in
der 150 Jahre lang möglich war, was heute schon wieder nur
Utopie zu sein scheint : ein friedvolles und harmonisches Zusammenleben
in einer multikulturell geprägten Stadt. Was macht eine Stadt aus? Häuser, Straßen,
Parks und Gärten, Schulen, Rathaus, Theater, Kirchen. Sicher
auch ihr Umland, Berge, Flüsse, Wald und Flur. Ganz sicher
die Möglichkeiten zur Arbeit, zu Handel und Wandel, die Angebote
der Kultur. Aber ganz besonders ist die Stadt Ort der öffentlichen
und privaten Kommunikation und damit wird ihr Geist, Charme und
Flair durch die Menschen bestimmt, die in ihr leben.
Alle, die sich erinnern, betonen das Besondere an
Czernowitz sei das Völkergemisch gewesen, welches in dieser
Stadt lebte. Damit war der Ort ein getreues Spiegelbild des Staates
Österreich-Ungarn. Ruthenen lebten in Czernowitz, es war
die ukrainische Urbevölkerung, Deutsche und Österreicher,
Rumänen und zu diesen vier großen Gruppen kamen Minderheiten
von Polen, Armeniern, Ungarn, Russen, Huzulen, Lipowanern, und
Zigeunern hinzu. Juden nennt ein solche Aufzählung nicht.
Sie wurden nicht als eigene Nationalität anerkannt.
Die Menschen sprachen verschiedene Muttersprachen
- ruthenisch, deutsch, jiddisch, rumänisch, polnisch - behielten
diese bei und lernten andere Sprachen hinzu ; zwei oder drei Sprachen
beherrschte jeder, in weiteren konnte man sich verständlich
machen.
Die Einwohner brachten auch verschiedene Kulturen
mit und pflegten diese weiter. Vielfältigkeit war zwangsläufig
Trumpf. Toleranz und Liberalität bestimmten das tägliche
Leben. Und es waren die verschiedensten Religionen vertreten.
Es gab Juden, Moslems, Katholiken, Russisch-Orthodoxe, Griechisch-Orthodoxe,
armenische Christen, Kopten und Protestanten - auch das führte
nicht zu ernsthaften Problemen. Nicht daß das Zusammenleben
völlig konfliktfrei war, aber die üblichen Streitereien,
die wirtschaftliche Konkurrenz, die gelegentliche Kriminalität
gründeten zumindest während der österreichischen
Zeit der Stadt nicht auf Rassismus oder Fundamentalismus.
Jüdische Menschen haben Czernowitz und die Kultur
dort ganz besonders deutlich geprägt. Warum war Czernowitz
für Juden so attraktiv ? Auch hier finden sich die Antworten
in der Geschichte der Stadt. Festzuhalten ist, daß Juden
im 18. Jahrhundert weitgehend rechtlose Menschen waren, die als
extrem belastete Steuerzahler, als Geldverleiher für Könige
und Kaiser, zur Verrichtung in schlecht angesehenen Berufen willkommen
waren, deren man sich aber nach Lust und Laune entledigen konnte,
die man um Hab und Gut brachte, vertrieb und auch immer wieder
in Pogromen ermordete.
In der Bukowina aber verfügten über einen
Zeitraum von hundert Jahren die österreichischen Kaiser die
Gleichstellung der Juden mit allen anderen Bevölkerungsgruppen.
Sie wurden integriert, durften sich frei niederlassen, sich bilden,
jeden Beruf ausüben, durften wählen und waren wählbar.
Besonders in Czernowitz haben die Juden diese Chancen genutzt.
Sie studierten, etablierten sich in vielen Berufen, bauten die
Stadt tatkräftig mit auf, assimilierten sich in der deutschen
nach Wien orientierten Kultur, erlebten einen sozialen Aufstieg
und wurden zu überzeugten Österreichern und Monarchisten.
