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 Lange Nacht
 Manuskript vom: Samstag 30.07.99   • 23:05

Die Lange Nacht der Gerüchte
Von der Lust an der Intrige


Fama, Botin des Zeus und die Personifikation des umherschweifenden Gerüchts
Moderation:  Ulrich Eickhoff
 Jörg Dieter Kogel
Studiogäste:  Eva Jaeggi
 Dr. Hans-Joachim Neubauer
 Klaus Bölling
 Prof. Rainer Paris

Gerüchtemacherei gilt als unfein, aber (fast) jeder macht mit - doch warum? Aus frivoler Lust am kleinen Seitenhieb oder purer Langeweile, aus Geltungsdrang oder Mißgunst? Bereits in der Antike rätselte Lukian: "Ich weiß nicht, wie es kommt, daß wir alle eine heimliche Freude an Dingen haben, die ins Ohr geflüstert werden." Gerüchte sind die Stimme der Straße, mächtiger als andere Medien, in denen Menschen sich äußern. Einmal in die Welt gesetzt, hält sie niemand mehr auf. Da helfen auch keine Dementis, die den ausgesprochenen Verdacht meist erst recht aufkeimen lassen, wenn etwa ein italienischer Politiker öffentlich beteuert: "Ich habe nichts mit der Mafia zu tun." Wie entstehen Gerüchte? Wer benutzt sie? Wie kann man sie erkennen? Gibt es ein Rezept dagegen? Und, ganz praktisch gedacht, wie setzt man ein gutes Gerücht in die Welt? Aufschluß darüber in der Langen Nacht!

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Fama, behende von Schwung, wie sonst kein anderes
Scheusal. Rührigkeit mehrt ihr Gedeihn, und kräftiger wird
sie im Fortgehn. Anfangs klein und verzagt; bald hoch in die
Lüfte sich hebend, tritt sie einher auf dem Boden und birgt in
den Wolken die Scheitel. Gräßliche Riesengestalt! so viel an
dem Leibe der Federn, so viel wachsame Augen,
o Graunbild! regen sich drunter, Zungen so viel und Mäuler
voll Schalls und gerichtete Ohren. Nachts durchfliegt sie die
Schatten, im Mittel der Erd' und des Himmels, zischend, und
neiget den Blick niemals dem erlabenden Schlummer: Tages
hält sie die Hut, bald hoch auf dem Giebel des Daches, bald
auf dem luftigen Thurm, und erschreckt volkwimmelnde
Städte, so auf Lug und Falsches erpicht, als Botin der
Wahrheit. Diese verbreitete nun vielfältige Rede den Völkern,
schadenfroh, was geschehen und nicht geschehen, verkündend.

Kabale und Liebe
Auszug aus einer Theaterinszenierung
Salzburger Festspiele 1955
mit anschließendem Studiogespräch mit Eva Jaeggi, Rainer Paris und Klaus Bölling

Links zum Thema:

Literatur:

  • Buchtip:
    Hans-Joachim Neubauer
    Fama
    Die Geschichte des Gerüchts
    Berlin Vlg, 1998
  • Politik des Gerüchts
    Von Eisenfeld, Bernd;Ernst, Wolfgang;Ketzer, Hans J;Neubauer, Hans J;Sälter, Gerhard;Sarasin, Philipp;Stern, Frank;Würgler, Andreas.
    Redakt.: Vogel, Jakob. Hrsg. v. Vogel, Jakob;Brücker, E;Dehne, H u.a.
    (WerkstattGeschichte, 00015)
    Eine Buchbesprechung finden Sie hier
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