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| Lange Nacht | ||||||||||||
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Archiv
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01.01.2000 -
Die Lange Nacht der musikalischen und literarischen Jubiläen
Unsterblich 2000 Moderation: Nicole Strecker Stefan Keim Das Leben ist ungerecht. Wir können immer noch Beethoven hören, Beethoven uns jedoch nicht mehr. So fabulierte - frei übersetzt - die englischen Komikergruppe Monty Python über die "decomposing composers". Was bleibt von den großen Toten? Steht wirklich eine Generation auf den Schultern der vorhergehenden? Oder tritt man den Standbildern der Vergangenheit solange auf die Kniekehlen, bis sie umkippen? Die Geburts- und Todestage eines neuen Jahres geben Anlaß, darüber respektvoll aber nibelungentreulos nachzudenken. Johann Sebastian Bach ist einer der großen Jubilare im Jahre 2000, ein anderer Friedrich Nietzsche. Von "soli deo gloria" bis zu "Gott ist tot" muß sich allein schon deshalb der Bogen der Sendung spannen. Nicole Strecker und Stefan Keim erinnern an so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Gutenberg, Calderón und Orwell in der Literatur oder in der Musik Aaron Copland, Ernst Krenek, Tosca und den weißen Hai. Die berühmte Filmmusik von John Williams wurde 1975 uraufgeführt, zählt also auch zu den Geburtstagskindern. Eine abwechslungsreiche, ebenso kritische wie humorvolle Lange Nacht, die in drei Stunden klärt, wer nun wirklich "unsterblich 2000" ist. | ||||||||||||
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07./08.01.2000 -
Ein kirgisisches Tagebuch in der Langen Nacht
Irgendwo dahinten. Gleich neben China. Autorin: Ulrike Bajohr Ach da, wo die Berge so hoch ragen, dass kein Wind weht. Und die Sterne ganz hell leuchten, weil die Straßen dunkel sind. Wo das Seewasser zum Trinken klar ist, noch. Wo Männer Manas heißen - wie der Held aus dem Volksepos. Und die Schwiegertöchter nicht alle Djamila. Wo es viele schöne Pferde gibt und viel mehr alte Autos. Wo ein Politiker nachmittags Stuntmen ausbildet und abends komponiert. Und ein Schriftsteller - Tschingis Aitmatow - wieder in seiner Sprache schreibt. Einer Sprache, die türkisch klingt. Wo die Menschen asiatisch, sibirisch, chinesisch, russisch und selten gemischt aussehen. Und eine Schule in einem Dorf namens Luxemburg nach einem Deutschen benannt wurde. Ach da, südlich der kasachischen Steppe, am westlichen Nordrand von China klebt Kirgisien, Kirgistan, Kirgisistan. Nicht einmal über die Bezeichnung weiß man Genaues. Aber über eine Familie: ihre Söhne, Töchter, Schwiegertöchter, Enkel, Freunde und Feinde. Alltags-beobachtungen von Ulrike Bajohr. | ||||||||||||
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14./15.01.2000 -
Die Lange Nacht vom Bildungsglück
Die Mühsal nennt man gern Vergnügen Moderation: Florian Felix Weyh Studiogäste: Prof. Dagmar Schipanski Sebastian Dresel Ayse Buchara Prof. Fritz Siemsen Wissens- und Informationsgesellschaft wird unsere Epoche gerne genannt. Nie war der Zugriff auf Bildungsgüter leichter, demokratischer, billiger, nie lag die Schwelle niedriger - und doch reißt die Klage übers mangelnde Niveau in Schulen und auf Universitäten nicht ab. Diplomierte Akademiker werden als "sekundäre Analphabeten" entdeckt, zu kaum mehr fähig, als sich rudimentär auszudrücken, in schlechtem Deutsch oder schwachem Englisch zu publizieren, blind für alles, was über ihr Fachgebiet hinausgeht. Heillos überfordert, ist der Bildungsbegriff der Schul- und Hochschulpädagogik auf reine Zweckrationalität geschrumpft, vom Humboldschen Ideal Lichtjahre entfernt. Doch es gibt Gegenbewegungen. Während sich in der Weltwissens- und Weltunfugsmaschine Internet immer größere Datenmengen aufstauen, bringen Publikumsverlage mit großem Erfolg Lexika und Wissenssammlungen auf den Markt. Wo politisch nur von der Misere die Rede ist, tut Widerspruch not: Bildung ist ein Genuß und eine menschliche Bereicherung. Sie stärkt die Widerstandskräfte, bei moralischen Anfechtungen wie in persönlichen Krisen. Sie erweitert die Zahl der biographischen Alternativen, schützt vor innerer Leere und versöhnt mit den Unbilden des Lebens. Es gibt sie noch, die Welt des Bildungsglücks. Man muß sie nur suchen und voller Wißbegier durchs Paradies des Geistes streifen. | ||||||||||||
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21.01.2000 Achtung: nur Berlin -
Die Lange Nacht der musikalischen und literarischen Jubiläen
Unsterblich 2000 Moderation: Nicole Strecker Stefan Keim Das Leben ist ungerecht. Wir können immer noch Beethoven hören, Beethoven uns jedoch nicht mehr. So fabulierte - frei übersetzt - die englischen Komikergruppe Monty Python über die "decomposing composers". Was bleibt von den großen Toten? Steht wirklich eine Generation auf den Schultern der vorhergehenden? Oder tritt man den Standbildern der Vergangenheit solange auf die Kniekehlen, bis sie umkippen? Die Geburts- und Todestage eines neuen Jahres geben Anlaß, darüber respektvoll aber nibelungentreulos nachzudenken. Johann Sebastian Bach ist einer der großen Jubilare im Jahre 2000, ein anderer Friedrich Nietzsche. Von "soli deo gloria" bis zu "Gott ist tot" muß sich allein schon deshalb der Bogen der Sendung spannen. Nicole Strecker und Stefan Keim erinnern an so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Gutenberg, Calderón und Orwell in der Literatur oder in der Musik Aaron Copland, Ernst Krenek, Tosca und den weißen Hai. Die berühmte Filmmusik von John Williams wurde 1975 uraufgeführt, zählt also auch zu den Geburtstagskindern. Eine abwechslungsreiche, ebenso kritische wie humorvolle Lange Nacht, die in drei Stunden klärt, wer nun wirklich "unsterblich 2000" ist. | ||||||||||||
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22.01.2000 Achtung: nur in Köln -
Eine Lange Nacht der Feste und Rituale
"Tages Arbeit! abends Gäste!..." Moderation: Hellfried Brandl Sibylle Hoffmann Studiogäste: Prof. Arthur E. Imhof Dr. Herrad Schenk Rituale und Feste als regelmäßig wiederkehrende Handlungs- und Kommunikationsabläufe prägen unsere Gesellschaften, ganz gleich, wie weit sie selbst die Ritualisierung des Alltags noch erkennen oder nicht. Vor allem in den 60er Jahren setzte massive Kritik an der Ritualisierung des Lebens ein. Politischer und religiöser Mißbrauch hat Rituale verdächtig gemacht. Manipulation der Menschen wurde und wird den Ritualen wohl zu Recht vorgeworfen. Rituale - so der Hauptverdacht der Kritiker - verfestigen vertikale, hierarchische Strukturen. Sei es im religiösen, sei es im politischen Leben, dem Ritual ist wegen seiner manipulativen Kraft zu mißtrauen. Vor allem die Eckpunkte des menschlichen Lebens - Geburt, Heirat, Tod - wurden und werden mit Ritualen aus dem Tagesablauf herausgehoben. Und Feste begleiten gewissermaßen unseren Alltag. Der jährlich wiederkehrende Geburtstag, in katholischen Ländern der Namenstag, der Hochzeitstag, Weihnachten, Ostern, der Jahreswechsel, eine schier unendliche Liste vorgegebener "Fest-"tage prägt unseren Jahresablauf. Und wird nicht der Alltag selbst zu einem "festlichen" Ereignis, wenn wir am Abend bei Kerzenschein mit Freunden den Tag ausklingen lassen? Ohne "Fest" scheint unser Leben leer und sinnlos zu sein. Aber welche Feste können wir wirklich noch feiern? | ||||||||||||
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28./29.01.2000 -
Lange Nacht der kurzen Hosen
100 Jahre Deutscher Fußball-Bund Moderation: Astrid Rawohl Herbert Fischer-Solms "Während der Turner in stolzer Haltung mit gehobener Brust daherschreitet, kommt der ´Nurfußballer` mit gesenktem Kopf, die Brust tief eingedrückt, die Arme wie unnötige Anhängsel mit sich führend, dahergeschlendert." Hohn und Spott, auch aus dem Lager anderer Leibesübender, mußten die ertragen, die am 28. Januar des Jahres 1900 den Deutschen Fußball Bund aus der Taufe hoben. Die Gründungsväter waren eine reine Männer-Gesellschaft von 80 Verwegenen aus 60 Vereinen, und es geschah in Leipzig, dessen VfB (Verein für Ballspiele) quasi folgerichtig 1903 erster Deutscher Fußballmeister wurde. Freilich wurde schon vor der Jahrhundertwende in Deutschland gegen den Ball getreten, der englische Exportartikel Fußball erwies sich als unaufhaltsam und durchaus resistent bei Obigkeits-Bedenken gegen diesen Sport, der "roh" sei und "unzivilisiert" und "tierische Instinkte weckend". "Oberster Grundsatz des DFB ist die Ausübung des Fußballspiels als Amateursport" - ein Satz aus der Präambel, der sich 100 Jahre gehalten hat und schon damals heftig umstritten war. Kritiker behaupten, im Profi-Fußball von heute seien die DFB-Funktionäre die einzigen Amateure, die aber auch nicht verhindern konnten, daß Deutschland dreimal (1954, 1974 und 1990) Welt meister wurde. Die Lange Nacht der kurzen Hosen - zum Geburtstag des Deutschen Fußball-Bundes 100 Jahre Fußball-Geschichten mit Fußballern und anderen Gästen. | ||||||||||||
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04./05.02.2000 -
Die Lange Nacht der Metropolen von unten
Unterwelten Moderation: Susanne Schröder Peter Kiefer Die Lange Nacht taucht ein in Unterwelten. Ganz tief zunächst. Wir machen eine geologische Reise zum Mittelpunkt der Erde (in der Pfalz wird eine der tiefsten Bohrungen weltweit vorgenommen) und eine mythologische ins Schattenreich. Die Stadt ist ein allgemeiner Bezugspunkt - wie sieht es in ihrer Unterwelt aus? Andererseits - gibt es moderne Städte unter der Erde, ist dergleichen zukunftsträchtig? Berlin erlebt einen gewaltigen Bauboom - wie reagieren die Archäologen? Warum versinken alte Kulturen überhaupt im Boden? Wie sind Städte untertunnelt? Leben wir auf einem Schweizer Käse? Unterwelt pur ist mit dem Aufspüren von Tunnelgangstern verbunden (solchen, die sich maulwurfsartig zu Banktresoren vorgraben). Menschen leben unter der Erde in Wärmeschächten. Wie möbliert sich der Tod - in rosa Plüsch? Auch Sargkulturen sind ein Thema. Wann, und vor allem warum schlägt eine Wünschelrute aus. Und was ist Erdmagnetismus? Das Militär verstaut seit Jahr und Tag geheime Waffen unter der Erde. Wie funktioniert ein unterirdischer Atomversuch? Warum hebt man kleine Gräben aus, um bestimmte Gerichte zuzubereiten? Und warum nicht die Sendung mit einem exquisiten Trüffel-Rezept eröffnen? Auch musikalische Ausflüge ins Erdreich sind möglich: Undercar heißt eine Speyerer Musikgruppe, die in einer Hörcollage durch Löcher in den Untergrund taucht. Warum würden wir - psychologisch betrachtet - manchmal am liebsten im Boden versinken? Gibt es eine Tiefenangst? Wir jedenfalls haben keine und tauchen ein in die Lange Nacht der Unterwelten. | ||||||||||||
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11./12.02.2000 -
Hans-Georg Gadamer: Ein Hermeneutiker wird Hundert
Von der Lust am Dialog Autoren: Hans-Georg Gadamer Bernd H. Stappert Am 11. Februar 1900 begann das Lebens eines Mannes, dessen hundertjähriges Bemühen stilbildend werden sollte: Sein Bemühen um das Verstehen, um das Wort, und darin begründet seine Fähigkeit zum offenen Dialog. Seine "philosophischen Lehrjahre" verbrachte Hans-Georg Gadamer in Breslau, Marburg, München und Freiburg; als Hochschullehrer wirkte er danach bis zum Jahre 1968 in Marburg, Leipzig, Frankfurt am Main und Heidelberg. Und erst dann, als "emiritus" trat er mit großen schriftlichen Arbeiten an die Öffentlichkeit - Fortsetzungen, ja Entfaltungen jenes Werkes aus dem Jahre 1960, dessen Titel programmatisch bleibt: "Wahrheit und Methode". Wieder und wieder kreist Hans-Georg Gadamer in Schrift und Wort - und da besonders in der freien Rede - um die Fragen, was gemeint ist und was verstanden wird, versucht in sokratischer Tradition dialogisch zu erheben, was Wahrheit ist. Im Gespräch versucht Hans-Georg Gadamer aufzuzeigen, daß das Sein, das verstanden werden kann, Sprache ist. In Reden und Gesprächen nähert sich die Lange Nacht dem Jahrhundertleben von Hans Georg Gadamer. | ||||||||||||
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18./19.02.2000 -
Eine Lange Nacht über die jüdische Kulturmetropole Czernowitz
Eislaken auf Feldern Autor: Helmut Braun Studiogast: Prof. Klaus Werner Czernowitz - einst fast vergessen. Inzwischen weckt der Name dieser Stadt in der Bukowina wieder viele Assoziationen. Czernowitz, im heutigen Rumänien gelegen, war bis in die zwanziger Jahre eine jüdische Metropole. Ein buntes Völkergemisch lebte in der Stadt: Deutsche und Österreicher, Rumänen, Polen, Ungarn, Russen - und Juden. Sie stellten bis zu 50 Prozent der Bevölkerung und haben die Kultur in Czernowitz nachhaltig geprägt. Unter Schriftstellern, Malern, Bildhauern, Musikern und Komponisten, Schauspielern und Intellektuellen, Wissenschaftlern oder Unternehmern waren Menschen jüdischen Glaubens besonders stark vertreten, wie die Lyriker Rose Ausländer und Paul Celan, der Maler Oskar Lasker oder die Opernsänger Joseph Schmidt. Czernowitz - die Stadt erreichte als Kulturmetropole eine Ausstrahlung weit über ihre Grenzen hinaus. Der erste Weltkrieg beendete die Blüte der Stadt. Materielle Not zwang vor allem die jüdische Bevölkerung zur Emigration, ein Exodus der Künstler und Intellektuellen begann. Diejenigen, die nicht gingen, wurden im zweiten Weltkrieg von den Deutschen ermordet. In der Langen Nacht soll an das Werden, Blühen und den Untergang von Czernowitz als jüdische Kulturmetropole erinnert werden. | ||||||||||||
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25./26.02.2000 -
Eine Lange Nacht für Kurt Weill zum 100. Geburtstag
"aus einem Leben in ein andres Leben" Buch und Regie: Gina Pietsch Produktionsleitung: Petra S. Hildebrand, Auris M. M. Besetzung: Katja Berg Claudia Stangl Andreas Joksch Jochen Langner Michael Schrodt Prof. Alexander Vittlin Dieser Kurt-Weill-Abend würdigt - wie könnte es anders sein im 100. Geburts- und 50. Todesjahr - Leben und Werk des Komponisten. In der Stadt, in der er studierte, studieren auch die Macher des Abends, und sie haben sich dafür des Metiers bedient, das der Komponist in unvergänglicher Weise entwickelt hat - des Songs. Kompositorisch erwiesenermaßen fähig zu jeder Spielart und jedem Genre, hat er vor allem mit dem Song Bleibendes geleistet, während dreier Lebensstationen, in die er geriet und in denen er sich einrichtete - Deutschland, Frankreich, USA - immer "aus einem Leben in ein andres Leben". Die Songs werden ergänzt durch Aussagen von Kurt Weill, Bertolt Brecht, Ernst Josef Aufricht, Marlene Dietrich, Charlie Chaplin, Bangston Hughes und anderen. Es geht um das Sich-Erinnern in Leben und Kunst und das Produzieren von Kunst und Leben, es geht um Spaß und Mühen beim Arbeiten in seiner alten und neuen Heimat, mit Brecht, mit dem Broadway und mit Hollywood. Immer präsent dabei ist seine große Liebe, Ehefrau und erste Interpretin, auch sie wird zu hören sein: Lotte Lenya. | ||||||||||||
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03./04.03.2000 -
Die Lange Nacht vom Kitsch
Zu schön, um wahr zu sein Moderation: Ralf Müller Claus Vogelgesang Studiogäste: Prof. Uta Brandes Prof. Harry Pross Petra Perle Lange Zeit war es peinlich, sich zum Kitsch zu bekennen. Die Anhänger einer lupenreinen Hochkultur ergriff Übelkeit beim Gedanken an Sissi, Heintje und den röhrenden Zwölfender aus Porzellan. Die Zeiten sind vorbei. Der Kitsch der Vergangenheit hat die Museen und Bühnen der Gegenwart erobert. Von Jeff Koons bis Christoph Schlingensief, Kunst spielt mit dem Kitsch und Kitsch ist scheinbar Kunst geworden. Maaaama, sollst doch nicht um deinen Jungen weinen! Warum Kitsch so weh tut und warum er wohl tut: Die Lange Nacht präsentiert Träume und ihre Wirklichkeit, Kitschkritiker und ihre Lieblingsschnulzen, Streit und süße Versöhnung. | ||||||||||||
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10./11.03.2000 -
Eine Lange Nacht über Sieger und Verlierer
Man ist, was man denkt Moderation: Christine Werner Ulrich Loke Von Erfolgs-Hormonen ist die Rede, von Talent und harter Arbeit - und immer wieder vom Kopf. Im Kopf wird über Sieg oder Niederlage entschieden, sagen Erfolgs- und Motivationstrainer. Und sie liefern die Strategien für den erfolgreichen Weg gleich mit: "Weck den Sieger in dir" oder "Ich kann, was ich will" lauten die Titel der Bücher und Seminare die ein besseres, schöneres und erfolgreicheres Leben versprechen. Grundtenor aller Strategien: Erfolg ist machbar, man muss nur wirklich wollen. Ganz gleich ob im Sport, in der Politik oder in der Wirtschaft. Aber was heißt das eigentlich: Ein erfolgreicheres Leben? Wer oder was definiert den Erfolg? Und hängt wirklich alles vom Willen ab? Oder macht uns nicht manchmal ein Ereignis einfach einen Strich durch die Rechnung im Kopf? Bei alpinen Abfahrtsrennen entscheiden 1000stel-Sekunden über den Sieg, beim Turnen und Eiskunstlauf hängen die Medaillen vom Urteil der Preisrichter ab. Ehescheidungen und Firmenpleiten werfen Menschen aus ihren Lebensbahnen. Ist der Sieg tatsächlich planbar, der Erfolg strategisch durchsetzbar? Was haben Sieger-Typen, was Verlierern fehlt? Gibt es sie nicht doch, die geborenen Sieger? Die Lange Nacht führt über die Straße des Erfolgs und berichtet über Umwege, Abzweigungen und Stolpersteine. | ||||||||||||
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17./18.03.2000 -
Eine Lange Nacht über Kommunikation im Tierreich
Graue Maus liebt bunten Papagei Moderation: Judith Grümmer Mirko Smiljanic Im Tierreich herrschen seltsame Sitten: Bei bestimmten Vogelarten zum Beispiel werben die Männchen um die Weibchen, was ja zunächst einmal nichts besonderes ist. Sie tun dies allerdings in einem geradezu überbordend bunten Federkleid inklusive tänzerischer Einlagen und unentwegtem Singen. Die Weibchen dagegen - nichtssagend grau. Oder nehmen wir die Schwarze Witwe: Sie frißt ihre Begatter nach den Liebesminuten auf. Auch so läßt sich Treue erzwingen. Das Verhalten und die Kommunikation von Tieren zählt zum Faszinierendsten, was die Zoologie zu bieten hat. Einiges ist bekannt, vieles unerforscht. Woher wissen Heuschrecken, dass 200 Kilometer entfernt Artgenossen zum großen Fressen ansetzen? Warum umhegen Löwen ihre eigenen Jungen, töten aber gnadenlos die Kleinen eines "erbeuteten" Weibchens? Wie orientieren sich Fische und Vögel, wenn sie in riesigen Schwärmen viele Tausend Kilometer unterwegs sind? Und warum sind die Unzertrennlichen - eine exotische Vogelart - so unzertrennlich, dass sie nur als Paar überleben? Diesen und vielen anderen Fragen geht die Lange Nacht über Kommunikation im Tierreich auf den Grund. Mit Experten im Studio und Reportagen im Stall, im Zoo und wo Tiere sich sonst noch aufhalten | ||||||||||||
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25./26.03.2000 -
Die Lange Nacht vom Licht
Zeichen in der Finsternis Moderation: Hartmut Topf Studiogäste: Prof. Fritz Siemsen Prof. Peter Thiele Pharos, der Leuchtturm von Alexandria, war eines der sieben Weltwunder des Altertums. Leuchttürme faszinieren, haben die Phantasie von Dichtern, Malern und Komponisten ebenso angeregt wie die seltsamen, geheimnisvollen Glühwürmchen warmer Sommernächte. Licht als Träger von Information, als nächtlicher Wegweiser, als vielleicht auch trügerisches Zeichen von Hoffnung und ewiger Liebe getrennter Königskinder oder wartender Eltern... Welle oder Korpuskel, was ist Licht eigentlich? Und, viel wichtiger, was bedeutet es den Menschen, wenn sie Kerzen auf Gräber und in Fenster stellen, auf hohen Bergen Feuer anzünden? Was erzählen leuchtende Fische einander? Wer täuscht die Sinne mit Irrlichtern? In der Langen Nacht wollen wir Ihnen und uns ein Licht aufstecken, vielleicht sogar im Sinne der Illuminaten, der Erleuchteten der Aufklärung. | ||||||||||||
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31.3.2000/1.4.2000 -
Die Lange Nacht über rechtsradikale Jugendliche
Kindsköpfe oder Verfassungsfeinde? Autorin: Jacqueline Boysen Sind sie die späten Erben der
Diktatur des Proletariats oder Kinder, denen Gewaltvideos
die Phantasie verdorben haben? Fallen Sie rechten
Rattenfängern anheim, weil sich sonst niemand um sie
kümmert - oder provozieren sie, um Aufmerksamkeit zu
erregen?
Die Szenarien ähneln sich: 16-, 17-jährige Glatzköpfe suchen sich einen Wehrlosen, schlagen und treten, bis das Opfer blutend am Boden liegt. Sie werden geschnappt, verhaftet, verurteilt und lassen sich als Märtyrer von Gleichgesinnten feiern. Die Hilflosigkeit von Eltern und Lehrern, Richtern und Politikern ist so groß, wie die Erklärungsmuster von Wissenschaftlern unzureichend sind. Muß sich die Gesellschaft von gewalttätigen Antidemokraten fürchten oder kann sie die 17-jährigen Desperados "heilen"? Gespräche, Meinungen, Reportagen und Diskussionen in dieser Langen Nacht über rechtsradikale Jugendliche. | ||||||||||||
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07./08.04.2000 -
Tango in einer Langen Nacht
Mit einem Ohr im Sand Moderation: Astrid Kuhlmey Jochanan Shelliem Studiogäste: Albrecht Walter Am Anfang stehen sie voreinander, sie auf der Jagd nach purer Sinnlichkeit mit langem Schlitz im Kleid, er das Haar glänzend vor Gel, heißkalte Leidenschaft im Blick: TANGO, ob im Bordell, wie einst in Argentinien oder mal ohne Birkenstocksandalen in einem Tanzkurs der Volkshochschule. Von der Tangomanie zwischen Rügen und der fränkischen Schweiz legen Beteiligte, Geschädigte und Hingerissene Zeugnis ab; Tangoadepten und Intellektuelle berichten von dem Rhythmus, der bis heute süchtig macht, schmerzende Füße, blaue Zehen vergessen läßt und Studienräte zu Bewegungen verführt, die schon Eltern ihren Kindern untersagten. "Mit einem Ohr im Sand" hat Oma Meumes Tochter diesen Tanz genannt, der heute nach wie vor heißblütige Metzgerswitwen mit verhangenem Blick im Arm des unbekannten Brillantineritters schmachten läßt. Besser als der Seitensprung im Separée, da frau die Männer schneller wechseln kann, als rote Pumps durchtanzt sind... Wie kam das Bandoneon in die Kaschemmen an den Rio de la Plata? Wie starb Carlos Gardel, der junge Gott der Tangosänger? Wo legte man während der Nazizeit zum Klang des Bandoneon den Wiegeschritt aufs Parkett? Auch davon wird eine Lange Nacht voller Tango erzählen. | ||||||||||||
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14./15.04.2000 -
Die Lange Nacht der Fälscher und Fälschungen
... die Fuge hast du ganz gestohlen Autor: Rainer-Kurt Langner Als Louis Aragon Pablo Picasso besuchte, zeigte dieser seinem Gast einen Goya. Auf Aragons Frage, ob das Bild echt sei, antwortete Picasso im Brustton der Überzeugung: "Selbstverständlich ist es echt, ich habe es ja selbst gemalt." Diese Anekdote ist eine Fälschung und doch eine geistreiche Paradoxie. Goethe und seine Zeitgenossen haben den berühmten "Ossian" als gälischen Dichter gefeiert; der "Stern" hat die Tagebücher Hitlers veröffentlicht; in die Kornfelder bei Cornwall sind Spuren außerirdischer Flugapparate kreisrund eingebrannt; Fotos zeigen UFOs. Nichts gibt es, was nicht zu fälschen wäre. Bilder, Plastiken, Möbel, Bauwerke, literarische Werke, Musik, Briefe, Tagebücher, Autographen, Urkunden, Verträge, Geldscheine, Münzen, Lebensmittel, Fotografien, Medikamente, Spiel- und Dokumentarfilme - nichts ist vor dem Eifer geschickter Fälscher sicher, selbst die moderne Zeitrechnung ist eine Fälschung. Es heißt, daß es vermutlich mehr Fälschungen als Originale gibt. Diese Lange Nacht erzählt von den spektakulärsten Fälschungen der Neuzeit, von einer Welt, die betrogen werden will. | ||||||||||||
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21./22.04.2000 -
Eine Lange Nacht für William Gaddis
Hingabe an die irren Stoffe der Welt Moderation: Walter van Rossum Studiogäste: Heide Ziegler Klaus Buhlert Matthew Gaddis Marcus Ingendaay Ingo Schulze William Gaddis (1922 - 1998) hat nur vier Romane geschrieben. Doch er hat die moderne amerikanische Literatur beeinflußt wie kaum ein anderer: Don DeLillo, Thomas Pynchon, William Gass, Robert Coover und etliche andere berufen sich auf ihn. Gaddis hat nur ein Hörspiel geschrieben - und zwar für den Deutschlandfunk: "Torschlußpanik". Er hat es kurz vor seinem Tod vollendet, im Februar 1999 wurde es im Radio uraufgeführt. Scheinbar handelt es von Gaddis selbst: ein sterbender alter Schriftsteller im steten Monolog über sein letztes Buch, das vom Künstler und von der Kunst handelt, ihrer Einzigartigkeit und Überflüssigkeit, von dem, was bleibt und was war. Erstaunlich - der Romancier Gaddis hatte dem kakophonen Stimmengewirr das Erzählen überlassen, doch ausgerechnet in seinem einzigen Hörspiel verfällt er in einen Monolog. Nicht nur dieses Rätsel wird in der Langen Nacht über William Gaddis eine Rolle spielen, auch Interviews mit Gaddis, ein Podiumsgespräch anläßlich des 1. Todestages von Gaddis am 12. Dezember 1999 im Kölner Literaturhaus mit seinem Sohn Matthew Gaddis (der einen Film über die Entstehung des Hörspiels gedreht hat), seinem Übersetzer Marcus Ingendaay, dem Schriftsteller Ingo Schulze, dem Regisseur Klaus Buhlert und der Literaturwissenschaftlerin Heide Ziegler. | ||||||||||||
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28./29.04.2000 -
Eine Lange Nacht im Hörfunkarchiv der DDR
Von Stalin über Bitterfeld zum Palast der Republik Autor: Dr. Kurt Kreiler Der Besuch im ehemaligen Hörfunkarchiv der DDR wird zur akustischen Konfrontation mit 40 Jahren der DDR. Die Stimme der Archivarin durchwirkt als roter Faden eine Collage aus dokumentarischen Fundstücken. Dem Gedächtnis der Archivarin antwortet das Gedächtnis des Archivs. Die eingebrachten Originaltöne - von der ersten Sendung des Berliner Rundfunks über "Striezelmarkt", "Maxhütte", "Friedensfahrt", "Schutzwall", "Bitterfelder Weg", "Nachtdrusch" bis zu den Leipziger Montagskundgebungen - lassen den Hörer die Choreographie der ideologischen Allgemeinplätze nachvollziehen, sie zeigen Sehnsüchte und Hoffnungen, bringen verstelltes und unverstelltes Reden im "real existierenden Sozialismus" zu Gehör. Angesprochen werden in dieser Langen Nacht auch die Praktiken der Archivierung, die vermuteten "Giftschränke" sowie die aktuelle Situation des Archivs und seiner Mitarbeiter. | ||||||||||||
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05./06.05.2000 -
Die Lange Nacht der Herzen
"... ein schwaches Ding" Moderation: Ralf Müller Dr. Claus Vogelgesang Studiogäste: Erika Berger, Sexualforscherin, Entertainerin Dr. Anno Diegeler, Herzchirurg, Herzzentrum Leipzig Katharina Rutschky, Literaturkritikerin Im Wonnemonat
schlagen die Herzen höher. Liebende schütten sich
ihre Herzen aus, und manch einsames Herz wird in lauer
Frühlingsnacht gebrochen. Wer Mut hat, faßt sich
eines. Berühmte Dichter legen es nackt vor ihre Leser.