Im Laufe der Jahre fügte sich das Bild der jüdischen
und deutsch-jüdischen Stadt, die als Kulturmetropole eine
Ausstrahlung weit über ihre Mauern hinaus erreichte.
Rose Ausländer resümierte:" Eine versunkene
Stadt, eine versunkene Welt" - und doch, es ist gut zu wissen,
daß die multikulturelle Stadt nicht nur Utopie sein muß.
Helmut Braun
Informationen über Czernowitz
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DeutschlandRadio-Online http://www.dradio.de/cgi-bin/user/ fm1004/es/neu-lit-buch/378.html Deutschlandfunk: Büchermarkt John Felstiner Paul Celan. Eine Biographie
Wilhelm Reich stammte aus der Bukowina, dem östlichsten Teil des ehemaligen österr.-ungarischen Reiches. Seine
Eltern, Gutsbesitzer, hatten sich aus der jüdischen Tradition ihrer Vorfahren gelöst und der deutschen Kultur
assimiliert, ohne jedoch einer christlichen Kirche beigetreten zu sein. Reich wurde zunächst durch Privatlehrer
unterrichtet und besuchte später das Gymnasium der Provinzhauptstadt Czernowitz.
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"Herr Zwilling und Frau Zuckermann" ein Film von Volker Koepp 126 min. VHS-PAL Video erhältlich bei: www.salzgeber.de Kritiken zu "Herr Zwilling und Frau Zuckermann" aus: Die Welt "Woher nimmt man nur Massel und Glück?" Wie sich Mathias Zwilling aus Czernowitz in Volker Koepps "Herr Zwilling und Frau Zuckermann" sieht Von Antje Schmelcher Czernowitz lag einmal in der Mitte Europas. Heute liegt es im Osten, und die Hürden zum Westen sind das Visum, das es nur im 600 Kilometer entfernten Kiew gibt und eine 300 Kilometer lange Autofahrt über holprige Straßen zum nächsten Flughafen in Lemberg. Etwas abgehetzt sitzt daher der schmale Herr Zwilling aus Czernowitz neben "seinem" Regisseur Volker Koepp in einem Hörfunkstudio des SFB, um über die Deutschlandpremiere ihres Films "Herr Zwilling und Frau Zuckermann" zu reden. Ganz unversehens ist der 1929 geborene Bukowiner Jude Mathias Zwilling zum Protagonisten in diesem Dokumentarfilm geworden. Zwei Monate lang, im März und im September 1998 hatte Koepp in der früheren Hauptstadt der Bukowina die Spuren jüdischer Geschichte gefilmt. Herr Zwilling ist eine solche Spur. Er gehört zu den wenigen, die die grausamen Pogrome und die Deportationen von 1941 bis 1945 überlebt haben. "Von den 90 000 nach Transnistrien gebrachten Juden sind 9000 zurückgekehrt", sagt er. Viele der Überlebenden emigrierten, die bekanntesten von ihnen sind die Dichter Paul Celan, Rose Ausländer, Gregor von Rezzori und Moses Rosenkranz. Doch heute leben in Czernowitz nur noch 4000 meist zugewanderte Juden. Etwa 30 alte Bukowiner Juden sind darunter, von denen nur noch fünf deutsch sprechen, darunter Herr Zwilling und Frau Zuckermann, deren gesamte Familie im Lager gestorben ist. So zieht es Herrn Zwilling, der sich standhaft als Österreicher bezeichnet, obwohl er schon einen deutschen, einen rumänischen, einen russischen und einen ukrainischen Paß hatte, seit sechs Jahren jeden Abend zur 90 Jahre alten Kaiser - Franz - Josef - Anhängerin Frau Zuckermann. Die überzeugte Zionistin kommt aus einer armen Familie strenggläubiger Juden und ihr Deutsch hat einen jiddischen Akzent im Gegensatz zum gedehnt-großbürgerlichen Wienerisch von Herrn Zwilling. Vor dem Ofen sehen sie aus wie zwei Gestalten, die auf "Godot" warten. Volker Koepp hat um diese abendlichen Begegnungen einen bewegenden und sehr poetischen Film gedreht, der zutiefst