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| Lange Nacht | ||||||||||||||||
| Manuskript vom: Samstag 14.08.99 23:05 Eine Lange Nacht von Schuhen und Füßen "The shoe must go on" |
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Riskieren Sie einen Blick nach unten: Würden Sie Ihre Schuhe gerne und stolz vorzeigen? Oder erinnert Ihr Schuhwerk schon eher an die Fußlappen der alten Ägypter? Vielleicht gehören Sie aber auch zu den Sammlernaturen, die das, womit wir unsere Füße verpacken, zum Kult erheben? Ein Schuh, das ist nicht bloß ein Gebrauchsgegenstand, sondern je nach Mode und Geschmack ein sinnliches Erlebnis. Die Ägypter und Römer malten noch die Gesichter ihrer Feinde auf die Schuhsohlen, so daß sie ihre Feinde mit Füßen treten konnten, während Kinder heutzutage mit blinkenden Sportschuhen den Gang der Dinge bzw. Ihr Kommen ankündigen. Damals wie heute sind Stöckelschuhe ein Sinnbild für Erotik. Aber schließlich entpuppt sich nicht jede Damen mit roten Highheels auch als erotische Verheißung, nicht jeder Öko-Freak in Gesundheitssandalen trennt auch seinen Müll. Und Jugendliche, die ihre astronautenähnlichen Sportschuhe schleppen, sind keine Außerirdische. Auch ihre "Treter" sind ein Statussymbol, ein Ausdruck unseres Wohlstandes.
Ohne Blasen zu verursachen, wandert die Lange Nacht mit Ihnen durch Schuhgeschäfte, durch die wechselvolle Mode der Fußbekleidung, zeigt echte Liebhaber und Ignoranten von Schuhwerk.
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Geschichte des Schuhs Bei ihrer einfachen Konstruktion ist es nicht weiter verwunderlich, daß Sandalen die früheste Form der Fußbekleidung waren, die Nachfolger primitiver Fußlappen. Offenbar hatte jede alte Kultur ihre eigene Variante des Grundtypus, bestehend aus einer festen Sohle, die mit Riemen zwischen den Zehen oder über den Rist gehalten wurde. Bereits ca. 3500 v. Chr. fertigten die Ägypter mit Hilfe von Fußabdrücken im nassen Sand genau passende Sohlen aus geflochtenem Papyrus an, als Befestigung dienten geflochtene Zehenriemen aus ungegerbtem Leder. Diese Sandalen boten Schutz vor Bodenunebenheiten und vor glühend heißem Sand, doch der Fuß blieb nahezu völlig unbedeckt. Ägyptische Frauen legten deshalb speziellen Fußschmuck an. Die Sohlen der Sandalen römischer Kaiserinnen waren aus gegossenem Gold und die Riemen zierten kostbare Edelsteine. Die Verbindung von Metall und nackter Haut gilt von jeher als erotisch. Die Ägypter und Römer malten die Gesichter ihrer Feinde auf die Sohlen ihrer Sandalen, so daß sie sie buchstäblich mit Füßen treten konnten. Perser und Inder schnitzten Plateaussandalen aus farbenfroh verziertem Leder. Später fertigten die Slawen Sandalen aus Filz, die Spanier nahmen Kordel. Trotz der kühlen und feuchten Witterung trugen sogar die Briten Sandalen, deren Vorbilder sie bei römischen Besatzungstruppen gesehen hatten. Die meisten Schuhe sagen etwas über den gesellschaftlichen Status des Trägers aus, bei Sandalen ist die Zuordnung schwierig, denn sie galten abwechselnd als:
In den 30er und 40er Jahren galt es als ungehörig, tagsüber zehenfreie Schuhe zu tragen. Während des Krieges war Leder den Militärstiefeln vorbehalten gewesen, die Schuhmacher hatten für ihre Sandalen auf Filz, Hanf, Stroh oder Textilien zurückgreifen müssen. Schuhdesigner experimentierten mit Materialen wie Zellophan, das man von Einwickeln von Süßigkeiten verwendete, und transparenten Nylonschnüren an Stelle des Oberleders. Orthopädisch geformte Birkenstock-Sandalen erlebten in den 60ern als flache Form eine Renaissance. Vulgär: Disco-Sandalen in 70er und 80er Jahren Eine schöne Sandalette unterstreicht die natürliche, erotische Ausstrahlung des Fußes, und gibt der Trägerin die Möglichkeit, ihre Reize bis in die Zehenspitzen zur Geltung zu bringen. Hier können Sie direkt folgende Themen einsehen:
Mokassin Zu Beginn des 19. Jahrhunderts bezeichnet man jede Art von feiner, empfindlicher Fußbekleidung als Slipper - beachte Ballettschuh! Marie Antoinette hatte eine Bedienstete, die sich ausschließlich um ihre 500 Paar Slipper kümmerte, die nach Datum, Farbe und Form katalogisiert waren. Die leichten Stoffslipper spanischer Bauern mit Sohlen aus den Halmen des Espartograses hießen zunächst alpargatas. Anfang des Jahrhunderts entdeckte die High Society in den Badeorten der Riviera sie für sich und nannte sie espadrilles. Spanische Höhlenmalerei, die auf das Jahr 13.000 vor Chr. datiert werden, zeigen Männer und Frauen in Stiefeln aus Tierhäuten und Fell. Doch im Laufe der Jahrtausende differenzierten sich die Geschlechterrollen, die Männer zogen in Stiefeln aus, um die Welt zu erobern, die Frauen blieben zu Hause, und das in Slippern, die so empfindlich waren, daß sie kaum aus dem Boudoir herauskonnten. Praktisches Schuhwerk für Frauen hätte diese Ordnung ins Wanken gebracht. Im 18. Jahrhundert liefen Stiefel als modische Fußbekleidung für Männer den Slippern den Rang ab, doch die wohlhabenden Frauen wurden auch weiterhin durch ihre hochempfindlichen Seidenschuhe ans Haus gefesselt. Die einzige Ausnahme von dieser Regel waren Reitstiefel - eine zierliche Variante des Männerstiefels, die Frauen zu Pferde tragen durften. Erst ab etwa 1830 setzten sich bei nicht-werktätigen Frauen Stiefel durch. Damit sie am Frauenfuß zierlicher wirkten, wurden diese neuartigen knöchelhohen Stiefeletten auf schmaleren Leisten gearbeitet und fest verschnürt oder geknöpft. Sie sollten den Fuß ganz umschließen und von jeder Versuchung fernhalten, doch die Wirkung war das genaue Gegenteil - sie ließen die Wade weitaus attraktiver erscheinen und erwiesen sich als ausgesprochen erotisch. Der strenge Moralkodex der Viktorianischen Zeit (1870/1890) schrieb vor, daß die Knöchel einer Frau züchtig bedeckt sein mußten, damit sie vor neugierigen Männerblicken geschützt waren. Dabei wirkten Stiefeletten besonders aufreizend, in den 1880er Jahren gehörte ein Stiefelknöpfer (seitlich Knöpfe aus Silber, 17 Stück = modischer Pfiff) zur Grundausstattung modisch gekleideter Damen. Später gabs auch Spangenstiefeletten - Löcher und Aussparungen können aufreizend wirken oder einfach nur dekorativ. Auch Absätze = die Wölbung der Fußmitte gilt bei vielen als der erotischste Teil des Fußes. Mit der Massenproduktion der Schuhe trugen Dienstmädchen und Herrinnen Stiefel, sie waren kein Statussymbol mehr, sondern Gegenteil Zeichen der sich immer weiter einebnenden Geschlechter- und Klassenunterschiede. Höhepunkt der Mode = 60er Jahre, Minirock, der mehr vom Frauenbein enthüllte als je zuvor, Stiefel zogen Hauptaugenmerk auf sich, kein Zubehör mehr. "Schräge" Stiefel brauchten nun nicht mehr von Fetischisten im Schrank versteckt zu werden, sondern