Klosterbrüder gießen es aus. Jesus offenbart das
seine den Gläubigen.
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12./13.05.2000 -
Die Lange Nacht vom Filz
Es läuft im Staate wie geschmiert Moderation: Ulrich Gineiger
Was
aber ist die Machart von Filz? Wie entsteht ein solches
Geflecht, das sich für seine Parasiten als so fruchtbar
erweist? Ist es denkbar, daß dieses Strickmuster einem
jeden Menschen - a priori - mit auf den Weg gegeben ist?
Schließlich lebt der Filz auf der ganzen Welt aus ein-
und denselben Vorgängen, denselben Eigenschaften,
denselben Stärken und Schwächen; unabhängig
davon, wann oder wo seine Macher auf dieser Welt leben.
Faszinierend ist das Spiel mit den Abhängigkeiten
allemal - unabhängig, ob man die Perspektive als
Mitglied dieses Systems pflegt - oder die Perspektive des
Betrachters von außen. Besonders der letztere Blick
inspiriert Autoren, Kabarettisten, Musiker und
Redenschreiber gleichermaßen. Für die Perspektive
eines Insiders gilt allerdings die Devise: Schweigen ist
Gold.
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19./20.05.2000 -
Die Lange Nacht vom Zufall
Gott würfelt nicht Moderation: Ulrike Burgwinkel Carsten Schroeder Studiogäste: Elisabeth Hürter Prof. Alois Hahn Prof. Walter Krämer Zufälle gibt's..., die gibt's gar nicht. Sie denken gerade an jemanden und kurz darauf ruft er sie an. Sie sitzen in Tokio in der U-Bahn und treffen einen alten Schulfreund. Sie verpassen die Bahn und entgehen einem folgenschweren Unfall. Und Sie erinnern sich noch an den Zufall, durch den Sie die große Liebe Ihres Lebens getroffen haben? Zufall oder Schicksal? Ist Schicksal nichts anderes als reiner Zufall, oder ist es vorherbestimmt? "Gott würfelt nicht", meinte Albert Einstein und plädierte für eine rational begründbare, kausale, gesetzmäßige Ordnung der Welt. Gewürfelt wiederum wurde von Mathematikern und das Resultat war die Wahrscheinlichkeitsrechnung, mit der sie den Zufall in den Griff bekommen wollten. Sechs Richtige im Lotto zu tippen ist, statistisch gesehen, völlig aussichtslos. Andererseits: Jeder Jackpot wird mit Sicherheit irgendwann geknackt. Bildende Künstler wie Hans Arp nutzen das Prinzip Zufall ebenso wie aleatorische Komponisten oder Tristan Tzara mit seiner dadaistischen Wundertüte. Der Philosoph Demokrit ging schon in der Antike davon aus, daß die Welt aus einer zufälligen Abweichung hervorging. Zauber des Zufalls - die Lange Nacht der Schicksalsmächte, Glücksspieler und Chaosforscher. | ||||||||||||
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26./27.05.2000 -
Die Lange Nacht der Museen
Schatzkammern oder Gehäuse für Events? Autor: Roland H. Wiegenstein Studiogäste: Dr. Erika Billeter Prof. Dr. Sibylle Ebert-Schifferer Prof. Dr. Alexander Dückers Prof. Dr. Klaus Schrenck "Sammler-Museen" entstehen
überall, große Ausstellungen ziehen
Hunderttausende an: Kunst als Spektakel für
bilderhungrige Massen sind modern. Doch in vielen Museen,
die von Finanznöten geplagt die Eintrittspreise
erhöhen und die Öffnungszeiten einschränken
müssen, herrscht gähnende Leere. Nur wenn eines,
neu geordnet, im "alten Glanz erstrahlt", kommen die
Neugierigen. Und die Touristen.
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02./03.06.2000 -
Ein Jahrhundertspaziergang durch Berlin
Metropolis auf Sand Autoren: Angelika Schrobsdorff Prof. Herbert Kundler Prof. Peter Steinbach "Soweit diese riesige Stadt aus Stein besteht, ist sie fast noch wie einst. Hinsichtlich der Bewohner gleicht sie längst einem Irrenhaus. Im Osten residiert das Verbrechen, im Zentrum die Gaunerei, im Norden das Elend, im Westen die Unzucht, und in allen Himmelsrichtungen wohnt der Untergang" - das schrieb Erich Kästner im Jahre 1930 über jene Stadt, die schon seit der Jahrhundertwende alle Extreme in sich vereint: Berlin. Prunkvolle Straßen, machtvolle öffentliche Bauten, luxuriöse Geschäfte, Theater: auch Theater, wo Buletten und Enge und "Berliner Schnauze" zusammengehören. Alfred Kerr und Walter Benjamin, Walter Mehring und Alfred Döblin, Friedrich Holländer und Marlene Dietrich, Bertolt Brecht und Ernst Busch, Wolfgang Langhoff oder Max Reinhardt, sie haben Berlin geliebt und geschmäht. Ihr Heimweh nach dem Kurfürstendamm, nach den Linden hat sie - wo auch immer - eingeholt. Was machte Berlin im 20. Jahrhundert aus? Wie hat sich diese Stadt im Schatten zweier Weltkriege verändert? Wie hat das Leben in der geteilten Stadt nach 1945 ihre Bewohner geprägt? Die Lange Nacht begibt sich mit der Schriftstellerin Angelika Schrobsdorff, dem Historiker Peter Steinbach und dem Radiomann Herbert Kundler in persönlicher Erinnerung, legendären Originaltönen und Musik auf einen Jahrhundertspaziergang durch Berlin. | ||||||||||||
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09./10.06.2000 -
Eine Lange Nacht mit neuen Chansons aus Frankreich
Unsere Liebe ist ein Krieg Moderation: Stephan Göritz Einige Zeit schien das französische Chanson neben den harten Rhythmen von Rock und Rap zu verstummen, doch längst hat sich wieder eine neue Generation von Interpreten auf den Weg gemacht, die es wagen, in drei Minuten Geschichten zu erzählen, für die man eigentlich einen Roman braucht. Da ist zum Beispiel Véronique Pestel, die in ihren Liedern von der fließenden Grenze zwischen Liebe und Krieg spricht. Oder Allain Leprest, er erzählt von den sogenannten kleinen Leuten seiner Umgebung so poetisch und genau, daß wir sie nicht mehr vergessen können. Ihre Lieder blühen (auch in Frankreich) noch im Verborgenen, doch es lohnt sich, sie zu entdecken. Auch die ´Dinosaurier` des Chansons haben sich nicht zur Ruhe gesetzt: der 72jährige Gilbert Bécaud, der 76jährige Charles Aznavour und selbst der 87jährige Charles Trenet überraschen immer wieder mit neuen Platten und Konzerten. Stephan Göritz spielt eine Nacht lang neue Chansons von jungen und alten Interpreten und läßt einige von ihnen, wie Véronique Pestel oder Maxime Le Forestier, auch im Gespräch zu Wort kommen. | ||||||||||||
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16./17.06.2000 -
Die Lange Nacht vom schönen Mann
Mister Perfect Moderation: Ferdos Ferodustan Reiko Thal Studiogäste: Ingelore Ebberfeld Dr. Heide Hollmer Ralf Bauer Bin ich schön? Diese Frage stellen sich längst nicht mehr nur Frauen, sondern inzwischen auch ganze Kerle. Waschbrettbauch, Bizeps und ein Gesicht wie "Mr. Perfect"; der Weg zu diesem Ziel ist hart. Glaubt man Magazinen wie ´Men´s Health` oder ´CG`, dann möchte der moderne Mann ganz genau wissen, mit welcher Körnernahrung er Falten bekämpft, mit welchem Training Muskeln aufgebaut, oder in welchem Wellness-Hotel er sein Gesicht mit Algenpampe bestreichen lasen kann. Auch der Gang zum Schönheitschirurgen ist dem starken Geschlecht - trotz gepflegter Wehleidigkeit - kein Greuel mehr: weg mit Tränensäcken und Truthahnhälsen. Probleme also treiben den Mann um, die den Frauen nur allzu bekannt vorkommen. Das starke Geschlecht muss sich neuen Werten beugen: viel Geld, super Job, schnelles Auto und schöne Frau(en) - sie sind natürlich immer noch das Ziel. Und: Er möchte nackt gut aussehen. Hilft Schönheit dem Mann beim beruflichen oder gesellschaftlichem Fortkommen, oder ist physische Attraktivität für Männer eher ein Hindernis? Kurz: was macht einen schönen Mann aus und wieviel ist "Er" bereit, dazu zu tun? Diesen Fragen will die Lange Nacht im Gespräch mit Experten und einem - natürlich bildschönen - Studiogast nachgehen. | ||||||||||||
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23./24.06.2000 -
Die Lange Nacht der Mathematik
Pythagoras und Würfelkanon Moderation: Uli Blumenthal Norbert Ely Zu Euklid, dem größten Geometer seiner Zeit, dem Haupt des glänzenden alexandrinischen Mathematikerkreises, kam eines Tages ein junger, der Mathematik beflissener Mann mit der Frage: ,,Aber was werde ich gewinnen, wenn ich all diese Dinge lerne ?'' Der Meister winkte statt einer Antwort seinen Sklaven herbei und hieß ihn, dem jungen Mann einige Goldstücke auszuhändigen: ,,Denn er muß Profit aus dem ziehen, was er lernt!'' Diese Anekdote erzählen sich Mathematiker seit Jahrtausenden gern, um zu betonen, dass man Mathematik um ihrer selbst willen betreiben solle. Außenstehende sehen sich eher darin bestätigt, dass es eine brotlose Kunst sei. Heutzutage nun ändert sich die Sicht der Mathematiker auf ihre Disziplin. Stolz verweisen sie auf die Anwendungen: Ohne komplizierte Transformationsrechnungen wäre die Computertomographie nicht möglich. Das Entwerfen komplexer Rechner-Chips und ihrer Leiterbahnen geht nicht ohne die Jünger des Euklid ebenso wie das Design von Proteinen zur Herstellung neuer Medikamente. Und die mathematische Kunst setzt ihre Jünger inzwischen auch vorzüglich ins Brot. Die Banken reissen heute den Hochschulen die Finanzmathematik-Absolventen aus den Händen, damit sie den Wohlstand der shareholders mehren. An der Wallstreet stellen Mathematiker inzwischen die meisten Beschäftigten. Die Lange Nacht der Mathematik beschäftigt sich unter anderem mit dem Selbstverständnis der Mathematiker heute, den Wandlungen des Bildes von der Mathematik, mit mathematischen Modellen und ihrer Verwendung im kompositorischen Prozeß sowie mit dem Verhältnis von Mathematik und Malerei. | ||||||||||||
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30. Juni / 1. Juli 2000 -
Eine Lange Nacht über Lust und Frust von Teamarbeit
Elf Freunde sollt ihr sein Moderation: Michael Roehl Arbeit im Team, Teamfähigkeit, Bereitschaft zur Teamarbeit: in Stellenanzeigen werden Mitarbeiter gesucht, die kooperieren können.
Gruppenarbeit und Teamarbeit - ohne Zweifel ein Dauerbrenner
der modernen Managementliteratur. Aber auch ein Thema, das
Widersprüche erzeugt. Von ungeahnten
Leistungspotentialen ist da die Rede, von Powerteams gar.
Aber: woher kommt der Teamgeist? Ist er erlernbar und wenn
ja, wo können wir ihn trainieren? Welche Rolle spielt
dabei das Team-Klima und welche soziale Kompetenz brauchen
Vorgesetzte, um herauszufinden, wo die Fähigkeiten der
einzelnen Mitarbeiter liegen? Denn nur unter günstigen
Rahmenbedingungen können Teams wirklich bessere
Arbeitsergebnisse erzielen. Kann es bei der heutigen
Konkurrenz unter Einzelkämpfern und dem steigenden
Leistungsdruck überhaupt teamwork geben? Lassen sich
Entscheidungen im Team in einer angemessenen Zeit treffen?
Und wie sieht es mit der vielbeschworenen Kreativität
im Team aus?
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07./08.07.2000 -
Eine Lange Nacht zu Thomas Mann
Eine Merkwürdigkeit, dieses Leben Moderation: Joachim Scholl Studiogäste: Peter Wapnewski Inge Jens Reinhard Baumgart Thomas Mann hat in seinem Leben alles erreicht: den Millionen-Erfolg beim Publikum, den literaturhistorischen Status eines der bedeutendsten Schrifstellers in diesem Jahrhundert und die Rolle eines geistigen Repräsentanten Deutschlands, wie sie nach Goethe von keinem zweiten Autor souveräner gespielt wurde. Dennoch ist seine Größe nicht unumstritten. Die vielen biographischen Zeugnisse, die es von ihm und über ihn gibt, zeigen Thomas Mann als oftmals zerrissenen, zweifelnden aber auch ungeheuer selbstgefälligen Menschen, der seine Umgebung bis zum Äußersten strapazieren konnte. Jede Kritik an seiner Person oder dem Werk faßte er als persönliche Beleidigung auf, er war süchtig nach Ruhm und Verehrung. Seine politische Wandlung vom strammen Nationalisten im Ersten Weltkrieg zum überzeugten Demokraten der Weimarer Republik machte ihn nach 1933 zum widerwilligen Luxus-Exilanten und Streitfall. Auch nach dem Krieg sorgten seine politischen Äußerungen und der Entschluß, nicht nach Deutschland zurückzukehren, für öffentliche Kontroversen. Hochgefeiert, aber auch vielgeschmäht - so stand er im Alter da, was ihm wenig gefiel. Sechs Wochen vor seinem Tod notierte er: "Kurios. Kurios. Eine Merkwürdigkeit, dieses Leben." | ||||||||||||
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14./15.07.2000 -
Die Lange Nacht vom Tee
Orient und Okzident in einer Schale Moderation: Stella Märtin Peter Kiefer Studiogäste: Dr. Gisela Panzer Thomas Holz In Asien war Tee bereits lange vor unserer Zeitrechnung ein Zeichen für Freundschaft, Geselligkeit und Harmonie. In China, dem Ursprungsland des Tees wurde bereits vor 5000 Jahren die wohltuende Wirkung des Teeblatts beschrieben. 552 n.Chr. von Mönchen nach Japan gebracht, versahen dort Zenmeister den Teegenuss mit einer bis ins Detail festgelegten Zeremonie, die sich bis heute erhalten hat. Den Blick auf Europa gerichtet, waren es allen voran die Briten, die mit den Chinesen um das Tee-Monopol wetteiferten, bis er seinen Siegeszug in die westliche Welt antrat. Tee original mit Milch und Zucker oder bestens parfümiert, wie man ihn am besten zubereitet, welche Zeremonien und Legenden um ihn ranken - Eine Reise zu Themen, Aromen und in ferne Länder, kurzum eine Teatime in der Langen Nacht. | ||||||||||||
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21./22.07.2000 -
Die Lange Nacht der Sportreportage
Ein Reporter ist auch nur ein Mensch Moderation: Herbert Fischer-Solms Ulrich Loke Studiogäste: Rudi Michel Manfred Breuckmann Wolfgang Hempel Werner Hansch Doris Schiederig Der Feuilletonist Helmut Böttiger erinnert sich wehmütig der Zeiten, in denen der Samstagnachmittag noch einen Sinn hatte, als nämlich zwischen halb fünf und viertel sechs die Vorgärten von aufputschenden Reporterstimmen durchsetzt, die Autoradios voll aufgedreht und die Reihenhäuser nur notdürftige Kulissen vor den vollbesetzten Tribünen und Stehplatzkurven waren. In 75 Jahren Hörfunk in Deutschland hatte die Sportreportage ihre größte Zeit während der Weimarer Republik, besonders aber unter den Nationalsozialisten mit den Übertragungen der Boxkämpfe von Max Schmeling und der Olymipschen Spiele 1936 in Berlin. Nach dem Krieg war das Fußball-Weltmeisterschaftsfinale 1954 von West-Reporter Herbert Zimmermann und Ost-Kollege Wolfgang Hempel im Radio der "letzte große Straßenfeger" (Rudi Michel) im geteilten Deutschland. Statt Emotionen obwaltet jetzt an den Rundfunk-Mikrofonen die sogenannte "neue Sachlichkeit". Mittlerweile bringt vor allem der Griff ins Archiv Faszinierendes hervor. Hat die Sportreportage heute überhaupt noch eine Chance? Oder sind in unserem normierten Alltag Reporter nicht notwendiger denn je, die der Vorstellungskraft der Menschen Flügel verleihen, wie Hannes Stein bei der Übertragung des Gold-Rittes von Hans-Günter Winkler und seiner "Wunderstute" Halla 1956, Pferde in den Himmel fliegen lassen? In der Langen Nacht zu hören: Reportagen und Reporter, von damals und heute, als Konserve vom Band und live aus dem Studio. | ||||||||||||
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28./29.07.2000 -
Johann Sebastian Bach zum 250. Todestag
Aus größter Strenge zur höchsten Freiheit Moderation: Bettina Schmidt Norbert Ely So unterschiedliche Auffassungen die Heroen unserer Geschichte auch vertraten, gegenüber der Musik von Johann Sebastian Bach fühlten sie sich alle irgendwie in Beziehung gesetzt. Goethe meinte in puncto Bach "ein Meer von ferne brausen zu hören" , Richard Wagner endeckte in seiner Musik die "unendliche Melodie", eine "Erhabenheit, die alle Schönheit übertrifft". Für Anton Webern "findet alles bei Bach statt" und Theodor W. Adorno verteidigt Bach gar "gegen seine Liebhaber". Wir werden im Sommersaal des Bach-Archivs Leipzig die Wirkung der Bachschen Musik mit Experten diskutieren und natürlich seine Musik hören, u.a. von der Cembalistin Christine Schornsheim. Vielleicht kommen wir dem Rätsel seiner Aktualität und seiner Popularität in dieser Langen Nacht ein kleines Stückchen näher... | ||||||||||||
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04./05.8.2000 -
Die Lange Nacht der Wüste
Jedes Sandkorn ein Zeichen Moderation: Susanne Schröder Peter Kiefer Studiogäste: Salim Alafenisch Achill Moser Der Wanderer folgt den Spuren der Käfer, den Wellen der Dünen, der Farbe des Bodens. Die Wüste ist ein Feld für Entdeckungen. Sie birgt Schätze und Geheimnisse, ganze Kulturen, die vom Wind (fast) verweht sind. Wo liegt die alte Hauptstadt des Großen Khan, wo das Reich der Königin von Saba? Existieren auch Seen im Untergrund? Wo ist der größte aller Wüstenschätze, das Wasser, ohne das die Wüste tatsächlich nur ein ödes, wüstes Land wäre? Wüste als Metapher: Wo liegt die Wüste in den großen Städten, wo in uns selbst, als Seelenlandschaft? Heißt "Wüste" dann Leere, Verlassenheit oder repräsentiert sie etwas Weiches, Wärmendes? Die Wüste kann man lesen. In jedem Sandkorn steckt ein überraschendes Zeichen. Die Lange Nacht unternimmt Streifzüge in eine Landschaft mit grünen Bäumen und solchen aus Stein, eine Landschaft, die viele Gesichter hat und viele Geschichten kennt. Die sie erlebt haben, werden erzählen. | ||||||||||||
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11./12.8.2000 -
Eine Lange Nacht der Bewußtseinsforschung
Neue Wissenschaft Moderation: Harald Brandt Studiogäste: Dr. Claudia Müller-Ebeling Dr. Franz-Theo Gottwald Prof. Dr. Ervin Laszlo Die Lange Nacht "Neue Wissenschaft" ist ein
Gespräch über die evolutionäre Sackgasse, in
der sich die Menschheit an der Schwelle eines neuen
Jahrtausends befindet. Wenn es uns nicht gelingt, unser
Bewußtsein so zu erweitern, daß wir zu weniger
zerstörerischen Umgangsformen mit unserer Umwelt und
mit unserer eigenen Spezies finden, könnte das
"Abenteuer Menschheit" ein schlimmes Ende nehmen.
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18./19.8.2000 -
Die Lange Nacht von Haltbarkeit und Verfall
...siehe Deckelprägung Autor: Florian Felix Weyh Studiogäste: Susanne Berner Wilhelm Bartsch Prof. Alexander Demandt
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25./26.8.2000 -
Die Lange Nacht der Familiennamen.
Müller-Lüdenscheid ist auch nur ein Mensch. Autorin: Ulrike Bajohr Über 700 000 Deutsche heißen
Müller. Kein Mensch macht sich Gedanken über die
Herkunft dieses Namens. Müller eben. Im 11., 12.
Jahrhundert, als sich die Mitteleuropäer der
Verwechslungsgefahr wegen - und weil die Urkundenschreiberei
zivilisatorischen Fortschritt demonstrierte - einen Zunamen
zulegten, griff man auf das Nächstliegende zurück.
Auf den Beruf zum Beispiel.
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01./02.9.2000 Wiederholung vom 11./12.6.1999 -
Die Lange Nacht der historischen Spekulationen
Was wäre geschehen, wenn... Moderation: Dietrich Möller German Werth Studiogäste: Prof. Alexander Demandt Prof. Michael Salewski Prof. Helmut G. Walther Was wäre geschehen, wenn Kaiser Friedrich Barbarossa nicht auf dem Kreuzzug ertrunken oder Wallenstein am Leben geblieben wäre? Wie wäre die Geschichte weiter verlaufen, wenn Hitler dem Attentat im Münchner Bürgerbräu zum Opfer gefallen, Goethe nicht nach Weimar gegangen wäre oder das Deutsche Reich 1917 Lenin die Durchfahrt durch Deutschland ins revolutionäre Petrograd verwehrt hätte? Die Geschichtswissenschaft ist eigentlich eine strenge Wissenschaft, die zeigen will, wie es gewesen ist und nicht, wie es gewesen sein könnte. Der Historiker gilt nicht als Kerl, der spekuliert. Allerdings ist die Frage erlaubt, ob die Geschichte selbst nach notwendiger, logischer Gesetzlichkeit verläuft, erst recht die Frage, ob es Alternativen gegeben hat. In der Langen Nacht diskutieren Historiker Fragen der "Historical fiction", der "ungeschehenen Geschichte" (A. Demandt), einer noch neuen umstrittenen Sparte innerhalb der seriösen Historiographie, Fragen, die durchaus ernsthafter Natur sind, doch auch kurzweiligen Charakter haben, die den Blick auf die Vergangenheit erweitern und den Zweifel am Sinn von Historie wecken. | ||||||||||||
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08./09.9.2000 -
Eine Lange Nacht über Frauen im GULAG
Ich muß sagen, wie es war Autor: Meinhard Stark Die sowjetische Staatsführung hat bis Mitte der fünfziger Jahre mehrere Millionen Frauen in, wie es offiziell hieß, "Besserungsarbeitslagern" inhaftiert. Unter ihnen befanden sich Bäuerinnen, Arbeiterinnen, Intellektuelle, Partei- und Staatsfunktionärinnen, politische Emigrantinnen und Frauen aus von der Sowjetunion okkupierten Gebieten. Die Anklagen konstruierten Mitarbeiter der sowjetischen Geheimpolizei. Die drakonischen Strafen fällten Militär- und Sondergerichte. Über das Schicksal weiblicher Häftlinge ist bislang wenig bekannt. Auch die Gesprächspartner von Alexander Solschenizyn waren meist Männer. Politische und religiöse Frauen, die jahrelange GULAG-Haft überlebten, erzählen in beeindruckenden Schilderungen über Alltag, Zwangsarbeit, Haftordnung, ihren Kampf ums Überleben und über die Jahre nach der Freilassung in der Sowjetunion. | ||||||||||||
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15./16.9.2000 -
Die Lange Nacht zur Weinkultur
Von Reben, Winzern und tiefen Kellern Moderation: Monika Lübschen Helmut Buchholz Studiogäste: Helmut Dönnhoff Uwe Lützkendorf Rudolf Nickenig Ernst Rühl Nördlich des 50. Breitengrades muß sich Weingott Bacchus besonders anstrengen. So reifen auch an Ahr und Unstrut noch Reben. In den Tälern von Mosel, Main und Rhein hat der Weinbau dank des freundlichen Klimas seit der Römerzeit Tradition. Verschieden wie die Landschaften ist auch der Geschmack des vergorenen Rebensaftes. Von der mineralischen Schiefernote der Mosel- und Rheinweine bis zum opulenten Fruchtbouquet der Kreszenzen in Baden und und der Pfalz ist alles möglich. Was in den Weinbergen wächst, wird jedoch erst im Keller zu Wein, bei manchem Winzer sogar zum Kunstwerk. Wohl in keinem anderen Berufsstand bestimmen Individualität und Persönlichkeit derart die Qualität des Produkts. Bei der neuen Winzergeneration setzt sich zudem die Einsicht durch, daß Weine mit Statur und unverwechselbarem Charakter zwar einen größeren Aufwand erfordern als gesichtslose Massenweine, dafür aber auch einen höheren Preis erzielen. Einstmals weltweit hochgeschätzt und teuer bezahlt, gewinnt der Deutsche Wein nach Jahren des dürftigen Mittelmaßes wieder an Renommee. Eine Lange Nacht mit Experten und Genießern über den steinigen Weg zum Weingenuß. | ||||||||||||
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22./23.9.2000 -
Eine Lange Nacht der Züge
Abenteurer des Schienenstrangs Autoren: Knut Benzner Michael Frank Agatha Christies schönster
Mord war der im Orient Express. Die traurigste
Abschiedsszene vor einem Zug war die in Tolstois "Anna
Karenina". In Jeroffejews "Die Reise nach Petuschki" saufen
sie im Abteil, und Erich Kästners "Emil und die
Detektive" spielt teilweise auch in einem Zug, wie das
Jugendbuch von Jack London: "Abenteurer des
Schienenstrangs". Die Lieder über Züge, etwa im
Blues, im Gospel oder in der Country-Musik, sind nicht zu
zählen, Elvis sang mindestens einmal über einen -
über einen, der nach Memphis fährt. Ein anderer
bekannter war der Chatanooga Choo Choo. Der Zug im Film?
Bitte: "Der unsichtbare Dritte", "Manche mögens
heiß", "Die Gentleman bitten zur Kasse", "Mission
impossible" und "Jim Knopf und Lukas der
Lokomotivführer". Der Zug war immer eine Metapher.
Aufbruch, Ankunft, Flucht natürlich, die Fahrt an ein
fremdes Ziel. Erlösung - wenn wir metaphysisch werden
wollen. Was meint der Chef der Deutschen Bahn AG zum Mythos
Eisenbahn, die in Indien nicht fotografiert werden darf. Und
warum setzen sich an den Wochenenden so viele Männer
hin und basteln an ihren klitzekleinen Zügen, der
Modelleisenbahn?
