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| Lange Nacht | ||||||||||||||||||
| Sendung vom: Samstag 04.03.2000 23:05 Die Lange Nacht vom Kitsch Zu schön, um wahr zu sein |
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Lange Zeit war es peinlich, sich zum Kitsch zu bekennen. Die Anhänger
einer lupenreinen Hochkultur ergriff Übelkeit beim Gedanken an Sissi, Heintje
und den röhrenden Zwölfender aus Porzellan. Die Zeiten sind vorbei. Der
Kitsch der Vergangenheit hat die Museen und Bühnen der Gegenwart
erobert. Von Jeff Koons bis Christoph Schlingensief, Kunst spielt mit dem
Kitsch und Kitsch ist scheinbar Kunst geworden.
Maaaama, sollst doch nicht um deinen Jungen weinen! Warum Kitsch so
weh tut und warum er wohl tut: Die Lange Nacht präsentiert Träume und
ihre Wirklichkeit, Kitschkritiker und ihre Lieblingsschnulzen, Streit und süße
Versöhnung. "Ihr seid in der Tonalität gefangen" schreit Gustav. "In der
Falle. Tonalität ist ein Spiel. Alle Tonalitäten. Aber ihr seid zu alt. Ihr
werdet niemals über das Spiel hinausgelangen bis zur Reihe. Die Reihe ist
Erleuchtung." "Die Reihe ist genauso ein Spiel", Thomas Pychnon, Die Enden
der Parabel.
Also wie an diesem Abend im Konzert. Gespielt wird die Zweite von Gustav
Mahler. Auferstehungssymphonie. Die Musiker geben ihr Bestes, die Zuhörer
lauschen gebannt. Sie lauschen besonders gebannt während die Symphonie
sich ausführlich mit der finsteren Grube beschäftigt, in die gerade jemand
gefahren ist. Man sagt, es handle sich um den Freund des Komponisten, der
viel zu jung.... die Bässe wühlen förmlich in der feuchten Erde, daß einem
die Finger klamm werden. Das Grab ist tief. Dunkel. Was bist du Mensch?
Ein Paukenhieb zerschlägt die Frage. - Doch dann richtet sich der Blick
nach oben. Tastend zunächst, dann freudig, dann ist es Gewißheit: ein
Lichtstrahl! Die Wolken tun sich auf, das Unwetter zieht vorbei, die Klänge
wirbeln empor, und die Musik verspricht vom klaren Himmel herab das ewige
Leben.
In diesem Moment hält es meinen Vordermann nicht mehr. Zuerst zuckt er
nur ein bißchen. Dann ein bißchen mehr. Da reißt es ihn plötzlich aus dem
Stuhl, aber er muß sich nicht übergeben, denn gleich sitzt er wieder, um
sofort wieder aus dem Sitz zu fahren. Während es ihn derart rhythmisch
hebt und senkt, stößt er die geballte Faust immer wieder im triumphalen
Rhythmus der anschwellenden Musik nach unten in die entgegengesetzte
Richtung von wo die Engel normalerweise kommen. Er stöhnt leise. Vielleicht
spricht er auch mit sich selbst. Oder er läßt womöglich einfach die
angestaute Luft heraus. Wie beim Zieleinlauf. Oder eben wie jemand, der
sich über seine Auferstehung freut.
Da ich genau hinter ihm saß, konnte ich sein Gesicht nicht sehen. Aber es
muß wohl verzückt gewesen sein. Glänzende Augen gen Himmel gedreht,
den Mund offen irgendwo zwischen Ein- und Ausatmen, wie die
mittelalterlichen Ekstatiker, wenn sie Gott schauten. Gedanken mögen da
nicht sein, so ich verloren hab das Mein.
Das alltägliche Leben wird natürlich leichter, wenn man die Hauptprobleme
in zwei Hälften teilt. Gut und Böse, Unten und Oben, Wahrheit und Lüge,
richtig und falsch; so wird man je nachdem Pfarrer, Politiker, Jurist oder
Wissenschaftler. Wer vom Unterschied zwischen Kunst und Kitsch
überzeugt ist, wird Künstler oder Kritiker.
Kann man dem Begeisterten aus dem Konzertsaal wirklich nachweisen, daß
seine Gefühle nicht echt waren, daß er sich seine Leidenschaft nur
eingebildet hat, und daß sein musikalischer Orgasmus bloß vorgetäuscht
war? Was ist mit Wagner? Nothung, Nothung, neidliches Schwert! Hat das
je ein Konzertbesucher aufrichtig gefühlt?
Was ist Kitsch? Ein bestimmter Text, ein Bild, eine Melodie, oder die Art und
Weise wie wir damit umgehen? Als ich Claus Vogelgesang sage, daß für
mich Die Frage aller Fragen von Cliff Richard die größte Sülze ist, die ich
kenne, ist er empört. Für ihn ist das ein schönes Lied. Claus findet Puccini
kitschig. Er muß manchmal fast weinen, wenn er Tosca auflegt. Nur du
kannst mir die Antwort sagen.