fanden den Weg auf den Laufsteg. Ähnlich wie Arbeitsschuhe fanden auch Cowboystiefel vom einfachen Gebrauchsgegenstand zum Modeobjekt erhoben und galten - nicht zuletzt dank des Films Urban Cowboy - plötzlich als schick. Heute verbinden Doc Martens - der Inbegriff des wuchtigen Stiefels - sämtliche Moderichtungen, von Skinheads über Punks und Psychobilly bis zum Grunge. Und Springerstiefel trägt man, genau wie Schuhe von Manolo Blahnik, einfach zu allem, von Jeans bis zu Dessous. Es hat Jahrtausende gedauert, doch heute sind Stiefel wieder Männer- und Frauenschuh zugleich. Aufsässige englische Teenager entdeckten Anfang der 60er Jahre die Doc Martens, die eigentlich Arbeitsschuhe waren. Sie identifizierten sich mit ihrem geradlinigen, kompromisslos praktischen Design und den klobigen Luftpolstersohlen. In den 70er trugen Club-Kids wie Punker beiderlei Geschlechts überall auf der Welt diese Schuhe, die so trotzig anders und in ihrer Einfachheit geradezu brutal waren. In den 90er Jahren hielten Doc Martens Einzug in die kommerzielle Mode, und weltweit schufen führende Designer wie Charles Jourdon oder Kenzo, elegantere, raffiniertere Versionen. Schenkelhohe Stiefel wurden früher von Schmugglern und Piraten getragen, die ihre Beute (booty) oder ihr Schmuggelgut darin versteckten - daher der Ausdruck bootlegging, nach dem englischen Wort für Stiefelschaft. Diese bis zum Oberschenkel reichenden Stiefel trug 1968 Jane Fonda in Roger Vadims Film Barbarella - eine aufreizende Abwandlung von Strümpfen und Strapsen. Sportstiefel: Der "All Star" der Firma Converse kam 1923 heraus, war hochgeschnitten, mit braunen Gummisohlen, strapazierfähigem, einfachen Segeltuch, Vorläufer der Sportstiefel. Die ersten Schuhe von Nike kamen 1971 auf den Markt. Nach der geflügelten griechischen Siegesgöttin benannt, kamen sie auf neuartigen Sohlen in Waffelmuster daher, hatten Keilabsätze und einen gepolsterten Nylonschaft.
Der Freestyle-Aerobic-Schuhe von Reebok, 1982 vorgestellt, war speziell für Frauenfüße konstruiert. Mitte der 90er Jahren inspirierten solche Schuhe eine tragbare hochhackige Parodie von Nobox (tierisch hohe Gummisohle). Schon lange vor der Zeit der Turnschuhe machten brasilianische Indios ihre Schuhe wasserfest, indem sie deren Sohlen in flüssiges Latex aus Gummibäumen steckten. Mitte der 90er Jahre wurde das Design von Sportschuhen zunehmend schriller, und selbst die Sohlen zeigten dynamische Muster und auffällige Farbflecken. Die bunten Muster versinnbildlichen die Funktion des Schuhes: Lauf- und Trainingsschuhe vermitteln mit Spiralen und Zick-Zack-Mustern ein Bild von Bewegung. Der italienische Designer Diego Della Valle entwarf den rutschsicheren Schuh für Autofahrer, Sohle und Ferse mit Noppen versehen (sonst Mokassinform), wurden zum Modeschuh der 90er Jahre, wird getragen von Leuten, die sportlich und ambitioniert sind. 1888 erste Absatzfabrik in den USA Die Vertreterinnen der Frauenbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts bevorzugten kräftiges, vernünftiges Schuhwerk. In den 20er Jahren, als die Röcke kürzer wurden, mussten Schuhe nicht nur praktisch, sondern auch schön sein. Glitzernde Schuhkreationen mit hohen Absätzen und schmalen Riemchen wurden zum Sinnbild des unverholenen Hedonismus. Am Hofe Ludwigs XIV. trugen die Männer Schuhe, deren Absätze mit pastoralen Szenen