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29./30.9.2000 -
Lebensbilder 16-jähriger in Deutschland
Von Nähe und weiter Ferne Autorin: Monika Künzel
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06./07.10.2000 -
Mississippi - Blues in einer Langen Nacht
Ich wollt', ich wär im Himmel Autor: Frank Matheis Der Country-Blues aus dem Mississippidelta hat es international zu großer Popularität gebracht. Diese Musik, deren Seele von Gefühlen wie Leid, Kummer und Gequältsein geprägt ist, entstand vor ungefähr 80 Jahren als Volksmusik meist ungebildeter, armer Afroamerikaner, als Musik der Baumwollarbeiter. Heute ist der Country-Blues bei Blues-Fans auf der ganzen Welt beliebt, weil er so eindringlich auf ausnahmslos alle wirkt, die ihn hören, obwohl er scheinbar so simpel ist. Country-Blues hebt die Stimmung und verscheucht den Trübsinn. Diese Dokumentation beginnt mit den Ursprüngen des Blues in Afrika und bringt die ersten wichtigen Aufnahmen der zwanziger und dreißiger Jahre aus dem Mississippi-Delta zu Gehör. Über die "Goldenen Jahre", die Epoche des Blues in Chicago, nach der Massenmigration vieler Schwarzer in den städtischen Norden Anfang der 40er Jahre bis heute schildert der Autor Frank Matheis, Musiker und Radio-DJ in New York, die wichtigsten stilistischen Entwicklungen in dieser Musikgattung. Die Lange Nacht spannt einen Bogen von der Musik der Völker aus Westafrika bis zu den Gospels und Arbeitsliedern der Sträflingskolonnen in den amerikanischen Zuchthäusern, mit Musik von Charley Patton, Son House, Robert Johnson, Muddy Waters und vielen anderen, die das Herz und die Seele des Blues geprägt haben. | ||||||||||||
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13./14.10.2000 -
Die Lange Nacht der polnischen Literatur
Der scharfe Geschmack der Gedanken Moderation: Angela Gutzeit Dr. Albrecht Lempp Studiogäste: Anna Bolecka Henryk Grynberg Pawel Huelle Ewa Kuryluk Olga Tokarczuk Adam Zagajewski Gibt es etwas Spannenderes zur Zeit als die Literatur Osteuropas? Zehn Jahre nach dem Zusammenbruch des Sozialismus leiden diese Länder zwar nach wie vor unter wirtschaftlichen Problemen, aber trotz des Mangels blüht die Verlagslandschaft und es entwickelte sich ein literarischer Pluralismus, der seinesgleichen sucht und allemal mehr Beachtung im Westen verdient, als es bislang geschehen ist. Umso erfreulicher, daß - nach Ungarn - in diesem Jahr Polen das Gastland der Frankfurter Buchmesse ist. Ein literarisches Niemandsland war es zwar für die westliche Welt nie. So genoß der kürzlich verstorbene Romancier Andrzej Szczypiorski nicht nur in Deutschland höchstes Ansehen. Und mit Czeslaw Milosz und Wislawa Szymborska erhielten 1980 und 1996 zwei polnische Lyriker die weltweit begehrteste Literaturauszeichnung, den Literatur-Nobelpreis. Aber das ganze Spektrum des polnischen Literaturschaffens, zum Beispiel seine hervorragende Essayistik sind hier doch viel zu wenig bekannt. Auch gilt es wahrzunehmen, was sich nach 50 Jahren Unfreiheit in diesem Land an neuen literarischen Strömungen herausgebildet hat. Wie reagiert die Literatur, die laut Szczypiorski ihre vornehmste Pflicht immer darin sah, angesichts von Fremdherrschaft, Okkupationen und Kriegen die nationale Identität der Polen zu beschwören und den Widerstandsgeist zu festigen nun auf die Freiheit? | ||||||||||||
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20./21.10.2000 -
Edith Piaf und Jacques Brel in einer Langen Nacht
Spar deinen Schmerz nicht auf für morgen Moderation: Stephan Göritz Studiogast: Gisela May Für sie war die Liebe das
unerreichbare "vie en rose", für ihn die
Gewißheit des nächsten Krieges. Sie feierte die
Revolution mit einem lauten "ça ira", er stellte
nüchtern fest, daß der Sturm auf die Bastille
nichts gebracht hat und daß kein Traum bewaffnete
Aktionen wert ist.
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27./28.10.2000 -
Eine Lange Nacht familiärer Lebenskonzepte im 21. Jahrhundert
"Total normal" oder "voll daneben"? Moderation: Judith Grümmer Autorin: Doris Arp Familie, die Keimzelle aller sozialen Entwicklung, das Versprechen schlechthin auf die Zukunft, ist wie das Leben selbst: Bunt und grau-schwarz, vielfältig und langweilig, vergnügt und brutal. Doch wieviele Risse der Putz auch hat, Familie umgibt der Mythos von Geborgenheit, ja von Heiligkeit. Dabei ist die Welt längst aus den Fugen geraten. Die Rollenverteilung ist aufgebrochen, die Kleinfamilie zersplittert. Einzelhaushalte, alleinerziehende Väter und Mütter, Patchworkfamilien, vielleicht bald Schwulen- und Lesbenehen mit adoptierten Kindern - Familienleben total normal und irgendwie auch voll daneben. Familienpolitik existiert eigentlich nur in Sonntagsreden und auf dem Papier. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt nach wie vor überwiegend den Frauen überlassen. Wer mit Kindern lebt, sorgt für die Zukunft, heißt es. Für ein Zusammenleben mit Kindern entscheiden sich jedoch - ob freiwillig oder nicht - immer weniger Menschen. Eigentlich auch kein Wunder, schaut man sich den idealen Arbeitnehmer am Anfang des 21. Jahrhunderts an: mobil, flexibel, anpassungsfähig, auslandserfahren, fortbildungshungrig, bereit zur Nacht- und Wochenendarbeit. Wie läßt sich das vereinbaren, wenn Kinder da sind? Oder kommen Kinder mit offeneren Lebensformen besser zu Recht als manche Mütter und Väter glauben? | ||||||||||||
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03./04.11.2000 -
Eine Lange Nacht vom Niedergang der Musikkultur im Dritten Reich
Immer nur lächeln, immer vergnügt? Autor: Helmut Braun Der Rassenwahn der Nationalsozialisten machte auch vor der Musik nicht halt. Rein sollte die deutsche Musik sein, rein von allem Undeutschen, Nichtarischen. Die jüdischen Musiker, die Dirigenten, die Sänger und Sängerinnen, die Intendanten, verloren ihre Anstellungen. Rundfunk und Film waren willige Vollstrecker dieser offiziösen Verweigerung. Jüdische Komponisten, wie Schönberg, Weill, Korngold, Hollaender, Nelson, May, Abraham durften ihre Werke nicht mehr aufführen. Auch sie wurden verfemt, verdrängt, verboten. Doch auch Nichtjuden traf die Ächtung der Nationalsozialisten: der "atonale" Hindemith erhielt Aufführverbot, der "Niggermusik" schreibende Ernst Krenek ebenso, verpönt waren die Lieder der "Eunuchen", der Comedian Harmonists, die Songs der "Vaterlandsverräterin" Marlene Dietrich. Zwischen zackigen Aufmärschen und Operettenseeligkeit vollzog sich der Niedergang der Musikkultur unter den Augen und dem Beifall einer breiten Öffentlichkeit. Im bewußten Kontrast zu einer Auswahl sogenannter entarteter Musik dokumentiert die Lange Nacht diesen Prozeß in Originaltönen und -dokumenten. | ||||||||||||
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10./11.11.2000 -
Eine Lange Nacht von Verantwortung und Verführung
Wie die Macht schmeckt Moderation: Dietrich Möller Macht sei das bestimmende
Element der Politik, schrieb Niccolo Machiavelli vor
über einem halben Jahrtausend in seinem Traktat "Il
Principe"; und mit dieser apodiktischen Feststellung wurde
er zu einem Wegbereiter künftiger Auffassungen.
Tatsächlich ist Macht für die moderne Staats- und
Soziallehre die Voraussetzung für jedes
gesellschaftliche Zusammenleben.
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17./18.11.2000 -
Die Lange Nacht vom Häusle-Bauen
Das letzte Abenteuer Autoren: Agnieszka Lessmann Frank Olbert Endlich Weihnachten in den eigenen
vier Wänden: Die Kerzen schimmern, im Kamin knistert
das Holz, in der Röhre brutzelt die Gans - denkste! An
den Wänden tropft das Wasser herunter, denn das Dach
ist undicht und die nagelneue Heizung streikt. Der Kamin ist
ohnehin aus versehen zugemauert und die Einbau-Küche
kommt erst nächste Woche - ganz bestimmt. "Das letzte
Abenteuer der zivilisierten Wohlstandsgesellschaft" hat ein
offenbar aus Erfahrung klug gewordener Zeitgenosse das
Häusle-Bauen einmal genannt. Warum aber nehmen es Jahr
um Jahr so viele hoffnungsfrohe Menschen auf sich?
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24./25.11.2000 -
Die Lange Nacht über Kunst als Beute
Gütetermin Studiogäste: Prof. Dr. Wolfgang Eichwede Dr. Michael M. Franz Prof. Dr. Klaus-Dieter Lehmann Prof. Dr. h.c. Werner Schmidt In den Kriegen der Antike war es üblich, dass die Sieger die Götterbilder der Unterworfenen, später deren Tempel- und Reliquienschätze im Triumph mitnahmen. So gerieten persische Statuen nach Griechenland, ägyptische Obelisken nach Rom und die Gebeine der Heiligen Drei Könige nach Köln. Als man zu Beginn der Moderne Kunstwerke nicht mehr nur als Zeugnisse frommen Handwerksfleißes, sondern als wichtige Produkte menschlichen Ingeniums zu betrachten begann, wurden auch sie zur Beute. Von Napoleons Kunsttransporten nach Paris, Lord Elgins Geschenk des Pantheon-Frieses an ein Londoner Museum, Winkelmanns Raub des Priamos-Schatzes aus Troja bis zu Alfred Rosenbergs systematischen Raubzügen in eroberte Gebiete zieht sich die Spur des Geraubten durch die europäische Geschichte der Neuzeit. Manches große europäische Museum wäre weit ärmer, müsste es all das zurückgeben, was auf unrechtmäßigen Wegen in seine Hallen geraten ist. | ||||||||||||
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01./02.12.2000 -
Lange Nacht über 50 Jahre Deutscher Sportbund
Schneller, höher und wie weiter? Moderation: Herbert Fischer-Solms Es war am Sonntag, den 10. Dezember des Jahres 1950, als der Deutsche Sportbund (DSB) in Hannover gegründet wurde. "In Deutschland ist viel demontiert worden", hieß es in Anspielung auf schwere Zeiten nach Kriegsende, "aber nicht demontiert werden konnten die Kunst, die Musik und der Sport als Urquell der Gesundung des Körpers und des Geistes". Man traf sich im Hannoveraner Rathaus unter dem beziehungsreichen Bild "Die Einmütigkeit" des Schweizer Malers Hodler. Tatsächlich reüssierten die Sportpioniere mit der erstmaligen Errichtung einer gemeinsamen Dachorganisation alle Kräfte des Sports. Seither ist das zuvor erlebte Neben- und Gegeneinander von Turnern und Sportlern, von Arbeitersport und konfessionellem Sport in Deutschland Vergangenheit. Dennoch war die Geburt des DSB nicht ohne Kontroversen. "Der Deutsche Sportbund steht auf dem Boden des Amateursports", sagte die Satzung. Den Zusatz "und lehnt jede Materialisierung des Sports ab" verwarfen ausgerechnet die Fußballer und nahmen damit eine spätere Entwicklung schon voraus. In einem halben Jahrhundert hat der DSB eine wechselhafte, aber doch Erfolgsgeschichte hinter sich: Mit dem Leistungsbeweis bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften, dem Siegeszug der Trimm-Aktion, der schwierigen Partnerschaft mit dem DDR-Sport bis zur deutschen Einheit im Jahre 1990. Immer mehr wird der Sport mit seinen sozialen Angeboten in Anspruch genommen. In der DSB-Analyse "Menschen im Sport 2000" heißt es, der Sport wolle "alles sein: Rekordfabrik, Familienersatz, Moralanstalt, Krankenstation, Reparaturbetrieb, Lebenshilfe und demnächst auch Altersheim". Aber "aus der Vielfalt der Motive und Zwecke bezieht der Sport auch einen Großteil seiner Faszination" (Hermann Bausinger). Mit 26 Millionen Mitgliedern in 78.000 Vereinen ist der Deutsche Sportbund Deutschlands größte Personenvereinigung, gleichwohl ständig konfrontiert mit der Parole "Opas Sportverein ist tot". In der Langen Nacht kommen in Ton-Dokumenten und Live-Gesprächen Sportführer, Zeitzeugen und Weggefährten zu Wort, die die Strecke "50 Jahre Deutscher Sportbund" mitgegangen sind. | ||||||||||||
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08./09.12.2000 -
Rußlanddeutsche zwischen Karaganda, Hamburg und Irgendwo
Zu Hause ist, wo ich nicht bin Moderation: Ulrike Bajohr Gerade hat Ina Reimer ihr Mathematikstudium beendet und ihren ersten Job angetreten. Wer es nicht packt, sagt sie, ist selber schuld. Und: Hier bin ich zu Hause. Vor zehn Jahren hätte sie ihr Zuhause beschrieben mit: Nicht hier und nicht dort. Da war sie 18, hatte gerade die Schule hinter sich, und ihr Leben sollte sich überhaupt schlagartig ändern. Die Eltern zogen mit ihr von Karaganda, Kasachstan, nach Deutschland. Heute ist die russlanddeutsche Gemeinde in Karaganda auf ein Häuflein derjenigen zusammengeschmolzen, die ihre Ausreise noch nicht geschafft haben. Sozialarbeiter, die Russlanddeutsche in Deutschland betreuen, besuchen Karaganda, um zu sehen, woher die Ausgewanderten kommen. Um zu verstehen, warum Ina eine Ausnahme ist und nicht die Regel. Um den Zurückgebliebenen zu sagen: Es kann sein, dass der Traum von der Ferne schöner als die Wirklichkeit ist. | ||||||||||||
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15./16.12.2000 -
Eine Lange Nacht der Utopien
Verdeckte Brüche Moderation: Peter Zudeick Autor: Rolf Cantzen Studiogäste: Prof. Dr. Birgit Rommelspacher Alice-Salomon-Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik, Berlin Barbara Sichtermann Publizistin Ulrich Khuon Intendant Thalia Theater Horst Stowasser erklärter Anarchist und erfolgreicher Werbetexter Es gibt kaum eine Chance für gesellschaftliche Utopien: Die parlamentarische Demokratie in Verbindung mit der kapitalistischen Marktwirtschaft etabliert sich global und wird als Modell wasserdicht und einwandsimmun. Die in vergangenen Zeiten beunruhigenden sozialen Utopien scheinen zusammen mit dem gescheiterten Staatssozialismus entsorgt. Pragmatismus, Kompromissfähigkeit, Einsicht in die Notwendigkeit des Marktes sind zu den zentralen Tugenden des Politikers geworden. Sonntagsreden über die Erweiterung der EU oder der NATO nach Osten werden als großartige Visionen und Zukunftsperspektiven gefeiert. Zusammen mit den anschließenden Börsennotierungen der Drei-Minuten-Nachrichten machen derlei "Visionen" bloch´sche Tagträume utopisch unschädlich. Als ewig-gestrig gilt seit langem ein Denken in Interessens- oder gar Klassengegensätzen. Wie also Armut, Vereinsamung, Rassismus, Sozialverfall, Umweltzerstörungen verstehen, wenn nicht - "marktgesellschaftlich" - als individuelles Problem. Der Langen Nacht der Utopien geht es um die gesellschaftliche und soziale Perspektive. Eine relativ unbelastete Utopietradition gerät dabei in den Blick - die der Anarchisten und libertären Sozialisten. | ||||||||||||
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22./23.12.2000 -
Die Lange Nacht der Opernskandale
Verzeihen Sie, wenn ich so heftig bin... Autor: Dieter Kranz Opernfans hängen mit größter Leidenschaft am Gegenstand ihrer Begeisterung. Sie feiern, was ihnen gefällt, mit stundenlangen Ovationen. Und sie regieren auf das, was ihnen missfällt, mit Buh-Chören und lautstarker Randale, die schon manche Vorstellung ins Stocken brachten. Für die Medien sind solche Opernskandale stets ein gefundenes Fressen, und die Öffentlichkeit genießt sie mit unverhohlener Lust. So wollten konservative Wagnerianer
1976 nicht dulden, dass der "Ring des Nibelungen" als
Spiegel des 19. Jahrhunderts auf die Bühne gebracht
wurden. Die Aufführung, die damals
Stinkbomben-Würfe und Morddrohungen gegen den Regisseur
Patrice Chereau auslöste, galt schon wenige Jahre
später als "Jahrhundert-Ring" und Höhepunkt in der
Geschichte der Bayreuther Festspiele.
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29./30.12.2000 -
Eine Lange Nacht mit Wladimir Rosenbaum
Das Wort ist meine Musik Das 20. Jahrhundert hatte gerade begonnen, als der achtjährige Wladimir Rosenbaum nach Genf kam: Angesichts der antisemitischen Pogrome im zaristischen Russland fürchteten seine Eltern um das Leben des Jungen und seiner beiden älteren Schwestern. Mehr als 80 Jahre lebt Rosenbaum in der Schweiz, stieg nach seinem Jurastudium kometenhaft auf, wurde zu einem der bekanntesten und angesehensten Anwälte der Zeit, bis ihn ein gegen ihn geführter politischer Prozeß 1936 aus der Bahn warf. Der tiefe Fall aber vernichtete ihn nicht, wie es manche seiner Gegner erwartet hatten: Sein Pol war schon als "Fürsprech" das Wort, das gesprochene Wort, aber auch dessen Wurzel, das im Inneren schwingende Wort. Hier öffneten sich ihm für seine zweite Lebenshälfte neue Dimensionen und neue Begegnungen: "Das Wort", so Wladimir Rosenbaum in der Langen Nacht, "ist meine Musik, das Wort ist meine Faszination, das Wort ist mein Leben!" | ||||||||||||
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05./06.01.2001 -
Die Lange Nacht vom Telefonieren
Der sprechende Knochen Moderation: Florian Felix Weyh Studiogäste: Esther-Blanche Scheidler Dr. Jürgen Bräunlein Wie oft hat man sich über die Störung im unpassenden Moment geärgert - und greift doch stets zum Hörer, sobald sich der kleine Haustyrann auch nur räuspert. "Das Telefon", befindet der Schriftsteller Peter Glaser, "ist eine elektrische Weiterentwicklung des Hundes. Es frißt Gebühreneinheiten und scheidet Gequassel aus." Trotz aller kindlicher Attitüden - immer will es im Mittelpunkt stehen und erheischt unsere ganze Aufmerksamkeit - fand sich das Telefon neben dem neuen Auto ganz oben auf der Wunschliste der abgekoppelten DDR-Bürger; die böswillige Metapher vom gesamtdeutschen "Anschluß" erwies sich nach der Wende als konkretes Telekom-Projekt. "Verdammt, ist da das Fernamt?" sang sich einst Manfred Krug den Frust von der Seele. Wahlfreiheit als rein politisches Phänomen betrachtet, greift eben zu kurz. Von Warteschleifen und Schweigeminuten, Call-Centern und Telefonfräuleins, Tarifwirrwarr und Quasselstrippen, Liebesgesäusel und Hotlineversprechungen, kurzum: von allem, was man rund ums Telefon bereden kann, handelt die Lange Nacht vom Telefonieren. Spätestens seit dem Siegeszug des Handys hat "die Idee des Zuhauses ausgedient", wie der Romancier Don DeLilo schon beim Anrufbeantworter konstatierte, und mancher lebt inzwischen ganz in einer rein telefonisch verdrahteten Gesellschaft. Daß man das Handy eigentlich gar nicht so dringend braucht, beweisen allerdings statistische Zahlen: Die meisten - und längsten! - Gespräche finden über eine Distanz statt, die man bequem zu Fuß erledigen könnte. Literatur und Theater, Film und Musik haben sich oft des "sprechenden Knochens" angenommen, von Cocteau bis Valentin, von Kafka bis Kästner. Auch wenn von 23.05 bis 2.00 Uhr noch reger Telefonverkehr in den Kabelnetzen herrschen mag - während dieser Langen Nacht wird sich kein Radiohörer durchs Schrillen seines Apparats den Hörgenuß vergällen lassen. Versprochen. | ||||||||||||
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12./13.01.2001 -
Eine Lange Nacht in Galizien
Die papierene Brücke Autor: Kurt Kreiler Galizien, einst Heimat eines bunten Völkergemischs aus Polen, Ukrainern, Juden und Österreichern, war während fünfzig Jahren deutscher und sowjetischer Okkupation zu einem Atlantis des Ostens geworden , zu einem unsichtbaren und vergessenen Land. Durch Krieg und Völkermord seiner Geschichte und der Hälfte seiner Menschen beraubt, schien von diesem Land wenig mehr übrig geblieben zu sein als sein Name. Große Künstler und Schriftsteller hatten hier gelebt und waren ohne Ausnahme entwurzelt oder vertrieben worden: die Polen Jozef Wittlin und Bruno Schulz, der Ukrainer Ivan Franko, die Juden Joseph Roth, Alexander Granach, Manès Sperber, Samuel Josef Agnon und Salcia Landmann. In der Langen Nacht in Galizien sucht der Autor nach der "papierenen Brücke" (M.Sperber), die die Vergangenheit Galiziens mit der Gegenwart verbindet. Auf den Spuren von Jozef Wittlich, Bruno Schulz und S.J. Agnon erkundet er Lemberg und Drohobycz und wagt sich in das galizische Hinterland bis Brody, einst das galizische Jerusalem genannt. Er begegnet heutigen westukrainischen Schriftstellern, jungen Musikern und Intellektuellen, jüdischen Überlebenden des Holokaust, einer Kunsthistorikerin aus altem österreichischem Adelsgeschlecht, einem Priester der katholisch-byzantinischen Kirche, Museumswärtern, Archivaren und Architekten. | ||||||||||||
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19./20.01.2001 -
Arno Schmidt in einer Langen Nacht
Geräusche aus dem Zettelkasten Moderation: Jörg Drews Studiogäste: Klaus Buhlert Bernd Rauschenbach Ulrich Wildgruber Arno Schmidt hat häufig im Radio gelesen und somit die akustische Darstellung seiner Texte gebilligt. Der Hörer macht die Erfahrung, daß Schmidts Texte alles andere als spröde oder schwer verständlich sind, egal, wie abweisend das Druckbild mit den vielen Satzzeichen auch wirken mag. Er hört die Musikalität seiner Sprache, hört, wie lebendig und nah am gesprochenen Wort sie klingt. Es soll Schmidt-Leser geben, die - nachdem sie eine Schmidt-Lesung gehört haben - ihre Schmidt-Lektüre daheim laut fortsetzen. Mit dieser Sendung erinnern wir an den Schauspieler Ulrich Wildgruber mit dem der Komponist und Regisseur Klaus Buhlert ein ehrgeiziges und anspruchsvolles Unterfangen umsetzte: Arno Schmidts Trilogie "Nobodaddy's Kinder" als Radiofassung. Ermöglicht eine akustische Umsetzung einen zusätzlichen Werkzugang? Eine der Fragen, die der Literaturwissenschaftler Jörg Drews 1998 im Münchner Literaturhaus mit Klaus Buhlert, Ulrich Wildgruber und Bernd Rauschenbach von der Arno Schmidt Stiftung anhand zahlreicher Klangbeispiele und Lesungen diskutierte. | ||||||||||||
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26./27.01.2001 -
Die Lange Nacht der Berge und Täler
Auf geht's ... und 'runter auch! Moderation: Kate Maleike Thomas Heyer "Wahnsinn! Vom Bett blickt man über das ganze Tal, das abends wie eine riesige Milchstraße funkelt", schwärmt Angelika Taschen, Frau des Kunstbuchverlegers Benedikt Taschen. Beide sind seit kurzem stolze Besitzer des wohl spektakulärsten Hauses auf Erden. "The Chemosphere" schwebt wie ein Adlerhorst hoch über einem Tal der Hollywood Hills bei Los Angeles. Die Begeisterung der Taschenes für den Blick in "ihr" Tal, die Sucht von Männern wie Reinhold Messner und Hans Hindel, die Gipfel dieser Welt zu ersteigen, das ewige Auf und Ab der Mountainbiker aus der Sicht des Bundestrainers Frank Brückner, aber auch um die Gefahren, die in Bergen und Tälern lauern, wird es in der Langen Nacht gehen, die uns hoch hinauf und tief hinab führt. Warum sind Berge heilig? Wieso gibt es Streit um den höchsten Berg Kanadas? Wie erlebt Jan Ullrich den Mont Ventoux, den Gipfel der "Tour de France"? Warum ist es im Silicon Valley, dem Tal der Internet-Millionäre, viel zu eng geworden? Wie schützt sich das Berner Oberland vor gewaltigen Felsabstürzen und wie durchlebt Hans Castorp im "Zauberberg" von Thomas Mann beim Tod seines Cousins ein tiefes Tal der Tränen ? Diese und andere Fragen finden (vielleicht) Antworten in der Langen Nacht - einer Nacht, in der Berge "rufen" und Täler "locken"... | ||||||||||||
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02./03. Februar 2001 -
Eine Lange Nacht über den Schmerz
Er kommt und geht oder er bleibt Moderation: Judith Gümmer Studiogäste: Prof. Michael Zenz Dr. Claudia Bausewein Dr. Ingrid Gralow Wir brauchen ihn, denn er warnt uns vor Gefahr - aber er attackiert uns auch scheinbar grundlos: der Schmerz. Schon immer haben Menschen versucht, übermäßige Schmerzen abzuwehren. Andere Kulturen betäuben den Schmerz mit Opiaten oder blockieren die Schmerzimpulse mit Hilfe der Akkupunktur. Doch oftmals müssen die erkrankten oder verletzten Menschen auch Höllenqualen durchleiden, bis der Schmerz vergeht oder der Tod sie erlöst. Heute leiden in Deutschland allein fünf bis acht Millionen Menschen unter anhaltenden Schmerzen - und Jahr für Jahr nehmen sich 3000 von ihnen das Leben. Dabei wäre es heute möglich, 90 Prozent dieser Patienten so zu therapieren, daß sie gut leben könnten. Doch viel zu spät und viel zu selten werden die Chancen der modernen Schmerzmedizin ausgenutzt - beispielsweise bei der Behandlung von Tumorpatienten. Die neuen Wege der Schmerzbehandlung sind vielversprechend: So wissen die Schmerzexperten heute, daß Opiate von Schmerzpatienten in einer Dosis vertragen werden, die einen gesunden Menschen umbringen würde. Wie funktioniert überhaupt der Schmerz? Welche Rolle spielt die Psyche bei der Entstehung von Schmerzzuständen? Und weshalb kann sich seelisches Leid als körperlicher Schmerz ausdrücken? Warum leiden Menschen manchmal immer noch unter Schmerzen, obwohl die Ursachen längst beseitigt sind? In Reportagen, Dokumentationen und Expertengesprächen geht es in der Langen Nacht um neue Möglichkeiten der modernen Schmerzmedizin und Wege aus dem Schmerz. | ||||||||||||
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09./10.02.2001 -
Die Lange Nacht der Aufmerksamkeit
Beachtung ist ein warmer Segen Moderation: Florian Felix Weyh Um sie wird gekämpft wie um einen raren Rohstoff. Tatsächlich läßt sich Aufmerksamkeit, unmittelbar an unsere Lebenszeit gekoppelt, nicht beliebig vermehren. Im Grunde kann man immer nur einer Sache Aufmerksamkeit widmen. Mangelnde
Aufmerksamkeit kann zu Katastrophen führen
(Tschernobyl, Three Miles Island), das soziale Leben
verkümmern lassen, ja scheint für unser
Selbstbewußtsein und unsere Identitätsbildung von
herausragender Bedeutung zu sein. Was tun Kinder nicht
alles, um die Aufmerksamkeit ihrer Umwelt zu erlangen!
Aufmerksamkeit ist ein Selbstzweck, a priori ein Teil
unserer Lebensbestimmung, und wer davon nicht genug
erhält, meldet sich zu einer TV-Talkshow an. Auf der
anderen Seite fordert die kreischende und gellende
Medienumwelt von uns immer mehr Aufmerksamkeit in immer
schnelleren Intervallen, nervt uns mit ihren Appellen , denn
nur wenn wir aufmerksam sind, werfen wir Geld ab. Der
wirtschaftliche Wert eines Mediums hängt unmittelbar
mit der eingesammelten Aufmerksamkeit ab, wie Georg Franck
in seiner bahnbrechenden "Ökonomie der Aufmerksamkeit" beschreibt..
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16./17. Februar 2001 -
Die Lange Nacht der Messer
Vom Schwertfisch und der Nassrasur Moderation: Susanne Schröder Peter Kiefer Greifen eifersüchtige Männer eher zum Messer, Frauen dagegen eher zum Gift? Vermutlich wird uns diese Frage in einer Langen Nacht der Messer eher am Rande beschäftigen. Immerhin ist das Messer ein Gefahren- ein "wildes" Objekt. Der Blick in seine Geschichte zeigt unter anderem, dass es "gezähmt", gesellschaftlich sanktioniert werden musste, ehe man bereit war, es einem Fremden als Essgerät auf den Tisch zu legen. Als nächstes erhob sich die Frage (die noch heute vielen viele Rätsel aufgibt): Welches Messer verwende ich zu welcher Speise? Warum schneidet ein Messer? Und wie stellt man diese Schärfe am besten her? Welche Arten von Messern gibt es? Wer stellt die Messergriffe her? Die Geschichte der Messer ist natürlich auch eine Kriminalgeschichte. Berühmte Messermorde interessieren uns, ebenso die Täter, die unterm Messer endeten. Wie war das mit den japanischen Samurai-Kämpfern und ihrem Harakiri? Aber auch die schönen und berühmten Messer werden nicht vergessen, etwa das "singende Schwert" von Prinz Eisenherz oder Excalibur und erst recht solche, die es wirklich gibt oder gegeben hat. Wie arbeitet ein Schwertfisch? Und warum können Ameisen noch besser sägen? Ist der Laserstrahl das Schneidegerät der Zukunft? Manches steht noch auf des Messers Schneide, weswegen auch der Metaphorik des Messers beachtenswert ist. Es soll also nicht nur eine Nacht der langen, sondern eine Lange Nacht der Messer werden. | ||||||||||||
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23./24. Februar 2001 -
Die Lange Sissi-Nacht
Ich bin erwacht in einem Kerker Autorin: Gabriele Figge Im Alter von 16 Jahren erlebt die Herzogin Elisabeth in Bayern eine Geschichte, die ihr Leben von Grund auf ändern wird. Ihr Cousin Franz Joseph, der Kaiser von Österreich, hält um ihre Hand an. Aus der einfachen Landadeligen wird die Kaiserin von Österreich. Märchen enden an dieser Stelle, doch das Leben geht weiter. Elisabeth ist am Wiener Hof unglücklich, sie flieht wann immer sie kann, lässt sich krank schreiben. Im Gegensatz zu ihrem Mann ist sie eine modern denkende Frau der Jahrhundertwende, die die Monarchie für überholt hält. Ihr rastloses Leben wird durch ein sinnloses Attentat beendet. Aus der Lebensgeschichte dieser zutiefst unglücklichen Frau ist eine Kunstfigur geworden. Sissi, die strahlende Filmheldin, die alle Schwierigkeiten mit ihren Franz Joseph meistert. Dieser Mythos von der Märchenprinzessin hält sich auch heute noch, er lässt sich sogar für einen Tag buchen. | ||||||||||||
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02./03. März 2001 -
Eine Lange Nacht über die Hospizbewegung
Leben bis zum letzten Tag Moderation: Gabriele von Arnim 80 Prozent aller Deutschen
wünschen sich, zu Hause zu sterben. Wollen also
offenbar nicht im Krankenhaus an kalten Maschinen
hängen, wollen nicht der Technik ausgeliefert sein,
Lebensverlängerung um jeden Preis ertragen, sondern bei
sich daheim den Tod erwarten. Bei vielen Ärzten, so
scheint es, kommt die Botschaft erst allmählich an. Ihr
Fach ist die Heil-Kunde und nicht die Kunde vom unheilbaren
Menschen. Und wenn ein Patient dann doch aufgegeben werden
muß, weil er als "austherapiert" gilt, wie es in der
so sensiblen Fachsprache heißt, wird er oft auf Flure
geschoben, in Besenkammern, in Sterbekemenaten.
