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    14./15.05.1999

  • Von der Erotik des Tons - Die Lange Nacht der Laute

Moderation:  Jochanan Shelliem
Studioregie:  Stephanie Rapp
Studiogast:  Susanne Bohner

 

 

Augen kann man schließen, Ohren nicht. Wer kennt das nicht, daß er was hört, was er nicht hören will oder dann doch? Schlafsaalgeräusche, Nachbarn die sich instanzenweise befehden, der unerwünschte Untermieter, der seine Schuhe nacheinander polternd zu Boden fallen läßt, bis man die ganze Nacht nicht schlafen kann, weil er den zweiten leise absetzt. Geräusche stören wie der wilde Hefepilz beim Wein, für Klangcollagen hat Herr Pflaum viel Geld bezahlt. In seinen Betonkatakomben kann Michael Jackson den Golfschläger schwingen und sich auf aseptisch luftigem Rasen frei fühlen wie die Lerche im Bayernwald. Das Furzkonzert im Schullandheim, Biß oder Impotenz der Harley und das Geräusch der Zeit. Was man so hört in einer Langen Nacht, vom Krieg gegen das Ohr, der Sehnsucht nach der Stille und davon, wie die Stille klingt. Vom Ohrwurm wird die Rede sein, und von der Liebe, die durchs Ohr geht. Wir stellen Ihnen Unerhörtes vor.

"Ich sitze in meinem Zimmer im Hauptquartier des Lärms der ganzen Wohnung. Alle Türen höre ich schlagen, durch ihren Lärm bleiben mir die Schritte der zwischen ihnen Laufenden erspart, noch das Zuklappen der Herdtüre höre ich. Der Vater durchbricht die Türen meines Zimmers und zieht im nachschleppenden Schlafrock durch, aus dem Ofen im Nebenzimmer wird Asche gekratzt, Valli fragt, durch das Vorzimmer Wort für Wort rufend, ob des Vaters Hut schon geputzt ist, ein Zischen, das mir befreundet sein will, erhebt noch das Geschrei einer antwortenden Stimme. Die Wohnungstür wird aufgeklinkt und lärmt, wie aus katarrhalischem Hals, öffnet sich dann weiterhin mit dem Singen einer Frauenstimme und schliesst sich endlich mit einem dumpfen, männlichen Ruck, der sich am rücksichtslosesten anhört. Der Vater ist weg, jetzt beginnt der zartere, zerstreutere, hoffnungslosere Lärm, von den Stimmen der zwei Kanarienvögel angeführt. Schon früher dachte ich daran, bei den Kanarienvögeln fällt es mir von neuem ein, ob ich nicht die Türe bis zu einer kleinen Spalte öffnen, schlangengleich ins Nebenzimmer kriechen und so auf dem Boden meine Schwester und ihr Fräulein um Ruhe bitten sollte."

(Franz Kafka, In Rowohlts Monographien von Klaus Wagenbach, Seite 84)

Links:

  • http://www.dradio.de/hoerspiel/berlin/981117.html
    Feature in zwei Teilen - Das Ohr (I) - von Karl Karst
    Hören, Hinhören, Zuhören: Eine Bestandsaufnahme unserer akustischen Sinneskompetenz scheint immer dringlicher. Wie sehr unser Sehen ein Hören ist, wie unser Sprechen vom Hören geprägt wird, wie sehr der akustische Sinn die Raumwahrnehmung steuert - dies alles wird immer deutlicher bewußt. Die neuronale Datenverarbeitung zählt im Bereich des Hörens zu den schnellsten, kompliziertesten des Organismus. Wie geht das alles vor sich? Welchen Sinn hat es, daß unser Ohr auch selber Töne macht? Wie kommt es, daß ein Deutscher andere Frequenzen spricht als ein Russe? Warum kommen Tenöre häufiger aus Italien, Baritone mehr aus England?

    Karl Karst, geboren 1956, lebt nach Redakteurstätigkeit als freier Publizist in seiner Geburtsstadt Köln. Hörspiele, Features. Seit 1991 entwickelt er mit dem HR das Projekt "Schule des Hörens".

