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  19./20.2.99

  • Zwischen allen Stühlen - Eine Lange Nacht zum 100. Geburtstag von Erich Kästner

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    Moderation: Udo Samel

    Erich Kaestner

    Die Biographie

    CHRONIK - ERICH KÄSTNERS LEBEN


    1899
    Am 23. Februar wird Erich Kästner in Dresden geboren.
    Seine Mutter, Ida Kästner, stammt aus einer sächsischen Metzgers-
    und Pferdehändlersfamilie, Emil Kästner, ehemals selbständiger
    Sattlermeister, ist Arbeiter in einer Kofferfabrik.
    Erst nach Erich Kästners Tod wird das Familiengeheimnis gelüftet:
    nicht Ida Kästners Ehemann war Erichs Vater, sondern der Hausarzt,
    Sanitätsrat Dr. Emil Zimmermann.
    Erich Kästners Kindheit und Jugend sind geprägt von finanzieller Enge,
    der unglücklichen Ehe seiner Eltern und in besonderem Maße von
    seiner Mutter, die ihren Mann ständig seine Unzulänglichkeit spüren läßt
    und sich dafür um so stärker für das Wohl ihres Sohnes aufopfert.
    Das daraus entstehende enge Verhältnis zwischen Mutter und Sohn
    geht weit über das normale Maß hinaus. Es prägt ihn für sein Leben
    und begründet u.a. sein schwieriges Verhältnis zu Frauen.

    1906
    Einschulung in die Volksschule in Dresden.

    1913
    Eintritt ins Freiherrlich von Fletscher'sche Lehrerseminar in Dresden.

    1917
    Einberufung zum Militär.
    Durch den extremen Drill trägt Erich Kästner einen irreparablen
    Herzschaden davon.

    1918
    Entlassung vom Militär.
    Abschluß am Strehlener Lehrerseminar.

    1919
    Hospitant am König-Georg-Gymnasium.
    Erste Gedichtveröffentlichung in der Theaterzeitung Der Zwinger.
    Kriegsabitur mit Auszeichnung.
    Er erhält das Goldene Stipendium der Stadt Dresden,
    das ihm ein Studium an einer sächsischen Universität ermöglicht.
    Studienbeginn in Leipzig: Germanistik, Geschichte, Theaterwissenschaft
    und Philosophie in Leipzig.

    1921
    Sommersemester in Rostock,
    wo seine Freundin Ilse Julius (Beeks) studiert,
    mit der er von 1919 bis November 1926 befreundet ist.
    Ab Wintersemester 1921 in Berlin.

    1922
    Wechsel nach Leipzig.
    Assistent bei Prof. Albert Köster.
    Anstellung bei der Neuen Leipziger Zeitung.

    1923
    Beginn der Freundschaft mit Erich Ohser.

    1925
    Promotion über "Friedrich der Große und die deutsche Literatur.
    Die Erwiderung auf seine Schrift 'De la littérature allemande'".
    Bereits als Student schrieb er für Leipziger Zeitungen Artikel und
    Gedichte.

    1926
    Erste Auslandsreise nach Italien und in die Schweiz (mit seiner Mutter).

    1927
    Bekanntschaft mit der Journalistin Luiselotte Enderle.
    Ein Gedicht, Abendlied des Kammervirtuosen, das zum hundertsten Todestag
    Beethovens erscheint, führt wegen vermeintlicher Frivolität
    zum Skandal und wird als Vorwand genutzt, Kästner bei der
    Neuen Leipziger Zeitung zu kündigen.
    Umzug nach Berlin.
    Als Theaterkritiker und freier Mitarbeiter für verschiedene Zeitungen
    tätig; u.a. für die Die Weltbühne, das Berliner Tageblatt und die
    Vossische Zeitung, Montag Morgen.
    Beginn der Freundschaft mit Hermann Kesten.

    1928
    Erste Reise nach Paris (mit Erich Ohser).
    Bei der Verlegerin Edith Jacobsohn lernen sich Erich Kästner und
    Walter Trier kennen.
    Gedichtband Herz auf Taille.
    Erich Kästner stellt eine feste Sekretärin ein: Elfriede Mechnig.

    1929
    Gedichtband Lärm im Spiegel.
    Hörspiel Leben in dieser Zeit.
    Roman für Kinder Emil und die Detektive; illustriert von Walter Trier.
    Durch diesen Roman wird Erich Kästner mit einem Schlag berühmt.

    1930
    Gedichtband Ein Mann gibt Auskunft.
    Kurzfilm Dann schon lieber Lebertran.
    Bühnenfassung von Emil und die Detektive.
    Im April zehntägige Reise in die Sowjetunion (mit Erich Ohser).