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09./10. März 2001 (Wiederholung vom 19./20.06.1998) -
Die Lange Nacht der Familienromane
Vom Glück und Leid der frühen Jahre Moderation: Christoph Schmitz Studiogäste: Zoë Jenny Caritas Führer Abraham Rodriguez Hans-Ulrich Treichel "Zehn Uhr abends, wissen Sie, wo Ihre Kinder sind? YEAH. Sie sind draußen auf der Straße und machen mehr Kohle pro Stunde, als Sie je zusammenkratzen können", mit Drogen, an denen sie zugrunde gehen. Doch zuvor säen sie Gewalt, die ihnen zu Hause eingedroschen worden ist. Abraham Rodriguez kennt die Familien, von denen er in seinem Roman "Spidertown" erzählt. Nicht minder Hans-Ulrich Treichel. "Der Verlorene" heißt seine Erzählung über den Alptraum einer deutschen Wirtschaftswunderfamilie der 50er Jahre Aber auch das konnte Familie sein: Schutzraum vor den Obszönitäten praktischer Ideologie im sozialistischen Alltag der DDR - Caritas Führer weiß davon in "Die Montagsangst" zu berichten. Werke deutschsprachiger und internationaler Literatur geben aufschlussreiche Einblicke ins Leid und Glück der frühen Jahre - literarische Jugend- und Familienportraits aus der Zeit von 1950 bis heute in einer Langen Nacht. | ||||||||||||
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16./17. März 2001 -
Eine Lange Nacht über Konsumerfahrungen in der DDR
VEB - die tun was... Autor: Meinhard Stark Zehn Jahre nach der Wiedervereinigung erzählen Frauen und Männer über ihre Konsumerfahrungen in der DDR. Für die meisten ging es nach der Abschaffung der letzten Lebensmittelmarken Ende der 50er Jahre aufwärts. Die Löhne stiegen, die Preise sanken. Junge Familien schafften sich Kühlschränke, Radio- und Fernsehtruhen, Waschmaschinen oder gar ein Auto an. In den Honeckerjahren, nach 1973, verschlechterte sich zunehmend die Versorgung der Bevölkerung. Vor allem Frauen hatten den Frust des Einkaufs zu bewältigen und sich mit immer größeren Warteschlangen und Angebotslücken herumzuschlagen. Spott und Humor half über manche Enttäuschung hinweg. Aber auch der Genugtuung und Freude über ein erstandenes, lang gesuchtes Produkt erinnert man sich bis heute. Konsumgeschichte ist gar zur wissenschaftlichen Disziplin geworden und die DDR-Intershops zum Thema von Studentenarbeiten. Fast jeder DDR-Bürger machte mit den wohlriechenden Läden seine eigenen Erfahrungen und kann darüber kleine oder große Geschichten erzählen. Für Westdeutsche bzw. Westberliner war der Intershop ein beliebter, da preiswerter Einkaufsort. Manche kauften die billigeren Waren im großen Stil und schmuggelten vor allem Zigaretten und Alkohol in den Westen. Mobile Zollkommandos des Westens griffen ein. | ||||||||||||
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23./24. März 2001 -
Eine Lange Nacht über die Sehnsucht
Mir fehlt etwas, das fühl' ich gut Autorin: Heide Hollmer Meine Sehnsucht, deine Sehnsucht ... - von Balalaika bis Yesterday, Taiga und Heimat, Meer und Mondschein über Liebe und Frieden, Wahrheit oder Tod reicht die Skala unserer ganz persönlichen Sehnsüchte. In dem schillernden Panoptikum der Bilder, Farben und Töne gibt es dennoch einen gemeinsamen Nenner: das heftige, elementare Verlangen nach etwas schwer oder gar nicht Erreichbarem, nach dem Überschreiten der eigenen Grenzen. Wer die Sehnsucht kennt, weiß natürlich auch, dass sie mit Leid verbunden sein kann - nicht nur Verliebte können ein Lied davon singen! Was aber wäre ein Leben ohne den Traum von fernen schönen Dingen, ein Leben, dem die Sehnsucht fehlt? | ||||||||||||
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30./31. März 2001 -
Die Lange Nacht des Kulturföderalismus
Metropole und Provinz Autor: Joachim Braun So wie Berlin während der
deutschen Teilung der "Pfahl im Fleisch" des Systems war,
das die Stadt umgab, so ist die Hauptstadt Berlin heute der
Zankapfel, an dem sich der Kulturföderalismus zu
verschlucken droht. Die "Kulturnation" Deutschland war durch
viele Jahrhunderte hindurch föderal, hatte viele
Zentren: München, Weimar, Köln, Hamburg, Mannheim.
Erst mit der Reichseinigung 1871 übernahm Preußen
die Führung, wurde Berlin Hauptstadt des Deutschen
Reichs. Heute ist Berlin die Regierungshauptstadt der
Bundesrepublik und gleichzeitig Deutschland
größte Metropole.
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06./07. April 2001 -
Eine Lange Nacht mit der nordamerikanischen Folk Musik
Von Quebec bis Hawaii Autor: Frank Matheis Die musikalische Landschaft Nordamerikas ist so reichhaltig wie die ethnische Vielfalt seiner Bewohner. Wie viele Bereiche der amerikanischen Kultur spielen die wichtigsten Musiktraditionen, vor allem die Folk Musik, in der aktuellen populären Kultur jedoch kaum eine Rolle. Dabei gibt es in der traditionellen Folk Musik nicht nur viel Geschichte zu entdecken, sondern auch schier grenzenlose musikalische Schönheit. Ganz abgesehen davon, dass Folk Musik viele Genres unserer Tage entscheidend beeinflusst hat. Von den Massenmedien ignoriert, wird Folk dennoch häufig abschätzig als "primitiv" abgetan. Sogar die meisten Amerikaner selbst kennen diesen wichtigen Teil ihrer eigenen Kultur nicht mehr. Vom "Mainstream-Rundfunk" ausgeschlossen, wird dieser "musikalische Schatz" nur einem kleinen Fachpublikum, Folkloristen und Sammlern angeboten. In der Langen Nacht lädt Frank Matheis ein, abseits ausgetretener Pfade in kleinen Seitenstraßen faszinierende Klänge zu entdecken. Die Reise führt von Quebec und Cape Breton im Osten Kanadas, zu den Bergen der Appalachen. Vorgestellt werden Cajunklänge aus dem Südwesten Louisianas ebenso wie Conjunto- und Tex-Mex-Musik aus dem texanisch-mexikanischen Grenzgebiet, Slack-Key- und Steel-Guitar-Virtuosen von Hawaii; Musik der nordamerikanischen Ureinwohner und zeitgenössischer Folk. | ||||||||||||
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13./14. April 2001 -
Die Lange Nacht vom Huhn
Tod und Verderben Autoren: Rolf Cantzen Bodo Dringenberg Was sich in der Weltliteratur eher zaghaft andeutet und sich in der Musik verdichtet, bestätigt sich eindeutig in der gesellschaftspolitischen Wirklichkeit. Mit dem Huhn kommen Tod und Verderben über die Menschheit: In den Mythen der Völker und in der Literatur des Abendlandes begegnet uns das Federvieh - von der Öffentlichkeit kaum beachtet - als unheilverheißendes Omen oder gar als Vorbote der Apokalypse. So wundert es nicht, dass Huhn und Hahn federführend sind in den großen Gift- und Seuchenskandalen unserer Tage. Die vielfache Verwendung des Huhns als Brathähnchen (Vorsicht: 50% der Brathähnchen sind männlichen Geschlechts!), als Legehenne und Suppenhuhn oder Ei, als Auspizienhuhn, als unerlässlicher Bestandteil des Voodoo-Kults und der Eiernudel weist auf die zahlreichen funkischen Verwendungsmöglichkeiten des Huhns: Hühner gackern, gackeln, schreien und so weiter, ja sie krähen sogar, was für ihre Flexibilität und Intelligenz spricht. -- In der Langen Nacht des Huhns sind die tragischen und komischen Aspekte des Hühnerlebens unvermeidlich, doch vermitteln die Beiträge auch harte Informationen über die Nutzung und Haltung des Huhns, über die Geschichte des Huhns, über Züchtungen und Adoptionen von Hühnern. ( In der Schweiz kann sich der Kunde bereits Onliner sein persönliches Huhn leasen.) Überschattet werden derartige Fakten allerdings von der leicht zu vermittelnden Einsicht, dass Hühner aus den Schlüsselsituationen unseres Daseins und seiner vielfältigen Desaster nicht fortzudenken sind. | ||||||||||||
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20./21. April 2001 -
Die Lange Nacht der Dichter Lieben und Geliebten
"Aber in den Brüsten welche Brise!" Moderation: Walter van Rossum Studiogäste: Elke Heidenreich Claudia Schmölders Hildegard Baumgart Reinhard Baumgart Raue Zungen behaupten gerne, die meiste Lyrik sei ein langer Werbebrief ans Weib zuerst, dann an die Liebe schlechthin. Doch was im reinen Maß der Silben sowohl beschworen als auch kontrolliert werden kann, hat wenig mit dem irdischen Verlauf der Dichterlieben zu tun. Die Schriftsteller sind den Verheißungen der Liebe nur selten näher gekommen als Normalvergängliche - aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: Sie erheben die Tragödien und Komödien der Liebe nicht nur zum Stoff ihrer Werke, sondern sie schöpfen daraus die empfindliche Unruhebedingungen der Kunst. Deshalb erstaunt wenig, dass wir zwar kaum Goethes oder Brechts oder Benns Nachkommen kennen, aber die lange Reihe ihrer Lieben fast so vertraut wie ihre Verse hersagen können. Das zähe Scheitern der Liebesverhältnisse im bürgerlichen Zeitalter ist literarisches Dauerthema und bestimmt diese Lange Nacht der Dichter Lieben und Geliebten. | ||||||||||||
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27./28.04.2001 -
Eine Lange Nacht von der Kunst, sich im Urlaub zu erholen
Wenn die Seele neue Kraft braucht Moderation: Joachim Scholl Studiogäste: Michael Stark Peter Sandmeyer Erwin Staudt Endlich Urlaub! Schlechtes Wetter, schlechtes Hotel, schlechte Laune - das passiert immer nur den anderen. Wir haben das Paradies gebucht! Was heißt: wir?! Sie will - eigentlich - ans Meer. Aber wenn er sich bei ausgedehnten Bergwanderungen doch so gut erholen kann! Für die halbwüchsigen Kinder sind abgelegene Gegenden ein Grauen, sie wollen Party und die Eltern - endlich - Ruhe... Rund die Hälfte der Urlauber, das zeigen Umfragen, sind am Ende ihrer Ferien weder erholt noch zufrieden. Doch Menschen, die nicht wissen, wie sie sich erholen können, stolpern oft blind ins nächste Ferienfiasko. Gehören Sie zu den Urlaubsgefrusteten? Wie reif sind Sie für den nächsten Urlaub? Wann ist ein Urlaub für Sie gelungen? Welcher Alltagsärger gehört mit ins Feriengepäck und welcher auf keinen Fall? Urlaub auf dem Balkon oder Reise um die Welt? Pauschal oder auf eigene Faust? Lang und gründlich planen oder "last minute" einfach abheben? Diese und viele andere Fragen erörtern wir in der Langen Nacht mit Michael Stark und Peter Sandmeyer, den Autoren des Buches: "Wenn die Seele neue Kraft braucht". | ||||||||||||
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04./05.05.2001 -
Die Lange Nacht der Schokolade
Lust und Last der Götterspeise aus dem Regenwald Moderation: Stella Märtin Peter Kiefer Die Beziehung zwischen Mensch und Schokolade schwankt zwischen bedingungsloser Leidenschaft, zartester Versuchung und hoffnungsloser Abhängigkeit. Um die Geheimnisse der Schokolade zu ergründen, reisen wir durch die Kulturgeschichte in die Heimat des Kakaobaumes. Die Verarbeitung seiner Früchte erlebte bei den Maya und Azteken ihre erste große Blütezeit. Aus zerstoßenen Kakaobohnen, Pfeffer und Vanille entstand dort ein Getränk, von dessen aphrodisierender Wirkung der letzte Aztekenherrscher Moctezuma so überzeugt war, dass er täglich mehr als 5o Tassen davon getrunken haben soll. Wir werden in dieser Langen Nacht in die Welt der Ureinwohner Mittelamerikas eintauchen, einen märchenhaften Schokoladenbrunnen besuchen, Pralinen und Trüffel herstellen lassen - und nicht zuletzt klären, warum Schokolade süchtig, dick oder einfach nur glücklich macht. | ||||||||||||
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11./12. Mai 2001 -
Eine Lange Nacht zum 100. Geburtstag der Dichterin Rose Ausländer
Mein Atem heißt jetzt Autor: Helmut Braun Am 11. Mai 1901 "im seidigen Grün einer Mainacht" wurde Rose Ausländer in Czernowitz in der Bukowina geboren. Sie starb am 3. Januar 1988 in Düsseldorf. Fast das ganze 20. Jahrhundert umschließt das Leben der Dichterin; zwei Weltkriege, Flucht und Vertreibung, Shoa und Exil. Sie wurde zur Nomadin, die, nach dem Verlust der Heimat zwischen Europa und Amerika pendelnd, vergeblich versuchte, sich an einem Ort dieser Erde erneut zu verwurzeln. Einzig die Sprache blieb ihr - "unser verwundetes/geheiltes Deutsch"; "Mutter Sprache" wurde ihre Heimat; sie lebte in ihrem "Mutterland Wort". Die "eingebrannten Jahre" der Shoa finden sich als Metatext in all ihren Gedichten. Aber auch die "Glücksmomente" haben Spuren hinterlassen. Helmut Braun betreute die Lyrikerin von 1975 bis 1988 und besuchte sie während ihrer zehnjährigen selbstgewählten Bettlägerigkeit und Isolation an die fünfhundertmal: jeden Freitag um 18.45 Uhr. Er erzählt aus dem Leben Rose Ausländers und stellt ihr Werk vor. Die Gedichte liest Ulrike Krummbiegel. | ||||||||||||
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18./19. Mai 2001 -
Bob Dylan zum Sechzigsten
Back to the sixties Moderation: Günter Amendt Für die Medien weltweit ist Dylans 60. Geburtstag Anlass, ihn als einen der bedeutendsten Künstler unserer Zeit zu würdigen. Für Dylan sicher kein Grund, seine "never ending Tour" zu unterbrechen. Er wird den Tag mit seiner Band irgendwo auf einer Bühne dieser Welt verbringen. In Dylans Laufbahn als songwriter und performing artist gab es immer wieder Brüche, die sein Publikum irritierten und bis zur Randale provozierten. Die Lange Nacht kommt noch einmal zurück auf Dylans Deutschlandpremiere 1978 und den Zwischenfall in der Berliner Deutschlandhalle, als aus dem Publikum Wasserbeutel und Mehltüten auf die Bühne geworfen wurden. Auch das Konzert in Nürnberg, wo Dylan und seine Band sich plötzlich inmitten der Nazikulisse des Reichsparteitagsgeländes wiederfanden, ist Thema der Sendung. In der deutschsprachigen Uraufführung eines Hörspiels von Sam Shepard "True Dylan" gibt "Bob" Auskunft über die Idole seiner eigenen Jugend und über die Jahre, die er nach dem Motorradunfall in Woodstock als Familienmann mit Sara und den Kindern verbrachte. Das Thema "Dylan und die Frauen" wird (in einem Kongressbericht) angemessen erörtert werden mit Texten und Musik von Dylan und über Dylan. | ||||||||||||
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25./26.05.2001 -
Die Lange Nacht der Briefe
Und Ihnen alle Zärtlichkeiten... | ||||||||||||
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1./2. Juni 2001 -
Die Lange Nacht der Spötter
Spielt Eure Rollen gut! Ihr spielt ums Leben... Moderation: Simonetta Dibbern, Beate Moeller Das Kabarett, im 19. Jahrhundert noch eine gängige
Bezeichnung für eine in Fächer eingeteilte
Speiseplatte, hat sich vor fast genau 100 Jahren auch in
Deutschland als Kunstform etabliert: angeregt von vielen
Abenden in Pariser Cabarets eröffnete Ernst von
Wolzogen in Berlin ausgerechnet am 200. Geburtstag der
Erhebung Preußens zum Königreich am 18. Januar
1901 sein "Überbrettl", eine Anspielung auf Nietzsches
Übermenschen - und die Geburt einer Gattung, die sich
alle großen Künste einverleibt hat: Literatur,
Kunst, Theater und Musik. Die Lust am Laster und der
Spaß, die bürgerlichen Spießer zu
verhöhnen, brachte Dichter, Maler, Sängerinnen auf
die Bühnen der kleinen Clubs, die wie Pilze aus dem
Boden schossen - und seitdem nicht mehr wegzudenken sind aus
dem großstädtischen Kulturbetrieb.
In den zwanziger Jahren, während der Nazi-Diktatur, in der Nachkriegszeit bis heute, wo Comedy das intelligente Kabarett zu vertreiben scheint setzen Satiriker, Zyniker und Philosophen Stacheln in eingefleischte Denkweisen, machen Unterhaltung wider den Zeitgeist. Ein Rückblick und eine Vorausschau auf mehr als 100 Jahre Kabarett. | ||||||||||||
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8./9. Juni 2001 -
Die Lange Nacht einer komplizierten Lebensbeziehung
Geschwisterliebe - Geschwisterkampf Moderation: Judith Grümmer Studiogäste: Dorothea Broil-Eyssel, Klaus Kordon, Prof. Dr. Horst Petri, sieben Kinder der Familie Holzapfel Warum erschlug der Kain den Abel - oder weshalb ist der erste Mord in der Bibel ein Geschwistermord? Geschwisterliebe, Geschwisterrivalität, Geschwisterhaß - die Beziehung zu den Schwestern und Brüdern gehören zu den längsten und einflußreichsten Beziehungen unseres Lebens. Ob Erstgeborene/r oder Nesthäkchen, ob Lieblingskind oder Stiefgeschwister, die Stellung innerhalb der Familie beschäftigt viele Menschen ihr Leben lang. Wie entsteht Geschwisterhaß und wann können liebevolle Bindungen unter Geschwistern entstehen? Welchen Einfluß haben die Eltern auf das Verhältnis ihrer Kinder untereinander? Haben die Erstgeborenen es einfacher als die sogenannten Sandwich-Kinder? Über die Bedeutung von Familienkonstellationen wird in dieser Langen Nacht der Geschwister diskutiert werden: über Eifersucht und Liebe, über gemeinsame Kindheitserinnerungen und tiefe Sprachlosigkeit. Ob sie ihre Geschwister nun besonders lieben, hassen oder ob sie ihnen gleichgültig sind - viele bleiben an ihre Geschwister gebunden - ein Leben lang und über die gemeinsame Verantwortung für die altwerdenden Eltern hinaus. | ||||||||||||
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15./16. Juni 2001 -
Die Lange Nacht der Kleinkunst in der Weimarer Republik
Es lag in der Luft Moderation: Heinz Kersten "Es liegt in der Luft", "Bei uns um die Gedächtniskirche rum": die Titel Berliner Revuen der Zwanziger Jahre haben ihre Zeit überdauert, genau wie viele Texte und Melodien, die Evergreens blieben. "Wenn die beste Freundin mit der besten Freundin" trällerte die damals noch ziemlich unbekannte Marlene Dietrich mit Margo Lion im Duett. Trude Hesterberg rührte Tucholskys Trommel vom "Leibregiment". Vom "Nachtgespenst" sang Kurt Gerron, den die Nazis zuletzt noch in Ausschwitz umbrachten, nachdem der für sie einen Propagandafilm über Theresienstadt hatte drehen müssen. Nicht wenige Größen jener goldenen Jahre des Kabaretts in der Weimarer Republik wurden ein Opfer des Holocaust, andere überlebten im Exil. Zu ihnen gehören drei Komponisten, deren musikalischer Einfallsreichtum den Texten der Klabund, Ringelnatz, Walter Mehring und Marcellus Schiffer zum Erfolg verhalfen: Rudolf Nelson, Mischa Spoliansky und Werner Richard Heymann. Ihre Melodien und die Stimmen ihrer Interpreten von Hans Albers bis Claire Waldoff begleiten uns durch eine Lange Nacht. | ||||||||||||
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22./23. Juni 2001 -
Eine Lange Nacht über 40 Jahre Mauerbau
Niemand hat die Absicht... Moderation: Petra Schwarz, Raiko Thal "Niemand hat
die Absicht, eine Mauer zu errichten", antwortete Walter
Ulbricht, Staatsratsvorsitzender der DDR am 15. Juni 1961
auf Anfrage einer Journalistin der FRANKFURTER RUNDSCHAU
während einer Internationalen Pressekonferenz. Zwei
Monate später wurde diese Lüge in Beton gegossen.
28 Jahre lange Jahre hat sich so ein Regime eingemauert, das
mit perfiden Herrschaftsmechanismen sozialistische Ideen zu
zementieren suchte. Fast dreißig Jahre mußte
Berlin mit der Mauer leben, Symbol der Macht und der
Ohnmacht zugleich. Stacheldraht auf der einen, Graffiti auf
der anderen Seite. Wie haben die Menschen diesseits und
jenseits damit gelebt? Wie haben sich Künstler mit
dieser Ambivalenz von Aufbegehren und Anpassung
auseinandergesetzt? Wie groß waren die Hoffnungen, die
Mauer zu überwinden, wie ernüchternd die
Realität für jene, die es versucht haben. Für
mehr als 250 Menschen endeten diese Versuche mit dem Tode.
Mit Zeitzeugen und Originaltönen, mit literarischen Passagen und Musik erinnert die Lange Nacht an dieses dunkle und absurde Kapitel deutscher Geschichte. | ||||||||||||
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29./30 Juni 2001 -
Die Lange Nacht der Pferde
Geboren aus Meeresschaum und dem Blut der Medusa Autoren: Agnieszka Lessmann, Frank Olbert Auf den eigenen zwei Beinen endet die Welt für den Menschen am Horizont - oder zumindest nicht sehr weit dahinter. Eines Tages aber erkannte der Jäger und Bauer der Frühzeit, dass er das Pferd auf seiner Weide nicht nur zum Essen brauchen konnte. Pferde machten den Menschen mobil und seine Welt um ein Beträchtliches größer. Die meisten Kulturbegegnungen hätten - wenn überhaupt - Jahrhunderte später erst stattgefunden, die meisten Kriege wären nie gekämpft worden. Viele der großen Herrscher der Weltgeschichte ließen sich von Malern und Bildhauern auf ihrem Pferd verewigen. Der berühmte Ausruf vom Königreich für ein Pferd machte die zentrale Rolle des Pferdes für den Menschen - nicht nur in der Schlacht - sinnfällig. Die Beziehung Mensch - Pferd gehört zu den Vorbedingungen unserer Zivilisation. Wie eng unser Schicksal viele Jahrhunderte hindurch an das unserer vierbeinigen Träger geknüpft war, verbildlichen die altgriechischen Sagen vom Zentaur und die relativ jungen Legenden der Indianer, denen die spanischen Kolonisatoren entlaufenen Mustangs zunächst als "Zauberhunde" erschienen. Und diese Beziehung ging schon immer über ein bloßes Arbeitsverhältnis hinaus. Das fliegende Pferd Pegasus, dass entstand, nachdem Perseus dem Monster Medusa den Kopf abgeschlagen hatte, beflügelt seitdem die Phantasie der Dichter. Heute, während wir uns mit über 100 PS in einer ohnehin fast vollständig vernetzten Welt fortbewegen, bekommt die Fähigkeit des Pferdes, sich mit seiner ganzen Kraft und Schnelligkeit dem Menschen unterzuordnen eine neue Funktion. Immer mehr Freizeitreiter suchen im Reitstall vor der Stadt, im unbeschwerten Ausritt durch den Wald nach Entspannung und Ausgleich und nach einem neuzuentdeckenden Verhältnis zur Natur. In Gesprächen mit Pferdefreunden und -trainern, in Tondokumenten echter Pferdeflüsterer und Ausschnitten fiktionaler Pferdeliteratur nähert sich diese Lange Nacht einer Beziehung voller Sehnsucht und Harmonie, aber auch voller Gewalt und Klischees. | ||||||||||||
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06./07. Juli 2001 -
Eine Lange Nacht der Groschenromane
Er versank in ihren Augen wie in zwei blauen Seen... Moderation: Claudia Mützelfeldt Studiogäste: Sabine Gries Heinz J. Galle Es ist schon merkwürdig, da werden Jahr für Jahr Tausende von Heftromanen - dies ist der heute übliche, weniger herablassende Name für Groschenromane - geschrieben, millionenfach gedruckt und verkauft, aber keiner liest sie - anscheinend! Was macht der Käufer nur mit der erworbenen Lektüre, die er angeblich weder schätzt noch konsumiert? Der moderne Leser schämt sich seines geheimen Lasters. Man hat ihn darüber aufgeklärt, dass er Handke und Walser zu lesen hat, bei nostalgischer Einstellung Thomas Mann und Fontane. Ist er beruflich sehr gestresst, kann er auch schon einmal zu Simmel greifen und als launiger Individualist darf er sich zu seiner Schwäche für Karl May bekennen - aber ausgerechnet diese billigen Heftchen? Schnell ist der Begriff der Schundliteratur zur Hand. In der Langen Nacht der Groschenromane lernen wir sie kennen, die Liebhaber und Verächter der literarischen Massenware, machen uns bekannt mit Perry Mason, Jerry Cotton, John Sinclair, Dr. Norden, Anna von Koppenhof und Jessica, den Helden und Figuren der Science Fiction-, Kriminal-, Grusel-, Arzt-, Heimat- und Frauenromane. "Er versank in ihren Augen wie in zwei blauen Seen", dieser Satz soll uns wie viele andere in der Langen Nacht der Groschenromane auf der Zunge zergehen. | ||||||||||||
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13./14. Juli 2001 -
Eine Lange Nacht über den Indischen Ozean
Die tiefen Farben des Seins Autor: Harald Brandt Der Indische Ozean ist ein magisches Universum, das in sich selbst zu ruhen scheint. Ob man an der jemenitischen Südküste oder an der Nordspitze Madagaskars steht - man hat immer den Eindruck, in einer Dimension zu sein, die grenzenlos und offen ist, aber eine eigentümliche Einheit besitzt. Das ist der Leitfaden für die drei Stunden der Langen Nacht: Aus der Vielfalt der Kulturen, aus der Unterschiedlichkeit der geographischen Räume das Element herauszuarbeiten, das dem Reisenden immer die Gewissheit gibt, im Zentrum eines besonderen Universums zu sein. Der französische Archäologe Serge Cleuziou spricht von den "verlorenen Wegen der Menschheit", die schon in der Bronzezeit die arabische Halbinsel zum Bindeglied zwischen Ostafrika und dem indischen Subkontinent machten. Später, zur Zeit der Königin von Saba, kamen Weihrauch und Gewürze aus Oman und Indien und wurden im südjemenitischen Hafen Qana auf Kamelkarawanen umgeladen, die sie bis an die Küsten des Mittelmeeres brachte. In seinen Romanen beschreibt der bengalische Schriftsteller Amitav Gosh das ausgeklügelte Handelssystem, das bis zum Eintreffen der ersten Kolonialmacht Portugal, den Austausch von Waren zwischen Europa, Indien und Ostafrika möglich machte. | ||||||||||||
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20./21. Juli 2001 -
Die Lange Nacht der Kleinanzeige
Ganzfoto erbeten - garantiert zurück Moderation: Ulrike Bajohr Musik: Erhard Gehl Warum ist so etwas Altmodisches wie die Zeitung noch nicht ausgestorben? Ganz einfach, wegen der Kleinanzeigen. Geben wir es doch zu: Nicht des Leitartikels, nicht der Sportseite wegen lesen wir unser Lokalblatt, sondern wegen der Inserate - und die wiederum halten die Zeitung lebendig, wirtschaftlich und im wörtlichen Sinne. "Zauberei mit Charme und Witz - Alfred Czernewitz", "Probleme? Präzise Beratung von Parapsychologin", "Das Besondere: Ich male ihr Haus". Oder, na klar: "Männlein (45/190) sucht Weiblein, gerne mit 10 Kindern", "Sophie, bitte melde dich!"... Welch komprimierter Tatendrang steckt in einer Anzeige, welche Entschlusskraft, nun aber wirklich und wahrhaftig alles anders zu machen: ein (neuer) Job, eine (billigere) Wohnung, ein neuer Mann... Welch Fundus von Geschichten tut sich da auf: Über Menschen, die Anzeigen aufgeben und auf welche reagieren, und solche, die Anzeigen sammeln und davon leben, die sie künstlerisch verarbeiten und wissenschaftlich ordnen, sie ent- und verschlüsseln...und über solche, die mit einer Anzeige ihrem Leben eine unerwartete Wendung gaben. (Wiederholung vom 19./20.04.1996) | ||||||||||||
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27./28. Juli 2001 -
Eine Lange Nacht von der Ewigkeit des Augen-Blicks
Coup de foudre Autoren: Ralf Busse Bernd Wegener Regie: Monika Künzel "Am Zittern meiner Augen" - so schreibt Dante in seiner Vita nuova - hätte ein jeder die Liebe kennen lernen können, damals als er 1274 erstmals seiner Beatrice begegnete: "L´amour fou" par excellence! Die Dichter aller Jahrhunderte hätten dieses Geschehen jedoch nicht zu beschreiben vermocht, würde der Donnerschlag des coup de foudre nicht Menschen immer wieder getroffen haben. Leo Tolstoi hat dieses Geschehen in seinen Romanen mit einem Maß an psychologischen Einfühlungsvermögen dargestellt, als sammle er wie in einem Brennglas das Spektrum aller bisherigen Äußerungen über diesen zentralen Aspekt menschlicher Innenwelten. Goethe skizzierte in seinem Briefroman "Die Leiden des jungen Werthers", jene große Sehnsucht des Liebenden, eine Verliebtheit, die das Objekt des Verlangens von der Wirklichkeit narzisstisch abspaltete. Und auch Sören Kierkegaard genoss in seiner Liebe zu Regine Olsen nur die eigene Illusion, blieb ein "Romantiker, der in der unendlichen Suche nach dem Du sich selber verfehlte": Eine Lange Nacht also über das Augen-Blicks-Geschehen der Liebe und ihre nicht endende Sehnsucht. | ||||||||||||
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03./04.08.2001 -
Eine lange Nacht über den Schwanenmythos
Still zieht dein Lichtgewölbe Autorin: Katharina Palm Von den Sternen bis ins Reich des Todes hinab, der Schwan hat die Menschen seit Jahrhunderten zu den unterschiedlichsten Geschichten und Erzählungen inspiriert. Von Mund zu Mund wurden diese Geschichten weitergetragen und so entstand ein Mythos, der bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Komponisten haben ihn auf die Bühnen der Welt gehoben, Dichter ihm gehuldigt und Maler auf Leinwänden oder profanen Gegenständen verewigt. Der Schwan steht für Reinheit, Tugend, Jungfräulichkeit, aber auch für Erotik, Verführung und Ehebruch. Mal ist er zart, grazil und friedlich, mal groß, gefährlich und kriegerisch. Für die Einen ist er ein göttlicher Vogel, für die Anderen ein besonders prunkvoller Festtagsbraten. Die Lange Nacht des Schwanenmythos wird sich in diesem Spannungsfeld bewegen und Geschichten vom Schwan erzählen, die manchmal so unglaublich sind, dass sie einfach weitergetragen werden müssen. Doch nicht nur dass, die Musik dieser Nacht wird sich ausschließlich mit dem Schwan beschäftigen und so manche Überraschung bereit halten. | ||||||||||||
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10./11.08.2001 -
Eine Lange Nacht über die Pubertät
Pickel, Zoff und erste Liebe Moderation: Judith Grümmer Studiogäste: Marliese Lichtenberg, Gesamtschullehrerin Nina Petrick, Autorin Frank Herrath, Sexual- und Medienpädagoge Rainer Neutzling, Soziologe und Autor
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17./18.08.2001 -
Eine Lange Nacht über Zustand und Zukunft deutscher Kulturinstitutionen
Kulturverschwörung Moderation: Konrad Franke Werden Museen zu
"Suchmaschinen" oder zu "Disziplinierungsmaschinen"?