bemalt waren. Um das Jahr 1822 schufen amerikanische Schuster mit Hilfe zweier verschiedener Leisten erstmals Paare, die in einen linken und einen rechten Schuh unterschieden waren, was den Tragekomfort enorm verbesserte. Diese Schuhe waren anfangs als "krumme" Schuhe bekannt. Dem ständigen Auf und Ab der Mode zum Trotz haben manche Frauen stets flache Schuhe bevorzugt. Zum Beispiel klassische Ballerinas in runder Babydoll-Form (erinnern an spanische Stierkämpfer mit ihren flamingoroten Strümpfen). 1967 wurden Birkenstock-Sandalen, für Männer und Frauen gleich, zum anti-modischen Erkennungszeichen der Zurück-zur-Natur-Bewegung. Ihre Fersenschale und das patentierte Fußbett aus Kork, Jute und Naturkautschuk folgen den natürlichen Konturen des Fußes, sorgen für gute Durchblutung und engen die Zehen nicht ein. Obwohl es inzwischen 46 Typen gibt, ist das Original immer noch die meistverkaufte Variante. Anfang der 90er machten zwei Designer (Marc Jacobs und Randolph Duke) die klobigen Klassiker zum Abendschuhe salonfähig (mit glitzernden Strassschnallen). Der Go-Go-Stiefel. André Courrèges war studierter Ingenieur und arbeitete als Zuschneider bei dem großen spanischen Modeschöpfer Balenciaga. Seine Kollektion vom Herbst 1964 machte sich diese doppelte Vorbildung zunutze. Sie brachte ausgestellte Minikleider mit Kunststoff-Gucklöchern in der Taille und dazu Hüte, die aussahen wie flache Teller. Noch revolutionärer waren die zugehörigen Schuhe: flache, wadenhohe Stiefeletten aus weißem Kunststoff, nur mit einem durchsichtigen Plastikstreifen am oberen Schaftende verziert. Der Go-Go-Stiefel machte binnen kurzem den Schritt vom Laufsteg zur Disco. Der Stiefel wurde der Renner des Jahrzehnts und es gab sie in den verschiedensten Formen und Schafthöhen. Sie wurden zu Miniröcken getragen oder zu Hosen. Mit keinem seiner späteren Entwürfe machte Courreges soviel Furore wie mit den kleinen weißen Stiefeln. Die Mode schwappte auch nach Frankreich und England über, auch dort schwankten die Frauen stoisch auf Stelzen einher, auf denen sie ohne Hilfe nicht aus dem Haus konnten. Zwei Jahrhunderte lang blieben solche "spazierenden Schemel" in Mode, erst dann kam die Erkenntnis auf, dass sich in solchen Schuhen leichter gehen ließ, wen die sohle vorne niedriger war als hinten. Der Absatz war geboren, und als Rangsymbol lief der rote Absatz dem Chopine rasch den Rang ab. Chopinen hatten Sohlen aus mehreren Lagen Kork und waren mit reich verziertem Samt bezogen. Kork ist wegen seines geringen Gewichts schon immer das ideale Material für Plateausohlen gewesen. Er ist robust und wetterfest und passt sich gut den Konturen des Fußes an. Es heißt, die venezianischen Ehemänner hätte mit Absicht ihre Frauen in solch schweres hölzernes Schuhwerk gesteckt, damit sie nicht unbemerkt aus dem Haus konnten. Die Vertreter der Kirche, sonst die letzten, die eine extravagante Mode guthießen, gaben dem Chopine ihren Segen - erschwerte er doch so lasterhafte Dinge wie beispielsweise das Tanzen. "Die venezianischen Damen sind aus drei Teilen zusammengesetzt: ein Drittel Holz, nämlich die Chopinen, ein Drittel Kleid, und das letzte Drittel ist eine Frau." Zitat eines Venedigreisenden aus 17. Jahrhundert