von jüdischem Witz geprägt ist. Vor dem Kachelofen liest Herr Zwilling mit verhaltenem Lachen aus "Die Stimme" vor, der Zeitung der Bukowiner Juden in aller Welt. Ein Überlebender schreibt darin: "Der erste Weltkrieg brachte mich 1000 Kilometer weiter nach Westen, nach Wien. Der zweite Weltkrieg brachte mich 7000 Kilometer weiter nach Westen, nach Ecuador. Ich war ein nach Westen sich bewegender Ostjude, und ich sagte mir, noch zwei solche Kriege und ich seh' wieder Czernowitz." Mit dem feinsten Sinn für Gegensätze hat Volker Koepp seine Bilder komponiert. So erfährt man aus Frau Zuckermanns Wohnzimmer mehr über die Geschichte der Stadt als in deren Abbildung. Nur auf wenigen Gängen begleitet die Kamera Herrn Zwilling auf der Straße. Mit seinen Augen sieht man, wie sehr sich die einst prächtigen Gebäude wie das Theater und das Jüdische Haus vom Glanz ihrer Vergangenheit entfernt haben. "Es ist wie ein Traum, daß ich hier gelebt habe", sagt Herr Zwilling, und er sagt es im Perfekt, als sei er schon nicht mehr ganz von dieser Welt. Denn Herr Zwilling gehört zu der alten Welt, als die Herrengasse noch die prächtigste Flaniermeile der Stadt war. Heute läuft er an den Schirmen und Ständen der Straßenhändler vorbei. Die Kamera zeigt ihn auch im verwitterten Flur des ehemaligen jüdischen Spitals, wo er die Namen der Chefärzte aufzählt, die hier gearbeitet haben, österreichische Namen von Freunden und Bekannten der Eltern. Im Jüdischen Haus hat die Stadt der jüdischen Gesellschaft Elieser Steinback drei Zimmer zur Verfügung gestellt. Das Haus wurde nie zurückgegeben, da es immer noch keine Jüdische Gemeinde in Czernowitz gibt. In einem dieser Zimmer zeigt der Film eine alte Frau, die mit brüchiger Stimme ein jiddisches Lied singt mit dem fragenden Refrain "Woher nimmt man nur Massel und Glück?". Herr Zwilling wohnt heute immer noch im ehemaligen kleinen jüdischen Ghetto, doch das zeigt der Film nicht. Hier wurden ständig Wohnungen frei, weil von diesem Ghetto aus direkt deportiert wurde. Da seine Mutter als Ärztin gebraucht wurde, entkam die Familie Zwilling dem Tod. Ein Zufall wollte es, daß die Zuckermanns vor ihrer Deportation in ebendieser Wohnung gelebt hatten. Czernowitz war klein, heute ist Czernowitz leer. Daher hatte Herr Zwilling beschlossen, selbst zum Stadtführer und Spurensammler zu werden und ist so auf Volker Koepp getroffen. Nach der Premiere steht er klein und etwas verloren vor dem Publikum und sagt auf seine typische Art: "Wenn ich das jetzt höre, denke ich, das hätte ich anders sagen können." Seine Art traurig zu sein und dabei zu lachen hat sich während der Vorführung auf das Publikum übertragen. Denn Herr Zwilling und Frau Zuckermann sind ein schauspielreifes Gespann in ihrem variantenreichen Spiel zwischen Optimistin und Pessimist. "Wir sind eine Symbiose aus zwei ganz unterschiedlichen Menschen", sagt Herr Zwilling, "Frau Zuckermann ist Optimistin, weil sie das Leben nicht kennt." Vor dem Hintergrund von Frau Zuckermanns Schicksal wirkt das wie eine böse Unterstellung, doch Herr Zwilling meint damit nicht die Vergangenheit, sondern die Gegenwart. Frau Zuckermann gibt den Kindern der reichen Czernowitzer täglich Sprachunterricht, der in Dollar bezahlt wird. Herr Zwilling, der Textilchemie unterrichtet, hat dagegen gerade sein Gehalt von Dezember 1996 erhalten. Und er fügt hinzu: "Die Russen sagen, ein Pessimist ist ein gut informierter Optimist."
