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 Lange Nacht
 Sendung vom: Samstag 09.10.1999   • 23:05

Die Lange Nacht der Ungarischen Literatur
Gottsucher und Käuze
Schwerpunktthema Ungarn auf der Buchmesse in Frankfurt 1999
Moderation:  Zsuzsanna Gahse
 Christoph Schmitz
Studiogäste:  Péter Esterházy
 László F. Földényi
 László Krasznahorkai
 Endre Kukorelly
 Péter Nádas
 Zsuzsa Rakovszky

Seit Jahren versetzen ungarische Autoren die deutsche Leserschaft in Erstaunen. Was das kleine Land an literarischer Qualität zu bieten hat, ist von europäischem Rang. Imre Kertész` "Roman eines Schicksallosen" über einen jüdischen Jungen, der seinen Schindern im KZ mit gutmütigem Lächeln begegnet, berührt zutiefst. Peter Nadas`s opus magnum "Buch der Erinnerungen" über die Liebe und den osteuropäischen Sozialismus ist von schwindelerregender Radikalität. Aber auch die jüngsten Publikationen bisher unbekannter Autoren machen von sich Reden. László Mártons intelligente Sprachakrobatik in "Die wahre Geschichte des Jakob Wunschwitz" wäre da zu nennen oder Sándor Tars komisches Porträt liebenswerter Käuze in "Ein Bier für mein Pferd".

Eine Lange Nacht mit Ungarns wichtigsten Autoren, mit Lesungen, Gesprächen und viel Musik.

Gottsucher und Käuze

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"Die Klischees einer Stadt sind am lebendigsten", meint der ungarische Schriftsteller Péter Esterházy, als er durch Lübeck spaziert und, gleich was er betrachtet, immer die literarische Topographie der Buddenbrooks sieht und beim Anblick des Holstentors immer an Marzipan denken muß. Durch ihre Klischees unterscheide sich eine Stadt von anderen Städten, fährt Esterházy in seiner Titelgeschichte des Bandes "Thomas Mann mampft Kebab am Fuße des Holstentors" fort, "folglich muß man sich vor Klischees nicht hüten, sondern sie in Augenschein nehmen". Für Ungarn und Budapest bedeutet das: Pferdehirten ziehen durch die endlose Puszta. Vor hölzernen Ziehbrunnen und strohgedeckten Bauernkaten mampfen sie scharfe Paprika und gepfefferte Salami. In den Budapester Kaffeehäusern entlocken Zigeuner ihren Violinen mit nie erlöschendem Feuer schmachtende Volksweisen und Walzerklänge. Und im anheimelnden Schlendrian, in der schmierigen Höflichkeit der Kellner weht ein Hauch der guten alten k.u.k.-Donaumonarchie.

Die Klischees kann man, wie überall auf der Welt, kaufen, und die ungarische Tourismusbranche verdient nicht schlecht an ihnen. Wie auch Budapests Droschkenfahrer, die Deutsche, Amerikaner und Japaner durch die Landesgeschichte kutschieren, zu den Klischees nationaler Mythen und Legenden: zum Heldenplatz in Pest mit den grimmigen Reiterstandbildern magyarischer Fürsten, die im Jahr 896 aus dem Ural ins heutige Gebiet Ungarns eindrangen; über die Donau ins Burgviertel hinauf, wo der bronzene König Stephan das Kreuz über das von ihm anno 1001 christianisierte Land hält; zum Király-Bad, das mit seiner grünspanfarbenen Kuppeln und dem goldenen Halbmond an die Türkenherrschaft im 16. und 17. Jahrhundert erinnert; und immer wieder führt der Weg über Petöfistraßen und -plätze, benannt nach Ungarns Nationaldichter Sándor Petöfi, der die Revolution von 1848 mit anführte, der für Gleichheit, Freiheit, demokratische Reformen und die nationale Unabhängigkeit von Österreich vergeblich kämpfte.

