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Die Biographie
CHRONIK - ERICH KÄSTNERS LEBEN
1899
Am 23. Februar wird Erich Kästner in Dresden
geboren.
Seine Mutter, Ida Kästner, stammt aus einer
sächsischen Metzgers-
und Pferdehändlersfamilie, Emil Kästner,
ehemals selbständiger
Sattlermeister, ist Arbeiter in einer Kofferfabrik.
Erst nach Erich Kästners Tod wird das Familiengeheimnis
gelüftet:
nicht Ida Kästners Ehemann war Erichs Vater,
sondern der Hausarzt,
Sanitätsrat Dr. Emil Zimmermann.
Erich Kästners Kindheit und Jugend sind geprägt
von finanzieller Enge,
der unglücklichen Ehe seiner Eltern und in besonderem
Maße von
seiner Mutter, die ihren Mann ständig seine
Unzulänglichkeit spüren läßt
und sich dafür um so stärker für das
Wohl ihres Sohnes aufopfert.
Das daraus entstehende enge Verhältnis zwischen
Mutter und Sohn
geht weit über das normale Maß hinaus.
Es prägt ihn für sein Leben
und begründet u.a. sein schwieriges Verhältnis
zu Frauen.
1906
Einschulung in die Volksschule in Dresden.
1913
Eintritt ins Freiherrlich von Fletscher'sche Lehrerseminar
in Dresden.
1917
Einberufung zum Militär.
Durch den extremen Drill trägt Erich Kästner
einen irreparablen
Herzschaden davon.
1918
Entlassung vom Militär.
Abschluß am Strehlener Lehrerseminar.
1919
Hospitant am König-Georg-Gymnasium.
Erste Gedichtveröffentlichung in der Theaterzeitung
Der Zwinger.
Kriegsabitur mit Auszeichnung.
Er erhält das Goldene Stipendium der Stadt Dresden,
das ihm ein Studium an einer sächsischen Universität
ermöglicht.
Studienbeginn in Leipzig: Germanistik, Geschichte,
Theaterwissenschaft
und Philosophie in Leipzig.
1921
Sommersemester in Rostock,
wo seine Freundin Ilse Julius (Beeks) studiert,
mit der er von 1919 bis November 1926 befreundet
ist.
Ab Wintersemester 1921 in Berlin.
1922
Wechsel nach Leipzig.
Assistent bei Prof. Albert Köster.
Anstellung bei der Neuen Leipziger Zeitung.
1923
Beginn der Freundschaft mit Erich Ohser.
1925
Promotion über "Friedrich der Große
und die deutsche Literatur.
Die Erwiderung auf seine Schrift 'De la littérature
allemande'".
Bereits als Student schrieb er für Leipziger
Zeitungen Artikel und
Gedichte.
1926
Erste Auslandsreise nach Italien und in die Schweiz
(mit seiner Mutter).
1927
Bekanntschaft mit der Journalistin Luiselotte Enderle.
Ein Gedicht, Abendlied des Kammervirtuosen, das zum
hundertsten Todestag
Beethovens erscheint, führt wegen vermeintlicher
Frivolität
zum Skandal und wird als Vorwand genutzt, Kästner
bei der
Neuen Leipziger Zeitung zu kündigen.
Umzug nach Berlin.
Als Theaterkritiker und freier Mitarbeiter für
verschiedene Zeitungen
tätig; u.a. für die Die Weltbühne,
das Berliner Tageblatt und die
Vossische Zeitung, Montag Morgen.
Beginn der Freundschaft mit Hermann Kesten.
1928
Erste Reise nach Paris (mit Erich Ohser).
Bei der Verlegerin Edith Jacobsohn lernen sich Erich
Kästner und
Walter Trier kennen.
Gedichtband Herz auf Taille.
Erich Kästner stellt eine feste Sekretärin
ein: Elfriede Mechnig.
1929
Gedichtband Lärm im Spiegel.
Hörspiel Leben in dieser Zeit.
Roman für Kinder Emil und die Detektive; illustriert
von Walter Trier.
Durch diesen Roman wird Erich Kästner mit einem
Schlag berühmt.
1930
Gedichtband Ein Mann gibt Auskunft.
Kurzfilm Dann schon lieber Lebertran.
Bühnenfassung von Emil und die Detektive.
Im April zehntägige Reise in die Sowjetunion
(mit Erich Ohser).
1931
Umzug in die erste eigene Wohnung,
in die Roscherstraße in Berlin-Charlottenburg.
Wahl in den PEN-Club.
Roman für Kinder Pünktchen und Anton.
Bühnenfassung von Pünktchen und Anton.