Auf der Premierenfeier versucht Herr Zwilling, ein Salamibrötchen
zu essen, aber sein Tisch wird belagert von Leuten, die ihm die
Hand schütteln, Fragen stellen und Geschenke überreichen. Zu
einer alten Dame sagt Herr Zwilling: "Frau Gold, ich habe
Verwandte von ihnen entdeckt." "Kennen die mich", fragt Frau
Gold. "Nein, aber die kennen alle Gräber der Golds in Czernowitz."
Eine andere Frau bittet Herrn Zwilling um eine Recherche und
notiert seine Telefonnummer. "Ich rufe sie dann abends an", sagt
sie. "Nein", sagt ihre Nachbarin, "da ist er doch bei Frau
Zuckermann."
Vom Glück und von der Kunst des Überlebens Vor fünfzig Jahren hätte sie jeden umgebracht, der ihr gesagt hätte, sie würde einmal einem Deutschen die Hand reichen, gesteht die für ihre 90 Jahre erstaunlich wache und quirlige Rosa Roth-Zuckermann dem Dokumentarfilmer Volker Koepp während ihrer langen Gespräche mit ihm. Dass sie dem Deutschen heute vor der Kamera ihr Leben erzählt und ihre Seele öffnet, zeugt nicht nur von einer inneren Abgeklärtheit der eigenen Vergangenheit gegenüber, sondern auch von einem Glauben an die Werte der deutsch- jüdischen Kultur der einstigen Bukowina, in deren Hauptstadt Czernowitz sie aufgewachsen ist - und heute wieder lebt. Frau Zuckermann ist literarisch gebildet, zitiert Heine, Rilke und François Villon, und voller Stolz spielt sie dem deutschen Gast eine Kassette vor, auf der der ebenfalls in Czernowitz geborene Paul Celan Verse aus seiner Lyriksammlung «Mohn und Gedächtnis» rezitiert. Die rüstige Greisin verdient sich ihren kargen Lebensunterhalt mit Englischstunden an die Kinder von Leuten, die in den Westen auswandern wollen. Czernowitz gehört heute zur Ukraine. Als Frau Zuckermann geboren wurde, war die Bukowina noch eine Provinz der österreichisch-ungarischen Monarchie. Die alte Dame bekennt sich noch heute als Monarchistin, denn so viele Rechte wie unter Kaiser Franz Joseph haben die Juden von Czernowitz seither nie mehr bekommen. Im Ghetto, das das faschistische Rumänien während des Zweiten Weltkriegs errichtete, verlor Frau Zuckermann ihre gesamte Familie. Nur durch einen Zufall überlebte sie selbst die 1941 verordneten Deportationen in die Lager Transnistriens. Seit sechs Jahren erhält Frau Zuckermann jeden Abend Besuch von dem zwanzig Jahre jüngeren Mathias Zwilling. Ihn haben die beiden Weltkriege in eine Odyssee durch die halbe Welt getrieben. Heute unterrichtet er an einer Gewerbeschule in Czernowitz Chemie. Was die beiden Alten miteinander verbindet, ist nicht zuletzt die deutsche Sprache, genauer: ein liebenswürdiges Gemisch von Deutsch, Jiddisch und Wienerisch. Sie erzählen sich, was sie am Tage erlebt haben, und diskutieren die Informationen, die ihnen am Fernsehen geboten werden. Herr Zwilling, um eine Hiobsbotschaft nie verlegen, sieht dabei von allem stets die negative Seite. «Ich bin ein Pessimist, der fast immer recht hat», erklärt er. Frau Zuckermann, eine unerschütterliche Optimistin, versucht ihn jeweils aufzuheitern.