Die Droschke setzt uns am Moskauer Platz ab, schäbiger Verkehrsknotenpunkt, köszönöm, danke! -wie lange muß man in Ungarn leben, um mit dieser Sprache, die weder slawischen noch indogermanischen Ursprungs ist, die die finno-ugrischen Magyaren ins Land brachten, vertraut zu werden?-, Klischees und nationale Mythen hinter uns lassend fahren wir mit der Rolltreppe minutenlang steil hinab in den Metroschacht, ein sowjetischer Nachbau der Moskauer U-Bahn. Die Wirklichkeit. Unzählige Gesichter ziehen in entgegengesetzter Richtung vorbei, schweigsam, erschöpft, regungslos. Was geht in den Köpfen vor? Wie lange muß man in Ungarn leben, um die verborgenen Geschichten, Gedanken und Gefühle zu entschlüsseln? Im Handgepäck Bücher. Die sind seit je die besten Dechiffriermaschinen. In der Kurzprosa Endre Kukorellys sind Lähmung und nagende Vergeblichkeit allgegenwärtig. Die Figuren in den Erzählungen "Die Rede und die Regel" wirken, als hätte der kommunistische Stillstand ihre Knochen und Seelen patiniert: "Die reden mir mir. Bemüht, Mund spitz, Mund auf, wie nett, an den Zähnen klebt ein wenig dunkelrote Farbe, rötliche Zahnspitzen, ich kann bis zu den Mandeln sehen." Hat die Freiheit nichts bewirkt, die beschworene Dynamik des Marktes? "Krieg und Krieg" heißt der Roman László Krasznahorkais, Krieg und Krieg ist der Zustand der Welt. Zum Inbild allen Wirkens, Werkelns und Bauens wird dem Protagonisten, einem kauzigen Aussteiger, der Turmbau zu Babel. Die entfesselte kapitalistische Dynamik wird sich selbst zur Strecke bringen. "Der Weg ohne Gott" führt "zum wunderbaren, zum überwältigenden, zum beispiellosen Menschen, der nur zu einem nicht fähig ist und nie fähig sein wird: zu beherrschen, was er schuf." Oder gibt es vielleicht doch einen Ausweg? Ein aus Eisen, Holz und Kunststoff gewirktes Iglu des italienischen Künstlers Mario Merz wird zum Zeichen einer friedlichen Zukunft. Einen Ausweg aus der wirtschaftlichen und psychischen Misere sucht auch Róbert Hász in seinem Roman "Der Garten des Diogenes". Um ihn zu finden, muß er allerdings auf die Phantastik eines E.T.A. Hoffmann zurückgreifen. Auch Péter Nádas geht es in seinen Essays unter anderem um Krisenerscheinungen im gegenwärtigen Europa. Seine Romane aber, wie "Buch der Erinnerung" und "Der Lebensläufer", schweifen aus in die gesellschaftlichen Entwicklungen unseres Jahrhunderts in Ungarn und Osteuropa und suchen nach den Berührungspunkten zwischen dem Öffentlichen und Privaten, ja Intimen. Im Erotischen entdecken sie die alles verbindende und bestimmende Kraft. Péter Esterházy begleitet in seinen Romanen, Erzählungen und journalistischen Artikeln die Geschicke seines Landes mit subversivem Humor, wie die Sammlung "Thomas Mann mampft Kebab" mit Geschichten und Aufsätzen aus 15 Jahren zeigt. "Die Form von Budapest hängt ab, wer sie in welcher Stimmung betrachtet. Komm, komm nur, egal, wer du bist, mach dir ein Budapest!" - eine Einladung, der "Die Lange Nacht der ungarischen Literatur" aus dem Kölner Gloria mit sechs ungarischen Autoren, mit Gesprächen, Lesungen und "typisch" ungarischer Musik - "Klischees sind am lebendigsten" - gerne folgt.

