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    21./22.05.1999

  • Metropolis auf Sand
    Ein Jahrhundertspaziergang durch Berlin

Tor

Autoren:  Angelika Schrobsdorff
   Prof. Herbert Kundler
   Prof. Peter Steinbach

 

 

"Soweit diese riesige Stadt aus Stein besteht, ist sie fast noch wie einst. Hinsichtlich der Bewohner gleicht sie längst einem Irrenhaus. Im Osten residiert das Verbrechen, im Zentrum die Gaunerei, im Norden das Elend, im Westen die Unzucht, und in allen Himmelsrichtungen wohnt der Untergang" - das schrieb Erich Kästner im Jahre 1930 über jene Stadt, die schon seit der Jahrhundertwende alle Extreme in sich vereint: Berlin. Prunkvolle Straßen, machtvolle öffentliche Bauten, luxuriöse Geschäfte, Theater: auch Theater, wo Buletten und Enge und "Berliner Schnauze" zusammengehören.
Alfred Kerr und Walter Benjamin, Walter Mehring und Alfred Döblin, Friedrich Holländer und Marlene Dietrich, Bertolt Brecht und Ernst Busch, Wolfgang Langhoff oder Max Reinhardt, sie haben Berlin geliebt und geschmäht. Ihr Heimweh nach dem Kurfürstendamm, nach den Linden hat sie - wo auch immer - eingeholt.
Was machte Berlin im 20. Jahrhundert aus? Wie hat sich diese Stadt im Schatten zweier Weltkriege verändert? Wie hat das Leben in der geteilten Stadt nach 1945 ihre Bewohner geprägt? Die Lange Nacht begibt sich mit der Schriftstellerin Angelika Schrobsdorff, dem Historiker Peter Steinbach und dem Radiomann Herbert Kundler in persönlicher Erinnerung, legendären Originaltönen und Musik auf einen Jahrhundertspaziergang durch Berlin.

Die Autoren:

  • Angelika Schrobsdorff

    wurde 1927 in Freiburg im Breisgau geboren. Sie mußte 1939 mit ihrer jüdischen Mutter ins Exil nach Sophia gehen und kehrte 1947 nach Deutschland zurück. 1971 heiratete sie in Jerusalem Claude Lanzmann, lebte danach in Paris und München und beschloß 1983, nach Jerusalem zu gehen. Sie hat zehn Bücher geschrieben.

    Literatur

    Schrobsdorff, Angelika: 'Du bist nicht so wie andre Mütter'. Die Geschichte einer leidenschaftlichen Frau. 1994. DTV
    Die heute in Jerusalem lebende Schriftstellerin Angelika Schrobsdorff schreibt über ihre Mutter, mitfühlend, voller Bewunderung und doch nicht ohne Kritik. Else Kirschner wird zu Beginn des Jahrhunderts als Tochter reicher jüdischer Geschäftsleute in Berlin geboren. Sie erlebt eine glückliche Kindheit, und später dann, zu einem schönen, charmanten jungen Mädchen herangewachsen, Liebe, Leidenschaft, Eifersucht. Die zwanziger und dreißiger Jahre bedeuten für sie Urlaubsreisen, Bälle, Theater, Konzerte. Mit dem Sieg der Nationalsozialisten kommt die Katastrophe: Vertreibung, Exil, Armut, Elend, Krankheit und Tod.

    weitere Titel:

    Der Geliebte
    Grandhotel Bulgaria
    Die Herren
    Jericho
    Jerusalem war immer eine schwere Adresse
    Die kurze Stunde zwischen Tag und Nacht
    Die Reise nach Sofia
    Der schöne Mann und andere Erzählungen
    Spuren
    Von der Erinnerung geweckt

  • Peter Steinbach, Historiker

    Geboren 1948. Professor für Politikwissenschaften und ihre historischen Grundlagen an der FU Berlin.

    Literatur:

    Es war einmal. Warschau im Herbst 1939 , NEUE PRESSE, P.- 1995
    Geschichte der deutschen Literatur, Bd.5 Von der Weimarer Republik bis 1945, Bd.6 Von 1945 bis zur Gegenwart Beck'sche Reihe, Bd.1061 Lexikon des Widerstandes 1933-1945
    Der kleine Großvater
    Widerstand im Widerstreit
    Mein wunderbares Schattenspiel, 4 Cassetten
    Widerstand gegen den Nationalsozialismus , Serie Piper
    Widerstand und Opposition in der DDR 1949-1989

  • Prof. Herbert Kundler, Publizist

    Geboren 1926, ehem. Redakteur und Autor beim RIAS Berlin, zuletzt stellvertr. Intendant beim RIAS.