Den schon fast zum Ritual gewordenen Wortgefechten
dürfen Volker Koepp und sein Kameramann Thomas
Plenert ungeniert beiwohnen. Manchmal bittet Koepp Herrn
Zwilling, ihm etwas vorzulesen oder ihn irgendwo
hinzuführen - zum ehemaligen jüdischen Gemeindehaus
etwa, in die Synagoge oder auf den jüdischen Friedhof. Nie
aber fügt er den Aussagen der beiden oder denjenigen von
anderen Bewohnern des Ortes einen Kommentar bei. Dass
«Herr Zwilling und Frau Zuckermann» zu einem derart
bewegenden, das ganze Jahrhundert tangierenden
Dokument geworden ist (der Film wurde dieses Jahr in
Nyon mit dem Grossen Preis ausgezeichnet), ist der
Geduld des Regisseurs mit seinen beiden einzigartigen
Gewährsleuten zu verdanken. Herr Zwilling ist diesen
Sommer gestorben, was den dokumentarischen Wert des
ganzen Films noch unterstreicht, der zu einem echten
Zeugnis erlebter Geschichte geworden ist. (Kino Movie in
Zürich).
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http://home.t-online.de/home/ werner.henn/aktu.htm Photoreportageausstellung Die weltberühmten Klöster der Bukowina in der Moldau/Rumänien
Auszüge aus der Photoausstellung die im Sommer 1999 im Rathaus und im Herbst im Foyer des SWR Fernsehens in Baden-Baden ausgestellt war. Die Ausstellung zeigt Bilder der Klöster Moldovita, Sucevita, Putna, Arbore, Voronet, Humor und Suceava, Denkmäler des Weltkulturerbes, aufgenommen in die Liste der UNESCO.
Adám Bodor erzählt vom
politischen Versinken einer
Grenzregion im Dekor ihrer
verblichenen Hoffnungen
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Willi Jasper / Julius H Schoeps (Hg.) Deutsch-jüdische Passagen http://www.buch-julius.de/judaika.htm Europäische Stadtlandschaften von Berlin bis Prag Hoffmann und Campe ISBN 3-455-08397-8, DM 78,-- Die jüdischen Kulturstätten und sichtbaren Zeugnisse deutsch-jüdischer Verflechtungen in Europa gibt es nicht mehr. Was bleibt, ist die historische Beschreibung einer untergegangenen Welt in ihrem wechselhaften Verlauf durch die Jahrhunderte. Das ist die Intention dieses Buches. Es ist kein Reise- oder Kulturführer, auch keine allgemeine Geschichte der Juden. Es ist eine informativ und anschaulich geschriebene Beziehungsgeschichte zwischen Juden und Nichtjuden im deutschsprachigen Raum. Sie war abhängig von den historischen Prägungen der jeweiligen Städte und Orte, in denen es jüdische Gemeinden gab. Folgerichtig werden die unterschiedlichen Entwicklungen dargestellt am Beispiel von 21 Städten mit ihren Besonderheiten. Die Beziehungsgeschichten reichen von den ersten Ansiedlungen über die Wechselbäder von Verboten, Schikanen, Vertreibungen und Liberalisierungsphasen mit deutsch-jüdischen Blütezeiten in Wirtschaft und Kultur, bis zur Auslöschung im Holocaust und vereinzelten Neugründungen jüdischer Gemeinden heute. Die historischen und aktuellen Passagen führen durch Stadtlandschaften wie Berlin und Wien, Hamburg, Frankfurt, Köln, Straßburg und Zürich, Breslau, Königsberg, Prag und Czernowitz. Ein in dieser Form einmaliges Buch, das in der Vielfalt seiner Bilder das deutsch-jüdische Beziehungsgeflecht mit all seinen antisemitischen Katastrophen, aber auch mit urbanem Gemeinschaftssinn für uns heute einsehbar und verständlich macht. Darüber hinaus ist es auch eine Ansammlung kleiner Stadtchroniken von den Anfängen bis zur Gegenwart.