Lieselotte Kugler, Direktorin des Deutschen Technikmuseums
sieht sich auf der Suche, wenn sie an die Zukunft ihres
Hauses denkt. Stephan Schmidt-Wulffen, Kunstprofessor in
Hamburg mit langer Ausstellungserfahrung findet, die Museen
würden künftig die Besucher noch mehr
disziplinieren als bisher. Wer wird Recht behalten?
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24./25.08.2001 -
Eine Lange Chansonnacht zum 85. Geburtstag von Léo Ferré
Die Fingerschale macht noch keine sauberen Hände und der Handkuss nicht die Zärtlichkeit Autor: Stephan Göritz Wie viele
französische Chansonpoeten begann auch Léo
Ferré im Paris der Nachkriegsjahre: in den
Keller-Cabarets am linken Seine-Ufer, zusammen mit Charles
Aznavour, Juliette Gréco und Yves Montand. Doch bald
ging er stilistisch eigene Wege.
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31.08./01.09.2001 -
Die Lange Nacht der Mathematik
Pythagoras und Würfelkanon Moderation: Uli Blumenthal Norbert Ely Studiogäste: Albrecht Beutelspacher Dr. Knut Radbruch Burkhard Kümmerer Dieter Lohse Peter Baptist Herbert Henck Zu Euklid, dem größten
Geometer seiner Zeit, dem Haupt des glänzenden
alexandrinischen Mathematikerkreises, kam eines Tages ein
junger, der Mathematik beflissener Mann mit der Frage:
,,Aber was werde ich gewinnen, wenn ich all diese Dinge
lerne ?'' Der Meister winkte statt einer Antwort seinen
Sklaven herbei und hieß ihn, dem jungen Mann einige
Goldstücke auszuhändigen: ,,Denn er muss Profit
aus dem ziehen, was er lernt!''
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07./08.09.2001 -
Die Lange Nacht der Diven
Von der Schönheit der Sünde Autor: Jochanan Shelliem Sarah Bernard schrieb mehr als
einen Brief, Gina ließ sich nicht lange bitte, hatte
dann leider doch nichts anzuziehen. Die Knef gab sich die
Ehre im Kempinski, Juliette Greco im klassizistisch klammen
Frankfurter Hof. Marlene lässt sich allein im
abgedunkelten Salon zu zeitlosen Aussagen hinreißen
und Isadora Duncan überlebte nicht die Kapriolen ihres
Schals an der Corniche von Nizza, Georgette dagegen liebt
das Rampenlicht und redet gern bewaffnet mit Champagner,
Zigarettenspitze und begleitet vom Gemurmel des Klaviers im
Varieté und wer Wolf Biermann eine Kamera vor´s
Auge hält, der muss viel Zeit mitbringen.
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14.09.2001 -
Eine Lange Nacht mit der Sozialtherapeutin Lily Pincus
"Lebendig, solange man lebt". Nur im DeutschlandRadio Berlin! Aufgrund der Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon haben wir unser Programm geändert!
Warum sind manche Menschen im hohen Alter glücklich,
aktiv und schöpferisch, während andere alte Frauen
und Männer schicksalsergeben ein eingeschränktes
Leben fristen? In den europäischen
Wohlstandsgesellschaften wächst die Zahl der Alten
rapide an. Ihren Bedürfnissen und den
Herausforderungen des hohen Alters gerecht zu
werden, gehört inzwischen zu den drängenden
Problemen der Gesellschaft.
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15.9.2001 -
Eine Lange Nacht über Frauen im GULAG
Ich muss sagen, wie es war. Nur im Deutschlandfunk! Aufgrund der Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon haben wir unser Programm geändert!
Autor :
Die sowjetische Staatsführung hat bis Mitte der fünfziger Jahre mehrere Millionen Frauen in, wie es offiziell hieß, "Besserungsarbeitslagern" inhaftiert. Unter ihnen befanden sich Bäuerinnen, Arbeiterinnen, Intellektuelle, Partei- und Staatsfunktionärinnen, politische Emigrantinnen und Frauen aus von der Sowjetunion okkupierten Gebieten. Die Anklagen konstruierten Mitarbeiter der sowjetischen Geheimpolizei. Die drakonischen Strafen fällten Militär- und Sondergerichte. Über das Schicksal weiblicher Häftlinge ist bislang wenig bekannt. Auch die Gesprächspartner von Alexander Solschenizyn waren meist Männer. Politische und religiöse Frauen, die jahrelange GULAG-Haft überlebten, erzählen in beeindruckenden Schilderungen über Alltag, Zwangsarbeit, Haftordnung, ihren Kampf ums Überleben und über die Jahre nach der Freilassung in der Sowjetunion. | ||||||||||||
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21./22.09.2001 -
Die Lange Nacht der iranischen Frauen
Die halbe Wahrheit, das ganze Leben Autorin: Ulrike Bajohr Iran. Fundamentalismus.
Männerwelt. Frauen in langen Mänteln und
Kopftüchern. Ein Bild, das so richtig und so falsch
ist, wie Klischees eben sind. Es ist wahr, ohne Mantel und
Kopftuch darf keine Frau in die Öffentlichkeit, und
ohne bodenlangen Schador keine in die Moschee. Es ist wahr,
Flughäfen haben einen Eingang nur für Frauen; in
Bussen sitzen sie hinten, von den Männern durch eine
Barriere getrennt. Das Fernsehprogramm zeigt Männer und
Strenggläubige. Gemischte Schulen sind ebenso undenkbar
wie männliche und weibliche Kommilitonen gemeinsam auf
einer Hörsaalbank.
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28./29.09.2001 -
Die Lange Nacht der Bohème
Das Logierhaus zur schwankenden Weltkugel Autor: Kurt Kreiler Die Bohème ist eine
Form der schöpferischen Gegen-Kultur, ein Akt der
Rebellion - die Daseinsform der ewig Jungen, der kultiviert
Leichtsinnigen, der Spötter und der Liebenden.
Café und Atelier bilden ihre Spielwiese.
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05./06.10.2001 -
Die Lange Nacht der griechischen Literatur
Das Leben jenseits der Säulen Moderation: Ulf-Dieter Klemm Studiogäste: Frau Rhea Galanaki Frau Ioanna Karystiani Herr Dimosthenis Kourtovik Herr Petros Markaris Herr Alexis Pansélinos Herr Charis Vlavianos Kaum ein anderes Land ist
der deutschen Literaturgeschichte so präsent wie
Griechenland. Und von kaum einer Kultur herrschen so viele
Klischees vor wie von der griechischen, die im
Urlaubskatalog zwischen Akropolis, Troja, Sirtaki und Alexis
Sorbas abgelegt ist.
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12./13.10.2001 -
Die Lange Nacht der drei starken Frauen
Ginzburg - Morante - Ortese Autor: Roland H. Wiegenstein Sie waren fast Altersgenossinnen, sie haben einander gekannt und - aus der Entfernung - geschätzt. Natalia Ginzburg, Elsa Morante und Anna Maria Ortese, drei der bedeutendsten italienischen Autorinnen der Nachkriegszeit. Natalia Ginzburg: ihre Geschichten beschreiben lakonisch die Verdrängungen, die Leiden und die Langeweile der bürgerlichen Gesellschaft. Die Ginzburg, eine öffentliche Figur und eine Instanz, am Ende gar als Senatorin der italienischen Republik. Elsa Morante: schon als junges Mädchen begann sie zu schreiben, mit nur 23 Jahren erschien ihr erstes Buch, mit dem Roman "Lüge und Zauberei" wurde sie 1948 berühmt. Anna Maria Ortese: eine reine Autodidaktin, die 1937 - beinahe unbeachtet - ihr erstes Buch herausbrachte. Viele ihrer Bücher blieben bloße Achtungserfolge, erst mit "Die Klage des Distelfinken" erfuhr sie 79-jährig die lange verdiente Anerkennung. Was diese Autorinnen miteinander zu tun haben, wie sich ihre | ||||||||||||
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19./20.10.2001 -
Eine Lange Nacht der Exzentrik
Käuze - Spinner - schwarze Schafe? Autorin: Hannelore Hippe Es sind mehr als man glaubt und
sie findet man nicht nur in England: Exzentriker gibt es
überall, denn auf 10000 Menschen, so sagt eine
exzentrische Studie, kommt einer, der so ist, wie er eben
ist. Anders. Der beinharte Exzentrikertest zeigt dem
Hörer, worauf es ankommt an der aufregenden Peripherie
des Durchschnitts, denn eine fehlerhafte Orthografie und
eine Vorliebe für Kartoffeln tun es nicht allein.
Wirkliche Exzentriker wandern immer auf unbetretenen Pfaden,
auch wenn man über sie lacht. Sie halten sich
selbstverständlich nicht für exzentrisch und
ziehen ihr Ding unbeirrt durch. Exzentrikerinnen lebten
jedoch schon immer näher am Scheiterhaufen oder der
Psychiatrie.
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26./27.10.2001 -
Eine Lange über Mütter und Söhne
"Junge, komm bald wieder..." Moderation: Judith Grümmer Studiogäste: Prof. Dr. Barbara Vinken Prof. Gerhardt Amendt Prof. Albrecht Koschorke Mit "Mama, du sollst
doch nicht um deinen Jungen weinen", rührte Heintje in
den 60erJahren viele Herzen. Die Liebe zwischen Mutter und
Sohn - sie wird verkitscht, aber auch verflucht und
verdrängt, denn in kaum einer menschlichen Beziehung
sind die Gefühlsextreme größer: Liebe,
Haß, Verehrung und Verachtung. Von ihren Mütter
erzogen, geliebt oder weggestoßen, versucht mancher
Mann ein Leben lang vor der Mutter zu fliehen, ein anderer
löst sich nie von der ersten Frau seines Lebens. Dabei
werden die meisten Söhne von ihren Müttern mehr
geprägt, als sie selbst wahrhaben wollen. Um zu einem
"richtigen" Mann zu werden - so heißt es -
müssten Söhne sich viel vehementer von ihren
Müttern lösen als von ihren (oft abwesenden)
Vätern.
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02./03.11.2001 -
Die Lange Nacht des Pfeifens
Teekessel, Dompfaffe und letzte Löcher Moderation: Hermann-Christoph Müller Studiogäste: Valerian Maly Matthias Osterwald Simha Arom Alles pfeift und alle pfeifen, und
fast niemand denkt darüber nach. Menschen pfeifen - oft
unbewußt - im Alltag, in gehobener Stimmung, manchmal
kokett, manchmal vulgär. Sie pfeifen aus Empörung,
aus Begeisterung, aus Angst, als Signal, als geheimer Code
der Wiedererkennung. Und wer morgens pfeift, den holt abends
die Katz´ - behauptet der Volksmund. Menschen pfeifen
sich an, sie pfeifen aus, sie pfeifen hinterher, sie
verpfeifen (sich), sie pfeifen sich was rein, sie pfeifen
auf dem letzten Loch. Spatzen pfeifen Neuigkeiten
vorzugsweise von Dächern. Aber nicht nur Vögel
pfeifen, auch andere Tiere, Delphine, Murmeltiere, Ratten,
Fledermäuse pfeifen, und manche glauben, ihr Schwein
pfeift. Maschinen, Motoren und Computer pfeifen, Kugeln
pfeifen, der Kosmos pfeift.
In der Langen Nacht des Pfeifens soll dem Phänomen des Pfeifens in der Fülle seiner Facetten nachgegangen werden, als akustische und symbolische Äußerung bei Mensch und Tier, in der Natur, in der Technik, als Teil der Alltagskultur, als Element der Musik. Dabei werden zahlreiche Wissensgebiete und Lebensbereiche berührt: Kommunikations- und Sprachwissenschaft, Sozialpsychologie, Film, Volkskunde, Biologie, Ornithologie, physikalische Akustik, Psychoakustik, Sport, Transportwesen, Medizin - und mehr als 500 Jahre Musikgeschichte. | ||||||||||||
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09./10.11.2001 -
Die Lange Nacht der Spots und Slogans
Damit Sie auch morgen noch kraftvoll konsumieren können! Autorin: Claudia Mützelfeldt Mit dem richtigen Kaffee
landen Sie bei der Nachbarin - oder sorgt doch ein
bestimmter Geschirrspüler für mehr Sexappeal? Mit
Halbfettmargarine und dem neuen leichten Joghurt starten Sie
fröhlich in einen erfolgreichen Tag, der Ihnen cremig
und locker von der Hand geht und wenn Sie dann auch noch die
richtigen Aktiengeschäfte tätigen, müssen Sie
auch nicht mehr lange auf die rasante Autofahrt durch
Traumlandschaften warten, selbstredend in dem Auto, das
Ihnen die Sicherheit und Geborgenheit gibt, die man sonst
kaum noch vom Leben zu erhoffen wagt. Mehr noch: das
richtige Auto rettet Ihre Ehe oder lässt ein heimliches
Tête-à-tête auch beim schlimmsten
Unwetter zu, je nachdem.
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16./17.11.2001 -
Die Lange Nacht vom Bauhaus
Weg von Dessau und zurück Autor: Adolf Stock Das Bauhaus wurde 1919 von dem Architekten Walter Gropius gegründet. Schon 1925 zog die Kunstgewerbeschule vom bürgerlichen Weimar in die Industriestadt Dessau, wo ihre weltweite Erfolgsgeschichte begann. Das dortige Bauhausgebäude gilt als Ikone der Moderne und steht heute auf der Weltkulturerbeliste. Das Dessauer Industriedesign vom Marcel Breuer oder Wilhelm Wagenfeld ist bis heute stilbildend. Die Nationalsozialisten zerschlugen das Bauhaus, doch sie konnten den Siegeszug der Bauhausidee letztendlich nicht aufhalten. In Dessau war erst in den achtziger Jahren ein Neuanfang möglich. Heute steht der Name Bauhaus für die Moderne schlechthin, und die Erben dieser großen Idee streiten sich ebenso gründlich wie die Bauhäusler in ihren besten Zeiten, nicht zuletzt in dieser Langen Nacht. | ||||||||||||
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23./24.11.2001 -
Eine amerikanische Nacht
American Dusk Autoren: Edgar Lipki Hermann-Christoph Müller American Dusk - im
Zentrum dieses dreiteiligen Hörspiels steht die
Erfahrung der Grenze - der Staatsgrenze zwischen Mexiko und
den USA, der Grenzerfahrung zwischen Leben und Tod, der
Grenze zwischen Geschichte und Aktualität.
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30.11./01.12.2001 -
Die Lange Nacht vom Euro
Währung auf Bewährung Moderation: Ursula Welter Klaus Harke Europa wird verwirrt sein: Menschen die auf Münzen beißen und bunte Scheine skeptisch gegen das Licht halten. Der Euro ist für alle Europäer ungewohnt neu, nur die Deutschen haben besonders schlechte Erfahrungen mit dem Austausch von Geld gemacht. "Währung auf Bewährung" heißt deshalb die Lange Nacht vom Euro. Sie handelt von Abschied und von Ängsten, von Blütenträumen der Fälscher, von Konkurrenz in Übersee. Sie bietet Währungsgeschichte und -geschichten, ökonomische wie politische Hintergründe und hie und da ein bisschen Sentimentalität. | ||||||||||||
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07./08.12.2001 -
Chansons der Pariser Nachkriegsjahre in einer Langen Nacht
Skandal des Glücks Autor: Stephan Göritz Nie wieder entstanden so
viele Chansons wie im Paris der Nachkriegsjahre. Die
"Krähe auf Pedalen", wie die Franzosen den Reichsadler
nannten, hatte man verjagt, jetzt konnten nach den vier
schwarzen Jahren der deutschen Besatzung Kunst und Denken
und vor allem das Leben explodieren.
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14./15.12.2001 -
Eine Lange Nacht über Russen in Berlin
"... wie ein See inmitten seiner Ufer." Moderation: Dietrich Möller "Es riecht nach Russland",
notierte einst Andrej Belyj in Berlin, allenthalben
träfe er auf Landsleute: "und hört man einmal
deutsch, ist das Staunen groß: Wieso? Deutsche? Was
haben die in "unserer" Stadt zu suchen? Und Viktor
Schklowskij schrieb: "Die Russen in Berlin ziehen ihre
Kreise um die Gedächtniskirche wie Fliegen um den
Kronleuchter. ... Wir leben zuhauf unter den Deutschen, wie
ein See inmitten seiner Ufer." Alle, alle schien es in die
Stadt zu ziehen, die Zwetajewa und den Pasternak,
Majakowskij und Pilnjak, Ehrenburg und Aleksej Tolstoj,
Jessenin und Berdjajew, Meyerhold und Lissitzkij. Wladimir
Nabokows erster russischsprachiger Roman entstand hier; wie
auch die nächsten sieben, und sie spielten allesamt
ganz oder teilweise vor Berliner Kulisse. Damals in den
Zwanziger Jahren.
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21./22.12.2001 -
Eine Lange Nacht zum 100. Geburtstag von Marlene Dietrich
Ich weiß nicht zu wem ich gehöre... Autor: Hans Bräunlich Sie ist "Die Frau, nach der
man sich sehnt". Damals noch - 1929 - in einem Stummfilm mit
ihr als Hauptdarstellerin. Sie wird es ein Leben lang als
Frau und Künstlerin bleiben, nachdem der Regisseur
Josef von Sternberg ein Jahr später mit dem UFA-Tonfilm
"Der blaue Engel" ihren Weltruhm begründet. Von
Babelsberg geht es nach Hollywood, der spektakuläre
Anfangserfolg allerdings wiederholt sich nie wieder.
Trotzdem wird sie zu einem begehrten Filmstar, zu einer
Leinwandlegende. Den Nazis entzieht sie sich und lässt
sich in Amerika einbürgern. Sie arbeitet in Hollywood
mit berühmten Regisseuren, trotzdem kommt es immer
wieder zu Karriereeinbrüchen. Verheiratet bleibt sie
ein Leben lang, doch es gibt daneben auch zahlreiche
Affären, z.B. mit Erich Maria Remarque oder Jean Gabin.
In Deutschland diffamiert man sie später als
"Vaterlandsverräterin", weil sie sich in der
amerikanischen Truppenbetreuung während des Krieges
engagiert hatte. Eine neue, weltweite Karriere macht sie in
den 60er und 70er Jahren als Sängerin berühmt.
1992 stirbt sie vereinsamt mit 91 Jahren in Paris.
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28./29.12.2001 -
Die Lange Oldie-Nacht
Deine Spuren im Sand... Autor: Wolfgang Koczian Die Dokumentaristen verfügen
immer nur über die halbe Wahrheit. Vom Standpunkt der
Gegenwart, dem winzigen Zeitpunkt, da sich Vergangenheit und
Zukunft treffen, amputieren sie die Realität um die
Träume. Das macht den Reiz der Science Fiction aus, die
Phantasie als schöpferische Kraft, die
Sachrealität erst schafft. Aber auch der Blick in die
Vergangenheit lässt wieder zusammenwachsen, was
zusammengehört, die Realität mit der Emotion, mit
Zuneigung und Abneigung und Leidenschaft. Darin liegt der
geheimnisvolle Reiz der Oldies, die wieder Saiten anklingen
lassen, deren Ton verschüttet war, und das mit der
Ursprünglichkeit, die nicht zwischen Kitsch und Kunst
scheidet. "Den Drang, am Tag über die Wunder der Welt
zu grübeln und des Nachts die Sterne am Himmel zu
zählen" formulierte immerhin Heinrich Heine ,und der
seinerzeit durchaus altväterlichen FAZ diente die Zeile
"Deine Spuren im Sand, die ich gestern noch fand, hat der
Wind mir genommen" der Aufnahme ins Feuilleton würdig
und als Nachweis, dass der Alltag durchaus Lyrik kennt. Das
Gedächtnis verfügt über eigene List,
selektiert und ordnet neu zu und rettet somit die
Träume von einst. Oldies stehen für die Poesie des
Lebens.
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04./05.01.2002 -
Die Lange Nacht des Theater- und Hörspielmanns Martin Esslin
Vom Glauben an das Leben Autorin: Heike Tauch 1918 in der ungarisch-österreichischen Monarchie geboren, kommt Martin Esslin, geb. Pereszlenyi, als Zweijähriger nach Wien, wo er bei seinem Vater und seiner Stiefmutter aufwächst. Die jungfräuliche Schwester seiner Stiefmutter wird für ihn entscheidend: Sie liebte zwar nie einen Mann, aber sie liebte das Theater und vor allem den großen Schauspieler Alexander Moissi. 1936 bewirbt er sich am Max-Reinhardt-Seminar in Wien, um Regisseur oder Dramaturg zu werden. Die deutschen Truppen haben Wien schon eingenommen, da erhält er 1938 das Zeugnis vom Reinhardt-Seminar und verlässt Wien. Ein Jahr lebt er in Brüssel, bis es seinem Vater gelingt, ihn zu der sehr wohl habenden Familie Salaman zu schicken. Diese Familie lebt in der Nähe von London und gehört dem Bloomsbury Circle an, einem Kreis der fortschrittlichsten Intellektuellen des Landes. Als er Krieg ausbrach, muss er sie verlassen und er bewirbt sich beim Monitoring Service, dem Abhörhördienst der BBC. Esslin: "So begann meine BBC-Karriere". Sie führt ihn über die Deutsche Abteilung und den BBC World Service hin zur Hörspielabteilung. 14 Jahre, von 1963-1977, leitet Esslin, ein deutschsprachiger Ausländer, das Kleinod der britischen Nation, das National Theater On The Air. Eine enge Freundschaft verbindet ihn mit Beckett und Pinter. Sein "Das Theater des Absurden" zählt heute zu den Standardwerken der Theaterliteratur. Die Gespräche für die Lange Nacht mit dem Theater- und Hörspielmann Martin Esslin sind im April 2000 in Berlin und London aufgenommen wurden. | ||||||||||||
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11./12.01.2002 -
Eine Lange Nacht über 40 Jahre Deutschlandfunk
Grundton D Moderation: Andreas Stopp Am Neujahrstag 1962 begann der
Deutschlandfunk seine Sendungen auszustrahlen mit folgendem
programmatischen Satz des Intendanten: "Der Deutschlandfunk
wird ein Informationssender sein". Seither hat der Sender
deutsche Zeitgeschichte begleitet und - als Brücke
zwischen Ost und West - mit gestaltet. Im "Tal der
Ahnungslosen", wie der westfernseh-freie Raum in Teilen von
Sachsen um Dresden zu DDR-Zeiten spöttisch genannt
wurde, war der Deutschlandfunk immer eine entscheidende
Informationsquelle. Sendungen wie "Aus ostdeutschen
Zeitungen", "Wie wir leben" oder "Das Wochenendjournal" gehörten damals zu den Klassikern. Hier erfuhren
Hörerinnen und Hörer oft mehr über Ereignisse
und Entwicklungen in der DDR als über den
gleichgeschalteten Apparat des DDR-Rundfunks. In dieser
Langen Nacht treffen sich im Kölner Funkhaus
Programm-Macher, die vor dem Mikrofon oder im Hintergrund
die Geschichte des Senders geprägt haben. Jene, die in
den ersten Stunden dabei waren, berichten über die
Schwierigkeiten der Anfänge, die im Laufe der Jahre
Dazugekommenen erzählen vom journalistischen und
organisatorischen Alltag, von besonderen Momenten, von
Sternstunden der Berichterstattung und solchen, die man
lieber vergessen möchte...
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18./19.1.2002 -
Eine Lange Nacht über die Welt als Kaufhaus
Zahltag! oder Alles hat seinen Preis Autor: Michael Langer Das Menschenbild im 21. Jahrhundert
lautet: Homo Oeconomicus. Wahlweise auch: Homo Consumans.
Bekanntlich soll der kapitalistische neoliberale Markt alles
richten. Nach dem Zeitalter der Utopien sind ausser der
Kommerzialisierung aller Lebensbereiche kaum noch Visionen
übriggeblieben.
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25./26.01.2002 -
Eine Lange Nacht über Lust und Frust von Teamarbeit
Elf Freunde sollt ihr sein Moderation: Michael Roehl Studiogäste: Prof. Dr. Margarete Boos Hedwig Kellner Prof. Dr. Olaf-Axel Burow Arbeit im Team,
Teamfähigkeit, Bereitschaft zur Teamarbeit: in
Stellenanzeigen werden Mitarbeiter gesucht, die kooperieren
können.
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01./02. Februar 2002 -
Die Lange Nacht der singenden Schauspieler
Unser kleines Welt-Spektakel Autor: Dieter Kranz Wenn Schauspieler singen, dann
kann sich Talmi in pures Gold verwandeln; dann offenbaren
schlichte Volkslieder plötzlich einen subversiven
Nebensinn. Man ertappt sich erschrocken bei dem Gedanken,
dass Schauspieler vielleicht doch die besseren Sänger
sind! Oder etwa nicht?
