Champions-League-Sieg 2013: Ein Triumph für Bayern München und die ZDF-Einschaltquote (Bild: picture alliance / dpa - Kerim Okten)
Das ist absolute Königsklasse: 21 Millionen Fernsehzuschauer sahen das Finale der Champions League - das ZDF darf sich über einen Marktanteil von 62 Prozent freuen. Wie teuer dieser Spaß für den Gebührenzahler genau war, darüber schweigt man auf dem Lerchenberg allerdings lieber.
"Die erste Saison der Champions League ist beim ZDF wirklich gut gelaufen. Besser als wir erwartet haben. Und das es nun mit einem deutschen Finale gekrönt wird, das ist das Sportereignis des Jahres."
ZDF-Chefredakteur Peter Frey rechnet bei der Übertragung des Endspiels zwischen der Dortmunder Borussia und dem FC Bayern mit mehr als 20 Millionen Zuschauer und darum mit dem:
"Höchsten Einschaltimpuls des ganzen Jahres."
Keine zu hoch geschraubte Erwartung. Denn schon beim Spiel von Borussia Dortmund gegen Real Madrid fuhren die Mainzelmänner einen Marktanteil von 43,7 Prozent ein. Champions League Fußball mit deutscher Beteiligung garantiert offenbar hohe Einschaltquoten. Billig waren diese Veranstaltungen für das ZDF allerdings nicht. Dem Vernehmen nach sollen die Übertragungsrechte bis 2015 den Sender 162 Millionen Euro gekostet haben. Unter dem Strich kostet somit jedes der 18 pro Saison übertragenen Spiele drei Millionen Euro. Finanziert aus Gebührengeldern. Über die genaue Summe verliert ZDF-Chefredakteur Frey keine Silbe, sondern merkt nur an, dass das Rechtepaket doch etwas preisgünstiger gewesen sei. Und: Unter dem Strich sei die Rechnung für den Sender voll aufgegangen,
"Weil es für das ZDF mit einer Reihe von strategischen Programmzielen verbunden ist. Vor allem wird es uns gelingen, und es ist schon die ganze Saison gelungen, Informationsprogramme ins Schaufenster zu stellen wie das 'heute journal', wie das 'auslandsjournal', wie 'ZDF Zoom', die wir auf diese Weise auch an ein Publikum bringen können, das bisher im ZDF gar nicht vorhanden war."
Insbesondere die bisher unterrepräsentierte Zielgruppe unter 50. So brachte es das Auslandjournal nach dem Match zwischen Dortmund und Madrid auf einen Marktanteil von 25,5 Prozent. Vor der fußballerischen neuen Zeitrechnung des ZDF lag der Durchschnittswert dieses Magazins im Jahr 2012 bei 9,5 Prozent. Einen Quotenschub von 12,4 auf 18 Prozent erlebte durch den Fußball auch die Talkrunde bei Markus Lanz. Unter volkswirtschaftlichen Aspekten hat für den Sportökonomen Frank Daumann von der Universität Jena das gebührenfinanzierte ZDF auf diesem Spielfeld jedoch eigentlich nichts verloren.
"Im Prinzip ist hier jemand unterwegs, ein Wettbewerber zu den privaten Sendern, der eine sehr gute Finanzierung hat, der eigentlich einen anderen Auftrag hat, aber der sich genauso verhält wie ein Privater. Also in den Markt der Privaten subventioniert eintritt. Das ist das Problem."
Hinzu komme, dass nach dem Rundfunkstaatsvertrag im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nach 20 Uhr keine Werbung ausgestrahlt werden darf und somit kein Geld für eine Refinanzierung in die Kassen fließt.
"Es werden mehr Mittel aufgewendet werden müssen aus dem Gebührentopf, um hier dieses Thema zu bedienen."
Gleichwohl räumt Daumann ein, dass es dem gebührenpflichtigen Fußballfan nur recht sein kann, die Premiummarke Champions League vom ZDF geliefert zu bekommen. Ansonsten müsste er dafür bei Pay TV-Sendern tief in die Tasche greifen. Spitzensport kostet die TV-Sender viel Geld. Und das könne so manchen Sender im Umlageverbund der ARD in finanzielle Turbulenzen bringen, stellt Heiko Hilker, Mitglied des Rundfunkrates beim Mitteldeutschen Rundfunk, nüchtern fest.
Denn es gebe immer wieder Programmentscheidungen im Sportbereich …
"… die auch den MDR finanziell binden. Also sagen wir mal: wenn innerhalb der ARD 450 Millionen Euro für Sport ausgegeben werden, wie es die KEF festgestellt hat für das Jahr 2010, dann ist der MDR damit zu zehn Prozent beteiligt. Das heißt: 45 Millionen Euro sind dort weg. Wenn ich sagen würde: Also ich reduzier das auf 350 Millionen Euro, hätte der MDR auf einen Schlag zehn Millionen Euro mehr und hätte kein strategisches Defizit mehr in seinem Haushalt."
Über solche Umverteilungen muss sich ZDF-Chefredakteur Frey keine Gedanken machen. Auf dem Lerchenberg gilt das viele Geld für die Champions League als gut angelegt. Denn: Fußball ist im TV-Geschäft beste Unterhaltungsware.
"Aber das Fußball heute die Lagerfeuerqualität hat und im Programm das bedeutet, was früher die große Show bedeutet hat, darüber kann doch gar kein Zweifel bestehen."
Bliebe die Frage: was ist mit der Quote, wenn deutsche Vereine nicht so erfolgreich sind wie in dieser Saison. Denn bei Übertragungen ohne deutsche Beteiligung schauten bisher nur 3,4 Millionen, also magere 12 Prozent Marktanteil, beim ZDF vorbei.
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Das ZDF und die Champions League
Sendezeit: 25.05.2013 17:12
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