Christoph Schmitz

Schwerpunktthema Ungarn




Ungarn wird auf der 51. Frankfurter Buchmesse als erstes Land Mittel- und Osteuropas Schwerpunktthema sein. Zehn Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhanges, der im Sommer 1989 zuerst von Ungarn aus durchschnitten wurde, wird eine erste Bilanz über den Reformprozeß gezogen werden können. Die ungarische Literatur gilt als eine der vielfältigsten und aufregendsten in Europa. Viele der renommiertesten ungarischen Schriftsteller wurden bereits in den vergangenen Jahren ins Deutsche wie auch in zahlreiche andere Weltsprachen übersetzt. Zur kommenden Frankfurter Buchmesse haben insbesondere deutsche Verlage bereits jetzt umfangreiche Neuauflagen wie auch neue Übersetzungen ungarischer Schriftsteller angekündigt.

Peter Weidhaas
Statement zur Pressekonferenz Freitag, 9.10. 1998,

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich übertreibe nicht wenn ich sage, daß auf der Frankfurter Buchmesse die nachhaltige Präsenz von Büchern und Schriftstellern aus Ungarn schon seit Jahren eine Selbstverständlichkeit geworden ist. Bereits im Vorjahr gab es beim neu ausgebauten ungarischen Gemeinschaftsstand literarische und musikalische Darbietungen, welche die Frankfurter Zuschauer auf der Stelle mitgerissen haben. Der ungarische Gemeinschaftsstand ist insgesamt zu einem sehr aktiven Zentrum aus der Region Mittel- und Osteuropa geworden. Die Zahl der Einzelaussteller aus Ungarn hat ebenfalls einen beträchtlichen Zuwachs erfahren. 1997 präsentierten rund 40 Verlage ihre Bücher in Frankfurt. Dieses Jahr sind es bereits an die 70. Es konnte sich eine Gruppe von Verlagen etablieren, die längst zu Stammkunden in Frankfurt geworden sind. Stark und rundum anerkannt ist die Präsenz von ungarischen Schriftstellern in Deutschland und mittlerweile auch über Deutschland hinaus. György Konrad ist bereits ein fixer Bestandteil des intellektuellen Lebens in Berlin. Peter Esterhazy zählt auch hierzulande zu den ersten Namen zeitgenössischer pointierter Literatur. Imre Kertesz ist ein Schriftsteller, dessen eindringliche Auseinandersetzung mit Diktatur und Totalitarismus wohl Seite an Seite mit den Werken eines Primo Levi oder Elie Wiesel bestehen. Manche Übersetzung aus dem Ungarischen ins Deutsche wurde zum Ausgangspunktpunkt für internationale Autorenkarrieren. Peter Nadas ist dafür ein Beispiel. Mit György Dalos haben Sie überdies einen weiteren die literarische Szene ihres Landes prägenden Schriftsteller als Mitglied des Organisationsteams gewinnen können. Sie sehen, meine Damen und Herren, wir erwarten beim Gastland der Frankfurter Buchmesse 1999 ein zwar kleines Land, doch eines mit einem sehr ausgeprägten und sehr aktuellen literarischen Profil. Ich habe sogar namhafte Literaturkritiker getroffen, die meinten, daß in Ungarn zur Zeit die lebendigste und aufregendste Gegenwartsliteratur von ganz Europa zu finden ist. Neben dem sich nach dem Umbruch von 1989 konsolidierenden Verlagswesen, neben den Autoren gibt es aber noch einen dritten Grund, warum sich auf den Auftritt Ungarns im kommenden Jahr besonders große Erwartungen richten. Ich meine nun natürlich die politische Dimension. Zwischen Ungarn und Österreich wurde im August 1989 erstmals der Eiserne Vorhang durchschnitten. Daß sich der Vorhang zu allererst für Deutsche geöffnet hat, trug dazu bei, daß seither das Verhältnis zwischen den beiden Ländern ein besonders enges wurde. 1999 wird erlauben, zehn Jahre nach der Wende eine erste Zwischenbilanz über die Erfolge der Reformen, aber auch über deren Schwierigkeiten zu ziehen. Ich hoffe, daß der Auftritt Ungarns in Frankfurt Anlaß und Anregung sein wird, daß diese Diskussion besonders augenfällig am Beispiel Ungarn geführt werden wird. Die deutschen wie die internationalen Medien werden deshalb Ihr Programm gewiß mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen.