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08./09. Februar 2002 -
Die Lange Nacht der Familiennamen
Müller-Lüdenscheid ist auch nur ein Mensch Autorin: Ulrike Bajohr Über 700 000 Deutsche
heißen Müller. Kein Mensch macht sich Gedanken
über die Herkunft dieses Namens. Müller eben. Im
11., 12. Jahrhundert, als sich die Mitteleuropäer der
Verwechslungsgefahr wegen - und weil die Urkundenschreiberei
zivilisatorischen Fortschritt demonstrierte - einen Zunamen
zulegten, griff man auf das Nächstliegende zurück.
Auf den Beruf zum Beispiel.
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15./16.2.2002 -
Die Lange Nacht der sowjetischen Popmusik
Tanz schneller, Genosse und vergiss das Weinen nicht! Autor: Uli Hufen Ob man's glaubt oder nicht - in
der Sowjetunion war es nicht verboten, sich zu
amüsieren. Sicher - der Kommunismus musste aufgebaut
werden, und das war hart genug. Doch spätestens seit
den 50er Jahren hatte die Partei begriffen, dass etwas
Ablenkung und Unterhaltung nicht schaden konnten. Es gab
Restaurants, es gab Bars, es gab Konzerte. Die Menschen
hörten Radio, schauten Fernsehen und kauften
Schallplatten. Sie kleideten sich modisch, sie gingen tanzen
und sie verehrten ihre Stars. Diese trugen klangvolle Namen
wie Iosif Kobson, Edita Pecha, Valeri Meladse, Anna German
oder Alla Pugatschowa und sie verkauften Hunderte Millionen
Schallplatten zwischen Brest und Wladiwostock, Murmansk und
Taschkent. Sprachbarriere und kalter Krieg sorgten in
unheiliger Allianz dafür, dass von all dem im Westen
wenig ankam.
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22./23.02.2002 -
Die Lange Nacht der Kopfbedeckungen
Mut zum Hut Autorin: Hannelore Hippe Wir sind die erste Generation mitteleuropäischer Menschen, die unbehütet durch die Welt läuft und sich darum wohl auch schutz- und heimatlos fühlen mag. Religiöse Vorschriften, geschlechtsspezifische Schamvorstellungen und strenge Moralkodizes regelten Jahrhunderte lang die Verbreitung standesgemäßer Kappen, Kapuzen und Turbane und was sonst noch gegen Wetter und Feinde getragen wurde. Erst vor knapp dreihundert Jahren stieß die eitle Menschheit zum reinen Zierhut vor. Ist nun der letzte Ausdruck eleganter Lebensart passé oder doch wieder im Kommen? Nicht nur Fahrradfahrer greifen heute zum Helm, in Australien gar wird ob des Ozonlochs geraten, mit Hut auf der Hut zu sein. Von Ängsten und Freuden vor und über die verschiedensten Kopfbedeckungen. | ||||||||||||
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01./02. März 2002 -
Eine Lange Nacht über Amerikas Süden
Mythen, Meilen und Musik Autor: Matias Boem Der Christopher Columbus
Transcontinental Highway ist Amerikas südlichste
Verbindung vom Atlantik zum Pazifik. 2500 Meilen Asphalt
quer über den ganzen Kontinent - im nüchternen
Nummernsystem amerikanischer Autobahnen schlicht I-10
genannt.
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08./09. März 2002 -
Eine Lange Nacht der Züge
Abenteurer des Schienenstrangs Autoren: Knut Benzner Michael Frank Agatha Christies schönster Mord
war der im Orient Express. Die traurigste Abschiedsszene vor
einem Zug war die in Tolstois "Anna Karenina". In
Jeroffejews "Die Reise nach Petuschki" saufen sie im Abteil,
und Erich Kästners "Emil und die Detektive" spielt
teilweise auch in einem Zug, wie das Jugendbuch von Jack
London: "Abenteurer des Schienenstrangs". Die Lieder
über Züge, etwa im Blues, im Gospel oder in der
Country-Musik, sind nicht zu zählen, Elvis sang
mindestens einmal über einen - über einen, der
nach Memphis fährt. Ein anderer bekannter war der
Chatanooga Choo Choo. Der Zug im Film? Bitte: "Der
unsichtbare Dritte", "Manche mögens heiß", "Die
Gentleman bitten zur Kasse", "Mission impossible" und "Jim
Knopf und Lukas der Lokomotivführer". Der Zug war auch
immer eine Metapher. Aufbruch, Ankunft, Flucht
natürlich, die Fahrt an ein fremdes Ziel. Erlösung
- wenn wir metaphysisch werden wollen. Was meint der Chef
der Deutschen Bahn AG zum Mythos Eisenbahn, die in Indien
nicht fotografiert werden darf. Und warum setzen sich an den
Wochenenden so viele Männer hin und basteln an ihren
klitzekleinen Zügen, der Modelleisenbahn?
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15./16. März 2002 -
Die Lange Nacht der russischen Grotesken
Von Nasen und anderen Menschen Autor: Rolf Cantzen "Was man da auch reden mag,
aber derlei Dinge kommen in der Welt vor - selten,
überaus selten - aber sie kommen vor." Gogol wusste es,
zum Beispiel, dass sich hochrangige Nasen selbständig
machen und dass einer der Ivanows etwas hat, was sonst nur
Hexen haben, nämlich ein Schwänzchen hinten.
Bereits bei Puschkin gibt es diese Momente, in denen die
Alltagslogik brüchig wird und ein Entsetzen verursacht,
das komisch daherkommt. Er und seine Söhne fallen - so
später Charms in seinen Anekdoten über Puschkin -
vom Stuhl. Tschechows Einakter und Erzählungen
enthalten rasante, oft absurde Wendungen und Moralparodien.
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22./23. März 2002 -
ACHTUNG! Nur im Deutschlandfunk! Eine Lange Nacht von den anderen Gesichtern Israels und Palästinas
Vielleicht sind wir am Ende doch Brüder Autorin: Dolores Bauer Die Welt kennt oft nur
dies: das martialische Gesicht Israels, das sich in Bomben,
Raketen, Panzern und Bulldozern ausdrückt und das
terroristische Gesicht Palästinas, das durch junge
Männer verkörpert wird, die als lebende Bomben den
israelischen Alltag in Angst und Schrecken versetzen.
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29./30.03.2002 -
Künstlerleben in einer Langen Nacht
Modigliani, Simenon und all die anderen Autor: Ralf Busse Der eine: Stammgast des Pariser "Cafè Rotonde". Hier zeichnete er ununterbrochen, weder der Lüge noch der Anpassung fähig: widerborstig, unbequem und schön. Die Frauen blickten sich nach ihm um und seine Belesenheit setzte in Erstaunen: Amedeo Modigliani, Maler aus Verzweiflung. Der andere: Georges Simenon, ein unermüdlicher Arbeiter, der Romane wie am Fließband zu produzieren schien. Sein Kommissar Maigret macht ihn reich. 10 000 Frauen habe er besessen, doch hat er die Liebe je gekannt? Das gelebte Leben und seine schöpferische Anverwandlung ist Thema der Essays in der Langen Nacht der Lebensläufe. | ||||||||||||
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05./06.4.2002 -
Die Lange Nacht vom Häusle-Bauen
Das letzte Abenteuer Autoren: Agnieszka Lessmann Frank Olbert An den Wänden tropft das Wasser
herunter, denn das Dach ist undicht und die nagelneue
Heizung streikt. Der Kamin ist ohnehin aus Versehen
zugemauert und die Einbau-Küche kommt erst nächste
Woche - ganz bestimmt. Statt großer Einweihungsparty
ist der Einzug ins eigene Heim oftmals ein Weg mit vielen
Hindernissen. "Das letzte Abenteuer der zivilisierten
Wohlstandsgesellschaft" hat ein offenbar aus Erfahrung klug
gewordener Zeitgenosse das Häusle-Bauen einmal genannt.
Warum aber nehmen es Jahr um Jahr so viele hoffnungsfrohe
Menschen auf sich?
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12./13.04.2002 -
Die Lange Nacht vom Vertrauen
All, was du hältst, davon bist du gehalten Moderation: Gabriele von Arnim Der Philosoph fragt nach
Weltvertrauen, der Psychologe nach Urvertrauen, der
Gläubige nach Gottvertrauen, der Mensch an sich ringt
um Selbstvertrauen, der Kanzler stellt die Vertrauensfrage,
Verführer und Betrüger buhlen um blindes Vertrauen
und lassen Misstrauen erblühen.
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19./20.4.2002 -
Die Lange Nacht vom Leben in der Stadt
Glockenturm und CINEMAXX Moderation: Jacqueline Boysen Adolf Stock In München lebt man gern, weil es
die Berge gibt und Italien so nah ist. Die Hamburger lieben
die Alster und ihren Hafen und in Köln und Berlin
fühlt man sich wohl zwischen Nachbarn im Kiez. Das
Loblied auf die Stadt wird noch immer gesungen. Doch
Gefahren lauern: Videokameras überwachen
Müßiggänger und Clochards. Die
Innenstädte verkommen zu Kommerzkulissen. In der global
genormten McDonalds-Stadt verläuft sich kein Flaneur.
Die soziale Stadt zerfällt vor unser aller Augen. Es
entstehen Inseln für Arme und Reiche, während der
Mittelstand ins Häuschen am Stadtrand flüchtet.
Doch überzeugten Städtebewohnern ist die Lust an
der Stadt nicht auszureiben.
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26./27.4.2002 -
Eine Lange Nacht der Sammler
Die Geister, die ich rief... Autorin: Heide Hollmer Autogramme? Briefmarken? Comics?...oder Xylophone? Yo-Yos? Zigarettenspitzen? Eigentlich gibt es nichts, was man nicht sammeln kann! Hinter jeder Sammlung, ob klein oder groß, ob kurios oder wertvoll, steckt ein Mensch. Auf dessen Spur heftet sich die Lange Nacht der Sammler: Gibt es einen klassischen Sammlertyp? Sind Sammler glücklicher als Nicht-Sammler? Was ist lustvoller: das Jagen oder die Beute? Sind Sammler arme Tröpfe oder eher Millionäre, wie Honoré de Balzac geglaubt hat? Wie leben Sammler mit ihren Schätzen? Wie viel Sammeln ist normal? Wie hat das alles angefangen? Wann ist man am Ziel? Die Lange Nacht der Sammler ist selbst eine Sammlung von Impressionen und Überlegungen, wessen Geistes Kinder die Sammler denn eigentlich sind! | ||||||||||||
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03./4.5.2002 -
Eine Lange Nacht über die Haut
Leinwand der Seele Moderation: Kim Kindermann Peter Kiefer Die Haut wird mit zahlreichen
Attributen belegt. Sie kann weich sein, ledern, ehrlich oder
faul. Sie kann die Farbe wechseln, sie kann Botschaften
aussenden, sie kann sich auch häuten. Sie gibt
Parasiten eine Heimstatt, reagiert allergisch und hat ein
enormes Gedächtnis. Sie ist eine Projektionsfläche
für Schönheitsideale unterschiedlichster Art. Sie
wird, als tierische Haut, zum Fetisch, als
Kleidungsstück zur zweiten Haut und kann in dieser
Eigenschaft künftig Energie speichern, kommunizieren
und - genau wie die erste Haut - sogar bei Bedarf die Farbe
wechseln.
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10./11.5.2002 -
Eine Lange Nacht zum 10. Todestag von Marlene Dietrich
Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre... Autor: Hans Bräunlich Marlene Dietrich - "Die Frau,
nach der man sich sehnt", damals noch - 1929 - in einem
Stummfilm mit ihr als Hauptdarstellerin. Sie bleibt es ein
Leben lang als Frau und Künstlerin, nachdem der
Regisseur Josef von Sternberg ein Jahr später mit dem
UFA-Tonfilm "Der blaue Engel" ihren Weltruhm begründet.
Von Babelsberg geht es nach Hollywood, der spektakuläre
Anfangserfolg allerdings wiederholt sich nie wieder.
Trotzdem wird sie zu einem begehrten Filmstar, zu einer
Leinwandlegende. Den Nazis entzieht sie sich und lässt
sich in Amerika einbürgern. Sie arbeitet in Hollywood
mit berühmten Regisseuren, trotzdem kommt es immer
wieder zu Karriereeinbrüchen. Verheiratet bleibt sie
ein Leben lang, doch es gibt daneben auch zahlreiche
Affären, z.B. mit Erich Maria Remarque oder Jean Gabin.
In Deutschland diffamiert man sie später als
"Vaterlandsverräterin", weil sie sich in der
amerikanischen Truppenbetreuung während des Krieges
engagiert hatte. Eine neue, weltweite Karriere macht sie in
den 60er und 70er Jahren als Sängerin berühmt.
1992 stirbt sie vereinsamt mit 91 Jahren in Paris.
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17./18.5.2002 -
Die lange Hochzeitsnacht
Da hängt der Himmel voller Geigen Autoren: Regina Kusch Andreas Beckmann Ob man sich ganz romantisch in
weiß auf einem Schloss das Jawort gibt, sich auf einem
Traumschiff vom Kapitän trauen lässt, im Fernsehen
heiratet oder im Rathaus von Amorbach - Hochzeiten sind
wieder im Trend, obwohl oder gerade weil heute niemand mehr
heiraten muss, um eine Wohnung zu bekommen, weil ein Baby
unterwegs ist oder um versorgt zu sein.
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24./25.5.2002 -
Eine Lange Nacht der Bewusstseinsforschung
Neue Wissenschaft Moderation: Harald Brandt Studiogäste: Dr. Claudia Müller-Ebeling Prof. Dr. Ervin Laszlo Dr. Franz-Theo Gottwald Die Lange Nacht "Neue
Wissenschaft" ist ein Gespräch über die
evolutionäre Sackgasse, in der sich die Menschheit an
der Schwelle eines neuen Jahrtausends befindet. Wenn es uns
nicht gelingt, unser Bewusstsein so zu erweitern, dass wir
zu weniger zerstörerischen Umgangsformen mit unserer
Umwelt und mit unserer eigenen Spezies finden, könnte
das "Abenteuer Menschheit" ein schlimmes Ende nehmen.
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31.5./1.6.2002 -
Die Lange Nacht der Väter
"Aus dem Leben eines Taugenichts..." Autor: Jochanan Shelliem Wie Eichendorffs
Traumtänzer durch den blauen Mohn stolperte Boris in
die Besenkammer. Auch wenn verliebte Frauen ihren
Göttergatten dufte finden, wenn er wie Papa riecht, es
ist ein hartes Los, das Los der Neuen Väter nach dem
Tod des Patriarchats. Wie harmlos wirkt das Schwert im
Doppelbett, wenn in der Mitte Mamas Liebling liegt. No Sex
today. Seit die Vatermörder eingemottet, seit der
Machtverlust im Haus nicht mehr zu leugnen ist, Sabatical
her & Karriere hin, seit die Familienfalle mit sozialem
Abstieg droht, seit selbst die Zeugung life oder deluxe mit
Samenmix in vitrio zur Auswahl steht, mit einem Wort, der
Patriarch enttrohnt, schleicht sich der Mann ins Internet
zum Papa-Check. Und Besenkammern lauern überall. No Sex
today.
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07./8.6.2002 -
Eine Lange Nacht von den 1. Europäischen Chanson-Tagen in Oberursel
Keine Sandburg trotzt der Flut Autor: Stephan Göritz Die Französin Enzo Enzo
war in ihrem ersten Leben Bassistin einer Rockgruppe, heute
bevorzugt sie die leisen Töne des Chansons. Zu einer
Musik, die zwischen Django Reinhardt und Cole Porter
angesiedelt ist, singt sie über Erinnerungen und
Wünsche, Revolten und Enttäuschungen, über
das, was viele denken, ohne es zu sagen, unspektakulär
und vielleicht gerade deshalb so genau. Ihre Lieder versteht
sie als Sandburgen, die der nächsten Flut nicht trotzen
werden, die wir aber immer wieder bauen, weil sie uns Mut
geben. Die CDs von Enzo Enzo wurden in Frankreich inzwischen
mit Gold und Platin geehrt, Tourneen führten die
Künstlerin bis nach China und Japan.
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14./15.6.2002 -
Eine Lange Nacht mit osteuropäischen Frauen
Schwestern, zur Sonne, zur Freiheit... Moderation: Sabine Adler Studiogäste: Larissa Lissjutkina Anna Köbberling Gulnara Rachmatulina Gerd Ruge Warum gibt es unter den Schwestern in
Warschau, Minsk, Kiew oder Sankt Petersburg keine Alice
Schwarzer? Brauchen sie keine, weil sie schon emanzipiert
sind? Kinder, Küche, Job bringen sie seit Jahrzehnten
schon unter einen Hut, auch wenn das dritte K, die Karriere,
meist auf der Strecke bleibt. Warum sind vor allem sie die
Klempnerinnen der Gesellschaft, retten, was kaum noch zu
retten ist? Warum gibt es Soldatenmütter und keine
Väter, warum gibt es "Frauen gegen Drogen" und keine
Männer? Wer macht aus kleinen Paschas waschechte
Patriarche? Warum sind nur ganze Kerle Männer?
Müssen sich die Emanzen aus dem Westen von den viel
"weiblicheren" Frauen des Ostens eine Scheibe abschneiden?
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21./22.6.2002 -
Die Lange Nacht vom Hafen
Ein Schiff wird kommen Autoren: Simonetta Dibbern Knut Benzner Wer in einen Hafen einläuft, so
interpretiert die Traumdeutung, ist am Ziel seiner Reise.
Der Hafen umschreibt also die Erfüllung einer Hoffnung.
Man kommt an bei denen, die man liebt. Daher auch der "Hafen
der Ehe"? Vielleicht...
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28./29.6.2002 -
Die Lange Nacht zum 125. Geburtstag von Hermann Hesse
Ich war ein Suchender und bin es noch Autor: Joachim Scholl Studiogäste: Dr. Sigrid Löffler Dr. Helmut Böttiger Dr. Gunnar Decker Thomas Mann sah in ihm "den Nächsten und Liebsten", Walter Benjamin schätzte seine Weltsicht, die "zwischen der Kontemplation eines Mystikers und dem Scharfblick eines Amerikaners eine eigene Mitte hält." Gottfried Benn indes empfand ihn "als durchschnittlichen Entwicklungs-, Ehe-, und Innerlichkeitsromancier eine typisch deutsche Sache." Zwischen Bewunderung und Verachtung bewegten sich schon zu Lebzeiten die Stimmen, wenn es um die Person und das Werk Hermann Hesses ging. Heute überwiegt die Kritik, in intellektuellen Kreisen gilt der Autor und Nobelpreisträger nicht viel. Sein weltweites Publikum hat das nie geschert. Hermann Hesse wurde zum erfolgreichsten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, zum Guru und Idol für ganze Generationen rebellischer Jugend. In über 50 Sprachen sind seine Bücher übersetzt, in mehr als 100 Millionen Exemplaren verbreitet. Der 125. Geburtstag am 2. Juli bietet die Gelegenheit, in einer Langen Nacht das Phänomen Hermann Hesse neu zu diskutieren. Wo liegen die Gründe und Ursprung seiner unvergleichlichen Wirkung? Was haben "Demian", "Steppenwolf" und "Glasperlenspiel" uns heute noch zu sagen? Kompetente Kritiker werden ihre Faszination und Skepsis beschreiben, der Dichter kommt selbst in Original-Aufnahmen und Lesungen zu Wort. | ||||||||||||
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05./06. Juli 2002 -
Lange Nacht vom Tanz- und Folkfest Rudolstadt
Weltmusik am Saaleufer Moderation: Antje Kühlmorgen Knut Benzner Die Kniegeige ist vor allem in Asien
aber auch in Europa verbreitet und in jedem Fall ein
magisches Instrument. Polen hat eine vitale Musikszene, bei
der vom Trachtentanz bis zu modernen Club-Sounds alles
möglich ist. Und dass in der Region zwischen Rhein im
Westen, Ruhr im Süden und Emscher im Norden Musik
gemacht wird, ist alles andere als neu. Was hat das alles
miteinander zu tun? Das Tanz- und Folkfest im
thüringischen Rudolstadt vereint diese Aspekte
miteinander: Polen, das Ruhrgebiet und die Kniegeige. Das
sind in diesem Jahr die Programmschwerpunkte beim
wichtigsten deutschen Festival der Musik unserer Welt. Das
sind nur die Schwerpunkte, also längst nicht alles. Es
werden sicher wieder rund tausend Musiker und Tänzer
nach Rudolstadt kommen, die sich auf mehr als einem Dutzend
Bühnen an beiden Ufern der Saale etwa 70.000 Besuchern
präsentieren werden. Drei Tage lang Folk, Tanz,
Weltmusik von fünf Kontinenten.
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12./13. Juli 2002 -
Eine Lange Nacht mit dem Dirigenten Kurt Masur zum 75. Geburtstag
Ich wollte nie Karriere machen Moderation: Rainer-Kurt Langner Als am 11. September 2001 zwei Flugzeuge in die beiden Türme des World Trade Center rasten, bereitete sich das Londoner Philharmonische Orchester während einer Gasttournee auf den Konzertabend in Bukarest vor. Auch Kurt Masur, gerade Chefdirigent der Londoner, ist dieser Tag unvergesslich: "Das war ein Riesen-Schock. Weil wir zu sehr gewöhnt sind, Horrorfilme zu sehen. Und so etwas als Realität zu begreifen war wirklich schwer. Wir haben überlegt, ob wir überhaupt spielen können." London Philharmonic spielte, eröffnete den Abend mit Brahms "Deutschem Requiem", das sie den Opfern der Terroranschläge widmeten. Masurs Karriere begann 1946 im zerbombten Leipzig, als einer der ersten Studenten der wiedereröffneten Musikhochschule. Nie hat ihn diese Stadt losgelassen, ihre glänzende Vergangenheit nicht und nicht ihre unsichere Zukunft. Über ein Vierteljahrhundert hat er als Gewandhauskapellmeister das Leipziger Gewandhausorchester, eines der ältesten Orchester der Welt, dirigiert. Im Herbst 1989 öffnete er "sein Gewandhaus" dem friedlichen Dialog, stellte er sich an die Seite der Leipziger "Montagsdemonstranten", in Wort und Tat. Zu unserer Langen Nacht des Dirigenten Kurt Masur hat sich Rainer-Kurt Langner Gäste eingeladen, die von ihren Begegnungen mit einem Mann erzählen, der vor 75 Jahren geboren wurde, Musik als Chance zur Verständigung der Menschen versteht, den Konzertsaal als einen Ort der Humanitas. "Vielleicht", so sagte der Maestro, "bin ich an diesem Abend in Bukarest mit meinem Anliegen von allen, sogar einschließlich der Kritiker, am besten verstanden worden". Eine Lange Nacht mit dem Dirigenten Kurt Masur, mit Gesprächen über Musik, große Interpreten, über die Musikstadt Leipzig und natürlich mit viel Musik. | ||||||||||||
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19./20. Juli 2002 -
Eine Lange Nacht über Kommunikation im Tierreich
Graue Maus liebt bunten Papagei Moderation: Judith Grümmer Mirko Smiljanic Studiogäste: Annette Kilian Privatdozent Dr. Hans-Wolfgang Helb Prof. Gunther Nogge Im Tierreich herrschen
seltsame Sitten: Bei bestimmten Vogelarten zum Beispiel
werben die Männchen um die Weibchen, was ja
zunächst einmal nichts besonderes ist. Sie tun dies
allerdings in einem geradezu überbordend bunten
Federkleid inklusive tänzerischer Einlagen und
unentwegtem Singen. Die Weibchen dagegen - nichtssagend
grau. Oder nehmen wir die Schwarze Witwe: Sie frisst ihre
Begatter nach den Liebesminuten auf. Auch so lässt sich
Treue erzwingen.
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26./27. Juli 2002 -
Eine Lange Nacht über Stoffe
"Was ist das für ein reizender Hauch von nichts..." Autorinnen: Sandra Doedter Esther Koerfgen Moderation: Simonetta Dibbern Mit keinem anderen Gegenstand
des täglichen Lebens haben wir so engen und
ständigen Kontakt wie mit den Stoffen, die uns kleiden.
Sie wärmen uns, setzen uns in Szene, sie sollen uns
schmeicheln oder andere reizen.
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02./03.08.2002 -
Die Lange Nacht vom schönen Mann
Mister Perfect Moderation: Ferdos Ferodustan Raiko Thal Studiogäste: Ingelore Ebberfeld Dr. Heide Hollmer Ralf Bauer Bin ich schön? Diese Frage stellen
sich längst nicht mehr nur Frauen, sondern inzwischen
auch ganze Kerle. Waschbrettbauch, Bizeps und ein Gesicht
wie "Mr. Perfect"; der Weg zu diesem Ziel ist hart. Glaubt
man Magazinen wie ´Men´s Health` oder
´CG`, dann möchte der moderne Mann ganz genau
wissen, mit welcher Körnernahrung er Falten
bekämpft, mit welchem Training Muskeln aufgebaut, oder
in welchem Wellness-Hotel er sein Gesicht mit Algenpampe
bestreichen lasen kann. Auch der Gang zum
Schönheitschirurgen ist dem starken Geschlecht - trotz
gepflegter Wehleidigkeit - kein Gräuel mehr: weg mit
Tränensäcken und Truthahnhälsen.
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09./10.08.2002 -
Georg Büchner in einer Langen Nacht
Ich habe darüber meine eigenen Gedanken Autor: Hans Bräunlich Vor 165 Jahren starb er,
24-jährig. Doch welch ein Werk hat Georg Büchner
in nur drei Jahren Arbeit hinterlassen: herausragende
Theaterstücke wie "Dantons Tod", "Woyzeck" und "Leonce
und Lena". Dazu die Novelle "Lenz" und die polemische
Flugschrift "Der hessische Landbote". Viele Briefe sind
überliefert, die seine Gedanken und Hoffnungen
enthalten.
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16./17.08.2002 -
Eine Lange Nacht zum 25. Todestag von Elvis Presley
The King of Rock'n'Roll Moderation: Knut Benzner Elvis lebt das ist klar. Und
sein spezielles Leben hat nicht einmal damit etwas zu tun,
dass ihn nach dessen Tod mindestens 20, wenn nicht sogar 30
Personen gesehen haben wollen. Elvis lebt, weil er eben
unsterblich ist.
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23./24.08.2002 -
Die Lange Nacht der Fälscher und Fälschungen
... die Fuge hast du ganz gestohlen ... Autor: Rainer-Kurt Langner Als Louis Aragon Pablo Picasso
besuchte, zeigte dieser seinem Gast einen Goya. Auf Aragons
Frage, ob das Bild echt sei, antwortete Picasso im Brustton
der Überzeugung: Selbstverständlich ist es
echt, ich habe es ja selbst gemalt."
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30./31.08.2002 -
Die Lange Nacht der Männerfreundschaft
Ein Freund, ein guter Freund Autor: Kurt Kreiler Freundschaft zwischen Männern besteht jenseits von bloßer Kumpanei, Zweckbündnissen oder Verliebtheiten. Sie wird zurecht als eine Bereicherung der eigenen Existenz empfunden: als ein Teil des "gelungenen Lebens". Unter Freunden wird es uns möglich, aus dem Konkurrenzkampf auszuscheren, Ähnlichkeiten zu nutzen, der Herausforderung des Andersseins zu begegnen, gemeinsam zu denken und gemeinsam zu handeln. Freunde sind ohne Vorbehalt einander hilfreich. Doch ähnlich wie eine Liebesbeziehung ist Freundschaft der Gefahr der Zerstörung ausgesetzt: es ist leicht, den anderen zu verletzen, ihn zu vereinnahmen, zu verraten oder auf ihn eifersüchtig zu sein. Inwieweit ist Freundschaft die Kunst, Verschiedenheit zu empfinden und Gleichheit herzustellen? Ist es eine geistige Beziehung auf realem Terrain? Vor allem: wie unterscheidet sich Männer-Freundschaft von der Freundschaft zwischen Frauen? In der Langen Nacht der Freundschaft geht es um das Wesen der Freundschaft, aber auch vor allem um Freundeserfahrungen: Es werden Künstlerfreundschaften und berühmte Freundespaare der Geschichte vorgestellt (Goethe/Schiller, Marx/Engels, Nietzsche/Wagner, Kafka/Brod, Benn/Oelze, Lennon/McCarthey) und große literarische Schilderungen der Männer-Freundschaft zitiert von Jean Paul, Thomas Mann, Sandor Márai, Harry Mulisch, Yazmina Reza und vielen anderen. | ||||||||||||
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06./07. September 2002 -
Eine Lange Nacht über John Cage
Ich habe nichts zu sagen, und ich sage es Autor: Hermann-Christoph Müller Kein anderer Komponist hat unsere Vorstellung von Musik derart erweitert wie John Cage. Das präparierte Klavier, der Zufall als Kompositionsmethode, die Gleichberechtigung von Stille und Klang das sind nur einige der wegweisenden Neuerungen, mit denen er die Musikwelt überraschte. Ich habe nichts zu sagen, und ich sage es, und das ist Poesie, wie ich sie brauche. Der Satz stammt aus dem Vortrag über Nichts und demonstriert jene absichtsvolle Absichtslosigkeit, mit der Cage stets aufs neue unbekanntes Terrain betreten hat. Dabei überschritt er die Grenzen der Musik geradezu mühelos in alle Richtungen. Medienkunst, Performance, Installation, Lautpoesie, Hörspiel kaum eine neuere Kunstform, zu der in seinem Oeuvre kein Schlüsselwerk zu finden wäre. Auch wenn die Wirkung seiner Ideen heute kaum in Umrissen zu erkennen ist, so steht doch fest, dass die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts ohne ihn einen anderen Verlauf genommen hätte. John Cage wäre am 5. September dieses Jahres 90 Jahre alt geworden. | ||||||||||||
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13./14. September 2002 -
Die Lange Nacht der Nomaden
Vom Heimweh, unterwegs zu sein Moderation: Susanne Schröder Peter Kiefer Studiogäste: Dr. Tirmiziou Diallo Furugh Kranke Hein Sorgenfrei Klaus Trappmann In der Innenstadt von Madrid sind zweieinhalbtausend Merinoschafe aufgetaucht. Die Ost-West-Achse, auf der sie mit ihren Schäfern die spanische Hauptstadt durchquert haben, ist Teil eines vergessenen Viehwechsels. Die Siedlungen und Städte haben sich dieser anderen, der nomadischen Lebensform, in den Weg gestellt. Freilich reicht sie noch bis weit in unsere Zivilisation hinein. Aber die Landstreicher, Vaganten, Wandervögel, Globetrotter, auch die Zimmermannsburschen sind doch nur entfernte Verwandte jener Hirtenvölker, die sich zum Teil noch bis heute in keine Mauern haben einschließen lassen. Ihnen allen folgt die Lange Nacht der Nomaden und Wanderer (selbst den Ameisen und Elefanten). Und sie begegnet jener Völkerwanderung von Arm nach Reich, von Süd nach Nord, die sich ins 21. Jahrhundert bewegt. | ||||||||||||
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20./21. September 2002 -
Eine Lange Nacht der Exzentrik
Käuze – Spinner – schwarze Schafe? Autorin: Hannelore Hippe Es sind mehr, als man glaubt, und
man findet sie nicht nur in England: Exzentriker gibt es
überall, denn auf 10000 Menschen, so sagt eine
exzentrische Studie, kommt einer, der so ist, wie er eben
ist. Anders.