    1931
    Umzug in die erste eigene Wohnung,
    in die Roscherstraße in Berlin-Charlottenburg.
    Wahl in den PEN-Club.
    Roman für Kinder Pünktchen und Anton.
    Bühnenfassung von Pünktchen und Anton.
    Roman Fabian - Die Geschichte eines Moralisten.

    1932
    Gedichtband Gesang zwischen den Stühlen.
    Kinderbuch Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee.
    Kinderbücher Arthur mit dem langen Arm und Das verhexte Telefon.

    1933
    Roman für Kinder Das fliegende Klassenzimmer.
    Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten:
    Publikationsverbot in Deutschland.
    10. Mai: Bücherverbrennung - in Anwesenheit Erich Kästners
    werden auch seine Bücher auf dem Opernplatz in Berlin verbrannt.
    Edith Jacobsohn, Kästners Verlegerin, muß Deutschland verlassen.
    Erich Kästner bleibt in Berlin.
    Erich Kästner veröffentlicht während des Schreibverbotes in Deutschland
    z. T. unter verschiedenen Pseudonymen, u.a. unter den Namen
    Berthold Bürger, Melchior Kurtz und Robert Neuner.
    Erich Kästners Bücher erscheinen später in der Schweiz beim
    Atrium Verlag, dem Verlag, den Kurt Maschler eigens gegründet hat,
    um zumindest im Ausland die Rechte Erich Kästners wahren zu können.
    Im Dezember wird Erich Kästners Konto beschlagnahmt und
    erst ein Jahr später wieder freigegeben.
    Erich Kästner selbst wird von der Gestapo verhaftet,
    später wieder freigelassen.

    1934
    Roman Drei Männer im Schnee.

    1935
    Kinderbuch Emil und die drei Zwillinge.
    Roman Die verschwundene Miniatur.
    Bekanntschaft mit der Schauspielerin Herti Kirchner.

    1936
    Reise nach Davos.
    Walter Trier emigriert nach London.
    Gedichte Doktor Erich Kästners lyrische Hausapotheke.




    1937
    Zweite vorübergehende Verhaftung durch die Gestapo.
    Reise nach Bad Reichenhall, von dort tägliche Fahrten nach Salzburg,
    um Walter Trier zu treffen.

    1938
    Reise nach London und Rückkehr wegen der drohenden Kriegsgefahr.
    Roman Georg und die Zwischenfälle
    (erscheint ab 1949 u. d. T.: Der kleine Grenzverkehr).
    Nacherzählung Till Eulenspiegel.

    1939
    Kästners Freundin Herti Kirchner kommt bei einem Autounfall ums Leben.

    1942
    Obwohl Kästner im Dritten Reich nicht publizieren darf,
    wird er 1942 aufgefordert, unter dem Pseudonym Berthold Bürger
    das Drehbuch für Münchhausen zum 25jährigen Jubiläum der Ufa
    zu schreiben.
    Filmtreatment Das doppelte Lottchen.

    1943
    Im Januar, noch vor der Uraufführung des Films Münchhausen
    am 3. März, wird die nur auf Drehbücher beschränkte Sondergenehmigung
    zum Schreiben vom Präsidenten des Reichsschrifttumskammer widerrufen:
    Das generelle Schreibverbot gilt nun für jegliche Veröffentlichung
    Erich Kästners und wird auch auf das Ausland ausgedehnt.
    Komödie Zu treuen Händen unter dem Pseudonym Melchior Kurtz.

    1944
    Erich Kästners Wohnung wird durch einen Bombenangriff
    vollständig zerstört.
    Er zieht zu Luiselotte Enderle, die er in Berlin wiedergetroffen hat
    und mit der er von nun an zusammenlebt.
    März: Erich Kästners Freunde Erich Ohser und Erich Knauf werden
    verhaftet. Ohser begeht Selbstmord, Knauf wird zum Tode verurteilt
    und hingerichtet.

    1945
    März: Als es in Deutschland immer unsicherer für Erich Kästner wird,
    bringt er sich - unter dem Vorwand der Mitarbeit - mit dem Ufa-Filmteam
    von Harald Braun in Mayrhofen im Zillertal/Tirol in Sicherheit.
    Im Sommer kurzer Aufenthalt in Schliersee.
    Danach zieht Erich Kästner mit Luiselotte Enderle nach München um.
    Gründung der Neuen Zeitung in München,
    deren Feuilletonleiter Erich Kästner von Oktober 1945 bis Herbst 1946
    wird.
    Gründung des Kabaretts Die Schaubude in München,
    für das Erich Kästner zahlreiche Chansons schreibt.

    1946
    Januar: Umzug in eine möblierte Wohnung
    in der Fuchsstraße in München-Schwabing.
    Gründung der Jugendzeitschrift Pinguin,
    deren Herausgeber Erich Kästner wird.
    September: Reise nach Berlin und Dresden;
    Wiedersehen mit den Eltern.

