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06.02.2010
Ministerpräsidentin Julia Timoschenko (Bild: AP) Ministerpräsidentin Julia Timoschenko (Bild: AP)

Gekauft und inszeniert

Medien in der Ukraine

Von Dieter Wulf

Am Sonntag wird in einer Stichwahl der neue ukrainische Staatspräsident gewählt. Seit der sogenannten Orangenen Revolution vor etwas mehr als fünf Jahren gilt das Land als Demokratie, doch in punkto Medienfreiheit hat sich seit den alten Tagen der Diktatur kaum etwas geändert.

"Das hieß dann zum Beispiel Präsident Kutschma besucht irgend etwas, das ist sehr wichtig. Dann gab es Information über die Opposition und die sei zu vernachlässigen ohne weitere Kommentierung. Das bedeutete dann dass wir lediglich über den Präsidenten berichten durften."

Derartige Zensur verschwand dann tatsächlich mit der Orangenen Revolution. Ein wirklich unabhängiger Journalismus konnte sich aber trotzdem nicht entwickeln, meint die Journalistin Alyona Getmanchuk.

"Vor der Orangenen Revolution habe ich die Zeitung bei der ich arbeitete wegen der Zensur verlassen. Aber seither haben wir eine andere art von Zensur, eine Art Selbstzensur. Fast alle Journalisten wissen, dass sie für Medienunternehmer arbeiten, die fast alle Wirtschaftsoligarchen sind und mit bestimmten Parteien oder Politikern verknüpft sind. Und da wissen sie was sie jeweils sagen dürfen und was nicht. Vor der Orangenen Revolution sagte ihnen die Präsidialadministration was sie zu tun und zu sagen haben, heute sind es die Unternehmer."

Aber für diese ukrainischen Unternehmer sind die Medien eben nur Mittel zum Zweck, um ganz direkt politisch Einfluss zu nehmen. Und wirklich Geld könne man in der Ukraine auf normalem Wege mit Medien eben nicht verdienen, erst recht nicht seit der Wirtschaftskrise, meint der Journalist Oleh Khomenok, der für die amerikanische Organisation Internews arbeitet, die seit Jahren in der Ukraine unabhängigen Journalismus fördert. Daher hätten sich auch alle westlichen Investoren, die vor Jahren mal hierher kamen, längst wieder verabschiedet.

"Nachdem Yutschenko zum Präsidenten gewählt wurde, kamen mehrere ausländische Investoren, die entweder bestehende Zeitungen übernahmen oder neue gründeten. Das 'Handelsblatt' kam mit einer Wirtschaftszeitung raus, ein holländisches Unternehmen gründete eine Zeitung und auch der Schweizer Ringier Verlag war mit einer Tageszeitung präsent. Aber all diese Investoren haben sich in den letzten beiden Jahren wieder zurückgezogen. Ich vermute weil sie gemerkt haben, dass auf diesem korrupten Markt als reine Medienunternehmer nichts zu verdienen ist. Das 'Handelsblatt' hat seine Zeitung dann auch an einen der Oligarchen verkauft."

Etwa 90 bis 95 Prozent aller gedruckten und gesendeten Beiträge im Nachrichtenbereich sind in der Ukraine in Wirklichkeit gekauft und inszeniert, glaubt der unabhängige Journalistenverband. Ein Beitrag in den wichtigsten Abendnachrichten koste normalerweise zwischen vier und fünfzehntausend Dollar und zu Wahlkampfzeiten deutlich mehr, meint Yevgen Minkow, der Chefredakteur des kleinen medienkritischen Magazins Telecritica. So käme selbst in den Nachrichten nur der vor, der dafür zahlt.

"Wenn zum Beispiel eine Partei in einer großen Talkshow auftreten will, dann rufen sie den Eigentümer des Senders an, teilen ihm mit dass sie auftreten wollen und zu welcher Zeit. Sie sagen dann welche Fragen man ihnen stellen soll und welche nicht, bestimmen wer im Publikum sitzen soll und wer nicht und welchen Preis man bereit ist zu zahlen. So läuft das."

Weder der ukrainische Journalistenverband und auch die internationalen Medien-NGO's die in der Ukraine arbeiten, glauben dass sich mittelfristig an diesem System etwas ändern wird. Unabhängig davon, welcher Kandidat jetzt am Wochenende die Wahl gewinnt.


 
 

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Sendezeit: 06.02.2010 17:11

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