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27./28. September 2002 -
Die Lange Nacht vom Strafvollzug
Lebensraum Knast Autoren: Heide und Rainer Schwochow Mauer, Stacheldraht, Wachtürme - das verschlossene Tor. Eine Beamtin drückt den Summer. Das Tor öffnet sich leise. Anmeldung durch die Glasscheibe, Ausweis abgeben, Handy ins Schließfach, Taschenkontrolle, Gang durch den Metalldetektor, wieder verschlossene Türen, unendlich lange Gänge. An der Wand nackter Draht. Bei Berührung löst er Alarm aus. - Alles wie im Film: bedrückend, aber aufregend. Die erste Begegnung mit Strafgefangenen. Sie erzählen ihre Geschichten, Opfergeschichten zumeist. Wer in dieser Welt lebt, wird vom Täter zum Opfer, denken wir. "Versucht, den Knast zu verstehen!", sagt eine Bedienstete. "Hier gelten eigene Gesetze. Hier ticken die Uhren anders!" Wir gehen wieder und wieder hinein, besuchen unterschiedliche Anstalten, führen Gespräche mit Inhaftierten und Bediensteten. Es ist wie eine Reise in ein fremdes Land: Eine andere Sprache, ungewöhnliche Geschichten, ein besonderer Raum, in der zwei Welten aufeinander treffen: die der Gefangenen und die der Schlüsselgewaltigen, die der inhaftierten Männer und Frauen und die der Sozialarbeiter, Pastoren, Psychologen, die abends wieder raus gehen und sich ihr Leben "um den Knast herum bauen". Die Frage nach dem Sinn des Strafvollzugs stellt sich ständig neu in der Begegnung dieser Welten: Strafe, Resozialisierung oder Rache? Die Lange Nacht des Strafvollzugs lässt Gefangene, Beamte, Sozialarbeiter und eine Anstaltsleiterin zu Wort kommen. Wie ein Puzzle setzt sich Stück für Stück ein Bild des Lebens hinter Gefängnismauern zusammen. | ||||||||||||
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04./05. Oktober 2002 -
Eine Lange Nacht über Jazz in der DDR
Synopsis und Zentralquartett Moderation: Heinz Kersten Karlheinz Drechsel Studiogäste: Klaus Koch Ernst Ludwig Petrowsky Pascal von Wroblewsky Während der
Berlin-Blockade trafen sich schwarze amerikanische Musiker
mit deutschen Kollegen zu einer Session im Studio der
sowjetischen Schallplattenfirma "Lied der Zeit" und
kreierten neben anderen Titeln einen "Airlift Stomp". Diese
auf Schellack konservierte Widmung an die Luftbrücke
ist ein kurioses Zeugnis der Nachkriegsblütezeit des
Jazz, die auch im Osten Deutschlands von amerikanischen
Vorbildern inspiriert war.
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11./12. Oktober 2002 -
Die Lange Nacht der Schulgeschichten
Lektionen fürs Leben Autoren: Agnieszka Lessmann Frank Olbert Eines Tages wirst du mir dankbar sein, sagt der Lehrer zum Schüler, den er mit endlosen Vokabellisten quält. So mancher mag nach erfolgreichem Schulabschluss gewartet haben, auf diesen Tag, an dem er etwa seine neue Chefin mit der lückenlosen Aufzählung der chemischen Elemente beeindrucken, seinen Kreditsachbearbeiter mit einem Zitat aus "Maria Stuart" bestechen oder die Frau fürs Leben mit einer detailgenauen Schilderung der Nahrungsaufnahme von Pantoffeltierchen in Bann ziehen würde. Oder? Was lernen wir in der Schule für das Leben wirklich? Was ist das für eine Gestalt, dort vorne an der Tafel? Wie prägt sie unsere Persönlichkeit? Wie beeinflusst die auf Schulbänken verdrückte Lebenszeit den weiteren Verlauf der Biografie? Die Lange Nacht der Schulgeschichten - drei Unterrichtsstunden über all das, was Menschen in Schulen erlebten und wozu die Curriculae schweigen. | ||||||||||||
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18./19. Oktober 2002 -
Eine Lange Nacht über Odysseen der Selbstfindung
Randfiguren Autor: Klaus Baum Bedürftigkeit war die Quelle
ihrer Kunst: Während zweihundert Jahren haben Robert
Walser, Vincent van Gogh und Karl Philipp Moritz mit seiner
Autobiographie "Anton Reiser" ihren Mitmenschen einen
Spiegel vorgehalten, nicht als intellektuelle Eiferer,
sondern in der Wahrnehmung ihrer eigenen Lebenswirklichkeit
aus der Froschperspektive.
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25./26. Oktober 2002 -
Die Lange Nacht der Stühle
Setzen Sie sich! Autor: Adolf Stock Setzen Sie sich! Pfeiffer aus der
Feuerzangenbowle hat den Satz ziemlich oft zu hören
bekommen. Schließlich ist Stillsitzen erste
Schülerpflicht. Stühle, überall Stühle.
Wir sind umstellt von Sitzgelegenheiten, und sie sind uns so
selbstverständlich geworden, dass wir kaum noch
über das Sitzen nachdenken, es sei denn, uns quält
gerade ein Bandscheibenvorfall. Der Stuhlphilosoph Hajo
Eickhoff hat seine Stühle jedenfalls abgeschafft. Er
gehört nun zu jener Hälfte der Menschheit, die auf
Stühle verzichten.
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01./02. November 2002 -
Eine Lange Nacht zur Droge Politik
Kein Preis zu hoch? Moderation: Ferdos Forudastan Studiogäste: Jürgen Leinemann Sie hängen nicht an
der Nadel, sie kommen (noch) ohne die fixe Menge aus der
Flasche und der Pillendose aus, um die Wirklichkeit
wegzudrängen. Aber: Politiker sind süchtig,
süchtig nach Aufmerksamkeit, Anerkennung, Macht.
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08./09. November 2002 -
Eine Lange Nacht über Depressionen
Saturns Schatten Moderation: Judith Grümmer Martin Winkelheide "Hoffnung, dieser
Erwartungs-Gegenaffekt gegen Angst und Furcht, ist die
menschlichste aller Gemütsbewegungen und nur Menschen
zugänglich". (Ernst Bloch) "Wenn der Mensch nicht mehr
hoffen kann, aus welchen Gründen auch immer, dann
vegetiert er nur noch. Genau das traf jetzt auf mich zu. Ich
vegetierte. Die Hoffnung war mir abhanden gekommen, in mir
war nur noch ein schwarzes Loch", beschreibt der Schweizer
Regisseur und Autor Rolf Lyssy in seinem autobiographischen
Bericht "Swiss Paradise" den Beginn seiner Depression. Als
eine alle Lebenskräfte lähmende Erkrankung erlebte
er eine Art Tod bei lebendigem Leib, bis er den Weg aus dem
endlosen schwarzen Tunnel wieder heraus fand. Als radikalste
Vereinsamung zerstört die Depressionen sowohl die
Bindungen an andere als auch die Fähigkeit, im Frieden
mit sich selbst zu leben.
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15./16. November 2002 -
Die Lange Nacht der Diven
Von der Schönheit der Sünde Autor: Jochanan Shelliem Sarah Bernard schrieb mehr als
einen Brief, Gina ließ sich nicht lange bitte, hatte
dann leider doch nichts anzuziehen. Die Knef gab sich die
Ehre im Kempinski, Juliette Greco im klassizistisch klammen
Frankfurter Hof. Marlene lässt sich allein im
abgedunkelten Salon zu zeitlosen Aussagen hinreißen
und Isadora Duncan überlebte nicht die Kapriolen ihres
Schals an der Corniche von Nizza, Georgette dagegen liebt
das Rampenlicht und redet gern bewaffnet mit Champagner,
Zigarettenspitze und begleitet vom Gemurmel des Klaviers im
Varieté und wer Wolf Biermann eine Kamera vor´s
Auge hält, der muss viel Zeit mitbringen.
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22./23. November 2002 -
Eine Lange Nacht mit dem sizilianischen Autor Andrea Camilleri
Commissario Montalbano Autor: Roland H. Wiegenstein Es ist eine
märchenhafte Geschichte: 1967/68 schreibt Andrea
Camilleri, ein in Rom als TV und Theaterregisseur lebender
Sizilianer (geboren 1925 in Porto Empedocle bei Agrigent)
einen Roman "Der Lauf der Dinge" - und veröffentlicht
ihn erst fünf Jahre später in einem winzigen
Verlag - ohne jeden Erfolg. Nur Leonardo Sciascia, ein
anderer Sizilianer kann ihn, noch einmal über ein
Jahrzehnt später, dazu bringen, es noch einmal damit zu
versuchen. Diesmal hat das Buch Erfolg; ihm folgen in immer
kürzeren Abständen historische und Kriminalromane.
Auf einmal ist Andrea Camilleri ein Bestseller-Autor, zuerst
nur in Italien, dann in vielen Ländern Europas. Sein
Kommissar Montalbano wird zur Legenden- und Filmfigur (wie
Simenons Maigret!), seine Recherchen über das "alte
Sizilien" - das nach der Einigung Italiens, als die Insel
von den Bürokraten aus Savoyen förmlich erobert
wurde - erklären in Romanen und Geschichten, was heute
ein "Problem" darstellt: die sizilianische Mentalität.
Sie kommt von weit her, ist der Reflex einer
Bevölkerung, die immer unter "fremder Herrschaft" leben
musste: von Phöniziern, Griechen, Römern, von
Arabern und Staufern, Aragonesen und Bourbonen,
vatikanischen Prälaten und Politikern aus dem "Norden".
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29./30. November 2002 -
Wilhelm Busch in einer Langen Nacht
Das Tier im Kopf Dramaturgie: Bettina Bartz Musik: Thomas Heyn Autor: Holmar Attila Mück Was ihn betrifft: er
empfiehlt seine Bildergeschichten zu nehmen, "wie man auf
Reisen einen Bitteren nimmt". Wir sehen sie vor uns: die
Fromme Helene, Witwe Bolte, den Lehrer Lämpel und allen
voran Max und Moritz. Wilhelm Busch zeigte den
"Speckphilistern" im 19. Jahrhundert die (doppelte) Moral
von der Geschicht: Enthaltsamkeit ist das
Vergnügen an Sachen welche wir nicht kriegen...
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06./07.12.2002 -
Eine Lange Sándor-Márai-Nacht
So blieb er ein Fremder | ||||||||||||
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13./14. Dezember 2002 -
Die Lange Nacht der Opernskandale
Verzeihen Sie, wenn ich so heftig bin... Autor: Dieter Kranz
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20./21. Dezember 2002 -
Die Lange Nacht der Engel
Himmlische Heerscharen Autor: Rolf Cantzen Seitdem die Engel aus der
Kirche ausgetreten sind, glauben spirituelle Menschen wieder
an sie, und die Engel danken es ihnen; geben sich
Hilfsbedürftigen zu erkennen, stehen ihnen mit Rat und
Tat zur Seite, diktieren ihnen ganze Bücher über
sich und ihre himmlischen und irdischen Angelegenheiten.
Voraussetzung ist allerdings die Bereitschaft der Menschen,
Herz und Verstand gegenüber den Engeln zu öffnen.
Hilfreich für Kontaktaufnahmen sind: Meditationen
(Anleitungen in Kassetten- oder Buchform, ggf. in
Workshops), angenehm riechende - und problemlos über
das Internet beziehbare -Engelessenzen, das gute alte Gebet
(allerdings möglichst multikulturell, wie die Engel
auch), Zurkenntnisnahme der wissenschaftlichen Forschung
(besonders für "verkopfte" Menschen!)
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27./28.12.2002 -
Berlin-Feuilletons in einer Langen Nacht
Was bleibt, ist ein Gerücht Autor: Holmar Attila Mück Es ist bereits ein
halbes Jahrhundert her, als ich quengelnd an der Hand von
Urgroßmutter Elisabeth durch ihr "ruiniertet Berlin" zottelte. "Mach keene Fisimatenten", grunzte sie, "und guck
dir allet jenau an. Bei die Mentalität der Leute kann
det morjen schon allet weg sein. Und wat bleibt? Een
Gerücht". Wie recht hatte sie. Wenige Wochen
später war das Berliner Schloss nicht einmal mehr eine
Ruine. Berlin hatte sein Gesicht verloren. Sein infames,
keckes Grinsen, seine verführerischen Düfte und
Dämpfe, das impertinente Getue, das Geklapper in immer
zu großen Schuhen - alles schien für ewig
verloren, würde eben nur noch als Gerücht
weiterleben.
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03./04. Januar 2003 -
Die Lange "Nathan"-Nacht
Lessings Traum vom Sieg der Vernunft Autor: Dieter Kranz Shakespeare lässt seinen
Hamlet über die Schauspieler sagen (und meint damit das
Theater insgesamt): "Sie sind der Spiegel und die
abgekürzte Chronik des Zeitalters". Das trifft auf kein
Stück in höherem Grade zu als auf Lessings "Nathan
der Weise". Im letzten halben Jahrhundert wurde es
mindestens fünfmal an den Berliner Bühnen
inszeniert, und entsprechend der jeweils herrschenden
historischen Situationen - erwies es jedes Mal auf andere
Weise seine Aktualität. Am 7. September 1945 bei der
Premiere im Deutschen Theater durfte Lessings
Humanitätsbotschaft nach zwölf Jahren brauner
Barbarei zum ersten Mal wieder von der Bühne herab
verkündet werden. Im Parkett saßen ausgemergelte
hungrige Leute, die froh waren, den Krieg überlebt zu
haben. Die Forderung des Patriarchen: "Der Jude wird
verbrannt" muss ihnen wie ein Menetekel in den Ohren
geklungen haben. Damals spielte Paul Wegner den Nathan,
später folgten ihm in der Rolle Eduard von Winterstein,
Ernst Deutsch und Wolfgang Heinz.
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10./11. Januar 2003 -
Die Lange Nacht vom Bauhaus
Weg von Dessau und zurück Autor: Adolf Stock Das Bauhaus wurde 1919 von dem Architekten Walter Gropius gegründet. Schon 1925 zog die Kunstgewerbeschule vom bürgerlichen Weimar in die Industriestadt Dessau, wo ihre weltweite Erfolgsgeschichte begann. Das dortige Bauhausgebäude gilt als Ikone der Moderne und steht heute auf der Weltkulturerbeliste. Das Dessauer Industriedesign von Marcel Breuer oder Wilhelm Wagenfeld ist bis heute stilbildend. Die Nationalsozialisten zerschlugen das Bauhaus, doch sie konnten den Siegeszug der Bauhausidee letztendlich nicht aufhalten. In Dessau war erst in den achtziger Jahren ein Neuanfang möglich. Heute steht der Name Bauhaus für die Moderne schlechthin, und die Erben dieser großen Idee streiten sich ebenso gründlich wie die Bauhäusler in ihren besten Zeiten, nicht zuletzt in dieser Langen Nacht. | ||||||||||||
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17./18. Januar 2003 -
Eine Lange Nacht über den Mythos Odessa
Dichter, Gauner, Sänger Autor: Uli Hufen "Odessa ist eine abscheuliche
Stadt. Das weiß jedermann: Statt 'das ist ein
großer Unterschied' sagt man dort 'das sind zwei
große Unterschiede', und auch sonst sagt man vieles
anders. Ich glaube aber, man kann auch vieles Gute über
diese bedeutende und bezaubernde Stadt des Russischen
Reiches berichten. Wohlgemerkt, es ist eine Stadt, in der es
sich leicht und hell leben lässt." Als Isaak Babel 1916
diese vielleicht berühmtesten aller Sätze
über seine Stadt niederschrieb, war Odessa eine erst
120 Jahre alte Schönheit. Der Mythos der
lebensfreudigen, kosmopolitischen, freien Stadt Odessa stand
in voller Blüte. Heute, knapp 100 Jahre später,
erlebt Odessa eine Zeit des Welkens, wie sie die Stadt schon
mehrfach erlebte. Es ist "ein poetisches Vergehens, in dem
ein Hauch von Sorglosigkeit und sehr viel Hilflosigkeit
liegen." Babel kannte auch das.
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24./25. Januar 2003 -
Eine Lange Nacht über Leopold Kohr und seine Erben
Die Lehre vom rechten Maß Autorin: Dolores Bauer Leopold Kohr, "stille
Weise" aus der Salzburger Stille-Nacht-Gemeinde Oberndorf am
Inn ist nicht unter die prominentesten, aber unter die
wichtigsten Denker des 20.Jahrhunderts einzureihen. Und
seine Ideen und Lehren gewinnen von Tag zu Tag an
Aktualität und Brisanz. Das Große, das
Monumentale, die heute so wirkmächtige Gigantomanie hat
er immer skeptisch betrachtet. Er hat den vom heutigen
Casino-Kapitalismus geförderte Wachstumsfetischismus
schon früh als Gefahr erkannt und die Rückkehr zu
kleinen, überschaubaren Einheiten, zum menschlichen, zu
rechten Maß propagiert.
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31.01./01.02.2003 -
Eine Lange Nacht über den Indischen Ozean
Die tiefen Farben des Seins Autor: Harald Brandt Der Indische Ozean ist ein
magisches Universum, das in sich selbst zu ruhen scheint. Ob
man an der jemenitischen Südküste oder an der
Nordspitze Madagaskars steht - man hat immer den Eindruck,
in einer Dimension zu sein, die grenzenlos und offen ist,
aber eine eigentümliche Einheit besitzt.
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07./08. Februar 2003 -
Die Lange Nacht vom Kaffee
Wie eine Bohne die Welt eroberte Moderation: Claudia Mützelfeldt Es gibt
Menschen, die können sich den Start in den Tag ohne
eine Tasse Kaffee gar nicht vorstellen, andere pflegen das
Getränk als Betthupferl zu sich zu nehmen. Zwischen
Aufstehen und Zubettgehen frönt man weltweit dem
heißen Aufguss aus gerösteten und gemahlenen
Samen: wegen seines besonderen Aromas, seiner anregenden
Wirkung oder schlicht aus Gründen der Geselligkeit. In
Deutschland ist Kaffee das mit Abstand beliebteste
Genussgetränk.
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14./15.02.2003 -
Eine Lange Nacht in Galizien
Die papierene Brücke Autor: Kurt Kreiler Galizien, einst Heimat eines
bunten Völkergemischs aus Polen, Ukrainern, Juden und
Österreichern, war während fünfzig Jahren
deutscher und sowjetischer Okkupation zu einem Atlantis des
Ostens geworden , zu einem unsichtbaren und vergessenen
Land. Durch Krieg und Völkermord seiner Geschichte und
der Hälfte seiner Menschen beraubt, schien von diesem
Land wenig mehr übrig geblieben zu sein als sein
Name. Große Künstler und Schriftsteller hatten
hier gelebt und waren ohne Ausnahme entwurzelt oder
vertrieben worden: die Polen Jozef Wittlin und Bruno Schulz,
der Ukrainer Ivan Franko, die Juden Joseph Roth, Alexander
Granach, Manès Sperber, Samuel Josef Agnon und
Salcia Landmann.
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21./22.02.2003 -
Flamenco in einer Langen Nacht
Zerrissene Klage, verwandelt in Kunst Autor: Kersten Knipp Eine raue, kratzende Stimme, auffahrend zu wütender Klage, dann wieder still in sich zusammenfallend: Flamenco, so will es der Mythos, hat den Schmerz in Kunst verwandelt. Elementarste Empfindungen zwingt er auf die Bühne, evoziert eine Tragödie, deren Wurzeln zurückreichen in dunkel entlegene Jahrhunderte. 1425 kamen die ersten Zigeuner nach Spanien - um die Willkür der fremden Staatsmacht in immer neuen Varianten zu durchleiden, Erfahrungen, die auch in die Musik der Zuwanderer einflossen. Sie verdüsterten die heiteren Rhythmen Andalusiens unmerklich, um sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu jenen Klängen zu verdichten, die bis heute die Magie des "cante jondo" ausmachen. Ihren Erfolg verdankt die Musik aber auch den Dichtern, Essayisten, Managern, die sie systematisch zum Kult erhoben. So ist der Flamenco vor allem eines: Klage, die erst auf der Bühne schmerzt. | ||||||||||||
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28.02./01.03.2003 -
Die Lange Nacht der Puppen
Barbie, Pinocchio und Terminator Moderation: Inge Jagalla Peter Kiefer Studiogäste: Herbert Heinzelmann Prof. Hans-Jochen Menzel
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07./08.03.2003 -
Die Lange Nacht einer Jugend unterm Stalin-Banner
Du Welt im Licht Moderation: Dietrich Möller Kaum, dass die
Hitler-Diktatur zerschlagen war, musste in der Sowjetischen
Besatzungszone Deutschlands und dann in der jungen DDR einem
anderen "Führer" gehuldigt werden - Josef W. Stalin.
Der Kult bestimmte bald alle Bereiche des politischen,
gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Schule und
Jugendorganisationen waren ihm in besonderer Weise
ausgesetzt, galt doch eine Erziehung "im Geiste Stalins" als
ein primäres pädagogisches Ziel.
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14./15.03.2003 -
Eine Lange Nacht mit dem Hermeneutiker Hans-Georg Gadamer
Von der Lust am Dialog Autoren: Hans-Georg Gadamer Bernd H. Stappert Am 11. Februar 1900 begann das
Lebens eines Mannes, dessen über hundertjähriges
Bemühen stilbildend werden sollte: Sein Bemühen um
das Verstehen, um das Wort, und darin begründet seine
Fähigkeit zum offenen Dialog.
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21./22.03.2003 -
Lange Nacht vom MaerzMusik-Festival in Berlin
Klangkunst trifft Clubkultur – die Sonic Arts Lounge U und E "Unterhaltungs-" und "ernste" Musik sind in Deutschland angeblich streng getrennte Welten, sei es bei den Konzerten, den Fans oder Plattenlabels. Beim MaerzMusik-Festival der Berliner Festspiele und seiner nächtlichen "Sonic Arts Lounge" ist alles ganz anders: Techno wird zum barocken Fest, notenschreibende Komponisten treffen auf scratchende DJs, baltische Volksmusik auf Maschinenmusik und Klangkunst auf Tango - und wird zum "Klango". Die Lange Nacht (ver-)führt den Hörer in die Lounge der italienischen Kult-Stimmkünstlerin und -dichterin Isabella Bordoni ("Stanze dascolto") und in den "Klango"-Rausch, zwischen Klangkunst und Party. | ||||||||||||
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28./29.03.2003 -
Die Lange Nacht der Pferde
Geboren aus Meeresschaum und dem Blut der Medusa Autoren: Agnieszka Lessmann Frank Olbert Auf den eigenen zwei Beinen endet die Welt für den Menschen am Horizont - oder zumindest nicht sehr weit dahinter. Eines Tages aber erkannte der Jäger und Bauer der Frühzeit, dass er das Pferd auf seiner Weide nicht nur zum Essen brauchen konnte. Pferde machten den Menschen mobil und seine Welt um ein Beträchtliches größer. Die meisten Kulturbegegnungen hätten - wenn überhaupt - Jahrhunderte später erst stattgefunden, die meisten Kriege wären nie gekämpft worden. Viele der großen Herrscher der Weltgeschichte ließen sich von Malern und Bildhauern auf ihrem Pferd verewigen. Der berühmte Ausruf vom Königreich für ein Pferd machte die zentrale Rolle des Pferdes für den Menschen - nicht nur in der Schlacht - sinnfällig. In Gesprächen mit Pferdefreunden und -trainern, in Tondokumenten echter Pferdeflüsterer und Ausschnitten fiktionaler Pferdeliteratur nähert sich diese Lange Nacht einer Beziehung voller Sehnsucht und Harmonie, aber auch voller Gewalt und Klischees. | ||||||||||||
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04./05.04.2003 -
Erich Fromm in einer Langen Nacht
''Wer nur einen liebt, liebt keinen'' Autor: Hans Jürgen Schultz Ein Psychoanalytiker,
Sozialwissenschaftler und Philosoph als Bestsellerautor?
Allein das eher zufällig entstandene Buch "Die Kunst
des Liebens" ist in beinah fünfzig Sprachen
übersetzt und in fünfundzwanzig Millionen
Exemplaren verkauft worden. Aber auch die grundlegenden
Werke Erich Fromms über die menschliche
Destruktivität sowie seine Schriften über die
Revolution der Hoffnung, über Haben und Sein etc. haben
weltweit für Aufmerksamkeit und Diskussion gesorgt.
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11./12.04.2003 -
Eine Lange Nacht auf der Route 66
Straße der Hoffnung, Straße der Träume Autor: Paul Nellen Motor west! Von Chicago bis an die
Küste Kaliforniens, entlang der Maisfelder des
Mittelwestens, vorbei an den Canyons Arizonas, durch drei
Zeitzonen und acht US-Bundesstaaten: die Route 66 war immer
Schicksalsweg und Traumstraße für Millionen. Sie
hat die amerikanische Autokultur geprägt und
unvergängliche Mythen geschaffen. Das moderne
Autobahnsystem der USA hat den Niedergang der vielbesungenen
"Motherroad" beschleunigt. Mit ihren verrosteten
Zapfsäulen, kitschigen Motels und kuriosen Restaurants
ist sie heute nur noch ein riesiges Freilichtmuseum der
automobilen Anfangsjahre.
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18./19.04.2003 -
Die Lange Nacht vom Huhn
Tod und Verderben Autoren: Rolf Cantzen Bodo Dringenberg Was sich in der Weltliteratur
eher zaghaft andeutet und sich in der Musik verdichtet,
bestätigt sich eindeutig in der
gesellschaftspolitischen Wirklichkeit. Mit dem Huhn kommen
Tod und Verderben über die Menschheit: In den Mythen
der Völker und in der Literatur des Abendlandes
begegnet uns das Federvieh - von der Öffentlichkeit
kaum beachtet - als unheilverheißendes Omen oder gar
als Vorbote der Apokalypse. So wundert es nicht, dass Huhn
und Hahn federführend sind in den großen Gift-
und Seuchenskandalen unserer Tage.