Im osmanischen Reich trugen Frauen Stelz-Sandalen, um ihre Füße vor dem Staub auf den Straßen und den Fußböden der Badehäuser zu schützen. Im England des 16. Jahrhunderts konnte ein Ehemann die Ehe annullieren lassen, wenn die Braut ihm durch Chopinen eine falsche Körpergröße vorgespiegelt hatte. In Venedig wurden Chopinen schließlich verboten, weil immer wieder schwangere Frauen mit ihnen stürzten und dann Fehlgeburten erlitten. Trotzdem hielt sich die Mode in ganz Europa bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts hinein. Die Frauen der Mandschu-Zeit (spätes 19. Jahrhundert, China), deren Füße nicht eingeschnürt wurden, trugen Schuhe mit Sockel, mit denen sie den von chinesischen Männern so bewunderten Trippelschritt der "Lotosfüßchen" imitierten. Seinen Einzug in die Frauenmode hielt der Pumps in der Mitte des 18. Jahrhunderts, und zwar als Abwandlung eines Straßenschuhs, der bevorzugt von Dandys getragen wurde. Er gewann in Europa rasch an Boden, da er eine gangbare Alternative zu unpraktischen Slippern und Schnürstiefeln war. Am Ende des Jahrhunderts, nach der Erfindung des Lackleders, sah man Damen und Herren auf beiden Seiten des Atlantiks in Pumps, die als idealer Tanzschuh galten. Die ersten Pumps speziell für Frauen kamen um das Jahr 1838 auf, als Alfred Gabriel, der Graf von Orsay, buchstäblich den Schuh in die Hand nahm und ihn persönlich schneiderte. Seine Pumps waren eine gewagte Neuerung gegenüber den hochgeschlossenen Damenschuhen der Zeit. Ihr V-förmiges Dekolleté umschmeichelte den Zehenansatz, und die niedrig geschnittenen Seiten enthüllten die Wölbung der Fußmitte. Das Schöne an einem schlichten Pumps ist es, dass schon einfache Verzierungen für dramatische Verwandlungen sorgen können. Schnallen geben dem Schuh mehr Pfiff. Wo der Nutzen und nicht die Mode im Vordergrund steht, siegt die Vernunft, und das willkommene Resultat ist ein bequemer, vernünftiger Schuh. In solchen Schuhen kann man frei und sicher auftreten und muss nicht durchs Leben trippeln oder stolpern. Die Mehrzahl der bequemen Frauenschuhe sind abgewandelte Männerschuhe. Ob Schnürschuh, Schnürpumps oder Bootsschuh, ob Turnschuh oder Joggingschuh - alle wurden zunächst nur für Männer hergestellt und erst später auch dem Frauenfuß angepasst. Bei anderen Schuhtypen wie zum Beispiel Mokassin, Clog oder Espadrille gab es von Anfang an keinen Unterschied zwischen Männer- und Frauenschuhen. Praktische Erwägungen, nicht Eitelkeit, gaben den Ausschlag bei der Entwicklung des indianischen Hirschleder-Mokassins - einem der ältesten Schuhe für beiderlei Geschlecht und Vorläufer der modernen Trotteurs. Diese geschmeidigen "Fußsäcke" aus einem einzigen Stück Leder schützten den Träger vor Wind und Wetter und erhöhten seine Mobilität. Die europäischen Siedlerfrauen, deren Füße noch in engen, unbequemen Schuhen steckten, erkannten rasch die Vorteile der Mokassins, einige von ihnen gingen dazu über, sie im Haus zu tragen." In Europa hingegen spiegelte die Fußbekleidung auch weiterhin die Klassenunterschiede. Auf dem Lande oder in der Arbeiterschicht trugen die Frauen seit eh und je vernünftige Schuhe, während sich die verwöhnten Damen der Oberschicht, ihre schönen Schuhe als Ausdruck ihrer privilegierten Lebensweise trugen. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts an veränderte eine Zeit des raschen sozialen und ökonomischen Wandels das Leben der Frauen - und damit auch die Art, wie sie sich kleideten. Als Frauen erst einmal aus dem Haus gingen, um in Büros und Fabriken zu arbeiten, wurden ihre Schuhe und Kleider freier und praktischer. Was macht der Schuh mit dem Fuß. Oder: was tun die Menschen ihren Füßen an "Hohe Absätze sind ein Paradoxon. Sie lassen eine Frau stärker und schwächer zugleich erscheinen." aus: Vogue Der Pfennig-, Bleistift-, Stiletto- oder Stöckelabsatz betrat in voller Länge von 10 cm das modische Parkett im Jahre 1952 und zierte einen klassischen, vorne spitz zulaufenden Pumps. Bei Schustern waren die Bleistiftabsätze äußerst beliebt, weil die Laufflächen ständig erneuert werden mussten. Ärzte warnten vor dem Tragen von Stöckelschuhen wegen der Gefahr, sich den Knöchel zu verstauchen oder zu brechen. In Flugzeugen und zahlreichen öffentlichen Gebäuden waren die Stöckelschuhe nicht erlaubt, oder man stattete die Frauen kurzerhand mit sackartigen Überschuhen aus, um so ihr gefährliches Schuhwerk zu entschärfen. Als Symbol der Aggression, gesteigerte Sexualität und einer spielerischen Herausforderung wurden Stöckelschuhe zum Markenzeichen für den Typus des ungezogenen Mädchens. Messungen haben ergeben, dass die Wölbung des weiblichen Pos im Durchschnitt um 25 Prozent zunimmt, sobald eine Frau hochhakige Schuhe trägt. Rote Schuhe haben mehr als Schuhe in jeder anderen Farbe, immer ein ganz besonderes Flair. In Hans Christian Andersens Märchen "Die roten Schuhe" treiben sie die Heldin dazu, sich zu Tode zu tanzen. Im Zauberer von Oz bringen sie der Heldin die Rettung. Bei Christian Louboutin sind die Sohlen sämtlicher Modelle hellrot lackiert, ganz gleich welche Farbe das Oberleder hat. Louboutin nennt sie seine "Geh-mir-nach-Schuhe". Einengende Schuhe = China um 1900, eingeschnürte Frauenfüße. Mit solchen Stiefeln oder Schuhen konnte man keine großen Sprünge machen. Sollten wirken als setze sich das Bein gerade nach unten fort. In der westlichen Welt gab es Schuhliebhaber bereits in der Antike, doch erst im England des 19. Jahrhunderts blühte der Fetischismus wirklich auf und bekam seinen heutigen Namen. Die repressive viktorianische Moral schuf neue Ausdrucksformen der Sexualität. Frauenbeine waren so kategorisch unter bodenlangen Röcken und in Stiefeln verborgen, dass schon ein einziger Blick auf den Knöchel als erregend galt. Frauenfesseln und, übertragne, ihre Schuhe und Stiefel, wurden zum Symbol verborgener Körperteile, und die Lust an Füßen oder ihrer Fußkleidung wurden zum Tabu.
Und so blühte denn Mitte des vorigen Jahrhunderts der Londoner Markt für Pornographie und Schuhe mit 12-cm-absätzen im Verborgenen.
Auch anderthalb Jahrhundetee später und obwohl es Zeitschriften wie High Heel Honeys und Super Spikes gibt, ist Schuhfetischismus noch ein Tabuthema, teils vielleicht, weil es mit Transvestitentum und Sado-Maso-Praktiken in Verbindung gebracht wird. Der klassische Fetischist der westlichen Kultur liebt schwarzes Lackleder (den Wet-Look), extrem hohe Bleistiftabsätze (die als Zeichen sexuell angriffslustiger Frauen gelten) oder schenkelhohe Schnürstiefel (wie sie die statuesken Comic-Heldinnen tragen, deren Brüste wie Torpedos aus der knappen Latexkluft hervorstechen). Hohe Absätze mindern die Bewegungsfreiheit - eine Art Frauen zu fesseln, die manche erotisch finden -, während die gefährlich aussehenden Formen den passiven Mann erregen, der es genießt, bedroht zu werden.