    1947
    Reise zum internationalen PEN-Kongreß in Zürich.
    Erich Kästner beendet seine Arbeit bei der Neuen Zeitung.

    1948
    Chanson- und Prosa-Band Der tägliche Kram.
    Epigramme Kurz und bündig.
    Uraufführung der Komödie Zu treuen Händen in Düsseldorf.

    1949
    Erich Kästner lernt die damals 23jährige Friedel Siebert kennen,
    mit der ihn eine langjährige Liebesbeziehung verbindet.
    Buch Die Konferenz der Tiere.
    Roman für Kinder Das doppelte Lottchen.

    1950
    Bundesfilmpreis für die Verfilmung des Kinderromans
    Das doppelte Lottchen.
    Nacherzählung Der Gestiefelte Kater.

    1951
    Erich Kästner wird Präsident des westdeutschen PEN-Zentrums.
    Gründung und Mitarbeit beim Kabarett Die kleine Freiheit in München.
    Juli: Erich Kästners Mutter stirbt in Dresden.
    Nacherzählung Münchhausen.

    1952
    Chansons und Prosa Die kleine Freiheit.

    1953
    Umzug in ein Haus in der Flemmingstraße am Schwabinger Herzogpark.

    1954
    Filmdrehbuch zu Das fliegende Klassenzimmer.
    Neuverfilmungen von Emil und die Detektive
    und Die verschwundene Miniatur.
    Nacherzählung Die Schildbürger.


    1955
    Gedichtband Die dreizehn Monate.
    Verfilmung Drei Männer im Schnee.

    1956
    Literaturpreis der Stadt München.
    Nacherzählung Don Quichotte.
    Komödie Die Schule der Diktatoren.

    1957
    Verleihung des Georg-Büchner-Preises in Darmstadt.
    Uraufführung Die Schule der Diktatoren in den Münchner Kammerspielen.
    Kindheitserinnerungen Als ich ein kleiner Junge war.
    Dezember: Geburt von Thomas,
    dem gemeinsamen Sohn mit Friedel Siebert.
    Silvester: Tod des Vaters.

    1958
    Rede zum 25. Jahrestag der Bücherverbrennung
    auf dem PEN-Kongreß in Hamburg.
    Uraufführung Das Haus Erinnerung in den Münchner Kammerspielen.

    1959
    Zu Erich Kästners 60. Geburtstag erscheinen
    die Gesammelte Schriften in sieben Bänden
    mit allen Werken, die Erich Kästner darin aufgenommen wissen wollte.
    Er selbst hatte die Redaktion der Ausgabe übernommen.
    Erich Kästner erhält das Große Bundesverdienstkreuz.

    1960
    Das Internationale Kuratorium für das Jugendbuch verleiht Erich Kästner
    in Luxemburg die Hans-Christian-Andersen-Medaille.

    1961
    Tagebuchnotizen Notabene 1945.
    Nacherzählung Gullivers Reisen.
    Rede gegen die atomare Aufrüstung bei der Kundgebung
    des Ostermarsches in München.
    Vier Lesungen in der Wiener Stadthalle.
    Erich Kästner erkrankt an Ischias. Zusätzlich wird schwere Tbc
    festgestellt.

    1962
    Januar: Beginn eines Sanatoriumsaufenthaltes zur Heilung der Tbc
    in Agra im Tessin.

    1963
    Mai: Rückkehr aus dem Sanatorium nach München.
    Roman für Kinder Der kleine Mann.

    1964
    Januar bis August: erneuter Sanatoriumsaufenthalt in Agra.
    Herbst: Eröffnung der Kästner-Ausstellung des Goethe-Instituts
    in der Internationalen Jugendbibliothek (IJB) in München.

    1965
    Reise zur Eröffnung der Kästner-Ausstellung in Stockholm.
    Starkes politisches Engagement:
    - gegen den Krieg in Vietnam
    - gegen die geplante Verjährung von Nazi-Verbrechen
    - gegen eine von Behörden in Düsseldorf genehmigte Bücherverbrennung
    durch Mitglieder des Evangelischen Jugendbundes für
    entschiedenes Christentum.

    1966
    Reisen zu den Kästner-Ausstellungen in Kopenhagen und London.

    1967
    Lesung im Zwinger in Dresden als PEN-Autorenaustausch mit
    Anna Seghers, die dafür in Heidelberg liest.
    Reise zur Kästner-Ausstellung in Den Haag.
    Roman für Kinder Der kleine Mann und die kleine Miß.

    1968
    Verleihung des Literaturpreises Deutscher Freimaurer (Lessing-Ring).

    1970
    Verleihung des Kulturellen Ehrenpreises der Stadt München.

    1974
    13. Februar: Verleihung der Goldenen Ehrenmünze
    der Landeshauptstadt München.
    12. Februar: 75. Geburtstag.
    29. Juli: Erich Kästner stirbt in München an Speiseröhrenkrebs.

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