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25./26.04.2003 -
Eine Lange Nacht über die Hospizbewegung
Leben bis zum letzten Tag Moderation: Gabriele von Arnim 80 Prozent aller Deutschen wünschen sich, zu Hause zu sterben. Wollen also offenbar nicht im Krankenhaus an kalten Maschinen hängen, wollen nicht der Technik ausgeliefert sein, Lebensverlängerung um jeden Preis ertragen, sondern bei sich daheim den Tod erwarten. Bei vielen Ärzten, so scheint es, kommt die Botschaft erst allmählich an. Ihr Fach ist die Heil-Kunde und nicht die Kunde vom unheilbaren Menschen. Und wenn ein Patient dann doch aufgegeben werden muß, weil er als "austherapiert" gilt, wie es in der so sensiblen Fachsprache heißt, wird er oft auf Flure geschoben, in Besenkammern, in Sterbekemenaten. Als die Hightech-Medizin im Kampf gegen den Tod antrat, begannen sich die Menschen zu wehren. In England wurde die Hospizbewegung gegründet, die sich eine Bürgerbewegung nennt. Eine Gruppierung von Menschen, die sich darum kümmern, dass der Mensch auch im Tod Eigenverantwortung übernehmen kann. "Der muß verdammt schlechte Pflege und Hilfe haben, der sich aktive Sterbehilfe wünscht" sagt Gustava Everding, Ärztin und Familientherapeutin. Über das Sterben und den Tod, über achtungsvolle Sterbebegleitung, über die Hospizbewegung werden wir in dieser Langen Nacht nachdenken und diskutieren. | ||||||||||||
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02./03. Mai 2003 -
Eine lange Nacht über Italien
Die unheimliche Macht eines Medienzaren Moderation: Roland H. Wiegenstein Italien, das bevorzugte europäische Urlaubsland, ist auf dem Weg in eine neue Form von "Demokratie". Silvio Berlusconi, der reichste Mann im Staat, Herrscher über die Medien, unumstrittener Chef einer Bewegung, die mit einer Partei im traditionellen Sinn kaum noch etwas zu tun hat, versucht, das Land umzubauen. Die von ihm gegründete "Forza Italia" ist die relative Mehrheitspartei, zusammen mit der separatistischen "Lega Nord" und den zur "Allianza nazionale" mutierten Neofaschisten verfügt die Koalition "Casa delle Libertà" (Haus der Freiheiten) über eine bequeme Mehrheit in beiden Kammern des italienischen Parlaments und will durch eine Justiz- und Wirtschaftsreform mit weitreichenden Folgen einen demokratischen Staat in eine "Firma" verwandeln, in der nur noch der Boss etwas zu sagen hat. Die Opposition ist ohnmächtig und in Bruderkämpfe verstrickt. Kann ein solcher "Peronismus soft" gewinnen, oder setzt sich die Zivilgesellschaft außerhalb eines sklerotischen Parteiengefügens zur Wehr? Was diese Entwicklungen für Italien selbst und für Europa - bedeuten, werden wir mit den Journalisten Oktavia Brugger, RAI, Rainer Burchardt, Deutschlandfunk, Dirk Schümer, FAZ, und dem Verleger Klaus Wagenbach in dieser Langen Nacht erörtern. | ||||||||||||
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09./10. Mai 2003 -
Eine Lange Nacht von der Liebe zum Kind
Wenn das Herz übergeht Autorinnen: Sandra Doedter und Tanja Winkler Schlaflose Nächte, verlorene Freiheit, finanzielle Einbußen eigentlich spricht alles gegen Kinder. Trotzdem entscheidet sich die Mehrzahl der Paare für ein Leben mit Kindern. Warum? Aus bloßer Tradition heraus, oder aus dem Versuch, dem eigenen Leben einen Sinn zu geben? Oder ist es gar die Biologie, die die Sehnsucht nach einem Kind wachsen lässt? Egal, ob selbst Mutter oder Vater: dem Charme eines Kleinkindes können sich nur wenige Erwachsene entziehen. Zum Beispiel deshalb, weil es der vernünftigen Welt der Erwachsenen kompromisslos gegenübertritt: mit seinen ganz eigenen Bedürfnissen, seiner unfreiwilligen Komik und seinen entlarvenden Fragen. Spätestens in der Pubertät auch mit großer Skepsis. Und trotz Volljährigkeit und eigenständigem Leben bleibt ein Kind für seine Eltern immer Kind. Die Lange Nacht betrachtet die verschiedensten Facetten der Liebe zum Kind: den Zauber und das große Glück; die Trauer, wenn ein Kind geht, und die Verzweiflung, wenn nie eines kommt; den Stolz; die Enttäuschung, wenn es sich nicht so entwickelt, wie die Eltern es sich vorgestellt haben. Die Sendung fühlt der Gesellschaft auf den Zahn, die Kinder für so wertvoll erklärt und dringend für die Rentenkasse braucht. Kurzum, sie geht der Frage nach: Was ist eigentlich dran am Kind? | ||||||||||||
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16./17.05.2003 -
Django Reinhardt in einer Langen Nacht
Jazz, Swing und Pferdewagen Autorinnen: Monique Klinkenberg und Dieter Hannig Sein lässig-satter Swing; die jazzige Virtuosität seines Gitarrenspiels haben bis heute Weltruhm. Als Nomade blieb Django Reinhardt auf Wanderschaft. Seine Kompositionen sind im besetzten Paris zu hören, werden zu Erkennungsmelodien des Widerstandes. Als Zigeuner geschasst und verfolgt, als Jazz-Musiker ein Star. Sein Name schillerte schon in der Jazz-Welt der 30erJahre. Und mitten in der Kriegszeit sind seine Konzerte ausverkauft. Der "Drei-Finger-Zauberer" und sein Quintett Du Hot Club de France werden gefeiert wie später Popstars das in einer Zeit, in der Jazz als "entartet" verboten ist. Auch ein halbes Jahrhundert später ist seine Musik noch immer so authentisch wie damals. Selbst Rockmusiker wie Frank Zappa und viele berühmte Gitarristen bekennen sich zu Djangos Einfluss. Eine Lange Nacht mit Musik, Geschichten und Erinnerungen an den Magier der Gitarre, der im Mai vor 50 Jahren verstarb. | ||||||||||||
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23./24. Mai 2003 -
Die Lange Nacht der Kopfbedeckungen
Mut zum Hut Autorin: Hannelore Hippe Wir sind die erste Generation mitteleuropäischer Menschen, die unbehütet durch die Welt läuft und sich darum wohl auch schutz- und heimatlos fühlen mag. Religiöse Vorschriften, geschlechtsspezifische Schamvorstellungen und strenge Moralkodizes regelten jahrhundertelang die Verbreitung standesgemäßer Kappen, Kapuzen und Turbane und was sonst noch gegen Wetter und Feinde getragen wurde. Erst vor knapp dreihundert Jahren stieß die eitle Menschheit zum reinen Zierhut vor. Ist nun der letzte Ausdruck eleganter Lebensart passé oder doch wieder im Kommen? Nicht nur Fahrradfahrer greifen heute zum Helm, in Australien gar wird ob des Ozonlochs geraten, mit Hut auf der Hut zu sein. Von Ängsten und Freuden vor und über die verschiedensten Kopfbedeckungen. | ||||||||||||
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30./31. Mai 2003 -
Die Lange Nacht der Badekultur
Lass fahren alle Sorgen, tauche ein! Autorin: Katharina Palm Nicht nur, wenn es draußen kalt ist, sehnt sich der Mensch nach einem heißen, wohlriechenden Bad. Das Wasser strömt in die Wanne, die Vorfreude steigt, so mancher nimmt sich etwas zu lesen, zu essen oder sein Liebchen mit hinein. Doch über unsere heutigen Bäder hätten die alten Römer nur ein mitleidiges Lächeln übrig gehabt. Ihre prunkvollen Badeanstalten, ob privat oder öffentlich, waren wichtige Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens. Allein in Rom zählte man 170 öffentliche Bäder. Die großen Weltreligionen bedienen sich des rituellen Bades zur Reinigung der Seele und sind ohne dieses nicht vorstellbar. In der Badewanne wird manches Leben gegeben und manches Leben genommen. Um jede unerlaubte Handlung im und um das Bad zu unterbinden, gibt es in Amerika jede Menge gesetzliche Bestimmungen zu diesem Thema. Wobei sich die meisten dieser Gesetze wohl gegen die (möglichen) erotischen Aspekte des Badens richten, die in dieser kurzweiligen Langen Nacht nicht fehlen werden? | ||||||||||||
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06./07.06.2003 -
Die Lange Nacht vom Glück
Wer zu lange in die Sonne sieht, wird blind Hans hat es, Bel-Ami sucht es bei den Frauen. Im Klee liegt es, im Spiel oder in der Liebe braucht man es. Für John Lennon ist es "a warm gun": das Glück. Manch einer hofft auf das große Los, andere beschreiben das Glück bloß als chemische Formel. Aber Glück haben, heißt noch lange nicht glücklich sein. "Wer vom Glück spricht, hat oft traurige Augen", singt Aragon. Ist das Glück wirklich nur im Schmerz erfahrbar, wie Robert Gernhardt glaubt: "Mir glückte es nie, das Glück zu beschwören ohne Unglücksgrundierung"? Was ist es, das Glück? Gibt es - hinter sieben Brücken oder mehr - den einen Königsweg dorthin? Wie verlässlich sind eigentlich Glücksbringer? Sollte man sicherheitshalber den Hormonen auf die Sprünge helfen? Liegt das Glück vielleicht gar in den Sternen oder nicht eher auf dem Rücken der Pferde? Sind die Gene verantwortlich für unser Talent zum Glück? Oder reicht es, sich an die Weisheit zu halten: "Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist"? Die Lange Nacht heftet sich auf die Spur von Glückskindern und Glücksversprechen, von Glücksexperten und Glückssuchern. Sie fragt selbstverständlich auch nach dem Verfallsdatum: "Liebling, sag' mir Morgen früh noch mal, dass wir glücklich sind. Wer zu lange in die Sonne sieht, wird blind". | ||||||||||||
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13./14.06.2003 -
Eine Lange Nacht zum 17. Juni 1953
Die unerhörte Revolte Ursprünglich war es ein Unmut über Normerhöhungen, der Ost-Berliner Bauarbeiter spontan auf die Straße trieb. Schnell wurde daraus der Versuch die Lebensbedingungen insgesamt zu verbessern und schließlich ein regelrechter Aufstand gegen das SED-Regime. Der griff auch auf andere große Städte über, wie Leipzig, Magdeburg und Jena und auf Industriezentren, wie z.B. in Bitterfeld und Wolfen oder Merseburg. Nicht nur in Bitterfeld forderte man den Rücktritt der Regierung, freie und geheime Wahlen und die Freilassung politischer Gefangener. Soziale Forderungen hätte die Regierung möglicherweise ertragen, beim Ruf nach Demokratie, nach Freiheit und deutscher Einheit war die Geduld der ohnmächtigen und konzeptlosen Führung am Ende. Russische Panzer beendeten den Aufstand, retteten Ulbrichts Herrschaft und stellten damit die Weichen für die jahrzehntelange Teilung unseres Landes. | ||||||||||||
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20./21.06.2003 -
Die Lange Nacht der russischen Grotesken
Von Nasen und anderen Menschen "Was man da auch reden mag, aber derlei Dinge kommen in der Welt vor - selten, überaus selten - aber sie kommen vor." Gogol wusste es, zum Beispiel, dass Nasen in Brötchen herumliegen oder sich - im Rang eines Wirklichen Staatsrats - selbständig machen und dass einer der Ivanows etwas hat, was sonst nur Hexen haben, nämlich "ein Schwänzchen hinten" und - selbstverständlich - eine Nase vorne. Aus diesem Grunde ist es durchaus ernst zu nehmen, wenn Slavisten humorig anmerken, dass der russische Witz aus der "Nase" gezogen wurde und dass die russische Literatur aus dem "Mantel" Gogols hervorging, der allerdings auch häufig abhanden kam beziehungsweise im "Sozialistischen Realismus" exekutiert wurde. | ||||||||||||
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27./28.06.2003 -
Eine Lange Nacht über 100 Jahre Tour de France
Legendäre Strapazen "Die Tour de France ist kein Radrennen, sie ist der Existenzkampf des Menschen, auf die Landstraße verlegt. Ausgetragen mit einer trotz Titanlegierung und raffinierter Schaltsysteme primitiven Maschine, die die Arbeit der Muskeln weder aufhebt noch vervielfacht, sondern lediglich über Zahnkränze mit einer Kette auf ein Rad überträgt", analysierte "ZEIT"- Autor Uwe Prieser." Die Tour de France ist eine Legende, ein Epos. Eine "Lange Nacht " mit Mythen und Episoden, mit Original-Tondokumenten und mit einem Träger des Gelben Trikots live im Studio. | ||||||||||||
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04./05.07.2003 -
Eine Lange Nacht der Flaneure
Es singt und seufzt und träumt die Stadt Geboren wurde der Flaneur im 19. Jahrhundert in Paris. Sein berühmtester Vater war der Dichter Baudelaire. Der ließ ihn spazieren auf breiten Boulevards und in prachtvollen Passagen. Der Flaneur, so schrieb er, genieße es, "in der Masse zu hausen, im Wogenden, in der Bewegung, im Flüchtigen und Unendlichen." Neugierig spaziert der Flaneur. Mit wachen Augen und Ohren und voller Denk- und Sinneslust. Er phantasiert und philosophiert. Er ist allein. Kann man überhaupt zu zweit flanieren? Eine Weile war es modern, eine Schildkröte mit sich zu führen. Der Flaneur eilt nicht. Sein Tempo ist die Gemächlichkeit. Und heute? Gibt es ihn noch im hastigen, rastlosen 21. Jahrhundert? Haben Einkaufsstrassen und Fußgängerzonen ihn vertrieben? Was braucht eine Stadt, um in ihr flanieren zu können? Darüber wird zu phantasieren und zu philosophieren sein in wandelnden Gedanken in der Langen Nacht der Flaneure. | ||||||||||||
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11./12.07.2003 -
Eine Lange Chansonnacht mit Léo Ferré
In der harten Faust die Liebe Wie viele französische Chansonpoeten begann auch Lèo Ferré im Paris der Nachkriegsjahre: in den Keller-Cabarets am linken Seine-Ufer, zusammen mit Charles Aznavour, Juliette Gréco und Yves Montand. Doch bald ging er stilistisch eigene Wege. Ferrè überschritt die Grenze zwischen kleinem Lied und großer Oper, sang seine Poesie zur Begleitung eines Sinfonieorchesters, engagierte große Chöre und schrieb gar einen Text auf Beethovens Egmont-Overtüre. Bis heute, fast ein Jahrzehnt nach Ferrès Tod, sind seine Lieder von Liebe und Anarchie, von Gewalt und Zärtlichkeit aktuell geblieben. Die Lange Nacht bringt viele der schönsten Aufnahmen, darunter auch einige der erst 2000 postum veröffentlichten letzten Platte. Im Mittelpunkt der Sendung steht ein Gespräch, das Stephan Göritz wenige Jahre vor Ferrès Tod mit ihm führte. Stellvertretend für die nachrückenden Chansongenerationen kommen in weiteren Gesprächen Jacques Higelin, Arno und Corinne Douarre zu Wort, die heute Lieder von Ferrè neu interpretieren. | ||||||||||||
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18./19.07.2003 -
Eine Lange Nacht vom Widerstand
Wenn jeder wartet, bis der andere anfängt... Jahrelang hatten die jungen Studentinnen und Studenten im Freundeskreis von Sophie und Hans Scholl diskutiert, wie sie den "gottlosen Ausbeutern und Mordbuben" widerstehen, wie sie die "blinde, stupide Führergefolgschaft" der Deutschen aufbrechen könnten. Schließlich trugen sie mit spektakulären Flugblattaktionen ihre Gedanken, ihren Widerstand in die Öffentlichkeit - bis zu jenem Morgen des 8. Februar 1943 , als sie ihre letzten Flugblätter in den Lichthof der Münchner Universität warfen, verhaftet und kurz darauf hingerichtet wurden. Fünf Jahre zuvor hatte Johann Georg Elser, jener Schreinergeselle aus der Schwäbischen Alb, sein Leben gewagt und ganz auf sich gestellt - ebenfalls in München - seinen Bombenanschlag auf Hitler vorbereitet und durchgeführt. Die gleichen Motive bestimmten Carlo Mierendorff, der sich schon Ende der Zwanziger Jahre aus seiner republikanischen Gesinnung heraus der Nationalsozialisten in den Weg stellte und sich nach seiner fünfjährigen Haft dem Kreisauer Kreis anschloss. Drei Generationen des deutschen Widerstands gegen den Nationalsozialismus stellt Peter Steinbach in dieser Langen Nacht dar. | ||||||||||||
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25./26.07.2003 -
Die Lange Oldie-Nacht
Deine Spuren im Sand... Der Blick in die Vergangenheit lässt wieder zusammenwachsen, was zusammengehört, die Realität mit der Emotion, mit Zuneigung und Abneigung und Leidenschaft. Darin liegt der geheimnisvolle Reiz der Oldies, die wieder Saiten anklingen lassen, deren Ton verschüttet war. Doch wann ist Zeit für Oldies? Immer noch kennt der Mensch magische Zeiten, die Mitternacht gehört dazu und so ist in der Langen Nacht Zeit für die Oldie-Nacht mit Rückblick auf die Zeit vor 40, 30 und 20 Jahren, also von der Kuba-Krise über Vietnamkrieg und Transit-Abkommen bis zur Heirat von Charles und Diana und Schimanskis erstem Auftritt. Zeitzeugen kommen zu Wort und natürlich die Hits der Zeit, Elvis Presley, Billy Vaughn, Janis Joplin, Middle of the Road, Queen, Phil Collins und viele andere mehr. | ||||||||||||
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01./02. August 2003 -
Eine Lange Nacht über Tango im 21ten Jahrhundert
Klango = Tango + Klangkunst Autor: Wolfgang Hagen
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08./09. August 2003 -
Eine Lange Nacht über Konsumerfahrungen in der DDR
VEB - die tun was... Zehn Jahre nach der Wiedervereinigung erzählen Frauen und Männer über ihre Konsumerfahrungen in der DDR. Für die meisten ging es nach der Abschaffung der letzten Lebensmittelmarken Ende der 50er Jahre aufwärts. Die Löhne stiegen, die Preise sanken. Junge Familien schafften sich Kühlschränke, Radio- und Fernsehtruhen, Waschmaschinen oder gar ein Auto an. In den Honeckerjahren, nach 1973, verschlechterte sich zunehmend die Versorgung der Bevölkerung. Vor allem Frauen hatten den Frust des Einkaufs zu bewältigen und sich mit immer größeren Warteschlangen und Angebotslücken herumzuschlagen. Spott und Humor half über manche Enttäuschung hinweg. Aber auch der Genugtuung und Freude über ein erstandenes, lang gesuchtes Produkt erinnert man sich bis heute. Konsumgeschichte ist gar zur wissenschaftlichen Disziplin geworden und die DDR-Intershops zum Thema von Studentenarbeiten. Fast jeder DDR-Bürger machte mit den wohlriechenden Läden seine eigenen Erfahrungen und kann darüber kleine oder große Geschichten erzählen. Für Westdeutsche bzw. Westberliner war der Intershop ein beliebter, da preiswerter Einkaufsort. Manche kauften die billigeren Waren im großen Stil und schmuggelten vor allem Zigaretten und Alkohol in den Westen. Mobile Zollkommandos des Westens griffen ein. | ||||||||||||
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15./16. August 2003 -
Eine lange HipHop-Nacht
ich will, dass man mich hört und sieht, deswegen rap ich HipHop: das sind die Jugendlichen mit Kapuzenpulli und Baseballkappe, die XXL-Jeans hängt tief im Schritt und an den Füßen Turnschuhe mit offenen Schnürsenkeln. HipHop: das ist das Sprachrohr der Minderheiten, das CNN der Schwarzen, das die Öffentlichkeit auf die wirklichen Verhältnisse in den US-amerikanischen Großstadtghettos aufmerksam macht. HipHop: das ist Gangster-Musik. Hier prahlen die harten Jungs mit ihren Waffen, mit ihren Geschichten von Sex, Gewalt und Drogen. HipHop: das ist eine literarische Revolution. In Kinderzimmern und Jugendhäusern, im Park und auf der Straße, in Kneipen und Diskotheken wird heute wieder gereimt, gedichtet und in Versen gestritten. HipHop: ist das eine schwarze Musik? Wo liegen die Ursprünge der Bewegung? Wer sind diese Jugendlichen, die HipHopper? Was ist ihr sozialer Hintergrund? Was bewegt sie? Was wollen sie? Und was ist das überhaupt: HipHop? Die lange Nacht begibt sich auf die Suche nach dem Lebensgefühl HipHop, ein Lebensgefühl, dessen Wurzeln zurück reichen in die frühen 70er Jahre in der New Yorker Bronx, und das heute in Deutschland aktueller ist denn je. | ||||||||||||
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22./23. August 2003 -
Die Lange Sissi-Nacht
Ich bin erwacht in einem Kerker Im Alter von 16 Jahren erlebt die Herzogin Elisabeth in Bayern eine Geschichte, die ihr Leben von Grund auf ändern wird. Ihr Cousin Franz Joseph, der Kaiser von Österreich, hält um ihre Hand an. Aus der einfachen Landadeligen wird die Kaiserin von Österreich. Märchen enden an dieser Stelle, doch das Leben geht weiter. Elisabeth ist am Wiener Hof unglücklich, sie flieht wann immer sie kann, lässt sich krank schreiben. Im Gegensatz zu ihrem Mann ist sie eine modern denkende Frau der Jahrhundertwende, die die Monarchie für überholt hält. Ihr rastloses Leben wird durch ein sinnloses Attentat beendet. Aus der Lebensgeschichte dieser zutiefst unglücklichen Frau ist eine Kunstfigur geworden. Sissi, die strahlende Filmheldin, die alle Schwierigkeiten mit ihren Franz Joseph meistert. | ||||||||||||
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29./30. August 2003 -
Eine Lange Nacht mit St. Petersburger Kulturemigranten
Im Dunkel der Weißen Nächte Die jüngste Hauptstadt Europas ist St. Petersburg. Petrograd. Leningrad. St. Petersburg. 300 Jahre jung. Wir werden in diesem Jahr noch viel davon hören. Umso mehr, je länger die weißen Nächte währen und je dichter sich Touristen, (Staats-)Besucher und Journalisten aus aller Welt an der Newa tummeln, um vor der Eremitage oder an der Kasse des Marijnski-Theaters Schlange zu stehen - respektive an derselben vorbeigeleitet zu werden. Um sich gegenseitig auf die Füße zu treten, wenn die restaurierten Überreste des sagenumwobenen Bernsteinzimmers jubiläumsgerecht präsentiert werden. Wir versuchen einen Blick hinter die Postkartenpracht: Was machen die Künstler, die nicht im Rampenlicht stehen? Wovon leben die letzten Musiker der Leningrader Philharmonie aus der Blockadezeit, die für Schostakowitsch und ihre Stadt gestorben wären? Gibt es Daniil Granin noch, den "Tauwetter"-Autoren, und was denkt er über die "neuen Russen", die angeblich nicht mehr in die Oper gehen, obwohl sie die einzigen sind, die sich das noch leisten können? Ist es wahr, dass niemand mehr Jewtuschenko rezitiert und die Schachspieler vom Newski-Prospekt heute an Flipperautomaten stehen? Und dass Maria, Traumfrau des deutschen Schriftstellers Ingo Schulze, nichts weiter ist als eine puschkinversessene Prostituierte? Es scheint, als hätten sich die Unverzagten, die Stolzen, die Traditionsbeflissenen auf Stadt-Inseln ins parfümierte Meer der neuen Zeit geflüchtet. Die unsichtbaren Brücken zu ihnen gilt es zu finden. | ||||||||||||
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05./ 06. September 2003 -
Eine Lange Nacht über die Villa Massimo in Rom
Sturm und Stille in Arkadien Eduard Arnold hatte die Idee. Der jüdische Industrielle, selbst leidenschaftlicher Kunstsammler und stiller Mäzen, war 1910 der Meinung: Jeder deutsche Künstler habe, frei von finanziellen Nöten, sozialem Druck, einmal in seinem Leben, zur Sensibilisierung seiner Nerven, zur Erlangung höchster Meisterschaft, sein Gebein für längere Zeit am Tiber über antiken Schutt und Glanzleistungen der Renaissance zu tragen, er habe wie Goethe, Schopenhauer, Winkelmann und andere teutonische Großdenker Rom als die bedeutendste europäische Bildungs- und Energiequelle zu erfahren. 1910 kauft er am Rande der Ewigen Stadt dem Fürsten Massimo ein großes Gelände ab, erbaut darauf eine prächtige Villa, davor eine Reihe von Ateliers und schenkt dann alles dem preußischen Staat. Die Villa Massimo! Sie war Schlachtfeld, aber auch Brutstätte von Ideen, bizzarer Theorien, Arena für linke, halbmitte, halbrechts orientierter Künstler; über ihrem Dach wehte die Fahne des Kaisers, die Italiens, die mit dem Hakenkreuz und die mit dem Adler... Ihre Stipendiaten fielen in den Schützengräben, avancierten zu Staatsartisten unter allen Fahnen, nahmen sich das Leben, wurden irre, Revolutionäre, einige auch Politiker. Bis heute gleicht das Auftauchen des Villa-Massimo-Stipendiums in der Biographie eines Künstlers, ob Maler, Musiker, Dichter, Architekt, oder Bildhauer einem Ritterschlag, bürgt für Qualität, lässt auf Großes hoffen. Heute, 90 Jahre nach ihrer Eröffnung und drei Jahre nach der gründlichen Renovierung des Paradieses, sind die Musen zurückgekehrt. Die Lange Nacht erzählt von ihren Bewohnern, deren Leben, ihren Schicksalen und setzt alle die gesammelten Bilder, Worte, Zeichen und Töne zu einem Mosaik zusammen. | ||||||||||||
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12. und 13. September 2003 -
Eine Lange Nacht über Georgische Kultur
Wo Jason das Goldene Vlies suchte In Georgien, von seinen Bewohnern Sakartwelo genannt, regieren seit altersher die Musen. Literatur, Theater, Musik und Tanz gehören zum Land und seinen Menschen wie Fladenbrot und Wein. Georgien liegt an den Südhängen des Kaukasus und ist ungefähr so groß wie Bayern. Schon die antike Mythologie wusste Wunderdinge über die Gebiete Kolchis und Iberien zu berichten. Hier jagte Jason nach dem Goldenen Vlies. Hier betörte ihn die Kindermörderin Medea. Und der Sage nach war Prometheus an einen Kaukasus-Gipfel angeschmiedet. Die Geschichte Georgiens ist eine Geschichte fortwährender Kriege. Feindselige Nachbarn suchten seit Jahrtausenden das von der Natur reich gesegnete Land zu erobern und zu unterjochen. Vor zwölf Jahren erhielt Georgien seine Unabhängigkeit zurück. Die Lange Nacht erzählt vom schweren Alltag in einem heute verarmten, von Korruption beherrschten Land. Aber auch von kulturellen Reichtümern und Traditionen und von ungebrochenen Hoffnungen und Wünschen. | ||||||||||||
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19./20. September 2003 -
Eine Lange Nacht über Amerikas Süden
Mythen, Meilen und Musik Der Christopher Columbus Transcontinental Highway ist Amerikas südlichste Verbindung vom Atlantik zum Pazifik. 2500 Meilen Asphalt quer über den ganzen Kontinent - im nüchternen Nummernsystem amerikanischer Autobahnen schlicht I-10 genannt. In den Ohren fernwehgeplagter "On the road"-Fans klingt das Kürzel verheißungsvoll nach brummenden Motoren, summenden Reifen und rauschendem Fahrtwind. Doch der verführerische Soundtrack des I-10 bietet weit mehr: Junge Wild wehren sich mit Alternative Rock gegen den Konservatismus des Bible Belt. Vergnügte Alte vergessen beim Tanz zu TexMex und Zydeco ihre harte Arbeit. Einsame Melancholiker spielen sich mit Countrymusic und Blues den Frust von der Seele. Virtuose Instrumentalisten hoben hier den Jazz aus der Taufe und bringen ihn noch heute täglich auf den Weg. Der I-10 führ von Jacksonville in Florida bis Los Angeles in Kalifornien quer durch die Wiege der amerikanischen Musik. In den Städten entlang der Straße leben junge Chartstürmer und alte Genrebegründer. Eine Lange Nacht lang singen sie ihre Lieder, erzählen von ihrer Musik und ihrer Inspiration: von Land, Leuten und der überwältigenden Natur. | ||||||||||||
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26./27.09.2003 -
Die Lange Nacht der Unendlichkeit
Ein Schwingen des Pfeils im Blauen Eine mystische, in Nebel gehüllte Masse. Ein weites Firmament. Eine Zahl, ein Zeichen oder doch das universale Seinsprinzip? Während an Werktagen der Lohn den Wert des Menschen fixiert, kann man in der freien Zeit seinen unendlichen Wert spüren. Das Gefühl wird geweckt durch die unendliche Natur, das Meer, den Himmel, durch unsere Beziehungen: Liebe, Freundschaft - unendlich wertvoller als dreißig nützliche Silberlinge. Der Mensch kann als einziges Wesen diese stürmischen, aber oft flüchtigen Wahrnehmungen des Unendlichen durch Denken in die Gewissheit transponieren. Einstein verzichtete gern auf Alkohol, weil es ihn beim Denken störte. Seine Hauptgedanken eröffneten eine neue Sicht auf das Unendliche. Wie ein Schwingen des Pfeils im Blauen kam es dem Schriftsteller und Spanienkämpfer Arthur Koestler vor, als er 1937 im Kerker saß und den Euklidschen Beweis für die Unendlichkeit der Primzahlen an der Zellenmauer nachvollzog. Mit endlichen Mitteln hatte der griechische Philosoph die Existenz der Unendlichkeit bewiesen. Nietzsche sah das Immergleiche ewig wiederkehren. Heute schwingt die Forschung zwischen Urknall und schwarzem Loch, und sie rechnet mit zahllosen Universen. Rechnet sie noch mit der Unendlichkeit? Die Natur zeigt ihre Unendlichkeit am klarsten in ihren drei Aspekten: Raum, Zeit und Materie. In Natur, Geist und Seele offenbart sich das Reich der Unendlichkeit, an dem der Mensch, auch in dieser Langen Nacht, teilhat. | ||||||||||||