Roman Fabian - Die Geschichte eines Moralisten.
1932
Gedichtband Gesang zwischen den Stühlen.
Kinderbuch Der 35. Mai oder Konrad reitet in die
Südsee.
Kinderbücher Arthur mit dem langen Arm und Das
verhexte Telefon.
1933
Roman für Kinder Das fliegende Klassenzimmer.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten:
Publikationsverbot in Deutschland.
10. Mai: Bücherverbrennung - in Anwesenheit
Erich Kästners
werden auch seine Bücher auf dem Opernplatz
in Berlin verbrannt.
Edith Jacobsohn, Kästners Verlegerin, muß
Deutschland verlassen.
Erich Kästner bleibt in Berlin.
Erich Kästner veröffentlicht während
des Schreibverbotes in Deutschland
z. T. unter verschiedenen Pseudonymen, u.a. unter
den Namen
Berthold Bürger, Melchior Kurtz und Robert Neuner.
Erich Kästners Bücher erscheinen später
in der Schweiz beim
Atrium Verlag, dem Verlag, den Kurt Maschler eigens
gegründet hat,
um zumindest im Ausland die Rechte Erich Kästners
wahren zu können.
Im Dezember wird Erich Kästners Konto beschlagnahmt
und
erst ein Jahr später wieder freigegeben.
Erich Kästner selbst wird von der Gestapo verhaftet,
später wieder freigelassen.
1934
Roman Drei Männer im Schnee.
1935
Kinderbuch Emil und die drei Zwillinge.
Roman Die verschwundene Miniatur.
Bekanntschaft mit der Schauspielerin Herti Kirchner.
1936
Reise nach Davos.
Walter Trier emigriert nach London.
Gedichte Doktor Erich Kästners lyrische Hausapotheke.
1937
Zweite vorübergehende Verhaftung durch die Gestapo.
Reise nach Bad Reichenhall, von dort tägliche
Fahrten nach Salzburg,
um Walter Trier zu treffen.
1938
Reise nach London und Rückkehr wegen der drohenden
Kriegsgefahr.
Roman Georg und die Zwischenfälle
(erscheint ab 1949 u. d. T.: Der kleine Grenzverkehr).
Nacherzählung Till Eulenspiegel.
1939
Kästners Freundin Herti Kirchner kommt bei einem
Autounfall ums Leben.
1942
Obwohl Kästner im Dritten Reich nicht publizieren
darf,
wird er 1942 aufgefordert, unter dem Pseudonym Berthold
Bürger
das Drehbuch für Münchhausen zum 25jährigen
Jubiläum der Ufa
zu schreiben.
Filmtreatment Das doppelte Lottchen.
1943
Im Januar, noch vor der Uraufführung des Films
Münchhausen
am 3. März, wird die nur auf Drehbücher
beschränkte Sondergenehmigung
zum Schreiben vom Präsidenten des Reichsschrifttumskammer
widerrufen:
Das generelle Schreibverbot gilt nun für jegliche
Veröffentlichung
Erich Kästners und wird auch auf das Ausland
ausgedehnt.
Komödie Zu treuen Händen unter dem Pseudonym
Melchior Kurtz.
1944
Erich Kästners Wohnung wird durch einen Bombenangriff
vollständig zerstört.
Er zieht zu Luiselotte Enderle, die er in Berlin
wiedergetroffen hat
und mit der er von nun an zusammenlebt.
März: Erich Kästners Freunde Erich Ohser
und Erich Knauf werden
verhaftet. Ohser begeht Selbstmord, Knauf wird zum
Tode verurteilt
und hingerichtet.
1945
März: Als es in Deutschland immer unsicherer
für Erich Kästner wird,
bringt er sich - unter dem Vorwand der Mitarbeit
- mit dem Ufa-Filmteam
von Harald Braun in Mayrhofen im Zillertal/Tirol
in Sicherheit.
Im Sommer kurzer Aufenthalt in Schliersee.
Danach zieht Erich Kästner mit Luiselotte Enderle
nach München um.
Gründung der Neuen Zeitung in München,
deren Feuilletonleiter Erich Kästner von Oktober
1945 bis Herbst 1946
wird.
Gründung des Kabaretts Die Schaubude in München,
für das Erich Kästner zahlreiche Chansons
schreibt.
1946
Januar: Umzug in eine möblierte Wohnung
in der Fuchsstraße in München-Schwabing.
Gründung der Jugendzeitschrift Pinguin,
deren Herausgeber Erich Kästner wird.
September: Reise nach Berlin und Dresden;
Wiedersehen mit den Eltern.
1947
Reise zum internationalen PEN-Kongreß in Zürich.
