Das iranische Regime unter Präsident Mahmud Ahmadinedschad bedroht kritische Journalisten und Intellektuelle mit Repression, Zensur, Haft und Folter. Einer, der das am eigenen Leib erfahren hat, ist der iranische Journalist und Schriftsteller Akbar Ganji. Sechs Jahre lang war er wegen angeblicher "Propaganda gegen die islamische Republik" in Haft und kam erst im März dieses Jahres wieder frei.
"Im letzten Jahr hat es sowohl verstärkte staatliche Zensur, als auch Selbstzensur der Journalisten gegeben, das hat ungeahnte Ausmaße angenommen. Die Kontrolle geht soweit, dass selbst leiseste Kritik dazu führen kann, eine Zeitung für immer zu schließen. Die Abwesenheit einer kritischen Presse führt dazu, dass sozusagen nach außen der Eindruck vermittelt wird, dass die Bevölkerung mit allem einverstanden sei, was das Regime beschließt. Und das liegt eben daran, dass es die kritischen Zeitungen und Medien nicht mehr gibt."
Über 100 Journalisten wurden in den letzten Jahren inhaftiert und 80 regimekritische Zeitungen und Zeitschriften wurden verboten, darunter auch die Wochenzeitschrift "Rah-Eh-No", zu deutsch "Neuer Weg", dessen Herausgeber Ganji war. Ganji äußerte sich auf einer Iran-Konferenz im April 2000 kritisch über den Zustand seines Landes, daraufhin wurde er zusammen mit 17 anderen Journalisten und Intellektuellen auf dem Teheraner Flughafen festgenommen. Ganji verbrachte mehrere Jahre in Einzelhaft, ohne jeden Kontakt zur Außenwelt.
Die Opposition im Iran ist nicht unbedingt immer einer Meinung, sagt Ganji, aber: Sie eint der Wille zur freien Meinungsäußerung. Dies ist auf normalem Wege überhaupt nicht mehr möglich - einzig das Internet und Tausende von privaten Weblogs bieten derzeit ein Forum für Information und Meinungsaustausch. Aber auch diese Art des Publizierens ist zunehmend bedroht, sagt Akbar Ganji:
"Auch die Weblog-Autoren werden zunehmend kontrolliert, wurden verhaftet und in den offiziellen Medien werden Berichte von den Schauprozessen gezeigt, die stark an die Stalin-Zeit erinnern. Ich selbst veröffentliche alle meine Texte ebenfalls nur noch im Internet. Es gibt da so eine Art Kampf im Internet: Das Regime sperrt viele Seiten, aber wir haben Mittel und Wege, um diese Filter zu umgehen. Diese technologischen Tricks sind Teil unseres Freiheitskampfes geworden. Die Technologie gibt sowohl dem Regime Möglichkeiten, wie auch den Oppositionellen."
Wie wichtig die Weblogs, die Internet-Tagebücher sind, lässt sich an einer Zahl ablesen: Jedes vierte Weblog weltweit ist geschrieben in Farsi, der wichtigsten Sprache des Irans.
Die offiziellen Medien wie Zeitungen und Zeitschriften lesen die meisten Iraner kaum, gerade einmal rund 150.000 Exemplare verkauft die größte Zeitung des Landes, und das bei einer Einwohnerzahl von fast 75 Millionen.
Besser sieht die Situation bei den audio-visuellen Medien aus: Offiziell ist es im Iran zwar verboten, via Satellit ausländische Sender zu empfangen, nach Einbruch der Dunkelheit stellen aber fast alle Haushalte ihre Satellitenschüsseln aufs Dach. Mit diesen kann man dann ausländische TV-Sender empfangen, erzählt Ganji. Aber auch das Radio spielt eine große Rolle:
"Die Leute hören viel ausländisches Radio, wie etwa Voice of Freedom, was früher Radio Free Europe war, aber auch Deutsche Welle, BBC, Voice of America. Das sind sehr wichtige Medien für viele Menschen im Iran. Voice of America hat ja auch eine Fernsehsendung. Das Regime versucht aber, den Empfang dieser Sendung mittels Störsender zu unterbinden."
Für die Journalisten im Iran, die unter eigenem Namen und in ihrer Sprache publizieren wollen, wird die Situation aber nicht einfacher: Sie müssen Umwege gehen, wie etwa die kürzlich von Exil-Iranern gegründete Internettageszeitung "Rooz", zu deutsch "Der Tag". Die Intellektuellen Irans versuchen tagtäglich, gegen das Regime zu protestieren, aber dafür brauchen sie die Hilfe von außen, sagt Akbar Ganji:
"In offiziellen Zeitungen können wir natürlich nicht über die Verhaftungen schreiben, aber eben im Internet. Für drei prominente Inhaftierte haben wir für Mitte Juli einen Hungerstreik der Exil-Iraner angekündigt, den wir durchführen werden. Keine der iranischen Zeitungen erwähnt das, aber in den persisch- und englischsprachigen Internetmedien wird schon über unser Vorhaben berichtet. Die technologische Revolution verhindert sozusagen, dass die Gesellschaft nur über eine einzige Stimme verfügen kann."
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