Schwerpunktland Ungarn 1999: Schub für EU-Mitgliedschaft erhofft

Frankfurt am Main (dpa) - Ungarn erhofft sich als Schwerpunktland der Buchmesse 1999 einen «Schub für die Integration Ungarn in die Europäische Union».

Der Staatssekretär im ungarischen Kulturministerium, Gergely Pröhle, betonte am Donnerstag auf der Buchmesse in Frankfurt, daß sein Land zwar auf dem Gebiet der Schwerindustrie wohl kaum nachhaltig internationale Aufmerksamkeit erregen werde, «unsere Kultur, Literatur und Wissenschaft aber Weltklasse haben».

Ungarn werde mit zahlreichen literarischen Veranstaltungen, aber auch mit einem Rahmenprogramm mit ungarischer Kunst, Musik, Theater und Film versuchen, manche Klischees über das Land zu korrigieren, so der Staatsekretär.

Neben den in Deutschland bekannten Autoren wie György Konrad, Peter Nadas oder Peter Esterhazy werden auch zahlreiche junge, eher unbekannte Autoren sowie Schriftsteller ungarischer Sprache aus anderen Ländern teilnehmen.

Die Veranstaltungen zur Buchmesse 1999 werden nach den Worten Pröhles ein «jugendlich-dynamisches Ungarn präsentieren, ... das der Kultur auch in der Politik eine zentrale strategische Rolle für die Zukunft eines Landes zuschreibt».
Lesen Sie weiter:
http://www.hungaroinfo.com/info/
allg/pressespiegel/981009dpa.htm

Studiogäste




Zsuzsa Rakovszky
1950 in Ödenburg/Sopron geboren, absolvierte sie ihre Universitätsstudien in Budapest, war dort von 1975 Bibliothekarin, ab 1981 Verlagslektorin und ist seit 1987 freiberuflich tätig; übersetzt aus dem Englischen und Deutschen. Ihr erster Gedichtband ist 1981, der Band "Weiß-schwarz" 1991 erschienen.

Decline und Fall

Verschwinden werden ein für allemal
die aus dem Staatsrecht für Lichtspieltheater
und Zigarettenmarken, auch die Kombinate,
die Streichholzschachteln mit den Agit-Sprüchen
für sparsamere Lebensführung, ebenso
all die Getränkestützpunkte und Intershops,
doe Konsum-Gaststätten, die Kaffeetassen
bruchrandzackig, die Mehrzweckmöbel
aus Plasten und Elasten, schale Limos,
Fructaden, auf dem Etikett Orangen
und Riesensonnenscheiben - ausgeblichen
wie von der Tropensonne, die sie so wenige sahen
als die klebrigen Marmortische einen Steinbruch.
Gleich Schneereste in kältrem Mikroklima
halten sie sich hie und da noch ein Weilchen,
doch wie vom Erdboden, nicht in der Zeit
verschwunden, triefen und zerfasern die Plakate
der festtäglich betrauerten oder grad ausgeheckten
soundsovielten Jahrestage, Frauentage, Tage der Eisenbahner,
die Lappen geben ältere Schichten frei,
hier schlägt ein Blütenzweig durch, dort die Taube,
jungfräulich hold ein Mädchenantlitz (konterkariert
vom Playboy-Häschenbusen unterm Griechenhemdchen)
verlischt, und es vergeht, was sonst noch
per Dikatatur der Neoklassizismus
hervorgebracht: die Monster-Fresken blatternarbig,
bröckelnde Mosaike in verdreckten Bahnhofshallen
und in Kulturhäusern, wo froh Kantaten singend
beim Erntefest oder im Kugellagerwerk,
bewußt erlöst durch Arbeit und Freizeitgestaltung
zur Schau gestellt ist heitre Menschenheit.
Das Experiment mit weißen Mäusen Millionen -
es hat halt nicht geklappt. Und was wir stahl -
betonfest wähnten, platzt mit einem einzgen Knall
so wie ein Luftballon, oder es schmilzt
mit anhaltender Flamme weg, gekrümmt
hinschrumpfend, im Vergehn, wenn auch sonst nicht,
annähernd so wie, was weiß ich, Rom oder Babylon.
Meine Massenkonsumgüter: mein Spiegel, der Tiegel
für das Gesichtsgelee, der henkellose Napf - sie sind
museumstauglich, denn was schon lernt daraus
der brave Bürger, und auch ich taug nicht
mit meinen präservativen Teilen luftdicht
verpackt - Froufrous und Kulleraugen draufgemalt,
nein, auch Moralwacht über die neue Generation
mit meinem Abbild nicht halten an der Wand,
hinsinkt die Mauer, und Großblockbauweisen
verwehn im Wind, die mondstaubgrauen Brutkästen
der Schlafstädte knirschen zweijährig in den Fugen -
mehr als zweihundert Jahre protzt und trotzt Barock
im Stadtkern. Rußig grün etliche Amtsgebäude
von der Jahrhundertwende werden wohl
dies und jenes noch überstehn. Sprachornamente
lösen sich schon vom Mauerwerk, welk hängen
mannshohe Transparente, fransig fasern
die Kokosläufer auf den Fluren, still gilbt
die Zimmerlinde ihrem End entgegen
fort aus dem Saal, wo die Beamtin recht adrett
und nett zu jedermann zählt, wählt, vermählt -
die Räume sinds, wo unsereins vorkam
geboren und geschieden und dann tot - so lang nur
wie wir, die sie erlebten, leben sie - mumifiziert
in der Erinnerung ganz wertneutralem Seim.