Erich Kästner beendet seine Arbeit bei der Neuen
Zeitung.
1948
Chanson- und Prosa-Band Der tägliche Kram.
Epigramme Kurz und bündig.
Uraufführung der Komödie Zu treuen Händen
in Düsseldorf.
1949
Erich Kästner lernt die damals 23jährige
Friedel Siebert kennen,
mit der ihn eine langjährige Liebesbeziehung
verbindet.
Buch Die Konferenz der Tiere.
Roman für Kinder Das doppelte Lottchen.
1950
Bundesfilmpreis für die Verfilmung des Kinderromans
Das doppelte Lottchen.
Nacherzählung Der Gestiefelte Kater.
1951
Erich Kästner wird Präsident des westdeutschen
PEN-Zentrums.
Gründung und Mitarbeit beim Kabarett Die kleine
Freiheit in München.
Juli: Erich Kästners Mutter stirbt in Dresden.
Nacherzählung Münchhausen.
1952
Chansons und Prosa Die kleine Freiheit.
1953
Umzug in ein Haus in der Flemmingstraße am
Schwabinger Herzogpark.
1954
Filmdrehbuch zu Das fliegende Klassenzimmer.
Neuverfilmungen von Emil und die Detektive
und Die verschwundene Miniatur.
Nacherzählung Die Schildbürger.
1955
Gedichtband Die dreizehn Monate.
Verfilmung Drei Männer im Schnee.
1956
Literaturpreis der Stadt München.
Nacherzählung Don Quichotte.
Komödie Die Schule der Diktatoren.
1957
Verleihung des Georg-Büchner-Preises in Darmstadt.
Uraufführung Die Schule der Diktatoren in den
Münchner Kammerspielen.
Kindheitserinnerungen Als ich ein kleiner Junge war.
Dezember: Geburt von Thomas,
dem gemeinsamen Sohn mit Friedel Siebert.
Silvester: Tod des Vaters.
1958
Rede zum 25. Jahrestag der Bücherverbrennung
auf dem PEN-Kongreß in Hamburg.
Uraufführung Das Haus Erinnerung in den Münchner
Kammerspielen.
1959
Zu Erich Kästners 60. Geburtstag erscheinen
die Gesammelte Schriften in sieben Bänden
mit allen Werken, die Erich Kästner darin aufgenommen
wissen wollte.
Er selbst hatte die Redaktion der Ausgabe übernommen.
Erich Kästner erhält das Große Bundesverdienstkreuz.
1960
Das Internationale Kuratorium für das Jugendbuch
verleiht Erich Kästner
in Luxemburg die Hans-Christian-Andersen-Medaille.
1961
Tagebuchnotizen Notabene 1945.
Nacherzählung Gullivers Reisen.
Rede gegen die atomare Aufrüstung bei der Kundgebung
des Ostermarsches in München.
Vier Lesungen in der Wiener Stadthalle.
Erich Kästner erkrankt an Ischias. Zusätzlich
wird schwere Tbc
festgestellt.
1962
Januar: Beginn eines Sanatoriumsaufenthaltes zur
Heilung der Tbc
in Agra im Tessin.
1963
Mai: Rückkehr aus dem Sanatorium nach München.
Roman für Kinder Der kleine Mann.
1964
Januar bis August: erneuter Sanatoriumsaufenthalt
in Agra.
Herbst: Eröffnung der Kästner-Ausstellung
des Goethe-Instituts
in der Internationalen Jugendbibliothek (IJB) in
München.
1965
Reise zur Eröffnung der Kästner-Ausstellung
in Stockholm.
Starkes politisches Engagement:
- gegen den Krieg in Vietnam
- gegen die geplante Verjährung von Nazi-Verbrechen
- gegen eine von Behörden in Düsseldorf
genehmigte Bücherverbrennung
durch Mitglieder des Evangelischen Jugendbundes
für
entschiedenes Christentum.
1966
Reisen zu den Kästner-Ausstellungen in Kopenhagen
und London.
1967
Lesung im Zwinger in Dresden als PEN-Autorenaustausch
mit
Anna Seghers, die dafür in Heidelberg liest.
Reise zur Kästner-Ausstellung in Den Haag.
Roman für Kinder Der kleine Mann und die kleine
Miß.
1968
Verleihung des Literaturpreises Deutscher Freimaurer
(Lessing-Ring).
1970
Verleihung des Kulturellen Ehrenpreises der Stadt
München.
1974
13. Februar: Verleihung der Goldenen Ehrenmünze
der Landeshauptstadt München.
12. Februar: 75. Geburtstag.
29. Juli: Erich Kästner stirbt in München
an Speiseröhrenkrebs.
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