Die Landschaft der Bukowina in der deutschsprachigen Lyrik
Rot war der Schmerz Georg Drozdowski Literarische Texte entstehen nicht im Leeren, sondern in einem konkreten sozialen, politischen und historischen Kontext. Sie können nicht selten als beinahe seismographische Widerspiegelungen der existentiellen Situation des Autors betrachtet werden. Auch die deutschsprachige Lyrik der Bukowina bedarf zu ihrer Interpretation einer spezifischen Rekonstruktion ihres Umfelds. Ohne diese Prämissen bleibt dieses Niemandsland der Buchen ein Utopia am Pruth. Die Geschichte dieser "Gegend" in den letzten zwei Jahrhunderten ist für die Entwicklung der deutschsprachigen Literatur maßgebend. Die Bukowina, eine historische Landschaft am Pruth, war im 14. Jahrhundert Teil des Fürstentums Moldau, in den Jahren 1514-1775 gehörte sie zum Osmanischen Reich, und 1775 kam sie an Österreich. Mit dieser Annexion entstanden die Voraussetzungen für die Herausbildung einer deutschsprachigen Minderheit jüdischer Herkunft, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Paul Celan, Rose Ausländer und andere Autoren hervorbrachte. Im Herzogtum Bukowina war die Lage der Juden eine besondere. Anders als in Galizien waren die bukowinischen Juden auch Bauern, und obwohl sie nur die drittstärkste Bevölkerungsgruppe der Bukowina darstellten, bildeten sie in der Landeshauptstadt Czernowitz einen wichtigen, wenn nicht dominierenden Bestandteil der kulturellen und wirtschaftlichen Elite der Stadt.
Diese besondere Stellung war durch die begünstigende Politik Österreichs möglich; als Träger der
habsburgischen Staatsidee übernahmen die Czernowitzer Juden auch die deutsche Sprache und Kultur;
beides war zusätzlich eine Möglichkeit der Emanzipation. Um die Jahrhundertwende erreichten die
Czernowitzer Juden somit eine Stellung, die in keinem anderen Kronland der Monarchie ihresgleichen fand.
Sie waren verweltlicht, bürgerlich und habsburgisch wie keine anderen. Das "Erreichbare, fern genug, das zu
Erreichende hieß Wien" (Paul Celan). Aber auch an Ort und Stelle wurde die deutsche Sprache zu einem
Medium der Bildung und Assimilation. Im Jahre 1875, hundert Jahre nach der Annexion der Bukowina durch
Österreich, wurde die Alma Mater Francisco-Josephina gegründet, die östlichste deutschsprachige Universität
in Europa. Nicht die schwäbelnden Deutschen aus den Dörfern der Umgebung, sondern die hochdeutsch
sprechenden assimilierten Juden waren an der deutschsprachigen Universität interessiert. Jiddisch
betrachteten sie, wie Paul Celan selbst, als "verdorbenes Deutsch", ihre Kultur- und Muttersprache war die
deutsche Literatursprache, das Deutsch eines Goethe, Hölderlin, Heine. Aber auch moderne und modernste
Strömungen der deutschsprachigen Literatur erreichten diese "verlorene Gegend": Rilke, George, Trakl, Else
Lasker-Schüler, Brecht, Mann, Hesse und nicht zuletzt Karl Kraus - "Czernowitz war eine Stadt von
Schwärmern und Anhängern" (Rose Ausländer). Andererseits existierte im benachbarten Marktflecken
Sadagora ein wichtiges Zentrum des Chassidismus, der Hof der Rabbiner-Dynastie Friedmann. Somit
erreichte in Czernowitz sowohl das emanzipierte als auch das orthodoxe Judentum einen besonderen Status.
Verein für Sprach- und Kulturaustausch mit Mittel- und Osteuropäischen Ländern
Wo die Wälder jiddisch rauschen |
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