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 Lange Nacht
 Sendung vom: Samstag 29.4.2000   • 23:05

Eine Lange Nacht im Hörfunkarchiv der DDR
Von Stalin über Bitterfeld zum Palast der Republik
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Autor:  Dr. Kurt Kreiler

Der Besuch im ehemaligen Hörfunkarchiv der DDR wird zur akustischen Konfrontation mit 40 Jahren Mentalitätsgeschichte der DDR. Die Stimme der Archivarin durchwirkt als roter Faden eine Collage aus dokumentarischen Fundstücken. Dem Gedächtnis der Archivarin antwortet das Gedächtnis des Archivs. Die eingebrachten Originaltöne - von der ersten Sendung des Berliner Rundfunks über "Striezelmarkt", "Maxhütte", "Friedensfahrt", "Schutzwall", "Bitterfelder Weg", "Nachtdrusch" bis zu den Leiziger Montagskundgebungen - lassen den Hörer die Choreographie der ideologischen Allgemeinplätze nachvollziehen, sie zeigen Sehnsüchte und Hoffnungen, bringen verstelltes und unverstelltes Reden im "real existierenden Sozialismus" zu Gehör. Angesprochen werden in dieser Langen Nacht auch die Praktiken der Archivierung, die vermuteten "Giftschränke" sowie die aktuelle Situation des Archivs und seiner Mitarbeiter.

 

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Landsonntag des Staatlichen Rundfunkkommitees

Der Ausschnitt

Der Besuch im ehemaligen Hörfunkarchiv der DDR ist kein Besuch mehr bei den "roten Socken". Das gesamte Archiv wurde am 1. Januar 1992 mit dem Deutschen Rundfunkarchiv in Frankfurt/M. institutionell vereinigt. Doch es behielt seinen Standort in Berlin. Anfangs war es untergebracht im Haus des damaligen DDR-Rundfunks. In der Nalepastrasse. Seit dem Sommer 1994 befindet es sich auf dem ehemaligen Fernsehgelände in Berlin-Adlershof.

Nalepastraßa - DT 64

Zwar haftet den Gebäuden aus den fünfziger und sechziger Jahren noch deutlich der Stallgeruch einer biedermännisch-sozialistischen Vergangenheit an, aber man ist als Besucher keinen Kontrollen ausgesetzt, wie sie einer "ideologieprovozierenden Anstalt" der DDR angestanden haben, man wird in freundliche, großräumige Büros bestellt: Zur Leiterin des Schallarchivs, Frau Brandenstein - und zu Prof. Dr. Leonard, dem hauptsächlich in Frankfurt residierenden Archivdirektor.

Zu DDR-Zeiten waren im Komplex Radio und Fernsehen rund 12.000 Personen beschäftigt. Alle Mitarbeiter wurden Ende 91 entlassen und - nach Gründung einer Beschäftigungsgesellschaft - zu einem geringen Teil wieder eingestellt. Das Deutsche Rundfunkarchiv Berlin, seit Ende 1991 in seinem Hauptbestand abgeschlossen, ist zum Dienstleistungsbetrieb geworden, der die Sendeanstalten der Bundesrepublik mit Tondokumenten aus den Bereichen Musik, Hörspiel, Kultur- und Zeitgeschichte versorgt. Man beantwortet Anfragen von Redakteuren, Autoren und Historikern, korrespondiert mit Verlagen, reagiert auf Nutzungswünsche von Institutionen und Privatleuten.

Der Fundus dieses Archivs umfaßt neben der künstlerischen Wort- und Musikproduktion alle erhaltenen Tonzeugnisse aus der Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik. Ein überaus reizvolles Feld der Erforschung - ein nicht auszuschöpfender Quell, eine gigantische Ansammlung von Stimmen, ein Labyrinth mit Gedächnisfunktion.

 

Links

  • http://www.mediacity-berlin.de/f_dra5.htm Das Historische Archiv - Standort Berlin
    Das Historische Archiv umfaßt die Bereiche Schriftgutarchive, Bildarchive und Gedruckte Medien. Die Schriftgutarchive verfügen über das Verwaltungs- und Programmschriftgut des Hörfunks und des Fernsehens der DDR. Hier werden aber auch die Schriftgutbestände des Senders Freies Berlin und des ehemaligen RIAS aufbewahrt. Insgesamt etwa 8.000 laufende Meter Schriftgut, darunter Akten und Verträge, Sendeprotokolle, Drehbücher, Hörspielmanuskripte, Hörer- und Zuschauer-Resonanz.

    Das Bildarchiv ist aus dem ehemaligen Berliner Scherl-Bilderdienst entstanden und umfaßt Bildmaterial aus der Zeit von 1912 bis 1991. Darunter die Fotos der Zentralen Bildredaktion des DDR-Fernsehens, der Bildredaktion der Abteilung Presse und Öffentlichkeitsarbeit, des Negativarchivs der Studiotechnik

    Der Bereich Gedruckte Medien umschließt die Pressearchive und die Bibliothek. Das Pressearchiv verfügt über eine umfangreiche Sammlung von etwa 5 Millionen Ausschnitten zu einer Vielzahl von Sachthemen und Personen allgemeiner Art wie vor allem auch zum Thema Medien. Die Bibliothek umfaßt etwa 7.000 Bände, Nachschlagewerke, Monographien und Zeitschriften zur Zeit- und Mediengeschichte vor allem der DDR.

    Deutsches Rundfunkarchiv:
    Direktor Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard
    Standort Frankfurt/M.
    Bertramstraße 8
    D-60320 Frankfurt/M
    Tel.: (069) 15 687 0
    Fax: (069) 15 687 100

    Standort Berlin
    Rudower Chaussee 3
    D-12489 Berlin
    Tel.: (030) 67 764 0
    Fax: (030) 67 764 100

  • http://www.mediacity-berlin.de/f_dra6.htm Die Schallarchive Standort Berlin

    Die in den Wort- und den Musikbereich gegliederten Schallarchive umfassen Rundfunkproduktionen und Fernsehmusiken des Hörfunks und Fernsehens der DDR aus dem Zeitraum 1945 bis 1991. Insgesamt sind das 100.000 Worttonträger und 350.000 Musiktonträger

    Im Musikarchiv finden sich Mitschnitte zu nahezu allen wichtigen Musikveranstaltungen der DDR.

    Die außerdem dokumentierten 138.000 Studioproduktionen aller Genres finden sich in ihrer Einmaligkeit nur in diesem Archiv.

    Das Wortarchiv
    verfügt über zeitgeschichtlich bedeutsame Aufzeichnungen zum Beispiel die Stadtverordnetenversammlung Berlin von 1946 bis 194, der Veranstaltungen zur Eröffnung kulturhistorischer Stätten (Gewandhaus Leipzig, Semperoper Dresden), der Schriftstellerkongresse, des "Runden Tischs" von 1989/90 Außerdem sind über 23.000 Bänder mit Hörspielen archiviert, wie zum Beispiel Bert Brechts "Der Kreidekreis" oder Gerhart Hauptmanns "Der Biberpelz".

  • http://www.mediacity-berlin.de/f_mdia1.htm Mediathek
    Das Projekt einer Deutschen Mediathek hatte als Idee seinen Ursprung bereits 1987 in der Akademie der Künste zu Berlin. Erstmals stellten sich auf einer Veranstaltung der Abteilung Film- und Medienkunst Experten und Betroffene die Frage, wie wir in Deutschland mit unserem audio-visuellen Erbe umgehen bzw. umgehen sollten. Schon damals wurde deutlich, daß dringender Handlungsbedarf besteht, um die Errungenschaften aus Hörfunk und Fernsehen vor dem Vergessen und der Vernichtung zu bewahren. Inzwischen nimmt das Projekt der Deutschen Mediathek in Berlin immer mehr Gestalt an.

  • http://www.uni-leipzig.de/~skrug/wir.htm Studienkreis Rundfunk und Geschichte e. V.
    Was ist, was will, was leistet der Studienkreis Rundfunk und Geschichte e. V.

  • http://www.uni-leipzig.de/~skrug/runduges.htm
    Rundfunk und Geschichte - Die Fachzeitschrift "Rundfunk und Geschichte" wird gemeinsam mit dem Deutschen Rundfunkarchiv, Frankfurt am Main/Berlin, herausgegeben.
  • http://www.dradio.de/magazin/ddr.html
    Die DDR im Internet - Zwischen Aufarbeitung und Ostalgie
    Die DDR ist schon lange Geschichte, doch die Auseinandersetzung mit der realsozialistischen Vergangenheit treibt im Internet immer neue Blüten.
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