In der Kritik der Urteilskraft definiert Immanuel Kant die Art und Weise wie
man Kunstwerken begegnet als interesseloses Wohlgefallen. Seither geben
sich manche alle Mühe, möglichst uninteressiert vor einem Kunstwerk zu
stehen. Und seither gilt umgekehrt: da wo man mitklatscht, laut lacht oder
Spaß hat, da kann es mit der Kunst nicht weit her sein. Heintje singt:
Mama, du mußt doch nicht um deinen Jungen weinen. Dann muß ich an
meine Mutter denken, und dann werde ich melancholisch, weil wir früher
diese Platte auch zu Hause hatten und ich mich genau daran erinnere, auch
an die Siebziger-Jahre Einrichtung mit Glastisch. Das darf doch nicht wahr
sein.
Bundesdeutsche Politiker sprechen oft von Visionen, die sie gerne hätten.
Im real existierenden Sozialismus waren Visionen an der Tagesordnung. Vom
Haus des Volkes bis zur doppelten Erfüllung des Planziels. Einer der immer
der erste ist, das ist Fritz der Traktorist. Sozialkitsch. Es gibt eine Skulptur
von Jeff Koons, bei der ein etwa 2,5 m großer Teddybär im Streifenrolli
einem englischen Bobby freundschaftlich die Tatze auf die Schulter legt.
Der Bär ist offensichtlich ein Kumpel des Polizisten. Was für ein Werk!
Roy Black streut rote Rosen, unsere Studiogäste tragen herrlich bunte
Krawatten, Marianne Rosenberg singt, das Weiße Rössl wiehert, Elvis geht
mit seinem Glitzeranzug im Ghetto spazieren, wir machen eine friedliche
Revolution und wandern durch blühende Landschaften, in denen
kraftstrotzende Proletarier Hammer und Sichel schwingen. Claus
Vogelgesang spricht mit dem Soziologen und ausgewiesenen Kitschforscher
Harry Pross, der Kitschliebhaberin und besten Schlagersängerin Europas,
Petra Perle, und der Ästhetikprofessorin Uta Brandes. Wir haben auch einen
Hirsch, der für uns röhrt. Im Hintergrund schweigt der deutsche Wald.
Niemand weiß genau, wie das Wort Kitsch entstanden ist. Um 1870 war es
plötzlich da. Ein Freund sagt mir dazu am Telefon: Kitsch ist, wenn man
ernste Sachen zu ernst nimmt. Wir werden uns hüten.
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Gäste
Literatur: Petra Perle und Conny Sü Prem "Die Hausfrau 2000" (Heyne Verlag)
Literatur: Zeichen und Ordnung - Das Ding als Zeichen aus: Harry Pross, Zwänge
- Essay über symbolische Gewalt, Berlin 1981
Harry Pross - Literatur als Autor oder Herausgeber finden Sie hier.
Im April wurde Dr. Uta Brandes als Professorin für »Frauenorientiertes
Design« an den Fachbereich Design der Fachhochschule Köln berufen. Mit
dieser Professur sind gleich zwei »Premieren« verbunden. Es handelt sich
um die erste Professur, die: aus dem 1987 ins Leben gerufenen
Hochschulsonderprogramm »Netzwerk Frauenforschung« an eine
Fachhochschule ging europaweit im Design ausdrücklich dem
Geschlechterverhältnis gewidmet ist.
Im folgenden erläutert die Autorin, welche Lehr- und Forschungsaufgaben
sie mit ihrem Lehrgebiet verbindet. Illustriert ist der Bericht ausschließlich
mit Objekten und Verfahren, die von Designstudentinnen gestaltet worden
sind.
http://www.fh-koeln.de/insider/insider4/chance.html
Literatur
Kitsch
Bericht der Rhein Zeitung über eine Kitsch-Ausstellung
in München
http://www.uni-wuppertal.de/FB5-Hofaue/
http://www.evolver.at/kitsch-kult/index.html
Die Ausstellung der Wiener Alpenmilchzentrale ist
zwar leider schon vorbei, aber dennoch ist der Link köstlich!
Der Kunstverein ARTBLOCK VIENNA zeigt in der Wiener
Alpenmilchzentrale Design der 50er Jahre unter
dem Motto "Kitsch & Kult". Mit etwa 1500
Exponaten und der dazugehörigen
Musik kann der Besucher Erinnerungen an
längst vergangene Tage
auffrischen beziehungsweise sich an Hand der
ausgestellten Objekte in
die Zeit von vor nahezu 50 Jahren versetzen.