Aus: Anderntags
Neue Ungarische Lyrik
Eine Anthologie herausgegeben von Paul Kárpáti
Kirsten Gutke Verlag, Köln 1996


Péter Esterházy
Péter Esterházy

Péter Esterházy
wurde 1950 in Budapest geboren, wo er als freier Schriftsteller lebt. Er wurde unter anderem mit dem Vilenica Preis für mitteleuropäische Literatur (1988) und mit dem Kossuth Preis (1996) ausgezeichnet. Er veröffentlichte unter anderem
  • "Die Hilfsverben des Herzens" (1985),
  • "Wer haftet für die Sicherheit der Lady" (1986),
  • "Kleine ungarische Pornographie" (1987),
  • "Das Buch Hrabals" (1991),
  • "Donau abwärts" (1992),
  • "Eine Geschichte. Zwei Geschichten" (mit Imre Kertèsz, 1994) sowie zuletzt
  • "Eine Frau" (1996). "Es gibt nur eine Frau. Sie haßt mich. Sie will mich. Sie telefoniert unentwegt. Hinterläßt Nachrichten. Sie hat sich einen Anrufbeantworter gekauft, um auch dort Nachrichten für mich zu hinterlassen. Sie hat viel zu tun. Jedesmal ruft sie von einem anderen Ort an. Ich kann nicht offen sprechen, flüstert sie manchmal in den Hörer. Dann erklärt sie das bei dem nächsten Anruf. (Es können unterschiedliche Gründe vorliegen.) Wenn wir uns treffen, setzt sie sich mit den früheren Telefonaten auseinander. Das Badezimmer zittert, Telegramme und Auslandgespräche, kichert sie mit niederträchtiger Freude"
  • Ein blauer Wachtelkönig, Publizistische Schriften


Thomas Mann mampft Kebab am Fuße des Hostentors
Thomas Mann mampft Kebab am Fuße des Hostentors

Seine Bücher wurden in 12 Sprachen übersetzt und erscheinen auf deutsch im Residenz Verlag in Salzburg. Für den Herbst 1999 ist ein Band über Péter Esterházy in Vorbereitung.
  • Thomas Mann mampft Kebab am Fuße des Hostentors
    Gedichte und Ausätze
    Residenz Verlag

György Konrád
György Konrád

György Konrád
1933 in Debrecen als Sohn einer jüdischen Familie geboren. Er studierte Literaturwissenschaften und wurde zu einem der intellektuellen Wortführer Ungarns. 1991 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, seit 1997 ist er Präsident der Akademie der Künste in Berlin.

