Bis 2015 erwarten die Zeitschriftenverlage einen Umsatzrückgang von bis zu 700 Millionen Euro - und auch das Privatfernsehen klagt über Geldnot. Verlage und Sender suchen nun mit Hochdruck nach neuen Erlösquellen: im Internet, aber auch auf anderen Feldern.
Quizspiele laufen seit Jahren bei Sendern wie 9Live, DSF oder SAT.1 - für die Sender war das eine willkommene weitere Einkommensquelle. Doch auch dieses will nicht mehr so recht sprudeln, angeblich sind die Anruferzahlen um bis zu 40 Prozent zurückgegangen. Seit März müssen die Zuschauer deutlich im Programm über die Regularien des jeweiligen Spiels informiert werden, dies sieht eine Richtlinie der Landesmedienanstalten vor, nach der die Zuschauer nicht mehr in die Irre geführt werden dürfen, etwa durch kryptische Begriffe oder künstlich aufgebauten Zeitdruck.
Gegen diese Regelung haben die Sender jedoch wiederholt verstoßen: 50.000 Euro Strafe für das DSF, 30.000 Euro für Sat.1, urteilte die zuständige Kommission der Landesmedienanstalten in dieser Woche. Für den Präsidenten des Privatfunkverbands VPRT, Jürgen Doetz, eine unverhältnismäßige Maßnahme:
"Vor dem Hintergrund auch der wirtschaftlichen Situation, bei der ja auch gerade die Landesmedienanstalten zum Verständnis für private Anbieter aufrufen, halte ich das für sehr, sehr unglücklich und leider auch für eine Verschärfung der Diskussion."
Die Kommerziellen Sender wollen sich in den nächsten Jahren immer stärker von der klassischen Spotwerbung hin zu anderen Zusatzeinnahmen bewegen, die Gewinnspiele scheinen aber ausgereizt zu sein. Bei Pro7-Sat1 etwa sollen in den nächsten fünf Jahren 30 Prozent der Einnahmen aus anderen Feldern stammen, etwa aus den digitalen Bezahlkanälen Sat1 Comedy oder Kabel Eins Classics, aber auch durch kostenpflichtige Internetangebote wie dem Portal "maxdome". Die größte Herausforderung aber, so Jürgen Doetz, wird es sein, den Zuschauern eine Gebühr abzuverlangen für das hochauflösende Fernsehen - im nächsten Jahr bereits wird es im Satellitenbereich soweit sein. Jürgen Doetz:
"Wir müssen uns konzentrieren, dass wir mit unseren Inhalten Geld verdienen, egal auf welcher Plattform. Das kann der klassische Bildschirm im Wohnzimmer sein, das kann der PC sein, das kann ein Mobilgerät sein - da müssen wir eben flexibel sein. Auf allen Plattformen, mit guten Inhalten, die kosten Geld, dabei sein, und deswegen richtet sich unsere Forderung an erster Linie an die Plattformen, an die, die mit unseren Rechten, unseren Werten verdienen."
So ähnlich formulieren es auch die Verleger: Wie diese Woche auf den Zeitschriftentagen in Berlin einmal mehr deutlich wurde, haben die Verlage es satt, sich von Google und anderen Anbietern die Werbegelder im Internet wegschnappen zu lassen.
Der Axel Springer Verlag setzt im Netz auf eine Doppelstrategie: Verstärkt Geld für seine Inhalte im Internet zu verlangen sowie weiter mit Google und anderen Suchmaschinen zusammenzuarbeiten. Andreas Wiele, Mitglied im Vorstand des Axel Springer- Verlags:
"Die normale 1:0-Berichterstattung, wie man im Fußball sagt, die wird nicht bezahlt werden, die gibt's überall frei Haus, die gibt's ja auch schon im Fernsehen frei Haus, es werden nur Inhalte, die entweder exklusiv sind, Mehrwerte bieten, oder durch sonstige Aufbereitung besonders zielgruppengerecht sind, werden bezahlt werden können, und das gilt nicht nur für Spezialisten-Inhalte, das gilt mit Sicherheit auch für Boulevard-Inhalte, … einfach das, was Menschen gerne lesen, dafür sind sie auch bereit, Geld zu bezahlen."
Ein Problem war in der Vergangenheit das Abrechnungsmodell: Falls man sich einen einzelnen Artikel kaufen wollte, mussten sich die Leser bei jeder Website zeitaufwändig und umständlich neu mit ihren persönlichen Daten anmelden. Das soll nun anders werden: Die Deutsche Post bereitet in Zusammenarbeit mit den Verlagen ein Abrechnungsmodell vor, mit dem man einheitlich bei allen kostenpflichtigen Websites bezahlen kann:
"Wir begrüßen jede Initiative, die es den Konsumenten leichter macht, für Inhalte Geld zu bezahlen, dazu gehört auch, was die Post gerade als E-Brief angekündigt hat, weil es ein simples Bezahlmodell ist, und es geht letztlich um Einfachheit. Der Verbraucher muss sich einmal registrieren und dann kann es in Zukunft … mit einem einzigen Klick einen Bezahlvorgang auslösen, so ähnlich wie das bei der SMS, beim Klingeldownload der Fall ist, wenn sich das durchsetzt, sind wir einen großen Schritt weiter, und insofern begrüßen wir die Initiative der Post wie auch alle anderen Initiativen in dieser Richtung."
Bezahlmodelle sind also im Kommen - sowohl im Internet, wie im Fernsehen. Ob die Zuschauer und Leser jedoch bereit sind, für den Medienkonsum mehr Geld als bisher auszugeben, ist noch völlig offen - die Verlage und Fernsehsender werden dies wohl erst mühevoll austesten müssen.
Mehr zur Sendung:
Beiträge zum Nachhören
für diesen Beitrag
Neue Erlösquellen verzweifelt gesucht
Sendezeit: 21.11.2009 17:18
dradio-Recorder
im Beta-Test: