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  12./13.2.99

  • Mähnen, Locken, Strähnen - Die Lange Nacht vom Haar

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    Moderation: Peter Kiefer, Waltraud Tschirner

    Gäste: Irmela Hannover, Paul Wasiak

    Locke

    Ob flutende Mähne, stoppliger Mecki, spiegelblanke Glatze oder krause Wolle - Haare sind der Stoff, der unser Äußeres schmerzlos verändern kann. Gelegentlich kann der aktuelle Trend jedoch zur haarigen Angelegenheit im doppelten Sinne werden und den Trägern wie Herstellern der Kopfespracht Spitzenleistungen in Sachen Geduld abverlangen - wie beispielsweise die Turmfrisur modebewußter Rokokodamen, deren Körpermitte vom Nabel aufwärts in Richtung Nase verlagert wurde. Gelegentlich schmückte das Haargetü(r)m noch eine perlenbesetzte Barkasse. Doch nicht nur als Kopfdekor hat der gefädelte Horn Bedeutung - schon das Neugeborene sucht nach Haaren. Es klammert sich an der Mutter fest, als sei es ein Äffchen und könnte ihr ans Fell. Vom Ursprung des Lebens bis zu den Haaren auf den Zähnen - die Lange Nacht packt das Thema Haar kurzerhand beim Schopfe und findet, garantiert, auch das eine oder andere Haar in der Suppe.

    Irmela Hannover (2.v. l.) mit Schwestern
    Irmela Hannover (2. von links) mit Schwestern

    Texte:

    Als ich zu einem langen, dünnen Mädchen heranwuchs, rechneten es sich meine netten Kinderfreunde offensichtlich als Verdienst an, mich trotz meiner feuerroten Haare bis dato am Leben gelassen zu haben. Im Mittelalter nämlich, so ihre hämische Bemerkung, wäre ich längst als Hexe verbrannt worden! Was ich doch für ein Glück hätte, im aufgeklärten 20. Jahrhundert geboren worden zu sein. Ich sah das, ehrlich gesagt, ähnlich, denn ganz sachlich betrachtet war es um einiges angenehmer, nur als "Hexe" beschimpft zu werden, und nicht auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen. Als allerdings auch der Religionslehrer mich damals etwa Zwölfjährige haßerfüllt vor sich hingrummelnd als "Hexe" beschimpfte, war ich doch getroffen. An die Neckereien der Kinder hatte ich mich schon gewöhnt, die "Hexe" gehörte zum üblichen Repertoire kindlicher Grausamkeit, das bereits das solide Fundament meines Minderwertigkeitsgefühls gelegt hatte. Aber wegen einer schlichten Unaufmerksamkeit von einem Lehrer als "Hexe" beschimpft zu werden, das war eine neue Qualität. Dabei war mir die Ungeheuerlichkeit, daß ausgerechnete der Religionslehrer sich zu dieser Beschimpfung hinreißen ließ, nicht einmal bewußt. Von Hexenverfolgung und Hexenverbrennungen war im Religionsunterricht selbstverständlich keine Rede.

    Aus: Von Hexen und fatalen Frauen - Der Mythos von der rothaarigen Hexe, in: Irmela Hannover, Frauen mit roten Haaren

    Links:

  • http://www.upd.unizh.ch/unimuseen/haare.html
    Eine Ausstellung zum Thema Haare: HAARig zeigte verschiedene Aspekte rund ums Haar: «100'000 Haare machen noch keine Frisur», «das Haar in der afrikanischen Kunst», «Unsere Körperhaare - ein Restpelz?», «Ein Haar fesselt stärker als das dickste Eisenseil».

  • http://www.quarks.de/haare/k00.htm
    ein wundervoller Link! Hier erfahren Sie fast alles über rund um das Thema Haar

    Literatur:


    Hannover, Irmela
    Frauen mit roten Haaren
    Rütten&Loening, Berlin 1997


    Heymann, Eberhard
    Haut, Haar, und Kosmetik - Eine chemische Wechselwirkung
    Hirzel-Verlag, Stuttgart 1994

    Das Haar und seine Struktur
    Wella AG (Hg.):, Darmstadt 1984 (Bezug nur über Wella, Berliner Allee 65, 64274
    Darmstadt)

    Friseurfachkunde: beraten, pflegen, gestalten
    Schroedel, Hannover 1991
    Ein Schulbuch

    Orfanos, C.E.
    Haar und Haarkrankheiten
    Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1979

    Kosmetik und Mode
    Öko-Test-Sonderheft Nr. 23, 1997
    (Bezug: Öko-Test-Verlag, Postfach 90 07 66, 60447 Frankfurt)

    Knußmann, Rainer
    Vergleichende Biologie des Menschen. - Ein Lehrbuch der Anthropologie und
    Humangenetik
    Stuttgart 1996

    McCracken, Grant
    Big Hair - Der Kult um die Frisur
    dtv-Taschenbuch, München 1997

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