  • http://www.dradio.de/hoerspiel/berlin/981124.html
    Das Ohr (II) von Karl Karst
    Die Schule des Hörens ist eine Reise mit dem akustischen Sinn, ein Soundspiel um das Hören. Ein Radiopuzzle, das Facetten eines im wörtlichen Sinn unerhörten Kosmos' zeigt. Eine Ohr-Kunde, die Antworten gibt, indem sie Fragen stellt und manche Halbwahrheiten entlarvt, die sich im Zuge eines modischen Klang-Fetischismus ausgebreitet haben. Eine Rettung des Sinns durch den Hörsinn ist widersinnig. Das Ohr braucht Übung, nicht Verklärung. Es ist ein Faszinosum, das Nüchternheit verdient und nötig hat.
  • http://www.sdh.de/publik/cdohr.htm
    "DAS OHR - Hörpuzzle" - CD
    Die bislang aufwendigste Hörproduktion über die Welt des Hörens. "Das Ohr" – ausgezeichnet mit dem Radio-Publizistik-Preis der Fördergemeinschaft "Gutes Hören" 1997, Auftakt des radiophonen Großprojektes SCHULE DES HÖRENS der Hörspielabteilung des Hessischen Rundfunks und faszinierendes Sinnenereignis, vollständig digital produziert und fast schon ein Kultprodukt: Ein Spiel zum Hören über das Hören - mit Klanginseln und Hörspaziergängen, mit Stimmenzauber und Tonakrobatik, mit Ausflügen in die Tiefen der "Waterworld" und in das Innere des Gehörs.
  • http://www.gewkoelnag.de/Pages/WasASV.htm
    GEW Köln-Seite mit Foto aus Wasserspeicher St. Severin, Köln
  • http://www.kryptonale.de/GWS.htm
    Klanginstallation von Andreas Oldörp - Großer Wasserspeicher -
    In den konzentrischen Gängen des Großen Wasserspeichers werden bei reduzierter Beleuchtung zunächst die Klänge als Teil der Arbeit wahrgenommen werden. Ihr vielfältiges Zusammenwirken verbindet sich mit den akustischen Bedingungen des Raumens (bis zu 18 Sekunden Nachhall) und läßt eine AKUSTISCHE INNENARCHITEKTUR entstehen, die an nur fünf Orten durch die Klangquellen, Brennerstative mit gasgetriebenen "Singenden Flammen", optisch verankert ist.
  • http://www.wdr.de/radio/wdr3/sendungen/stukun/aktuelles.html
    Studio Akustische Kunst
    Programm März - Juni 1999
  • http://www.wdr.de/radio/wdr3/sendungen/stukun/aktuelles.html
    Eigentlich wollte der Berliner Mikroelektroniker Gerd Heinz die Nervenaktivitäten im menschlichen Hirn erforschen. Dann aber hat er "einfach mal Mikrofone statt Hirnelektroden an den Adapter gestöpselt". Ein kleiner Schritt mit großer Wirkung: Es war die Geburtsstunde der akustischen Kamera.
  • http://userpage.fu-berlin.de/~history1/cdcoll.htm
    Diese Kollektion eines Historikers ist privat angelegt. Ihr liegt die Überzeugung zugrunde, dass Lehre und Forschung auch an deutschen Universitäten selbstverständlichen Gebrauch von den Möglichkeiten neuer Technologien machen sollen. Die mitaufgeführten Sound-CDs verdeutlichen zudem, dass Geschichtsdarstellung im Multimedia-Zeitalter nicht länger lautlos ist. So spielte etwa die aus dem Orient über Andalusien zu uns gekommene Laute zumindest vom 15. bis zum 18. Jahrhundert auch im Abendland in allen Schichten eine bedeutende Rolle. (Sogar die Bezeichnung haben wir übernommen: Oud / Ud = Laute.) Im Zeichen der WWW-Globalisierung ergibt sich hier eine glänzende Gelegenheit, Geschichte interkulturell zu behandeln.
  • http://www.admin.ch/bag/strahlen/schall/d/prevent.htm
    Präventionskampagne «Ganz Ohr»
    «Ganz Ohr» lautet die 1998 lancierte mehrjährige Präventionskampagne des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Ziel ist, Jugendliche für das Gehör und dessen Bedeutung für die Kommunikation zu sensibilisieren.
  • http://www.wdr.de/radio/radio5/wissradio/wt_sound.html Wissenschaft - Umwelt - Technik - Das Geräuscharchiv
  • http://www.med.uni-giessen.de/audio/index.html
    Arbeitsgruppe Hörforschung
  • http://www.physik.uni-oldenburg.de/Docs/medi/hoerz/hzza.html
    Hörzentrum Oldenburg
  • http://www.head-acoustics.de/6techno/W-hist-d.htm
    Geschichte der Kunstkopf-Technologie
    Die Idee, Schallsignale so aufzuzeichnen, wie das menschliche Ohr sie wahrnimmt, ist schon über 100 Jahre alt.
  • http://hoerspiel.com/lexikon/knstkopf.htm
    Kunstkopf-Stereophonie
