Nur noch in knapp 16 Prozent der Münchener Haushalte leben Kinder unter 18 Jahren. In anderen Kommunen sieht es nicht viel besser aus. Das Leben in der Stadt ist für viele Familien unerschwinglich. Es fehlt an Spielplätzen, Kindergärten, verkehrsberuhigten Wohngebieten und vielem mehr.
Doch mittlerweile haben Kommunalpolitiker, Unternehmer und Stadtplaner erkannt, dass Städte viel verlieren, wenn die Familien abwandern oder erst gar keine Kinder geboren werden, dass Familienfreundlichkeit ein positiver Standortfaktor ist. Wenn sich beispielsweise Familienplanung mit dem Beruf vereinbaren lässt, entscheiden sich mehr junge Menschen für Kinder. Wenn Betreuungsplätze vorhanden, Wohnraum bezahlbar und das Umfeld kinderfreundlich ist, werden die Familien die Stadt nicht verlassen. Gleichzeitig wird diese Stadt dann auch für junge Menschen aus anderen Regionen anziehender. Familienfreundlichkeit ist also ein gesellschaftlicher, aber auch wirtschaftlicher Gewinn für die Städte.
In der Lebenszeit stellen wir beispielhaft vor, wie die Singlemetropole Nummer 1, München, um junge Familien wirbt, welche Konzepte Nürnberg entwickelt hat, um Familien in die Stadt zurück zu holen und wie die zukünftige Hamburger Hafencity schon jetzt versucht, eine Infrastruktur zu schaffen, die jungen Menschen eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf sichert.
Doch widerspricht das Werben um junge Familien nicht der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung, in der der Anteil der Alten immer weiter steigt? Was geschieht in Städten, die familienfreundliche Strukturen schaffen? Bleiben dort die Alten nicht vielmehr auf der Strecke, weil sich Kinderfreundlichkeit und Seniorengerechtigkeit nicht vereinbaren lassen in Zeiten angespannter Haushaltkassen?
Gesprächsteilnehmer:
• Prof. Christa Reicher, Architektin und Stadtplanerin
• Dr. Hans-Michael Brey, Deutscher Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V.
• Kurt Damaschke, Referat für Stadtplanung und Bauordnung München
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