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Popples, 1989
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Mit weit ausgebreiteten Armen scheint
dieses Wesen in unsere Arme kommen
zu wollen. Schmollmund,
Augenaufschlag und herzige Pfötchen
verlangen trotzig nach unserer
Zuneigung. Popples ist ein Kuscheltier
oder Maskottchen, wie man es in
Souvenirläden oder Tankstellenshops
finden kann. In: Galerie der Gegenwart - Hamburger Kunsthalle Jeff Koons: Popples, 1989 mehr dazu: http://www.hamburger-kunsthalle.de/seiten/koons.htm http://www.tagesspiegel.de/archiv/1999/11/26/ak-ku-ku-10967.html "Jeff Koons" ist eine Chiffre für Kitsch, Kunst und Leben. Von Rainald Goetz als Theaterstück konzipiert,
von Oliver Sturm als Hörspiel bearbeitet, führt es in verschiedene Milieus zwischen Diskothek und
Vernissage, privatem und öffentlichem Raum. Ein breiter Fächer aus Dutzenden von Stimmen transportiert
Mikrogeschichten, die kurz angerissen, aber nicht zu Ende erzählt werden. Es ist eine "Szene"-Welt, die
hier entworfen wird Schlager, die wir nie vergessen
Ich werd' es nie vergessen, / was ich an dir hab' besessen» - gut, dass hätte ich, Mama
zuliebe, noch unterschreiben können. Aber «dass es auf Erden nur eine gibt, / die mich
so heiss hat geliebt»: Das zuzugeben widerstrebte denn doch meinem an Karl May und
den Beatles schon gebildeten Stilinstinkt und war im übrigen auch ein Misstrauensvotum
gegen das andere Geschlecht, das tastend zu erkunden ich mich soeben anschickte.
(«Heintje ist noch nicht so weit, dass er über Mädchen singen kann», bat sein Manager
damals um Entschuldigung. Aber als er dann soweit war, wollte ihn natürlich niemand
mehr hören.) Und das «Es betet ja für mich, Mama, dein Herz»: Das konnte ich nun schon
gar nicht mit meiner heroischen Weigerung vereinbaren, mich als Ministrant in die
bigotten Dienste von Stadtpfarrer Vorbach pressen zu lassen. Wer mit Schuldgefühlen zu
kämpfen hat, kann ein gehorsames Mamasöhnchen nicht gebrauchen, das noch nach
dem Rockzipfel der Erzeuger brüllt, wo es längst den Marsch durch die Institutionen
anzutreten gälte. «Schnell wird der Junge ein Mann, / Träume der Jugend vergehen, /
dann fängt das Leben erst an»: Das war für mich - und vielleicht ja auch für die kleine
Heulsuse - noch ein Versprechen. |
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aus: "Deutsches Entertainment Magazin"
Winnetou 1
mit Informationen über Inhalt und Darsteller, Regie, Stab, Filmkritiken, Bemerkungen
Der bürgerliche edle Wilde "Seine Mokassins waren mit Stachelschweinsborsten und die Nähte seiner Leggins und des Jagdrockes mit feinen, roten Nähten geschmückt. Auch er trug den Medizinbeutel am Halse und das Kalumet dazu. Seine Bewaffnung bestand wie bei seinem Vater aus einem Messer und einem Doppelgewehre. Auch er trug den Kopf unbedeckt und hatte das Haar zu einem Schopfe aufgewunden, aber ohne es mit einer Feder zu schmücken. Es war so lang, daß es dann noch reich und schwer auf den Rücken niederfiel. Gewiß hätte ihn manche Dame um dieses herrliche, blauschimmernde Haar beneidet. Sein Gesicht war fast noch edler als dasjenige seines Vaters und die Farbe desselben ein mattes hellbraun mit einem leisen Bronzehauch. (...) Wir betrachteten einander mit einem langen, forschenden Blicke, und dann glaubte ich zu bemerken, daß in seinem ernsten, dunklen Auge, welches einen sammetartigen Glanz besaß, für einen kurzen Augenblick ein freundliches Licht aufglänzte, wie ein Gruß, den die Sonne durch eine Wolkenöffnung auf die Erde sendet."
http://karlmay.uni-bielefeld.de/kmg/ Links zu anderen Netzseiten rund um Winnetou:
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Romy Schneider
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Sisi - ein Leben zwischen Glanz und Einsamkeit eine Homepage des Sisi-Club
eine weitere Sisi-Homepage: Literaturtipps: |
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Bd.11366 Friedländer, Saul: Kitsch und Tod. Der
Widerschein des Nazismus. (Die Zeit des Nationalsozialismus). Erw. Neuausg. 1999. Kartoniert. 163gr. ISBN: 3-596-11366-0, KNO-NR: 7 96 67 48
Killy, Walther: Deutscher Kitsch. Ein Versuch m. Beispielen.
Körner, Wolfram: Erotisches im Alltag zwischen Kunst
und Kitsch. |
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