Auswahl aus seinen Werken:

  • Der Besucher
  • Der Stadtgründer
    politischer Roman, der versucht die Mechanismen der Macht aufzudecken; in visionären Stil wird mit der Möglichkeit vorherzuplanen, abgerechnet.
  • Die Intelligenz auf dem Weg zur Klassenmacht
  • Antipolitik
    Politischer Essay
    Konrád wehrt sich immer wieder gegen die Schwarz-Weiß-Politik. Die kategorische Trennung in machthaber und Unterdrückten führt nur zu einer Polarisierung der Wahrheiten, jedoch nicht zu einer toleranten und reflektierten Geisteshaltung. Seine Essays zeichnen sich durch intellektuelle Distanz, Nüchternheit und Visionskraft aus. "Antipolitik ist der geistige Widerstand eines Autors gegen die überzogene Macht der politischen Klasse." (György Konrád)
  • Der Komplize
    Roman skizziert den tragischen Weg eines Intellektuellen, der durch seine Bequemlichkeit zum Handlanger staatlich sanktionierter Gewalt wird.
  • Melinda und Dragoman
  • Steinuhr
    Dritter Teil der Trilogie mit dem Hauptprotagonisten János Dragoman ist der Entwurf einer urbanen Gesellschaft mit ihren Individualisten und Lebenskünstler.
  • Heimkehr
  • Identität und Hysterie
    ausgewählte Essays
  • Vor den Toren des Reiches
    Essayband
  • Der Nachlaß
    Roman
    Suhrkamp Verlag
    Der Nachlaß Der Roman spielt zur Zeit des Regiemwechsels in den 90er Jahren, die Erinnerungen, Reflexionen, Träume und Visionen des Bürgermeisters und Filmregisseurs Tombor, der sich auf den Weltkongreß der Bürgermeister vorbereitet, vermischen sich unentwirrbar mit der fiktiven Welt der Romanhandlung.

László F. Földényi
László F. Földényi

László F. Földényi
1952 in Debrecen geboren, 1975 Stdiumabschluß der Hungarologie und Anglistik an der Loránd-Eötvös-Universität für Theaterwissenschaften, 1980.1986 Herausgeben der ungarischen "Zeitschrift für Theaterwissenschaft", 1982 Gastdozent am Lehrstuhl für Ästhetik an der Budapester Universität, 1988/89 Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD, seit 1991 Dozent am Institut für Vergleichende Literaturwissenschaften in Budapest.

Auswahl aus seinen Werken:

  • Melancholie
  • Caspar David Friedrich. Die Nachtseite der Malerei
    Mongraphie und An-Deutung des Romantikers C.D. Friedrich, befaßt sich mit der in dermodernen Kunst verborgenen existenziellen Problematik.
  • Der Blick der Meduse
    Aufsätze über europäische Mystik
  • Abgrund der Seele
  • Analyse von Goyas Gemälde "Saturn"
  • Ein Foto aus Berlin
    Essays
  • Heinrich von Kleist. Im Netz der Wörter
    Matthes&Seitz Verlag
    vom Verlag angekündigt für Herbst 1999

Lászlo Krasznahorkai
Lászlo Krasznahorkai

Krieg und Krieg
Krieg und Krieg


Lászlo Krasznahorkai
1954 in Gyula geboren, 1976-83 Studium der Hungarologie an der Loránd-Eötvös-Universität in Budapest, 1987/88 Gast des Berliner Künstlerprograms des DAAD, 1996 Gast des Wissenschaftskolleg zu Berlin

Auswahl aus seinen Werken:

  • Satanstango
    Eine düstere Welt, in der falsche Propheten ihre Opfer irreführen, in der es keine Erlösung, keine Hoffnung, nicht einmal die Hoffnung auf Hoffnung gibt.
  • Gnadenverhältnisse
    Erzählungen
  • Melancholie des Widerstandes
    "...Roman über einen Widerstand, der zwar nichts nutzt, nicht auf dieser Erde und auch nicht im Jenseits nicht. Eines Widerstandes, der zum Scheitern verurteilt und trotzdem gleichsam in uns eingebaut ist" (Eva Haldermann)
  • Der Gefangene von Urga
    Roman. Das Reiseabenteuer der Seele, ohne Perspektiven, zwischen Himmel und Hölle, "ein Gespenstischer Raum der Zeitlosigkeit und der Unsterblichkeit." (Krasznahorkai)
  • Krieg und Krieg
    Ammann Verlag

Péter Nádas
Péter Nádas

Buch der Erinnerung
Buch der Erinnerung

Etwas Licht
Etwas Licht


Péter Nádas
geboren 1942, lebt in Budapest. In den Jahren des stalinistischen Terrors verwaist, war er nach Schulabschluß einige Jahre als Fotograf tätig, bevor er 1967 seine erste Erzählung veröffentlichte. Nádás ist außerdem als Dramatiker und Essayist hervorgetreten.

Auswahl aus seinen Werken:

  • Buch der Erinnerung
    Roman
    Rowohlt Berlin
  • Etwas Licht
    Stiedl Verlag
    Fotoband mit Texten
    "Als mich meine Familie schließlich zum hoffnungslosen Fall erklärt und der große Familienrat sich zu dem Vorschlag durchgerungen hatte, daß ich Fotograf werden sollte, wenn ich schon nicht lernen könne, bekam ich von einem meiner Onkel eine Spiegelreflexkamera ausgeliehen." Christoph Schmitz bringt u.U. noch den Fotoband vorbei
  • Minotauros:
    Erzählungen
    Berlin: Rowohlt Verlag

    Die Sammlung vereint neun Erzählungen aus den Jahren 1963 bis 1975 und präsentiert neben Fingerübungen auch ein paar echte Meisterwerke. So hätten die beiden umfangreichsten Erzählungen, "Das Lamm" oder "Frau Klaras Haus", jede für sich eine Einzelausgabe verdient, und für solche Entdeckungen sollte man bereit sein, über das eine oder andere literarische Experiment, mit dem der junge Nádas schon vor Jahren recht alt aussah, rasch hinwegzulesen. (Karl-Markus Gauß, F.A.Z.)


Endre Kukurelly
Endre Kukurelly


Endre Kukurelly
1951 in Budapest geboren, 1975.82 Studium der Geschichte und Bibliothekswissenschaft in Budapest, seit 1981 Korrespondent und Redakteur bei verschiedenen Literatur-und Kulurzeitschriften sowie Verlagen, 1985-89 Gründungsmitglied und hauptamtlicher Redakteur der Literaturzeitschrift "A `84-es kijárat", 1990 Mitarbeiter der ungarischen Ausgabe "Lettre Internationale" und der Zeitschrift "Magyar Narancs", 1992-95 creative writing-Kurse an der Akademie der Künste in Budapest, 1995 Herausgeben der mehrsprachigen Anthologie "A `84-es Kijárat", 1995-96 Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

Auswahl aus seinen Werken:

  • Die Süße der Wirklichkeit
    erster Gedichtband
  • Maniére
  • Gedichtband
    Gedächtnis-Küste

    Prosa.
    "Ein straff strukturierter Band mit rund hundert Gedichten, in die gebundene Form dringt die Formlosigkeit ein, seine Schreibweise ist "schwebend, ironisch, selbstreflektierend, fragmentarisch, anspielungsreich, zitierend. Sie lebt von Nuancen und Übergängen, von Freiheiten und Unwägbarkeiten. Sie schillert, sie spielt, sie läßt einen oft ratlos." (Ilma Rakusa)
  • Sonniges Gebiet
    Essays
  • Budapest - Papierstadt
    Essays mit Fotos von Károly Gink
  • Als stünde er allzulange
    Prosatexte
  • Liebling
    Essays

weitere Literaturtips:




Imre Kertész
1929 in Budapest geboren, 1944 nach Auschwitz deportiert, 1949-1950 Journalist bei der Tageszeitung "Világosság", 1995 Brandenbugischer Literaturpreis 1995, 1997 Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung, 1997 Friedrich-Gundolf-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt, 1997 Jeanette-Schocken Preis. Bremerhaven.