Doch jeder Fetischist hat seine Vorlieben. Es ist eine weit verbreitete Vorstellung, dass Fetischisten sich gern mit Füßen treten lassen, doch das ist ein Vorurteil. Allerdings lassen sich manche gern von Frauen die Sporen geben. Pelz und Veloursleder sind für den Schuhfetischisten das, was für andere Kuchen und Eiscreme sind. In Westwoods Londoner Boutique wurden von solchen komischen Dingern (aus Messingrohr 20 cm Absatz) über 300 Paar verkauft. Stiefel-Fetisch: Hautenge Stiefel bringen ein wohlgeformtes Bein zur Geltung. Ursprünglich waren Stiefel ja Männerschuhe, die Frauen sich angeeignet haben, und deshalb schwingt bei ihnen stets etwas Zweideutiges, die Geschlechtergrenzen überschreitendes mit, das immer auch erotisch aufgeladen ist. Schwarz ist die Farbe des westlichen Fetischismus, doch Rot ist in West wie Fernost ebenfalls stark vertreten. "Auf französischen Absätzen wankt ihr zum Ball / Und modische Torheit bringt so manchen zu Fall." (Satirisches Gedicht aus 18. Jahrhundert) "Wer gegen hohe Absätze wettert, sollte dabei wenigstens einen besonders eleganten Hut tragen." George Bernard Shaw "Sehen Sie bei einer Dinnerparty unter den Tisch, und Sie werden feststellen, dass die meisten Frauen ihre Schuhe abgestreift haben." Diego della Valle "Wie groß bin ich? Schätzchen, wenn du Haare, Absätze und Ego mitrechnest, stoße ich an die Decke." Ru Paul "Zwischen der Ferse einer Frau und dem Erdboden gibt es soviel Raum, mit dem man etwas anfangen kann." Schuh-Designer Bernard Figueroa (Absatz ist das A und O seiner Ästhetik, Absatz als Metallabsätze wie Zweige oder Äste): "Ein Paar Schuhe muss ausgewogen sein wie die zwei Seiten einer Gleichung und millimetergenau justiert wie ein Uhrwerk." André Perugia (Designer, 50er Jahre) "Nichts sorgt so gut wie ein hoher Absatz dafür, dass ein Paar hübscher Beine wunderbar und ein Paar wunderbarerer Beine einfach göttlich aussieht." Designer Stuart Weitzman Als die französische Kaiserin Josefine ihrem Schuhmacher einen Slipper zeigte, der bereits nach einmaligem Tragen unbrauchbar geworden war, soll dieser geantwortet haben: "Ah, Madame, ich weiß woran es liegt, Ihr seid damit gegangen." Madonna kauft beim Designer Manolo Blahnik und sagte ("Davon hat man mehr als von Sex"), ebenso Bianca Jagger, Prinzessian Diana und Paloma Picasso. Sie alle wissen nicht nur die handwerkliche Perfektion und den frechen Charme seiner Kreationen zu schätzen, sondern auch ihre legendäre Passform. Im Märchen sind Schuhe oft ein Mittel zur Flucht aus einem eintönigen Leben.
Das berühmteste Paar Filmschuhe - vielleicht das berühmteste Paar Schuhe der Welt - sind die rubinroten Glitzerpumps (paillettenbesetzte rote Pumps), die Judy Garland 1939 als Dorothy im Zauberer von Oz trug. Die magische Wirkung dieser Schuhe, in denen sie die Yellow Brick Road zu neuen Abenteuern, neuen Horizonten entlanghüpfte, war einfach unvergleichlich und ist es bis heute geblieben. 1988 ersteigerte ein anonymer Verehrer sie für 165.000 Dollar. z. B. Schuhe Eine Kulturgeschichte der Fußbekleidung Vom bloßen Fuß zum Stöckelschuh Günter Kämpf, Vilma Link Anabas Verlag Frankfurt/Main
Schuhe Eine Ausstellung des Zweckverbandes Dachauer Galerien und Museen (Katalog) Getragene Schuhe Beobachtungen zur Geschichte und Bedeutung der Schuhe Nina Felicitas Matt Bezirksmuseum Dachau 1997 Zweckverband Dachauer Galerien und Museen/ Dachau
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