    Eigentlich für akustische Messungen gedachte Entwicklung von R. Kürer, G.Plenge und H. Wilkens aus dem Jahre 1973. Doch schnell griffen Rundfunkpioniere die neue Technik auf. Dadurch wurde ein räumliches Hören (Richtungseindrücke: links, rechts, hinten, oben, teilweise vorn), gleich einem 3-D-Hören möglich. Klangfarben wurden hörbar, die Entfernungen konnte man einschätzen, Nachhallverhältnisse deutlich. Der Eindruck, man sitzt im und am Geschehen live dabei entsteht. Einzige Bedingung: Hörspiel / Feature muß über Kopfhörer angehört werden!
  • http://gewi.kfunigraz.ac.at/grelle.musik/chronik/klang.html
    Klanginstallation
  • http://www.dradio.de/dlrb/hoerspiel-2000/index.html
    "Jeder wird Ihnen sagen, ich sei kein Musiker. Das stimmt. Vom Beginne meiner Karriere an habe ich mich folglich in die Kategorie der Phonométrographen eingeordnet. Meine Arbeiten sind reine Phonométrie."
    (Erik Satie)
    Aus über 3500 überwiegend europäischen Originaltönen dieses Jahrhunderts (von 1900 bis heute) besteht der erste Teil von: Mémoires d´un Siècle - Der verlorene Horizont
  • http://www.champagne.de/Guide_Gourmet/Franken/Pflaums.Posthotel.Pegnitz.htm
    Pflaums Posthotel, Pegnitz
    In der Nähe von Bayreuth, hinter der historischen Fassade eines Fachwerkhauses, erwartet Sie ein besonderes Rendezvous der Sinne. Pflaums Posthotel ist ein Gesamtkunstwerk aus raffinierter Innenarchitektur, der Liebe zur Musik und der feinen Küche
  • http://www.aim-mia.de/mia/berufe/be030.htm#ki
    Der Film-Ton besteht aus drei Elementen: Dialog, Musik und Geräusch.
    Tonleute am Set sind in erster Linie für die Aufnahme der Dialoge zuständig. Wo aber kommt das Klirren der Sektgläser, die Schritte aus dem Off, das Türknarren her?
    Für diese Aufgaben sind Tonspezialisten zuständig. Zu ihnen zählt der Geräuschemacher, der nicht nur Film- und Fernsehproduktionen, sondern auch Hörspiele mitgestaltet.
  • http://www.tinnitus-liga.de/b0101.html
    Die Homepage der Deutschen Tinnitus-Liga e.V.
    Was ist Tinnitus?
    Als Tinnitus bezeichnet man die Wahrnehmung von Geräuschen im Kopf oder in den Ohren, ohne das Vorhandensein einer Geräuschquelle außerhalb des Körpers. Körperfunktionen erzeugen dieses Geräusch entweder bei gestörten physikalischen Vorgängen, die in der Regel behebbar sind, oder (als Symptom) bei gestörten physiologischen Abläufen, deren Behebung nicht immer möglich ist.
    Was ist Hörsturz? Ein plötzlich auftretender Hörverlust auf einem Ohr, selten auf beiden Ohren. Er wird häufig von Tinnitus und Schwindel begleitet. Der Schwindel vergeht gewöhnlich, der Tinnitus verbleibt jedoch häufig, selbst nach der Wiederherstellung des Hörvermögens.
  • http://www.lzg-bayern.de/lzg/seminare/ft_laerm.htm
    Fachtagung LÄRM - Prävention von Lärmschwerhörigkeit, München 20.04.99
    Jeder vierte junge Erwachsene ist aufgrund seiner Musikhörgewohnheiten irreversibel hörgeschädigt. Untersuchungen der Universität Düsseldorf haben ergeben, daß Jugendliche, die mehr als 500 Stunden lang laute Musik aus ihrem Walkman konsumiert haben, doppelt so oft unter Gehörschäden leiden wie Altersgenossen, die nur selten den Kopfhörer aufsetzen.
    Am 21.04.1999 fand weltweit der zweite "Noise-Awareness-Day" statt, ein Tag für die Ruhe – gegen Lärm. Mit der Fachtagung griff die Landeszentrale für Gesundheit in Bayern e.V. (LZG) das Thema auf und wollte auf der Tagung Wege zur Prävention der Lärmschwerhörigkeit vorstellen.

Literatur:

  • Der Verlust der Stille
    Ansätze zu einer akustischen Ökologie
    137 S., broschiert, 16,80 DM
    HF Band 13, ISBN 3-87210-112-9, ISBN 3-87210-115-3 (mit CD), Karlsruhe 1995
  • Der Verlust der Stille
    Klangwege und Hörbilder
    CD zum Buch "Der Verlust der Stille. Ansätze zu einer akustischen Ökologie",
    Karlsruhe, 2. Auflage 1997, 20,00 DM

Musik-Tips:

  • Vor der Flut - Hommage an einen Wasserspeicher
    Eigelstein , Köln 1985/LC 6767
  • Robert Gerhardt
    Du sollst nicht lärmen

    Rabe Records, LC 94556
  • Rapsody Ouvertüre
    Hipp-Hopp meets Classics

    Mercury Records, LC 0268
  • Thomas Beckmann - Carly Chaplin
    EFA Medien, LC 8648
  • Frank Wolff - Deutschlandlied
    Büchergilde Gutenberg, LC 7876
  • Zap Mama
    BIEM, LC 8698
"Working with Sounds"
von Jeroen van Westen
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