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    07./08.05.1999

  • Van Dusens größter Fall - Die Lange Nacht einer Radiolegende

F.W. Bauschulte, die Stimme von Prof. Dr. Dr. Dr. August van Dusen

Autoren:  Michael Koser
 Sylvia Rauer

 

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Seit dem Start der heiteren historischen Krimireihe 1978 hat Michael Kosers Prof. Dr. Dr. Dr. August van Dusen, genialer Wissenschaftler und leidenschaftlicher Amateur-Kriminologe, mit seinem treuen Begleiter und Chronisten Hutchinson Hatch rund um die Welt für die Lösung unlösbarer Fälle gesorgt und dabei Jahr für Jahr eine ständig wachsende Hörergemeinde in Atem gehalten. Bevor Professor van Dusen in der zweiten Stunde der Langen Nacht mit seinem letzten und größten Fall endgültig in den verdienten radio-kriminologischen Ruhestand entlassen wird, hat Sylvia Rauer, die an der Seite von Regisseur Rainer Clute mehr als die Hälfte aller Fälle der "Denkmaschine" als Regieassistentin betreute, noch einmal in offiziellen Archiven und privaten Erinnerungen gestöbert. In der Langen Nacht auf der Spur der Radiolegende August van Dusen sprach sie mit dem Autor und dem Regisseur, besuchte die Hauptdarsteller Friedrich W. Bauschulte und Klaus Herm, befragte die Taufpatin der Reihe, Ursula Drews, bemühte die Stimmen der Kritik und traf sich mit Fans der ersten Stunde.

Samstag, 24. Juni 1978: der erste Hörspiel-Produktionstag des ersten van Dusen-Krimis! Ein Tag, auf den sich die ganze Energie der Beteiligten konzentrierte, denn bis die Produktion beginnen konnte, es galt es viel zu regeln. Das Vorspiel der geplanten Reihe verlief eher schleppend. Michael Koser, Autor dieser Hörspielreihe, fand keinen großen Anklang in der Hörspiel-Dramaturgie von RIAS Berlin. Sehr viel positiver reagierte dafür der damalige Abteilungsleiter des Unterhaltungs-Programm, Hans Rosenthal, dessen serienerprobte Redaktion sich dieses neuen Vorhabens sehr gerne annahm. Nun fehlte noch der geeignete und interessierte Regisseur. Michael Koser trat an mich heran und überzeugte mich sehr schnell von seiner Idee. Wir beide kannten uns als Autor/Regisseur-Gespann à la Holmes/Watson, Miss Marple/Mr. Stringer oder ähnliches. Die Wahl fiel nach einiger Überlegung auf Friedrich W. Bauschulte, damals Ensemble-Mitglied des inzwischen geschlossenen Schiller-Theaters und außerdem „die Stimme" einiger prominenter Schauspieler in der Synchronisations-Arbeit. Er wurde Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, genannt die „Denkmaschine", Klaus Herm, zunächst tätig beim Schiller-Theater, dann als freier Schauspieler, wurde Hutchinson Hatch, der rasende Reporter des „Daily New Yorker", van Dusens ständiger Begleiter und Assistent sowie - last but not least - akribischer Chronist der Abenteuer seines berühmten Professors.

Unser Produktions-Team wuchs nach relativ kurzer Zeit zu einem sehr gut eingespielten Ensemble zusammen, zu dem von Anfang an ein festes technisches Team gehörte, das im Laufe der Jahre nur wenig verändert wurde. Kurz nach Start der Serie stieß Silvia Rauer zu uns, zuerst als Regie-Assistentin und inzwischen als unentbehrliche Co-Regisseurin.

Einige der damals in der allerersten Zeit unter großem zeitlichen Streß und in Improvisationslaune produzierten Hörspiele gehören auch heute noch zu meinem Lieblingskrimis, so zum Beispiel „Whisky in den Wolken" oder „Rotes Blut uns weißer Käse". Dieses Hörstück war auch der Beginn eines immer wichtiger werdenden Musikanteils. Der in den Schweizer Alpen spielende Krimi war ausschließlich mit Madrigal-Musik angereichert, für die damalige Zeit eine sehr ungewöhnliche Wahl, da die durchschnittliche Krimi-Musik sich eher im „Tatort"-Genre bediente. Die van Dusen-Musik hat inzwischen eine eigene Fan-Gemeinde gefunden, die ihre Interessen Hand in Hand mit dem seit Jahren in Berlin bestehenden van Dusen-Fan-Club vertritt. Immer wieder wurde ich gebeten, für eingefleischte Fans die Quellen der „Soundtrack"-Musiken anzugeben oder Soundtracks zusammenzustellen. Leider: es gibt keine Soundtracks von van Dusen-Krimis. Die Quellen sind hingegen jedermann zugänglich: es ist das, was wir ganz allgemein mit „Klassischer Musik" bezeichnen. Wir benutzen also keine eigens komponierte Musik, aber die ist immer, zumeist aufwendig, bearbeitet. Und sie gehört zum Text, der sie inspiriert hat. Ohne den Text verliert sie wahrscheinlich entscheidend an Wirkung.

Rainer Clute

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