Auswahl aus seinen Werken:

  • Der Spurensucher
    Roman
    Die Suche nach der grauenvollen Vergangenheit führt den Protagonisten nach Auschwitz.
  • Mensch ohne Schicksal
  • Roman einer Schicksallosen
  • Kaddisch für ein nicht geborenes Kind
    Essayroman, Konfrontation mit dem Trauma des Überlebens, mit den Spätfolgen und Auswirkungen des Holokaust auf das Alltagsleben.
  • Die englische Flagge
    Erzählungen
  • Galeerentagebuch
  • Holocaust als Kultur
  • Eine Geschichte. Zwei Geschichten
    (Zusammen mit Péter Esterházy)
  • Jemand anderer. Chronik des Wandels.
    Roman, der zeigt, "wie man im Fremden das Eigene findet, im Nicht-Identischen das Identische, ... wie in Schrecklichem, sogar im Allerschrecklichsten die Möglichkeit des Mysterium steckt. Die unendliche Steigerung der Fremdheit könnte dazu führen, daß wir das Jenseits der Fremdheit erahnen können." (László F. Földényi)
  • Die augenblickliche Ruhe, solange das Hinrichtungskommando nachladet
    Monologe und Dialoge

Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz
Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz


László Márton
1959 in Budapest geboren, studierte Literaturwissenschaften und Soziologie; bis 1990 Verlagslektor, seither freier Schriftsteller. Seit 1984 erscheinen Romane, Dramen und Essays. 1998/99 DAAD-Stipendium in Berlin.

Auswahl aus seinen Werken:

  • Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz
    Der Roman
    siehe auch:
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/
    langenacht/991008-marton.html
  • Groß-Budapester Schreckensjagd
    Erzählungen
  • Asyl
  • Schmetterlinge am Hut
  • Auserwählte und Vermengte
    Studien
  • Haltestelle im Unterbewußtsein
    Roman
  • Glasüberquerung
    Roman
    „Sollten Sie etwa meinen, ich wollte mich meinen Pflichten entziehen, wollte nicht zusammenheften all das, was zerschlissen in den bisherigen Verschnörkelungen der Schilderung schwebt, dann kann ich reinen Gewissens erklären, dies sei ein Irrtum. Im Gegenteil, nichts wünsche ich mir sehnlicher, als das Geschiedenes und scheinbar zusammen nicht Gehörendes zusammengeheftet wird, daß die Geschichte als Ganzes wenigstens als Vision existieren möge. Und müßte ich eine Wahl treffen zwischen mir und der Geschichte dann würde ich die Geschichte wählen.„ Aus: Glasüberquerung
  • Der Ehrgeizige
    Trauerspiel

Sandor Tar
Sandor Tar


Sandor Tar
1941 im ostungarischen Hajdusamson geboren, erlernte einen technischen Beruf und war als Industrielackierer und Montagemechaniker tätig. Seit 1990 veröffentlicht er Prosa und arbeitet als Journalist. Seine Werke wurden in Ungarn mit dreizehn Literaturpreisen geehrt. "Ein Bier für mein Pferd" wurde 1995 zum "Buch des Jahres" gekürt. Sándor Ta gilt als einer der wichtigsten Gegenwartsautoren Ungarns. Er lebt in Debrecen. Ein Bier für mein Pferd
Die graue Taube
  • "Ein Bier für mein Pferd"
  • Die graue Taube Roman über das Verbrechen
    Eichborn Verlag

siehe auch:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/
langenacht/991008-tar.html



Péter Nádas/Richard Swartz
Zweisprache. Vier Tage im Jahr 1989
Essay
Rowohlt Verlag, Reinbeck 1994
dazu im Deutschlandfunk:
http://www.dradio.de/cgi-bin/
user/fm1004/es/feuilleton/305.html

Weitere Links:



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