    Berlin

    Literaturtips:

    • Walter Benjamin, Beroliniana, Union Verlag Berlin, Mit historischen Fotos
      In diesem Buch sind alle Texte zusammengeführt, die der Berliner Walter Benjamin in abgeschlossener Form zwischen 1929 und 1938 über seine Heimatstadt verfaßt hat: "Also ich will heute mit euch über die Berliner Schnauze sprechen: die sogenannte große Schnauze ist doch das erste, was allen einfällt, wenn man vom Berliner redet. Der Berliner, sagen die Leute in Deutschland, na ja, das ist eben der Mann, bei dem alles zu Hause anders und besser und schlauer gemacht wird wie bei uns. Wenn man´s ihm nämlich glaubt. Deswegen haben sie auch den Berliner nicht gern, wenigstens tun sie so. In Wirklichkeit ist es doch sehr schön, wenn man eine Hauptstadt hat, auf die man ein bischen schimpfen kann.
      Aber stimmt das nun überhaupt mit der Berliner Schnauze? Es stimmt und es stimmt nicht. Jeder von euch kennt natürlich eine Menge Geschichten, wo diese Schnauze so weit aufgrissen wird, daß das Brandenburger Tor darin Platz hätte. Da gibt es zum Beispiel diese schöne Geschichte von dem Herrn, der große Eile hat, sitzt in der Pferdedroschke, es geht ihm zu langsam: `Mein Gott, Kutscher, können Sie denn wirklich nicht schneller vorwärts kommen?´ `Det schon, aber ick kann doch der Ferd nich jut alleene lassen´."
    • Marion Titze, Schillers schönes Fieber, Ammann Verlag, 1999
    • Alfred Kerr, Wo liegt Berlin? Briefe aus der Reichshauptstadt 1895- 1900, Aufbau Verlag 1997
    • Dieter und Ruth Glatzer, Berliner Leben 1900 . 1914, Eine historische Reportgae aus Erinnerungen und Berichten, Rütten&Loening Verlag1986, Band 1 und 2
    • Heinz Knobloch, Im Lustgarten. Geschichte zum Begehen, Mitteldeutscher Verlag 1988
    • Heinz Knobloch, Herr Moses in Berlin. Auf den Spuren eines Menschenfreundes, Buchverlag Der Morgen 1979

    Berlin

    Links zu Berlin:

    • http://www.berlin.to/kriegsbra.htm
      Von der Kriegsbrache zur Großbaustelle Der Anfang vom Ende des alten Potsdamer Platzes kam mit der Nazi- und Kriegszeit: Nach der NS-„Machtergreifung" 1933 wehten Hakenkreuz-Fahnen über ihm. Ein von Hitler verfügter Baustop sollte hier freie Bahn für die Pläne seines „Leibarchitekten" Albert Speer zur Umgestaltung Berlins in die neue Reichshauptstadt „Germania" nach dem Willen des größenwahnsinnigen „Führers" schaffen.
    • http://www.berlin.to/visionen.htm
      Visionen der Zukunft am Potsdamer Platz Heute prägen zeitweise über 100 Baukräne das Bild des Potsdamer Platzes. Er ist zur Zeit die größte Baustelle des europäischen Kontinents. Hier nimmt gerade ein Stück Berlin des 21. Jahrhunderts Gestalt an. Bestaunen konnte man es in diesem Sommer bei der Aktion "Schaustelle Berlin", die von der Hauptstadtmarketing-Agentur "Partner für Berlin" unter der Leitung des früheren Stadtentwicklungssenators Volker Hassemer durchgeführt und für Besichtigungen angeboten wurde: Bauen wurde hier zu einer Erlebniswelt, ja zu einer Art „Abenteuer" für die Besucher des alten und doch schon neuen Platzes.
    • http://www.berlin.de/NeueSite/
      Das neue Stadtinformationssystem will Schritt für Schritt ein umfangreiches Inhalteangebot über alle Lebensbereiche aufbauen.
    • http://www.berlin.to/goldenen.htm
      Die Goldenen Zwanziger
      Schon bald nach Kriegsende 1918 waren die ersten Leuchtreklamen am „Haus Vaterland" erschienen. Zwei Fernbahnhöfe, der Anhalter und der Potsdamer Bahnhof, befanden sich nun dicht am Platz. Der Potsdamer Fernbahnhof, ein sehr großer unterirdischer S-Bahnhof, die Untergrund-Bahn und insgesamt rund zwölf Hauptverkehrsstraßen, die strahlenförmig um den Platz lagen, schufen einen neuen Mythos vom modernen weltstädtischen Verkehrsknotenpunkt Berlins. Mitte der dreißiger Jahre kreuzten 26 Straßenbahn- und 5 Buslinien den Platz.

    Berlin

    weitere Literaturtips:

    • Pierre Adanis (Fotograph)
      Der Potsdamer Platz. Die größte Baustelle der Welt.
      Nicolais Verlag 1999
    • Klaus Hartung.
      Berlin. Zwischen den Zeiten.
      Nicolai Verlag 1996
    • Otto Friedrich
      Morgen ist Weltuntergang. Berlin in den 20er Jahren
      Nicolai Verlag 1998
    • Erica Fischer.
      Aimee und Jaguar. Eine Liebesgeschichte, Berlin 1943.
      DTV 1998
    • Andreas Steinhöfel:
      Beschützer der Diebe.
      CARLSEN Verlag
      Schauplatz dieses spannenden Krimis ist Berlin. Der Autor führt uns während der spannenden Handlung durch die Stadt, die er genauso facettenreich schildert wie die handelnden Personen.

    Ausschnitte aus dem Manuskript finden Sie hier.

    Berlin

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